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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Hundsrück-Gruppe
ID: 8000295
Hierarischer Rang: Gruppe
Erstbeschreibung: Bankwitz et al. (1989)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Vesser-Zone i.w.S. (Vesser-Komplex)
Chronostratigraphie: Kambrium (Paläozoikum)
Synonyme: Hundsrück-Serie nach Bankwitz et al. (1989, 1994); dort als hangende (ordovizische) Serie beschrieben, Teil der südlichen Phyllitzone (Pendant zur „Nördlichen Phyllitzone“); Revision und Erweiterung des stratigraphischen Profils durch Bankwitz & Bankwitz (2002). Nach Linnemann et al. (2007) wiederum hangende, kambroordovizische Einheit. Siehe Kommentar
Lithologie: Litorale, sandige Ablagerungen mit meist klastengestützten Konglomeratlagen (überwiegend Quarzgerölle in quarzitischer Matrix; Bankwitz et al. 1989), die auf rasche Beckenabsenkung oder Schüttung in störungskontrollierte Gräben sowie Transport in mass flows hinweisen. Die lithischen Sandsteine der Quarzit-Formation sind Albit- und Hellglimmer-reich. Zunehmend zum stratigraphisch Hangenden sind synsedimentäre rhyolitisch-dacitische, dann auch trachytische und andesitisch-basaltische Extrusiva eingelagert (Abb. 1).
Liefergebietsanalysen an den Psammiten (geochemische Diskriminanzanalyse und Detrituskomponenten-Analyse) lassen auf Schüttung an einem divergenten Kontinentalrand schliessen (Kemnitz et al. 1998; Kemnitz et al. 2002), vergleichbar mit der Goldisthal-Formation der NW-Flanke der Schwarzburger Antiklinale. Das Vessergebiet gehört damit noch zum Armorican Terrane Assemblage (sensu Franke 2000), bzw. zum Armorikanischen Sporn (sensu Kroner et al. 2010).
Untergeordnete Einheit: Vulkanit-Formation (Hangendes)
Quarzit-Formation (Liegendes)
(ursprünglich: „-Folge“; nach Bankwitz & Bankwitz 2002: Vulkanit-Formation = Liegendes, Quarzit-Formation = Hangendes)
Liegendgrenze: nicht bekannt
Hangendgrenze: Übergang zu rhythmischen Feinsandstein-Silt-Tonstein-Ablagerungen, die als turbiditische Ablagerungen im Übergangsbereich von Flachschelf zu Tiefschelf interpretiet werden könnten.
Mittlere Mächtigkeit: bis 460 m (nach Kompaktion/Metamorphose). Siehe Kommentar
Maximale Mächtigkeit: nicht abschätzbar
Typusprofile, etc.: Südlicher Teil des Biotops Vessertal (Nahetal) sowie Bahnanschnitte der Strecke Ilmenau-Schleusingen in diesem Bereich.
Verbreitung (Bundesländer): Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Thüringer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Saxothuringikum; einziger, geschlossen erhaltener Komplex kambroordovizischer vulkaniklastischer back-arc-Riftsequenzen (Bankwitz et al. 1989; Kemnitz et al. 2002) Perigondwanas, südlich des sich im Ordovizium öffnenden Rheischen Ozeans (Kroner et al. 2007). Nach Linnemann et al. (2007) wird die Vesser-Zone nicht mehr als Teil der „Südlichen Phyllitzone“ betrachtet. Sie wird nach diesen Autoren als eine die Mitteldeutsche Kristallinzone südlich begleitende sogenannte Externe Zone (external domain) definiert, die cadomisch geprägte back-arc-Charakteristika trägt.
Zeitgleiche Einheiten: Erbohrte sowie aufgeschlossene Teilbereiche des kambrischen Riftsystems in südwestlicher und östlich-südöstlicher Fortsetzung (Frankenwald – Torgau-Doberlug-Synklinale - Bober-Katzbach-Gebirge/Górnie Kaczawskie, im Teplá-Barrandium und in den Deckeneinheiten des Erzgebirges mit frühordovizischen bimodalen Magmatiten (Sdzuy 1957 a, b; Elicki 1994; Elicki 2007; Bankwitz & Bankwitz 1998; Furnes et al. 1994; Pin et al. 2007; Zulauf et al. 1997; Dörr et al 1999; Mingram 1998).
