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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Annweiler-Formation
ID: 46
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: DITTRICH, 2003
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Zechstein
Chronostratigraphie: Oberperm (Lopingium) (Perm, Paläozoikum)
Synonyme: Annweilerer Sandstein (SPUHLER 1957)
Annweiler Sandstein (sehr zahlreiche Autoren)
[Der Annweiler bzw. Annweilerer Sandstein (einschließlich der „Unteren Leberschiefer“ (heute: obere Rothenberg-Formation) und der „Oberen Leberschiefer“ (heute: Speyerbach-Formation), galten jahrzehntelang als linksrheinischer Unterer Buntsandstein]
Annweiler-Schichten (sA: ZITZMANN 1986)
Annweiler Schichten (EMMERMANN et al. 1987)
Annweiler-Schichten (zA) (HORNUNG 1999, 2001,
DITTRICH et al. 2003, LGB 2005)
Lithologie: Die Gesteinsabfolgen der Annweiler-Formation umfassen massig erscheinende, dickbankig absondernde, schräggeschichtete oder auch dünnbankige Sandsteine. Oft sind es sehr gleichmäßig ausgebildete, wechselnd mittelsandige Feinsandsteine mit eher schlecht gerundeten Körnern. Generell sind sie rot (blassrot, braunrot, violettrot) gefärbt, häufig kommen milli- bis zentimetergroße, weiße oder grünliche Bleichungsflecken vor (vgl. MEYER 2003). Nach Süden, Westen und Norden hin werden die Gesteine stärker mittelsandig. Sie enthalten viel Feldspat (bis 20 %) und nur wenig Hellglimmer. Das reichhaltige Spektrum der Lithoklasten (30-45 %) umfasst vorwiegend metamorphe und magmatische Polyquarze, Chert, Tonklasten und stark verwitterte Vulkanite (JENTSCH 2002). Auch typische Pegmatitminerale (Xenotim, Chernovit) wurden nachgewiesen (MEYER 2003). Das Bindemittel ist tonig-schuffig oder dolomitisch. In einzelnen Niveaus können Dolomitlagen oder intensiv dolomitisch zementierte Sandsteinpartien vorkommen, mit fleckenhaften frühdiagenetischen (poikilotopischen) Dolomitzementen (KRAUSE 1988, JENTSCH 2002), die zu bräunlichen Hohlräumen auswittern. Eingelagerte rotbraune bis schwärzliche tonig-schluffige Zwischenlagen werden lokal mehrere Dezimeter mächtig. Lateral sind sie oft zu intraformationellen Tongeröllen aufgearbeitet. Erosionshorizonte und sandige Rinnenfüllungen sind entwickelt.
Untergeordnete Einheit: --
Liegendgrenze: Die Sandsteine der Annweiler-Formation überlagern mit einer Erosionsdiskordanz die Tonsteine der höheren Rothenberg-Formation. Auf Grundgebirgsschwellen bei Burrweiler und Neustadt liegen die Sandsteine nach einer Darstellung von HORNUNG (1999: Abb. 13) direkt auf gefaltetem Paläozoikum.
Hangendgrenze: Im größten Teil des Pfälzerwaldes wird die Annweiler-Formation von den eher feinklastischen Wechselfolgen der Speyerbach-Formation überlagert.
Mittlere Mächtigkeit: Die Mächtigkeiten der Annweiler-Formation – dies umfasst den Annweiler Sandstein ohne die Unteren und Oberen Leberschiefer – bewegen sich meist zwischen 40-60 m (LGB 2005).
Maximale Mächtigkeit: Im Bereich der südlich von Annweiler gelegenen, Südwest-Nordost orientierten südpfälzischen Beckenachse treten Werte bis ca. 80 m auf.
