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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Rottweil-Formation
ID: 5002002
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Hagdorn, Horn, Simon 1993
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Oberer Muschelkalk
Chronostratigraphie: Fassanium (Ladinium, Mitteltrias, Trias, Mesozoikum)
Synonyme: Rauhwacke (Hehl 1823-1824; von Hehl zum Zechstein gestellt); poröser Kalkstein, Dolomit (Alberti 1826); Nagelfelsen, Malbstein (Alberti 1834); unterer dolomitischer Kalkstein (Alberti 1864; zum Keuper gestellt); Dolomit mit Trigonodus (Sandberger 1864; dieser Begriff wurde von Sandberger zunächst auf die Quaderkalk-Formation Unterfrankens angewendet, in der Trigonodus sandbergeri häufig vorkommt, und dann auf die Dolomite der Folge m9 im Südwesten übertragen); Oberer Muschelkalkdolomit (Moesch 1857); dolomitische Schichten, dolomitische Region (Benecke 1877); Untere Dolomite der Lettenkohle (Preussische Geologische Landesanstalt); modelta, mod, mo2D (Geologische Karte von Baden-Württemberg); Trigododusdolomit, Trigonodusdolomit-Formation (GLA 1995). In Frankreich: Dolomie à Trigonodus (Theobald 1952).
Lithologie: Zyklisch gegliederte, bankige, teilweise auch massige, häufig poröse, stark klüftige, hellgraue, verwittert oft ockerfarbige Dolomitgesteine im Oberen Muschelkalk des südlichen Teilbeckens. Liegend- und Hangendgrenze nicht isochron. Diagenetische Dolomitisierung. Lithologie (Alesi 1984): Hellgraue bis ockergraue, verwittert ockerfarbige, mittel- bis dickbankige Dolosparite, seltener Dolomikrite, durch Dolomitisierung stark umkristallisierte Oolithe, Algenlaminite (z. T. mit Teepee-Strukturen, Trockenrissen (mudcracks), Limonitkrusten) und Onkolithe (Girvanella-Onkoide); das stark senkrecht klüftige Gestein ist häufig porös und kavernös und verwittert sandig (kleine Dolomitkristalle). Als Hohlkehlen verwitternde Schichtfugen mit etwas mergeligerem Dolomit trennen horizontbeständig 3 – 3,5 m (regional auch 2 – 5 m) mächtige Dolomitsteinkomplexe von zyklischem Aufbau. Oolithe und Schill sind oft selektiv verkieselt; daneben treten Hornsteinlagen auf. Besonders häufig im unmittelbar Liegenden von Algenlaminiten treten Gipsknollen bzw. Hohlräume nach Gipsknollen von 0,5 – 5 cm ? auf, die mit neomorphem Kalzit ausgekleidet sein können. Wo tonig-mergelige Sedimente zwischen den Karbonatlagen weitgehend fehlen, zeigt sich die Zyklizität im Gamma-Ray-Log nicht sehr deutlich, so dass die Korrelierung von Zyklen kaum möglich ist. Entsprechende Gamma-Ray-Signaturen lassen allerdings die generelle Position eines Profils im lagunären Bereich der Karbonatrampe erkennen (Aigner et al. 1995). Die Rottweil-Formation entstand in einem brachyhalinen bis hypersalinaren, lagunären, intertidalen bis supratidalen Ablagerungsraum zwischen klastischer Randfazies und kalkig-toniger Beckenfazies (Alesi 1984, Aigner et al. 1995).