Alterseinstufung: Probe VE9604: Dacitische Tuffbrekzie aus dem tiefsten Bereich des vulkano-sedimentären Abschnitts der Hundsrück-Gruppe. Die Tuffbrekzie weist eine nicht-penetrative Foliation auf, die durch metamorphe Muskovit- und Chloritblastese sowie durch Orientierung der Feldspäte und tuffitische Fragmente nachgezeichnet wird. Die Zirkondaten streuen beträchtlich (MSWD = 4,35) und definieren ein unteres Schnittalter von 513 ± 5 Ma bis 522 ± 5 Ma (U-Pb Zirkon; Kemnitz et al. 1998), das eingeschränkt als Minimalalter für den Vulkanismus im Vesser-Gebiet interpretiert werden kann (Kemnitz et al. 1998). Probe VE19: Detritische Hellglimmer (> 100 µm) lieferten Mindestalter der Liefergesteine von im Durchschnitt 539 Ma (K/Ar; Rosner 1998). Ein weiteres Muskovit-Detritusalter von 528 Ma liegt von Neuroth (1997) vor (s. Abb. 1).
Kommentar: (Unteres -) Mittleres Kambrium (Kemnitz et al. 1998; Rosner 1998; Schäfer et al. 2000; Kemnitz et al. 2002);
Die stratigraphische Abfolge des Vesser-Komplexes (Bankwitz et al. 1989) wurde aus Bohrprofilen, kombiniert mit den Kartierungsdaten abgeleitet, ursprünglich unter der Annahme einer Synklinalstruktur mit einfachem Grossfaltenbau. Im folgenden diskutieren Bankwitz & Bankwitz (2002) wesentlich kompliziertere Lagerungsverhältnisse wie inverse Lagerungsverhältnisse durch Deckenbau.
Aus folgenden Gründen wird eine stratigraphisch von SE nach NW jünger werdende Abfolge wie in Kemnitz et al. (1998; ff) dargestellt vertreten: 1. korrelieren der generelle geochemische Trend der zwischengelagerten Vulkanoklastite von rhyolithisch–trachytisch im SE bis andesitisch-basaltisch im NW und ihre zeitliche Zuordnung, einschliesslich des als jüngstes Glied datierten Gabbros mit dem Modell eines aufbrechenden Riftbeckens am bereits passiven, cadomisch konsolidierten Kontinentalrand; 2. entspricht dem auch die Entwicklung der vergesellschafteten Sedimente in den Abfolgen von SE nach NW, mit zunächst grobklastischen, grabenartigen Schüttungen (Quarzit-Formation der Hundsrück-Gruppe), im folgenden nur noch feinklastischen Sedimentation eines tieferen Beckenbereichs (ab Vulkanit-Formation der Hundsrück-Gruppe bis in die höheren Teile der Vesser-Gruppe).
Problematisch ist dagegen die Mächtigkeitsabschätzung, da durch die mehrphasige variszische Deformation, insbesondere die jüngste Stapeltektonik sowohl mit Ausfall als auch mit Doppelung von Schichten zu rechnen ist. Problematisch ist deshalb auch die sehr differenziert beschriebene Lithologie (Bankwitz et al. 1989; Bankwitz & Bankwitz 2002, Bankwitz 2003; Kemnitz et al. 1998, 1999). Das betrifft insbesondere die Neuwerk-Formation (s. Vesser-Gruppe).
Versch./Sonstiges: Nach Schäfer (1997) ist der gesamte Komplex Teil des saxothuringischen Retrokeils eines mehrfach deformierten bivergenten Kollisionsorogens. Für den Vesser-Komplex sind ausgeprägte Scherzonen, verbunden mit schrägaufschiebenden Bewegungen nach SSE und Bildung einer Mylonitfoliation typisch (Schäfer 1997; Kemnitz et al. 1998). Die Mylonitfoliation fällt fast ausschliesslich mittelsteil bis steil nach NNW ein (Abb. 1), parallel zur penetrativen S2, die als letztes Inkrement von D2 verstanden wird (Kemnitz et al. 1998). Ausserhalb der lokal begrenzten Mylonitbahnen ist eine enge, steil nach SSE und NNW einfallende Faltung von Schichtung und S1 erkennbar.
Nach Kroner & Romer (2010) gehört der Vesser-Komplex in einen durch Transversalverschiebungen, Überschiebungen sowie extensionsbedingten Magmatismus gekennzeichneten Übergangsbereich zwischen den autochthonen und allochthonen Komplexen der Saxothuringischen Zone.
Die Vulkanite und sedimentären Ablagerungen sind grünschieferfaziell überprägt (Abb. 2, s. Vesser-Gruppe). Aus der Hundsrück-Gruppe liegen (lithologisch-mineralogisch bedingt) keine verwertbaren Geothermobarometer-Daten vor.
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Bankwitz P. & Bankwitz E. (2002): Kritische Bestandsaufnahme der Tektonik des Schwarzburg-Antiklinoriums (Proterozoikum) und der Vesser-Zone (Kambrium). - Z. geol. Wiss. 30: 4/5 235-262.
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Autor des Datenblattes: Kemnitz, H.
Erstellt am: 16.02.2010
Zuständige Subkommission: Subkommission Proterozoikum-Silur
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 10.01.2011
Änderung Datensatz: 10.01.2011
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Litholex Recherche vom 27.07.2017, 02:34:56.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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