Typusprofile, etc.: Kernbohrung Birkental (ca. 6 km NW Annweiler)
TK25 6713 Annweiler, R: 34 19 620, H: 54 56 000 (JENTSCH 2002) [Bohrarchiv u. Kernlager LGB RP]
Referenz-Profile: Liegendgrenze + unterer Profilteil: Steinbruch am Wolfsbergtunnel (W Neustadt), TK25 6614 Neustadt a. d. W., R: 34 35 175, H: 54 69 475 (HORNUNG 1999, 2001);
oberer Profilteil + Hangendgrenze: Kernbohrung Kunzental, ca. 3 km N Wilgartswiesen (NW Annweiler), TK25 6713 Annweiler,
R: 34 18 040, H: 54 56 220 (JENTSCH 2002) [Bohrarchiv u. Kernlager LGB RP]
Verbreitung (Bundesländer): Rheinland-Pfalz
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Saar-Nahe-Bergland, Pfälzerwald
Verbreitung (Ergänzung): Die Gesteine der Annweiler-Formation zeigen im südöstlichen Pfälzerwald flächenhafte Verbreitung. Im nordöstlichen Pfälzerwald treten sie im Bereich der Grabenschulter des Oberrheingrabens (Haardtrand) und am Unterlauf des Speyerbaches (TK25 6614 Neustadt) zutage.
Im (südlichen) Saar-Nahe-Bergland wird die Annweiler-Formation von der höheren Stauf-Formation vertreten.
Zeitgleiche Einheiten: --
Alterseinstufung: Litho- und Ichnofaziesbefunde, Profilparallelisierungen, Log-Korrelationen.
Kommentar: Die feinstratigraphische Log-Korrelation aller verfügbaren Bohrprofile (K.-Chr. KÄDING) ist noch in Arbeit und überregional noch nicht endgültig abgestimmt.
Im höheren Mittelteil enthält die Annweiler-Formation einen auffällig stark dolomitischen und bioturbaten, teilweise feinklastisch entwickelten Profilabschnitt. In der Bohrung Kunzental (JENTSCH 2002) wird dieser Abschnitt (78-95,5 m) zweigeteilt durch eine auffällige Diskontinuitätsfläche (Rutschhorizont?) bei 82,5 m Teufe. Sie trennt die stratigraphischen Markerhorizonte der Zementationszonen IV und V. In der nahe gelegenen Bohrung Birkental sind diese zwei Zonen (Profilmeter 69-77 und 64-65) deutlicher von einander abgegrenzt. In der nordpfälzischen Randfazies (Stauf-Formation, Schwedelbach-Subformation) erscheint die als zeitgleich gewertete, dort sehr mächtige Zementationszone V erstmals im basalen „Konglomerat von Schwedelbach“, im ersten, oben gekappten Kornverfeinerungszyklus. Weiter oben im Schichtprofil setzt sie sich dann im Bereich des graduell ausgebildeten Fazieswechsels vom „Konglomerat von Schwedelbach“ zu den „Formsanden“ erneut durch. Die Zementationszone IV fällt proximal unterhalb der Winkeldiskordanz an der Basis der Schwedelbach-Subformation aus.
Versch./Sonstiges: Der Ablagerungsraum der Annweiler-Formation war eine terrestrische, in stärker subsidenten Bereichen durch flachgründige marine Überflutungen zeitweise schwach marin(-lagunär) beeinflusste Randregion des südwestdeutschen Zechstein-Beckens. In den Tonsteinen ist das hypersalinare, (marin-)lagunär gebildete Tonmineral Corrensit enthalten (JENTSCH 2002).
Körperfossilien fehlen. Vielfach beschrieben wurden jedoch die in der Annweiler-Formation nahezu allgegenwärtigen vertikalen Grabgänge (VOELCKER 1934, SPUHLER 1957, SCHWEISS 1984, DITTRICH 1996). HORNUNG (1999, 2001) unterzog diese einer genaueren ichnologischen Untersuchung. Zunächst klassifizierte er sie als ein bisher unbekanntes Spurenfossil („Monocraterion spuhleri“). Später erkannte er darin jedoch eine Modifikation der auch in der Rothenberg-Formation stark verbreiteten Form Thalassinoides paradoxicus (WOODWARD 1830) und schrieb dieser Form eine hohe Milieutoleranz zu.
Literatur: VOELCKER, I. (1934): Wurmröhren aus dem unteren (?) Buntsandstein der Rheinpfalz. – Bad. geol. Abh., 6, 101-102, 2 Abb., Karlsruhe.
SPUHLER, L. (1957): Einführung in die Geologie der Pfalz. – Veröff. pfälz. Ges. Förd. Wiss., 34, 432 S., 67 Abb., 4 Ktn., Speyer.