Untergeordnete Einheit: Hangendoolith (= Oberer Oolith); Lumachellenhorizont; Hauptterebratelbank, die sich von der Meißner-Formation in randliche Bereiche der Rottweil-Formation verfolgen lässt.
Liegendgrenze: Obergrenze der Meißner-Formation (im südlichen Württemberg Plattenkalke, im Wutachgebiet dicht über Tonhorizont 3, am Hochrhein bis unter die Spiriferinabank reichend; nach Osten vor dem Vindelizischen Land im Streifen zwischen klastischer Randfazies und kalkig-toniger Beckenfazies Obergrenze Mittlerer Muschelkalk; nach Norden bis zur Hauptterebratelbank ansteigend.
Hangendgrenze: Obergrenze der Meißner-Formation (im südlichen Württemberg Plattenkalke, im Wutachgebiet dicht über Tonhorizont 3, am Hochrhein bis unter die Spiriferinabank reichend; nach Osten vor dem Vindelizischen Land im Streifen zwischen klastischer Randfazies und kalkig-toniger Beckenfazies Obergrenze Mittlerer Muschelkalk; nach Norden bis zur Hauptterebratelbank ansteigend.
Mittlere Mächtigkeit: Vom Mittleren Neckarraum ausgehend ab dem Bereich der Hauptterebratelbank nach Süden immer tiefer und höher greifend und im Wutachgebiet über 30 m.
Maximale Mächtigkeit: Hochrhein und Schweiz: 50 m
Typusprofile, etc.: Typusprofil: Schotterwerk Frommenhausen TK 25: 7519 Rottenburg am Neckar, R 34 90 240, H 53 64 960.
Referenzprofile: Schotterwerk Markgröningen (Schönbühlhof) TK 25: 7120 Stuttgart Nordwest, R 35 02 800, H 54 17 400.
Aufgelassener Steinbruch und Straßenböschung bei Bösingen-Herrenzimmern nahe Rottweil, TK 25: 7717 Oberndorf, R 34 69 600, H 53 43 150.
Kernbohrung 52, Bürgerwaldtunnel TK 25: 8315 Waldshut, R 34 46 000, H 52 76 900.
Forschungsbohrung Dinkelsbühl 1001, TK 25: 6829 Weiltingen, R 36 00 780, H 54 34 020.
Thermalwasserbohrung Neu-Ulm, TK 25: 7625 Ulm-Südwest, R 35 73 101, H 53 61 248.
Tiefbohrung Weiach (CH), 8416 Hohentengen, R 34 59 300, H 52 69 550.
Tiefbohrung Benken (CH), 8817/8417 Jestetten, R 35 73 750, H 52 78 550.
Typusregion: Südliches Baden-Württemberg.
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: Meißner-Formation, Quaderkalk-Formation, Trochitenkalk-Formation, Grafenwöhr-Formation, Irrel-Formation, Gilsdorf-Formation, Schengen-Formation; vgl. Hagdorn & Simon (2005).
Alterseinstufung: Biostratigraphie (Philippi 1898), Zyklostratigraphie (Menning et al. 2005).
Kommentar: Wegen der Seltenheit von Ceratiten keine hochauflösende Biostratigraphie.
Versch./Sonstiges: Die Rottweil-Formation bildet den östlichen lagunären Dolomitgürtel, der dem Vindelizisch-Böhmischen Land vorgelagert ist; zum westlichen Dolomitgürtel (Umrandung des Zentralmassivs und der Ardennen) gehört in Deutschland die stärker terrigen geprägte Irrel-Formation der Trierer Bucht und der Eifel. Die anisochrone Untergrenze der Rottweil-Formation belegt, dass die lagunäre Fazies sich mit der Zeit weiter nach Norden ausdehnte.

