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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Protocanitesgrauwacken-Formation
ID: 5000028
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Symbolschlüssel Baden-Württemberg, 1995
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Unterkarbon von Badenweiler-Lenzkirch
Chronostratigraphie: Viséum (Unterkarbon, Karbon (Euro.), Paläozoikum)
Tournaisium (Unterkarbon, Karbon (Euro.), Paläozoikum)
Synonyme: Protocanites-Schichten, Protocanitengrauwacken; Kürzel im „Symbolschlüssel Geologie“: cdP
Lithologie: Die Einheit besteht aus fein- bis mittelkörnigen Grauwacken, die teilweise Feinkies aus Quarz, Feldspat und Vulkanitbruchstücken führen. Eingelagert sind örtlich gelb und grün verwitternde Ton-, Schluff- und Sandsteine, die auch Intraklasten in den Grauwacken bilden. Die Schichtung ist wegen der tektonischen Deformation meist schlecht bis nicht zu erkennen. Selten sind Gleitkörper aus z. T. oolithischen Kalksteinen, Tuffe, neritisches Benthos (Crinoiden, Korallen, u. a.) führende Grauwacken und Schluffsteinen eingeschaltet.
Untergeordnete Einheit: Die eingeglittenen neritischen Sedimentschollen werden im Sinne eines Fazieskörpers als Kälberwaid-Sedimente bezeichnet (Sittig 1967, Symbolschlüssel LGRB 2011).
Liegendgrenze: Tektonischer Kontakt zu den Randschollen der Badenweiler-Lenzkirch-Zone. Wahrscheinlich stellen die örtlich eingeschuppten Schollen von (devonischem) Schönau-Tonstein das einstige stratigraphisch Liegende dar.
Hangendgrenze: Meist tektonisch oder intrusiv (Granit, Granitporphyr), ansonsten Überlagerung durch Vulkanite des Vulkanitkomplexes der BLZ.
Mittlere Mächtigkeit: Unsicher wegen tektonischer Deformation, wahrscheinlich mehrere 100 m.
Maximale Mächtigkeit: Möglicherweise > 1000 m (Lenzkirch).
Typusprofile, etc.: Typusregion ist die Umgebung von Schönau.
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwarzwald
Verbreitung (Ergänzung): In der Zone von Badenweiler-Lenzkirch von Neuenweg bis Lenzkirch.
Zeitgleiche Einheiten: Kulm des Rhenoherzynikums, teilweise.
Alterseinstufung: Mittleres Tournaisium bis Viséum nach den Ammonitenfunden und benthischen Assoziationen der Gleitschollen (Sawatzki & Hann 2003). Bisher sind je ein Exemplar von Becanites abnobensis (Vöhringer) und Ammonellopsites princeps (Sittig) gefunden worden (Spiegelhalter 1910, Sittig 1969, Sawatzki & Hann 2003). In den Kälberwaid-Sedimenten fand Sittig (1963) benthische Leitformen (Brachiopoden, Muscheln, Schnecken, Trilobiten) des Viséum.
Kommentar: Detritische Zirkone ergaben devonische (384–371 Ma) und ältere Bildungsalter der Liefergesteine (Hegner et al. 2005).
Versch./Sonstiges: Die Schwermineralfraktion der Grauwacken weist auf Liefergebiete in einem nicht erhaltenen Ophiolithkomplex hin, geochemische Signale auf ein Liefergebiet in einem aktiven Kontinentalrand mit devonischen Inselbogen-Magmatiten, Graniten und Gneisen (Güldenpfennig & Loeschke 1991, Güldenpfennig 1998, Hegner et al. 2005).
Literatur: Geyer, M., Nitsch, E. & Simon, T. (2011): Geologie von Baden-Württemberg (5. Aufl.). – 627 S.; Stuttgart (Schweizerbart).
Güldenpfennig, M. (1998): Zur geotektonischen Stellung unterkarbonischer Grauwacken und Vulkanite der Zone von Badenweiler-Lenzkirch (Südschwarzwald). – Z. dt. geol. Ges., 149: 213–232; Stuttgart.
Güldenpfennig, M. & Loeschke, J. (1991): Petrographie und Geochemie unterkarbonischer Grauwacken und Vulkanite der Zone von Badenweiler-Lenzkirch in der Umgebung von Präg (Südschwarzwald). – Jh. Geol. Landesamt Baden-Württ., 33: 5–32; Freiburg i.Br.
Hegner, E., Gruler, M., Hann, H.P., Chen, F. & Güldenpfennig, M. (2005): Testing tectonic models with geochemical provenance parameters in Greywacke. – J. Geol. Soc. London, 162: 87–96; London.
Sawatzki, G. & Hann, H.P. (2003): Erläuterungen zur Geologischen Karte der Badenweiler-Lenzkirch-Zone im Südschwarzwald (1 : 50 000) mit Hinweisen für Exkursionen. – 182 S, 2 Beil.; Freiburg i.Br. (LGRB).
Sittig, E. (1961): Ein mariner Horizont des Visé und seine Fauna. – Jh. Geol. Landesamt Baden-Württ., 5: 195–242; Freiburg i.Br.
Sittig, E. (1963): Synsedimentäre Rutschungen im Unterkarbon des Südschwarzwaldes. – Oberrhein. Geol. Abh., 12: 81–94; Karlsruhe.
Sittig, E. (1967): Zur Fazies und Verbreitung des marinen Viséum (Oberes Unterkarbon) im Südschwarzwald. – Oberrhein. Geol. Abh., 16: 37–43; Karlsruhe.
Sittig, E. (1969): Zur geologischen Charakterisierung des Moldanubikums am Oberrhein (Schwarzwald). – Oberrhein. Geol. Abh., 18: 119–161; Karlsruhe.
Spiegelhalter, F. (1910): Ein Goniatit aus dem südlichen Schwarzwald. – Cbl. Mineral. Geol. Paläont., 1910: 506–510; Stuttgart.
Symbolschlüssel Baden-Württemberg (1995): Symbolschlüssel Geologie (Teil I) und Bodenkunde Baden-Württemberg (Bearb. von E. Villinger & W. Fleck). – GLA-Informationen, 5: 69 S.; Freiburg i. Br.
Autor des Datenblattes: Nitsch, E., Zedler, H.
Erstellt am: 02.07.2012
Zuständige Subkommission: Subkommission Karbon
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 19.12.2012
Änderung Datensatz: 02.07.2012


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Litholex Recherche vom 23.07.2017, 14:46:53.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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