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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Obtususton-Formation
ID: 4012099
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Quenstedt 1843 (Erstbeschreibung), Bloos et al. 2005 (Benennung)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Schwarzjura-Gruppe (Schwarzer Jura)
Chronostratigraphie: Obersinemurium (Sinemurium, Unterjura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Süddeutschland: Thone mit verkiesten oder sparsam verteilten Muscheln = beta oder Turneriton (Quenstedt 1843); Liasthone beta (Quenstedt 1846); Schichten des Ammonites obtusus (Oppel 1856-58); Lias Beta (Quenstedt 1858, Krumbeck 1932); untere und obere Betatone (Quenstedt 1885); Unterer Lias, obere Abteilung, beta (von Gümbel 1891); Schwarzer Jura beta 1 und 2 (Hoffmann 1936); Untere Schwarzjuratone oder Oxynoticeratenschichten (Geyer & Gwinner 1964), Raricostatenmergel (Gall & Müller 1977); Schwarzjura Beta (Richter 1985); Kürzel im Symbolschlüssel Geologie: juOT
Norddeutschland: mächtige, graublaue Tone (v. Strombeck 1853); versteinerungsleerer Thon (Bornemann 1854); Schichten mit Am. planicosta (von Seebach 1864); Schichten des Ammonites ziphus (Brauns 1871); Raricostatum-, Bifer- Planicosta-Schichten (Brinkmann 1948-1986) Lias beta (Hoffmann 1949); Raricostatum-, Bifer- Planicosta-Tone = juRT, juBT, juPC. (Symbolschlüssel Geologie 1991); Sinemurium-Tonstein (Baldschuhn et al. 2001), Raricostaten-Schichten (Brandes 1912, Mönnig 2002); Raricostatenton (Mönnig 2008).
Lithologie: In Süddeutschland dunkel- bis schwarzgraue Tonsteine mit nach oben zunehmendem Schluffgehalt, im oberen Teil gebietsweise schwach feinsandig. Der Kalkgehalt ist meist gering, kann im oberen Abschnitt aber in Tonmergelsteine überleiten. Gebietsweise sind die Tonsteine schwach bituminös. In verschiedenen Niveaus treten sideritische Kalkstein-Konkretionen von Zentimeter- bis Metergröße (sog. Laibsteine) auf. Im oberen Abschnitt liegt eine Kalksteinbank, die Intraklasten und Bruchschill führt und als Betakalkbank bezeichnet wird. Darüber folgen vier Kalkmergelstein-Bänke, die in der südwestlichen Schwäbischen Alb fehlen. In Norddeutschland eintönige, dunkle Tonsteine mit 3-40 cm dicken Toneisenstein-Lagen oder Kalksteinbänken, in Westmecklenburg in stark feinsandige, pyrithaltige Schluffsteine übergehend (sog. Raricostatum-Sandstein).
Untergeordnete Einheit: Die Formation gliedert sich in Süddeutschland in einen kalkarmen Unteren Obtususton und einen etwas mergeligeren und meist schluffig-feinsandigen Oberen Obtususton, mit der Betakalkbank an der Basis und vier regional leitenden Kalkmergellagen (Söll’sche Mergellagen 1–4). Die Betakalkbank ist ein überregional wichtiger Leithorizont. Im südlichen Baden-Württemberg ist der Obere Obtususton weitgehend reduziert oder von einer kondensierten Kalksteinbank, der Obliquabank, ersetzt.
Liegendgrenze: In Süddeutschland einsetzen dunkler Tonsteine der Obtususton-Formation über der obersten Kalksteinbank oder Mergellage der Arietenkalk-Formation und der Gryphäensandstein-Formation; in Norddeutschland über bituminösen feinschichtigen Tonmergeln der obersten Arietenton-Formation, NE der Altmark über Sanden der unteren Ostrowiec-Formation. Der früher als Basis des Lias beta betrachtete fossilreiche Mergel des Capricornenlagers (Quenstedt 1883) [= Muscheltrümmerbank im Wutachgebiet] gehört lithologisch zur Arietenkalk-Formation (Walliser 1956b).
Hangendgrenze: In Süddeutschland: Einsetzen von Kalkstein-Mergelstein-Wechselfolgen der Numismalismergel-Formation, häufig einsetzend mit einer bioklastischen Kalksteinlage auf Erosionsrelief. In Norddeutschland im Liegenden der Capricornumergel, NE der Altmark bildet die Basis der sandigen Lobez-Formation das Top.
Mittlere Mächtigkeit: 30–40 m, vor der Mittleren Alb, unter dem mittleren Oberrheingraben und in Thüringen auch darüber, nach Süden (Klettgau, Alpenvorland) und Osten auf wenige Meter abnehmend, im Riesvorland auskeilend. In NE-Bayern 10-20 m, maximal nahe 30 m (Janetzko & Roloff 1970: 23). Entlang einer Linie Hesselberg – West – Nürnberg – Creußen vermindert sich die Mächtigkeit auf unter 1 m. In Norddeutschland 50-80 m.
Maximale Mächtigkeit: 65 m (Langenbrückener Senke), 75 m (Echte), 130-150 m (Raum Nienburg und Göttingen), 180 m (Bohrung Wesendorf im (Gifhorner Trog).
Typusprofile, etc.: Typusregion: Zollernalb; Referenzprofile: Eyachprallhang bei Balingen (Beher 2004); KB Tuningen (Slg. LGRB); KB Mingolsheim 1; Tongrube Rettigheim; Unteres Aubachtal bei Aselfingen; Tongrube Forchheim; Tongrube der FA Stork bei Herford-Diebrock (Blau et. al. 2000); Tongrube der Klinkerwerke Haaren bei Ostercappeln (Hoffmann 1962, 1982).
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Bayern
Brandenburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Mittelgebirge, Oberrheinisches Tiefland
Mittelgebirge, Weserbergland
Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Mittelgebirge, Thüringer Becken
Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): In Bayern unter und vor der nördlichen Frankenalb sowie im W des Hesselbergs ausgebildet. Südöstlich einer Linie Hesselberg-West – Nürnberg – Creußen geht der Obtususton in geringmächtigen, grobsandigen Mergel und Kalkstein über (Krumbeck 1932) und wird mit dem dort ebenfalls geringmächtigen Gryphäensandstein zur Gryphaeensandstein-Formation zusammengefasst.
Zeitgleiche Einheiten: In der Schweiz als Fasiswald-, Frick- und Grünschholz-Member Teil der Staffelegg-Formation (Reisdorf et al. 2011); Gryphäenmergel der Gryphäensandstein-Formation SE einer Linie Hesselberg-Nürnberg-Creußen. In Niederlanden und Nordsee mittlerer Abschnitt der Aalburg-Fm, in Mittel-Mecklenburg, Vorpommern und Brandenburg laterale Verzahnung mit Heterolithen (incl. Rotbunte Tonsteinserie) der Pankarp-Fm sowie im östlichen Vorpommern und Polen mit der oberen Ostrowiec-Fm.
Alterseinstufung: Ober-Sinemurium, Obtusum-Zone, Stellare-Subzone bis Raricostatum-Zone, Raricostatoides-Densinodulum-Subzone (Geyer et al. 2011: 231).
Kommentar: In Süddeutschland sind die höchsten Subzonen der Raricostatum-Zone nur in den Obliquaschichten im Wutachgebiet und im angrenzenden Nordschweizer Jura sowie in der Gryphaeensandstein-Formation des südwestlichen Fränkischen Jura nachgewiesen und fehlen teilweise oder ganz unter einer Diskordanz an der Basis der Numismalismergel-Formation. Auch in Norddeutschland fehlt mancherorts die Raricostatum-Zone, bei Herford soll der Obtususton aber örtlich noch ins Unter-Pliensbachium reichen (Hoffmann 1982, Blau et al. 2000).
Versch./Sonstiges: --
Literatur: Beher, E. (2004): Ostracodenfauna und Biostratigraphie im Ober-Sinemurium von Süddeutschland und der Nordschweiz. –Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde, B 349: 1-171.

