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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Stuttgart-Formation
ID: 5000003
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Jäger 1827: „Sandstein von Stuttgart oder Schilfsandstein“, Gwinner 1980: „Stuttgart-Folge“, Duchrow 1984: „Stuttgart-Gruppe“, Beschluss SKPT am 2.5.1997: Stuttgart-Formation (DSK 2005).
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Mittlerer Keuper
Chronostratigraphie: Tuvalium (Karnium, Obertrias, Trias, Mesozoikum)
Julium (Karnium, Obertrias, Trias, Mesozoikum)
Synonyme: Schilfsandstein und Dunkle Mergel i. e. S. (regional, insbesondere in Süddeutschland), Schilfsandstein ohne Dunkle Mergel i. w. S. (regional, v. a. Nord- und Ostdeutschland, westl. Rheinland-Pfalz), Schilfsandstein und Untere Bunte Mergel (Hochrhein), Schilfsandstein-Formation, Schilfsandstein-Schichten (regional nur teilweise, da unterschiedlich abgegrenzt), Stuttgart-Folge; Kürzel im „Symbolschlüssel Geologie“: kmSt.
Lithologie: Die Stuttgart-Formation besteht aus dunkelgrauen bis dunkelvioletten oder graugrünen bis grünen, seltener rotbunten, meist sandigen Schluff- und Tongesteinen mit Einlagerungen von tonigen fein- bis mittelkörnigen Sandsteinen. Die Sandsteine treten als Bänke, Rinnenfüllungen und Teil von Rinnenfüllungen auf, können örtlich den größten Teil des Profils ausmachen, aber auch in mächtigen Rinnenfüllungen ganz fehlen. Untergeordnet treten tonig-schluffige Kohlen geringer Mächtigkeit und dünne Dolomitsteinbänke auf.
Untergeordnete Einheit: An der Basis Osterhagen-Horizont (Duchrow 1984) aus Ton- und Dolomitsteinen mit Sandsteinlagen (in Süddeutschland auch „Thürachs Übergangsschichten“ genannt, jedoch nicht überall erhalten), Unterer Schilfsandstein, meist als Auffüllung eines z. T. erheblichen Paläoreliefs (Talfüllungen aus Ton- und Sandsteinen), Gaildorf-Horizont (Tonsteine mit Dolomit- oder Kalksteinen und Sandsteinbänken), Oberer Schilfsandstein und Dunkle Mergel (im engeren Sinne), letztere am Hochrhein und südlichen Oberrhein rotbraun („Untere Bunte Mergel“ der Nordschweiz). Die Einheiten werden gewöhnlich zu einer Dreigliederung in Untere (Osterhagen-Horizont), Mittlere (Unterer Schilfsandstein und Gaildorf-Horizont) und Obere (Oberer Schilfsandstein und Dunkle Mergel s. str.) Stuttgart-Formation herangezogen (DSK 2005, Franz 2008, Barnasch 2009), alternativ aber auch für eine Zweiteilung an der Basis des Gaildorf-Horizonts (Kozur & Bachmann 2010). Randlich in Süddeutschland grobsandige Einschüttungen und z. T. Gerölle: Lichtenau-Sandstein (grobkörnig) und Ansbach-Sandstein (mit vindelizischer Provenienz), ardennische Randfazies (mit Geröllen im Oberen Schilfsandstein), die bislang (Stand 2010) formal nicht als eigenständige Formationen abgegrenzt werden.
Liegendgrenze: Basis ist die Diskordanz D2.1 unter dem Osterhagen-Horizont.
Hangendgrenze: Dach ist die Basis des Beaumont-Horizontes oder, wo dieser nicht erkennbar ist, die Faziesgrenze von Schilfsandstein-Fazies oder Dunkle-Mergel-Fazies gegen die Rote-Wand-Fazies.
Mittlere Mächtigkeit: Kleinräumig wechselnd, wenige Meter bis über 60 m, oft erosiv ins Liegende eingetieft.
Maximale Mächtigkeit: Bis 100 m (Mecklenburg-Vorpommern, Glückstadt-Graben).
Typusprofile, etc.: Stuttgart, Ausstellungsgelände Killesberg („Tal der Rosen“) mit aufgelassener Abbauwand des „Stuttgarter Bausandsteins“ (TK25 7120 Stuttgart-Nordwest R 35 12 500 H 54 07 600)
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Mittelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): In ähnlicher Fazies auch in Polen und Nordfrankreich verbreitet.
