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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Frankenberg-Einheit
ID: 8000260
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Kurze & Frischbutter, 1997
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Zwischengebirgskristallin von Frankenberg
Chronostratigraphie: Unterordovizium (Ordovizium, Paläozoikum)
Neoproterozoikum
Synonyme: Benennung durch Kurze & Frischbutter (1997); ältere Beschreibungen u.a. bei ROTHPLETZ (1881); SCHEUMANN, 1924, 1935; KURZE, 1966; Schwan (1974); FRISCHBUTTER, 1990, 1993;
Zwischengebirgsgneis (Kartensymbol gnalpha)
Lithologie: Bei diesen Gesteinen handelt es sich überwiegend um verschiedene Augengneise, z.T. aber auch um Glimmerschiefer. Untergeordnet eingeschaltet sind Quarzite, Metagrauwacken, Hornblendegneise und Amphibolite. Es handelt sich um eine Einheit aus granitoiden Orthogesteinen (mit anatektischen Merkmalen) und Paragesteinen. Paragesteine sind häufiger als ursprünglich angenommen. Die Gneise besitzen mylonitisch-blastomylonitische Gefüge unterschiedlicher Intensität und Ausbildung.
Untergeordnete Einheit: --
Liegendgrenze: Gestört; große Auf- und Überschiebungen.
Hangendgrenze: Gestört; zur Lichtenwalde-Formation des Zwischengebirgskristallins sind aber Übergänge angedeutet.
Mittlere Mächtigkeit: Nur sehr ungenau abschätzbar; bis zu 1000 m sind möglich
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Gebiet zwischen Frankenberg im W und der großen Striegis bei Mobendorf im E.
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Nordostteil des Zentralsächsischen Lineaments.
Zeitgleiche Einheiten: Äquivalente in der Marienweihe-Gruppe des Münchberger Kristallinkomplexes.
Alterseinstufung: Radiometrische Daten:
zu älteren K-Ar-Datierungen am Gesamtgestein s. Kurze, Pilot & Kaiser (1982);
Für einen Orthogneis von der Neumühle im Striegistal wird von Gehmlich (2003) auf der Grundlage von 207Pb/206Pb-Datierungen an Zirkonen ein Protolithalter von 484 ±8 Ma angegeben.Zirkone aus einem Paragneis aus dem Striegistal bei der Neumühle brachten Alterswerte von 532 ±16 Ma und 597 ±9 Ma, die darauf hinweisen, dass der jüngste Detritus von cadomischen Liefergesteinen stammt (Gehmlich, 2003). Rötzler et al. (1999) ermittelten für Orthogneise aus der Frankenberger Gegend eine Rb-Sr-Isochrone von 461 ±20 Ma, die als jüngstes Protolithalter gedeutet wird. Eine zweite Rb-Sr-Gesamtgesteins-Isochrone mit einem Alter von 381 ±24 Ma ist an das retrograde Stadium der Metamorphose gebunden. Alterswerte, die in diesem Bereich liegen, brachten auch 40Ar/39/Ar-Datierungen von Werner & Reich (1997) sowie mit einer gewissen Streuung auch die oben erwähnten K-Ar-Datierungen.
Kommentar: zu 7: Unterordovizium für die Orthogesteine, Proterozoikum für die Paragesteine;
Rötzler et al. (1999) zeichnen einen p-T-Pfad für das Frankenberger Kristallin, dessen höchster Druck bei 10-14 kbar und 490-520 °C liegt. Bei abfallendem Druck steigt dann die Temperatur noch auf 580-610 °C an. Ein charakteristisches Merkmal ist die abschließende starke grünschieferfazielle Überprägung des gesamten, ursprünglich höher metamorphen Zwischengebirgskristallins.
Versch./Sonstiges: Eines der Haupprobleme ist die Frage nach der Herkunft der Gesteine des Zwischengebirgskristallins. Dabei stehen Vorstellungen von weitreichenden Deckenüberschiebungen der Annahme einer mehr ortsständigen Auspressung aus dem Bereich des Zentralsächsischen Lineaments gegenüber.
Literatur: Kurze, M. & Frischbutter, A. (1997): 4.7.3.4 Proterozoikum. In Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.; Redaktion K. Hoth, H.-J. Berger & G. Mund) (1997): Stratigraphie von Deutschland II - Ordovizium, Kambrium, Vendium, Riphäikum -Teil I - Thüringen, Sachsen, Ostbayern. – Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 200: 1–437, 50 Abb., 3 Tab.; Frankfurt a.M., 257-258.

ROTHPLETZ, A. (1881): Geologische Karte von Sachsen, 1:25 000, Blatt 78 Frankenberg-Hainichen, 1. Aufl.
SCHEUMANN, K.H. (1924a): Studien über die sächsi schthüringischen Zwischengebirge. TI. Die Gestein sassoziationen im sächsischen Zwischengebirge.Nachr. bl. Geol., Paläontol., Mineral. 9/1 0, Leipzig.
SCHEUMANN, K.H. (1935): Die Rotgneise der Glimmerschieferdecke des sächsischen Granuhtgebirges.- Ber. math.-phys. Kl. Sächs. Akad. Wiss. 87, 251-286, Leipzig.
KURZE, M. (1966): Die tektonisch-fazielle Entwicklung im Nordostteil des Zentralsächsischen Lineaments.Freiberg. Forsch.h. C 201, 5-89, Leipzig.
FRISCHBUTTER, A. (1990): Prävaristische Granitoide der Fichtelgebirgisch-Erzgebirgischen Antiklinalzone und ihre Bedeutung für die Krustenentwicklung am Nordrand der Böhmischen Masse.- Veroeff. Zentralinst.
Physik Erde. 69, 153 S., Potsdam.
FRISCHBUTTER, A. (1993): Zur Geologie von Augengneisen zwischen Erzgebirge und Granulitgebirge.- Z. Geol. Wiss. 21 , 73-92, Berlin.

Gehmlich, M: (2003): Die Cadomiden und Varisziden des Saxothuringischen Terranes: Geochronologie magmatischer Ereignisse.- Freiberg: TU Bergakademie, 2003. – 129 S.: 87 Abb., 8 Tab., Kt., Anh. (Freiberger Forschungshefte; Reihe C; 500: Geowissenschaften) zugl. Diss., Univ. Jena.
Rötzler, J., Carswell, D.A., Gerstenberger, H. & Haase, G. (1999): Transitional blueschist-epidote amphibolite facies metamorphism in the Frankenberg massiv, Germany, and geotectonic implications.- J. metamorphic Geol., 16: 109-125.
Werner, O. & Reich, S. (1997): 40Ar/39Ar-Abkühlalter von Gesteinen mit unterschiedlicher p-T-Entwicklung aus dem Schiefermantel des Sächsischen Granulitgebirges.- Terra Nostra, 5: 196-198, Alfred-Wegener-Foundation, Köln.
Autor des Datenblattes: Kurze, M., Frischbutter, A.
Erstellt am: 15.02.2010
Zuständige Subkommission: Subkommission Proterozoikum-Silur
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 18.01.2012
Änderung Datensatz: 26.10.2012


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Litholex Recherche vom 21.08.2017, 17:43:51.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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