Der Begriff Trigonodus-Dolomit sollte vermieden werden, weil er (1) von Sandberger (1864) ursprünglich für die Schillkalksteine der Quaderkalk-Formation geprägt wurde, (2) weil das namengebende Fossil darin nur lokal und in den obersten Lagen, außerdem wesentlich seltener als in der Quaderkalk-Formation vorkommt.

Wirtschaftliche Verwendung: Wird in Schotterwerken wegen der relativ geringen Frostbeständigkeit des Dolomits meist abgeräumt. Größere Blöcke im Landschaftsbau (Trockenmauern, Dekorationssteine im Gartenbau). Lokal Verwendung zur Düngerherstellung, bei guter Qualität auch als Schotter.

Bei höherer Mächtigkeit stark verkarstet und bedeutender Grundwasserleiter; im Alpenvorland Thermalwasser.
Literatur: Aigner, T., Schauere, M., Junghans, W.-D. & Reinhardt, L.(1995): Outcrop gamma-ray logging and ist applications: examples from the German Triassic. – Sedimentary Geology 100: 47-61, 13 Figs.; Amsterdam.

Alberti, F. V. (1826): Die Gebirge des Königreichs Württemberg in besonderer Beziehung auf Halurgie. Mit Anmerkungen und Beilagen von Prof. D. Schübler in Tübingen. – 326 S., 5 geognostische Karten, Stuttgart (Cotta).

Alberti, F. V. (1834): Beitrag zu einer Monographie des Bunten Sandsteins, Muschelkalks und Keupers, und die Verbindung dieser Gebilde zu einer Formation. – Reprographischer Nachdruck der Ausgabe Stuttgart (Cotta) 1834. Mit einem Vorwort des Herausgebers und einem biographischen Essay von W. HANSCH, 366+47 S., 2 Beil.; Ingelfingen (1998).

Alberti, F. V. (1864): Überblick über die Trias, mit Berücksichtigung ihres Vorkommens in den Alpen. – 353 S., 7 Taf.; Stuttgart (Cotta).

Alesi, E. J. (1984): Der Trigonodus-Dolomit im Oberen Muschelkalk von SW-Deutschland. – Arbeiten aus dem Institut für Geologie und Paläontologie der Universität Stuttgart, Neue Folge 79: 1-53, 23 Abb., 1 Tab., 3 Taf.; Stuttgart.

Benecke, E. W. (1877): Über die Trias in Elsass-Lothringen und Luxemburg. – Abhandlungen zur geologischen Spezialkarte von Elsass-Lothringen 1: 490-829, 7 Taf. , 2 Karten; Straßburg.

GLA Baden-Württemberg (Hrsg.) (1995): Symbolschlüssel Geologie (Teil 1). - Informationen GLA: 5- 36; Freiburg i. Br.

Hagdorn, H., Horn, M. & Simon, T. (1993): Vorschläge für eine lithostratigraphische Gliederung und Nomenklatur des Muschelkalks in Deutschland. – In: Hagdorn, H. & Seilacher, A. (Hrsg.), Muschelkalk. Schöntaler Symposium 1991 (= Sonderbände der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg 2): 39-46, 1 Tab.; Korb (Goldschneck).

Hagdorn, H. & Simon, T. (2005): Der Muschelkalk in der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2002. – Newsletter on Stratigraphy 41 (1-3): 143-158, 2 Abb., 2 Taf.; Stuttgart.

Hehl, J. C. L. (1823-1824): Beiträge zur geognostischen Kenntniß von Württemberg, entworfen im Jahr 1822. – Correspondenzblatt des Württembergischen Landwirtschaftlichen Vereins 3: 71-149; 4: 129-154; Stuttgart.

Menning, M., Gast, R., Hagdorn, H., Käding, K.-Ch., Simon, T., Szurlies, M. & Nitsch, E. (2005): Zeitskala für Perm und Trias in der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2002, zyklostratigraphische Kalibrierung der höheren Dyas und Germanischen Trias und das Alter der Stufen Roadium bis Rhaetium 2005. – Newsletters on Stratigraphy 41 (1/3): 173-210, 1 Fig., 3 Tab.; Stuttgart.

Moesch, C. (1857): Das Flötzgebirge im Kanton Aargau. – Neue Denkschriften der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft 15. – Basel.

Philippi, E. (1898): Die Fauna des unteren Trigonodus-Dolomits vom Hühnerfeld bei Schwieberdingen und des sogenannten „Cannstatter Kreidemergels“. – Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg 54: 145-227, 6 Taf.; Stuttgart.

Sandberger, F. (1864): Beobachtungen in der Würzburger Trias. – Würzburger naturwissenschaftliche Zeitschrift 5: 201-231; Würzburg.

Sandberger, F. (1868): Die Gliederung der Würzburger Trias und ihrer Aequivalente. – Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie1868: 234, 362 und 623; Stuttgart.

Theobald, N. (1952): Stratigraphie du Trias Moyen dans le Sud-Ouest de l´Allemagne et de Nord-Est de la France. – Publications de l´Université de la Sarre: 1-64, 14 fig., 2 tav.; Saarbrücken.
Autor des Datenblattes: Hagdorn, H. & Simon, T.
Erstellt am: 19.04.2013
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 19.04.2013
Änderung Datensatz: 26.04.2013
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Litholex Recherche vom 22.07.2017, 14:53:43.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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