Zeitgleiche Einheiten: Gegen die Beckenränder im Süden (Vindelizisches Hochland im heutigen Alpenvorland, Ardennensüdrand) wird die nordische Sandfazies zunehmend von lokalen Schüttungen ersetzt; vindelizische Randfazies-Äquivalente sind möglicherweise unerkannt in Benk- oder Hassberge-Fm. verborgen. Geht südlich Lyon in eine „Lettenkohlen“-Fazies über. Im Untergrund der Niederlande durch lakustrine Tonfazies vertreten (DSK 2005).
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Karnium, Julium bis tieferes Tuvalium nach Palynomorphen, Conchostraken, Vertebraten. Radiometrie: Zirkon-Kornalter (FT) 224+15 Ma (Köppen 1997). Magnetostratigraphie: Hahn (1986) berichtet von normal und von invers magnetisierten Proben, die sich jedoch nicht feinstratigraphisch innerhalb der St.-Fm. zuordnen lassen (vgl. Dittrich 1989). Stratigraphische Position der paläomagnetischen Grenzen daher unklar.
Kommentar: Rasche laterale Fazieswechsel zwischen Tonsteinfazies und Sandsteinfazies; in Geol. Kartendarstellungen sind meist nur die Sandsteine kartiert. Der traditionelle Name „Schilfsandstein“ sollte entsprechend nur für die Sandstein-Fazies innerhalb der Stuttgart-Formation verwendet werden und nicht für die gesamte Formation.
Versch./Sonstiges: Bedeutende Fossillagerstätte (Makroflora, Vertebraten; Literatur s. DSK 2005).
Literatur: Bachmann, G.H., Geluk, M.C., Warrington, G., Becker-Roman, A., Beutler, G., Hagdorn, H., Hounslow, M.W., Nitsch, E., Röhling, H.-G., Simon, T. & Szulc, A., with contributions by Michiel Dusar, M., Nielsen, L.H., Barnasch, J. & Franz, M. (2010): Triassic. – In: Doornenbal, J.C. & Stevenson, A.G. (editors): Petroleum Geological Atlas of the Southern Permian Basin Area: 149–173; Houten (EAGE Publications).
Barnasch, J. (2009): Der Keuper im Westteil des Zentraleuropäischen Beckens (Deutschland, Niederlande, England, Dänemark): diskontinuierliche Sedimentation, Litho-, Zyklo- und Sequenzstratigraphie. – Diss. Univ. Halle: 222 S., 28 S. Anl.; Halle (http://digital.bibliothek.uni-halle.de).
DSK (2005): Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.): Stratigraphie von Deutschland IV – Keuper. – Courier Forschungsinst. Senckenberg 253: 296 S., 64 Abb., 50 Tab., 2 Taf.; Frankfurt am Main. – [darin weitere Literaturhinweise]
Dittrich, D. (1989): Der Schilfsandstein als synsedimentär-tektonisch geprägtes Sediment – eine Umdeutung bisheriger Befunde. – Z. dt. geol. Ges. 140: 295–310.
Duchrow, H. (1984): Keuper. – In: Klassen, H. (Hrsg.): Geologie des Osnabrücker Berglandes: 221–334, 1 Tab, 8 Anl.; Osnabrück (Naturwiss. Museum).
Franz, M. (2008): Litho- und Leitflächenstratigraphie, Chronostratigraphie, Zyklo- und Sequenzstratigraphie des Keupers im östlichen Zentraleuropäischen Becken (Deutschland, Polen) und Dänischen Becken (Dänemark, Schweden). – Diss. Univ. Halle-Wittenberg: 198 S., 62 S. Anhang; Halle (http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/diss-online/08/09H048/).
Köppen, A. (1997): Faziesentwicklung in der frühen Obertrias Mitteleuropas – ein sequenzstratigraphischer Vergleich. – Diss. Univ. Heidelberg; Gaea heidelbergensis 2: 233 S.
Kozur, H.W. & Bachmann, G.H. (2010): The Middle Carnian Wet Intermezzo of the Stuttgart Formation (Schilfsandstein), Germanic Basin. – Palaeogeogr., Palaeoclimatol., Palaeoecol., 290: 107–119; Amsterdam.
Nitsch, E. (2005): Der Keuper in der STD 2002: Formationen und Folgen. – Newsletters on Stratigraphy, Stuttgart.
Nitsch, E. (2008): Wortgeschichten aus der Keuperstratigraphie, IV: Schilfsandstein. – Z. dt. Ges. Geowiss, 159: 651–656; Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Nitsch, E., Barnasch, J., Dittrich, D., Farrenschon, J., Franz, M., Heunisch, C.
Erstellt am: 13.01.2011
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 30.08.2010
Änderung Datensatz: 16.02.2011


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Litholex Recherche vom 20.07.2017, 20:44:02.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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