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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Erfurt-Formation
ID: 5000001
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Hoffmann 1830 „Unterer Keuper“, Beschluss SKPT am 3.05.1997: Erfurt-Formation (DSK 2005).
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Unterer Keuper
Chronostratigraphie: Langobardium (Ladinium, Mitteltrias, Trias, Mesozoikum)
Synonyme: Lettenkeuper (Beckenfazies), Kohlenkeuper, Lettenkohle, Lettenkohlenkeuper, Lettenkohlengruppe, Höxter-Gruppe; Kürzel im „Symbolschlüssel Geologie“: kuE.
Lithologie: Vorherrschend schluffige Tonsteine und tonige Schluffsteine mit Einschaltungen von fein- bis mittelkörnigen Sandsteinen, die lokal vorherrschen können (so im Typusprofil). In verschiedenen Niveaus Einschaltungen von Dolomitsteinbänken, unreiner Kohle und regional Anhydrit- bzw. Gipsstein in Bänken oder Knollen. Gesteinsfarben vorherrschend grau, regional mit braunen und rotbraunen Abschnitten.
Untergeordnete Einheit: Gliederung durch Kleinzyklen und Leitschichten. Einteilung in Subformationen erfolgt regional stark unterschiedlich, ebenso die Abgrenzung einer Unteren von einer Oberen Erfurt-Formation.
Liegendgrenze: Basis des Grenzbonebeds in Süddeutschland, nördlich des Mains Basis des Sandsteinkomplexes s1 und dessen Äquivalente (diachron).
Hangendgrenze: Faziesgrenze vom Grenzdolomit zum hangenden Grundgips des Mittelkeupers (diachron), außerhalb der Grundgipsverbreitung (West- und Norddeutschland) Obergrenze des Grenzdolomits oder von dessen Äquivalent, d. h. Faziesgrenze der Dolomitfazies der Erfurt-Formation zu sulfatführenden Tonsteinen der Grabfeld-Formation. Am Ardennensüdrand wird der obere Teil z. T. durch ardennische Geröllsandsteine vertreten („Oberer Lettenkeuper“).
Mittlere Mächtigkeit: 20 bis 80 m, in der norddeutschen Senke bis 120 m.
Maximale Mächtigkeit: 700 m (Glückstadt-Graben).
Typusprofile, etc.: Typusprofil ist der Wasserriss der Egstedter Trift, Erfurt-Melchendorf, Thüringen (TK25 Nr. 5032: R 44 34 570, H 56 46 210). Typusregion ist der Raum Erfurt–Weimar (Thüringen).
Verbreitung (Bundesländer): Deutschland (gesamt)
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Mittelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Faziell ähnliche Gesteine setzen sich im Osten nach Polen und im Westen nach Luxemburg fort. Übergang in stärker tonig-dolomitische oder tonige Faziesräume (teilweise stärker anhydritführend) im Nordwesten und Süden (Niederlande, Frankreich, Schweiz), stärker sandige Faziesräume im Norden (Dänemark, Ostsee).
Zeitgleiche Einheiten: Teile der Grafenwöhr-Formation (Oberpfalz) als vindelizische Randfazies, ardennische Randfazies in Teilen von Rheinland-Pfalz, West-Luxemburg und Belgien.
Alterseinstufung: Biostratigraphisch (Palynomorphe, Ostrakoden, seltene Ammonoideen, Muschelassoziationen: Longobardium) nicht unterscheidbar vom höheren Teil des Oberen Muschelkalks, jedoch mit verarmtem Faunenspektrum. Detritische Zirkone geben FT-Alter von 263+16 Ma für Gesteine des skandinavischen Liefergebietes an (Köppen 1997).
Kommentar: Die Erfurt-Fm. fasst die fluvial-deltaisch-ästuarine Beckenfazies des Unteren Keupers zusammen, die sich im Südosten mit der alluvialen Fazies der Grafenwöhr-Formation verzahnt. Andere laterale Faziesgrenzen liegen nahe der deutschen Staatsgrenzen (Hoch- und Oberrhein, Trierer Bucht, Nord- und Ostseegebiet) und werden bislang nicht zur Abgrenzung eigenständiger Formationen verwendet.
Versch./Sonstiges: Erste Erwähnung von „Lettenkohle“ (für tonige Pechbraunkohle) als charakteristisches Gestein dieses Schichtabschnittes durch Voigt (1780, Name: 1800) und Alberti (1826), jedoch noch ohne Abgrenzung einer eigenständigen stratigraphischen Einheit (Literatur s. Nitsch 2005). Die Liefergebiete der fein- bis mittelkörnigen Sande lagen nach Schüttungsrichtungen, Schwermineralspektrum und Korndatierungen im westlichen Skandinavien (Köppen 1997). In den südlichen Beckenteilen schalten sich in verschiedenen Horizonten Dolomitsteinbänke mit Brackwasserfauna ein, manche Lagen führen im Südwesten (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, einzelne Lagen bis ins Weserbergland, ins Harzvorland und nach Thüringen) auch artenarme eingeschränkt-marine Faunen (Myophorien, vereinzelt Nautilidengehäuse), örtlich Glaukonit.
Literatur: Bachmann, G.H., Geluk, M.C., Warrington, G., Becker-Roman, A., Beutler, G., Hagdorn, H., Hounslow, M.W., Nitsch, E., Röhling, H.-G., Simon, T. & Szulc, A., with contributions by Michiel Dusar, M., Nielsen, L.H., Barnasch, J. & Franz, M. (2010): Triassic. – In: Doornenbal, J.C. & Stevenson, A.G. (editors): Petroleum Geological Atlas of the Southern Permian Basin Area: 149–173; Houten (EAGE Publications).

Barnasch, J. (2009): Der Keuper im Westteil des Zentraleuropäischen Beckens (Deutschland, Niederlande, England, Dänemark): diskontinuierliche Sedimentation, Litho-, Zyklo- und Sequenzstratigraphie. – Diss. Univ. Halle: 222 S., 28 S. Anl.; Halle (http://digital.bibliothek.uni-halle.de).

DSK (2005): Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.): Stratigraphie von Deutschland IV – Keuper. – Courier Forschungsinst. Senckenberg 253: 296 S., 64 Abb., 50 Tab., 2 Taf.; Frankfurt am Main. – [darin weitere Literaturhinweise]

Franz, M. (2008): Litho- und Leitflächenstratigraphie, Chronostratigraphie, Zyklo- und Sequenzstratigraphie des Keupers im östlichen Zentraleuropäischen Becken (Deutschland, Polen) und Dänischen Becken (Dänemark, Schweden). – Diss. Univ. Halle-Wittenberg: 198 S., 62 S. Anhang; Halle (http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/diss-online/08/09H048/).

Hoffmann, F. (1830): Uebersicht der orographischen und geognostischen Verhältnisse vom nordwestlichen Deutschland. – 676 S.; Leipzig (Barth).

Köppen, A. (1997): Faziesentwicklung in der frühen Obertrias Mitteleuropas – ein sequenzstratigraphischer Vergleich. – Diss. Univ. Heidelberg; Gaea heidelbergensis 2: 233 S.; Heidelberg.

Nitsch, E. (2005): Wortgeschichten aus der Keuperstratigraphie, II: Lettenkohle und Lettenkeuper. – Z. dt. geol. Ges., 155: 181–185; Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Nitsch, E., Barnasch, J., Dittrich, D., Farrenschon, J., Franz, M., Heunisch, C.
Erstellt am: 13.01.2011
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 30.08.2010
Änderung Datensatz: 16.02.2011


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Litholex Recherche vom 21.08.2017, 17:38:53.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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