Blau, J., Meister, Ch., Ebel, R. & Schlatter, R. (2000): Upper Sinemurian and Lower Pliensbachian ammonite faunas from Herford-Diebrock area (NW-Germany). – Paläontologische Zeitschrift, 74 (3): 259-280.

Brandt, K. (1985): Sea-level changes in the Upper Sinemurian and Pliensbachian of Southern Germany. – Lecture Notes Earth Sci., 1: 113–126; Heidelberg.

Geyer, M., Nitsch, E. & Simon, T. (2011): Geologie von Baden-Württemberg [5. Aufl.]. – 627 S.; Stuttgart (Schweizerbart).

Hoffmann, K. (1982): Die Stratigraphie, Paläogeographie und Ammonitenführung des Unter-Pliensbachium (Carixium, Lias gamma) in Nordwestdeutschland. – Geologisches Jahrbuch, A 55: 3-439.

Krumbeck, L. (1932): Zur Stratigraphie des Lias in Nordbayern. 1. Lias beta. – Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, Beilagen-Bd. 68, Abteilung B: 1–126; Stuttgart.

Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2005): Geologie von Rheinland-Pfalz. – 400 S., 162 Abb., 36 Tab., 3 Anl.; Schweizerbart (Stuttgart).

Reisdorf, A. G., Wetzel, A., Schlatter, R. & Jordan, P. (2011): The Staffelegg Formation: a new stratigraphic scheme for the Early Jurassic of northern Switzerland. – Swiss Journal of Geoscience, 104: 97 – 146; Basel.

Rusbült, J. (1990): Biostratigraphie des unteren Lias in Mecklenburg; Dissertation Universität Greifswald.

Quenstedt, F. A. (1843): Das Flözgebirge Württembergs. Mit besonderer Rücksicht auf den Jura. – 560 S.; Tübingen (Laupp).

Söll, H. (1956): Stratigraphie und Ammonitenfauna des mittleren und oberen Lias-beta (Lotharingium) in Mittel-Württemberg. – Geol. Jb., 72: 367–434, Taf. 17–20; Hannover.
Autor des Datenblattes: Mönnig, E., Nitsch, E., Arp, G., Bloos, G.
Erstellt am: 05.10.2015
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 05.10.2015
Änderung Datensatz: 19.10.2015


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Litholex Recherche vom 20.11.2017, 14:22:17.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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