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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Zechsteindolomit-Formation (zD)
ID: 6002022
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: LEONHARD, G. (1846)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Zechstein
Chronostratigraphie: Oberperm (Lopingium) (Perm, Paläozoikum)
Synonyme: Zechsteindolomit, "Zechstein" im Odenwald und in Bohrungen südlich davon.
Lithologie: Wechselfolgen von Dolomitstein, mikritisch bis mikrosparitisch, teilweise oolithisch, grau, mit Tonstein, schluffig, grau, mit mariner Fossilführung. Im mittleren Abschnitt der Formation in der Kraichgau-Senke (Bohrungen Gemmingen, Ingelfingen) und im unteren Teil im Bereich der Odenwald-Schwelle (Raum Heidelberg, Südhessen) und nahe der Nordschwarzwald-Schwelle (Neibsheim) vorherrschend Dolomitstein, fossilführend, häufig oolithisch ausgebildet und in mehreren Horizonten verkarstet. Im oberen Teil des Dolomits tritt hier Manganvererzung auf. Die Karsthohlräume sind häufig mit roten Tonsteinen ausgefüllt. Der hangende Abschnitt der Formation besteht aus wenigen Meter mächtigen violettgrauen und grauen Ton- und Mergelsteinen mit Trockenrissen und untergeordneten Dolomitstein-Bänkchen. Die Dolomitsteine sind im Odenwald örtlich sekundär verkieselt (Raum Heidelberg).
Untergeordnete Einheit: Liegende Zechsteindolomit-Subformation (zDd) mit 50 bis 95% Dolomitstein-Anteil, hangende Zechsteinton-Subformation (zDt) mit 80 bis 95% Tonstein-Anteil.
Liegendgrenze: Basis des ersten grauen Tonsteins oder Dolomitsteins über den rotbunten oder grüngrau entfärbten Ablagerungen des Rotliegend. Das Liegende der Zechsteindolomit-Formation bilden in der Regel grobe (Odenwald) oder sandige (Fränkische Senke) terrestrische Siliziklastika des Rotliegend. Gegen die Schwellen-Achse des Odenwald-Kristallins hin wird deren Mächtigkeit immer geringer, so dass hier die Zechsteindolomit-Formation örtlich direkt auf kristallinen Gesteinen liegt. Im Gebiet der Fränkischen Senke kann an der Basis ein geringmächtiger (cm) grauer Sandstein aus aufgearbeitetem Rotliegend-Material auftreten (Gemmingen). "Kupferschiefer" oder Äquivalente sind weder in der Fränkischen Senke noch im Odenwald ausgebildet, so dass die Liegendgrenze hierüber nicht definiert werden kann.
Hangendgrenze: Die Hangendgrenze der Zechsteindolomit-Formation ist recht deutlich ausgebildet durch den Einsatz rotbrauner, schluff- und glimmerreicher Ablagerungen (Tonsteine, Schluffsteine, Feinsandsteine) der Langenthal-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: Im Gebiet der Fränkischen Senke meist 20 bis 50 m, nach Süden und Norden auf unter 10 m abnehmend. Im Ausstrichgebiet der Odenwald-Schwelle lokal sehr stark variierend, 0 bis 10 m, gegen die Schwellenachse in unregelmäßigen Buchten auskeilend.
Maximale Mächtigkeit: 70 m (östlicher Odenwald, Bohrung Bad König), 57 m (Fränkische Senke, Bohrung Ingelfingen).
Typusprofile, etc.: Schlossgraben Heidelberg (LEONHARD 1846, ANDREAE & OSANN 1896, THÜRACH 1918), heute weitgehend verwachsen. Referenzprofil für die innere Fränkische Senke sind die Bohrungen Boxberg 1 südlich Boxberg, Main-Tauber-Kreis (TRUSHEIM 1964) und Kraichgau 1002 bei Gemmingen, Kreis Heilbronn; für den Odenwald der ehemalige Aufschluss Forstel-Hummetroth (BACKHAUS 1961; heute verfüllt), ehemalige Tongrube Vierstöck (BACKHAUS 1979, 1980, SCHWEISS 1984; heute fast vollständig verfüllt), Meißelbohrung Bad König, Kernbohrung Langenthal (HUG & VERO 2008).