SCHWEISS, D. (1984): Sedimentpetrographische Untersuchungen an Rotsedimenten des Grenzbereiches Perm-Trias am südwest-deutschen Beckenrand. – Geol. Jb. Hessen, 112, S. 83-126, 25 Abb., 4 Tab., Wiesbaden.
ZITZMANN, A. (1986) (Hrsg.): Geologische Übersichtskarte
1 : 200 000. Blatt CC 7110 Mannheim. (BGR) Hannover.
EMMERMANN, K.-H., GRIESSEMER, T. W., HEITELE, H. & KONRAD, H. J. (1987): Die Pfälzer Mulde und der Rand des Oberrheingrabens (Exkursion C am 23. und 24. April 1987). – Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N.F., 69, S. 77-90, 4 Abb., Stuttgart.
DACHROTH, W. (1988): Genese des linksrheinischen Buntsandsteins und Beziehungen zwischen Ablagerungs-bedingungen und Stratigraphie. – Jber. Mitt. oberrhein. Geol. Ver., N.F., 70, S. 267-333, 17 Abb., 10 Taf., Stuttgart.
KRAUSE, T. (1988): Geologische Untersuchungen des Buntsandsteins im Raum Landau (Pfalz) anhand von Bohrungen und Geländeaufschlüssen. – Diplomarbeit T.H. Clausthal-Zellerfeld, 111 S., 38 Abb., 6 Tab., 16 Taf., Clausthal. – [unveröff.].
DITTRICH, D. (1996): Unterer Buntsandstein und die Randfazies des Zechsteins in der nördlichen Pfälzer Mulde (Exkursionen C1 am 11. und C2 am 12. April 1996). – Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N.F. 78, S. 71-94, 4 Abb., 2 Tab., Stuttgart.
HORNUNG, J. J. (1999): Eine Ichnofauna aus dem klastischen Zechstein (oberes Perm) vom Wolfsberg bei Neustadt a.d. Weinstraße und Anmerkungen zur Paläogeographie/Paläoökologie des kontinentalen Zechstein in der Pfälzer Synform (Pfalz). – Mitt. Pollichia, 86, S. 7-33, 13 Abb., 2 Tab., Bad Dürkheim.
HORNUNG, J. J. (2001): Thalassinoides paradoxicus (WOODWARD 1830), ein häufiges Spurenfossil aus dem kontinentalen Zechstein (oberes Perm) der Pfälzer Synform (SW-Deutschland). – Mitt. Pollichia, 88, S. 123-144, 12 Abb., 1 Tab., Bad Dürkheim.
JENTSCH, H. J. (2002): Sedimentpetrographische Untersuchungen an Sandstein-Bohrkernen zweier Bohrungen aus dem Grenzbereich Perm/Trias bei Annweiler am Trifels (Pfälzerwald). – Diplomarbeit Univ. Mainz, 81 S. + Anh., zahlr. Abb. u. Taf., Mainz. – [unveröff.].
DITTRICH, D., FRANKE, W. R., GAD, J., HANEKE, J., REQUADT, H., SCHÄFER, P. & WEIDENFELLER, M. (2003): Geologische Übersichtskarte von Rheinland-Pfalz 1: 300 000. (Landesamt für Geologie und Bergbau) Mainz.
DITTRICH, D. (2003): Annweiler-Formation. – 2 S., unveröff. Mskrt. für: Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg., in Vorb.): Stratigraphie von Deutschland. Zechstein. – Schriftenreihe deutsch. geowiss. Ges., Hannover.
MEYER, G. W. (2003): Yttrium und Seltenerdelemente in Bleichhöfen des Annweiler Sandsteins. Diplomarbeit Univ. Mainz, 53 S. + Anh., 16 Abb., 5 Tab., 48 Anl., Mainz. – [unveröff.].
LGB (Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz) (Hrsg.)(2005): Geologie von Rheinland-Pfalz, 400 S., Mainz.
Autor des Datenblattes: Dittrich, Dr. Doris
Erstellt am: 30.09.2010
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 08.07.2010
Änderung Datensatz: 01.08.2012
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Litholex Recherche vom 21.08.2017, 17:51:51.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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