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Hessen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Odenwald, Spessart, Rhön
Verbreitung (Ergänzung): Schon kurz vor 1850 belegten erste Funde von Schizodus obscurus (SOWERBY) und Bakevellia antiqua (MÜNSTER) im Zechsteindolomit bei Heidelberg die stratigraphische Stellung des dortigen Zechsteindolomits (STIZENBERGER 1851, LEONHARD 1861). Die weiteren Fossilfunde in der Zechsteindolomit-Formation im Odenwald (v. a. fossilreiches Vorkommen Forstel-Hummetroth, BACKHAUS 1961) und in den Bohrungen Mergentheim und Boxberg 1 hat TRUSHEIM (1964) zusammengestellt (Nomenklatur revidiert von E. Nitsch, 2008): Foraminiferen: Glomospirella umbilicata (CUSHMAN & WATERS), Cornuspira kinkeli SPANDEL; Bivalven: Astartella vallisneriana (KING), Aviculopinna prisca (MÜNSTER), Bakevellia antiqua (MÜNSTER), Bakevellia ceratophaga (SCHLOTHEIM), Bakevellia sedgwickiana (KING), Edmondia elongata (HOWSE), Elimata permiana (KING), Janeia biarmica (VERNEUIL), Liebea squamosa (SOWERBY), Schizodus schlotheimi (GEINITZ), Schizodus truncatus (KING); Dentalien: Laevidentalium speyeri (GEINITZ); Gastropoden: Anomphalus permianus (KING), Loxonema altenburgensis (GEINITZ), Naticopsis minima (BROWN), Omphaloptychia sp., Straparollus ("Serpula") planorbitis (GEINITZ), ?Polytropis cf. Obtusus (BROWN); Pflanzenreste: Archaeopodocarpus germanicus (WEIGELT), Ullmannia bronni (GÖPPERT), Volzia sp., Zweigreste, Nadeln, Pollen und Sporen.
Zeitgleiche Einheiten: Werra-Karbonat (z1CA), Rothenberg-Formation (Pfalz)
Alterseinstufung: Biostratigraphische Korrelation und palöogeographische Vergleiche mit der angrenzenden Spessart-Region (PAUL, 1985) führten zur Korrelation mit der marinen Phase der z1-Folge (z1) (Werra-Karbonat, z1CA) und konnten frühere Alterseinstufungen (BACKHAUS 1980: "Ca1" bis "Ca3") widerlegen.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: --
Literatur: LEONHARD, G. (1846): Geognostische Skizze des Großherzogthums Baden.- 112 S., 1 Kt., Stuttgard (Schweizerbart).
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CHELIUS, C. (1894): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1:25000, Blatt 6119 Groß-Umstadt. - 52 S., faks. Nachdruck der 1. Aufl., erschienen 1994 in Wiesbaden; Darmstadt (A. Bergsträsser).
KLEMM, G. (1900): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1:25000, Blatt 6419 Beerfelden.- 23 S., faks Nachdruck der 1. Aufl., erschienen 1994 in Wiesbaden; Darmstadt (Hess. Staatsverlag).
KLEMM, G. (1928): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1:25000, Baltt 6319 Erbach und 6320 Michelstadt.- 45 S., faks. Nachdruck der 2. Aufl., erschienen 1994 in Wiesbaden; Darmstadt (Hess- Staatsverlag).
KLEMM, G. (1910): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1:25000, Baltt Messel 6018 Langen.- 114 S., faks. Nachdruck der 2. Aufl., erschienen 1994 in Wiesbaden; Darmstadt (Hess- Staatsverlag).
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Nitsch, E. & Zedler, H. (2009): Oberkarbon und Perm in baden-Württemberg.- LGRB-Informationen 22:7-102, Freiburg i. Br.
Autor des Datenblattes: --
Erstellt am: 19.01.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 23.04.2010
Änderung Datensatz: 31.05.2010
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Litholex Recherche vom 28.07.2017, 08:40:57.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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