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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Jurensismergel-Formation
ID: 4012084
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Quenstedt 1843
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Schwarzjura-Gruppe (Schwarzer Jura)
Chronostratigraphie: Obertoarcium (Toarcium, Unterjura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Süddeutschland: zeta) Lichtgraue Kalkmergel mit Ammonites jurensis = Jurensiskalk (Quenstedt 1843); Jurensismergel (Pfizenmayer & Quenstedt 1853); Grammoceraten-Schichten und Obere Schwarzjuramergel = Schwarzer Jura zeta (Geyer & Gwinner 1964), Lias zeta, Lias 6, Obertoarcium (als lithostrat. Begriff); Kürzel im Symbolschlüssel Geologie: juJ.
Norddeutschland: Schichten des Am. jurensis (von Strombeck 1853, von Seebach 1864), Oberer Theil des oberen Lias (Ewald 1857); Horizont von Am. radians b. Radiansbank (Wagener 1860); Jurensis-Schichten (Althoff 1936); Ober-Toarcium-Tonstein, z.T. kalkig (Baldschuhn et al. 2001).
Lithologie: In mächtigeren Profilen besteht die Formation aus grauen bioturbierten Mergelsteinen mit eingeschalteten bioturbierten Kalksteinbänken oder kalkigen Laibsteinlagen. Neben Pyritknollen treten gebietsweise Phosphoritkonkretionen auf. Geringmächtige Profile (Schwellenfazies) bestehen oft aus einer Folge von fossilreichen Kalksteinbänken oder einer einzelnen kondensierten Bank (Ammonitenbrekzie, Belemnitenseife), in der stromatolithische Krusten und Ooide auftreten können.
Untergeordnete Einheit: Es bestehen Lokalnamen für fossilreiche Kalksteinbänke (Boller Brekzie, Aalener Dumortierienbank, Hammerstädter Brekzie, etc.).
Liegendgrenze: Die Basis entspricht dem Fazieswechsel der schwarzgrauen bis braunschwarzen bituminösen Ton- und Mergelsteine der liegenden Posidonienschiefer-Formation in graue Mergelsteine oder Kalksteinbänke der Jurensismergel-Formation. Im Liegenden ist mit großer Verbreitung eine stark bioturbierte Lage (Fucoidenbank) ausgebildet. In Ost-Westfalen als Gerölllage entwickelt.
Hangendgrenze: Die Obergrenze ist am Fazieswechsel von den Mergel- und Kalksteinen der Jurensismergel in dunkelgraue, nur schwach kalkige bis kalkfreie Tonsteine der hangenden Opalinuston-Formation definiert. In Franken und Ost-Westfalen Top des Bielefelder Konglomerats.
Mittlere Mächtigkeit: Wenige Meter, regional stark schwankend (0,2 bis 15 m), in Norddeutschland 5-20 m.
Maximale Mächtigkeit: 19–20 m (Oberrheingraben, Haardtrand); 27 m (Bielefeld).
Typusprofile, etc.: Profil in der Lindach bei Weilheim
Aubächle b. Aselfingen; Mistelgau (Schulbert 2001).
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Bayern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Ems-Hunte-Geest, Weser-Aller-Flachland
Mittelgebirge, Oberrheinisches Tiefland
Mittelgebirge, Weserbergland
Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Mittelgebirge, Thüringer Becken
Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): In Norddeutschland ist die Formation nur lokal in SW-Niedersachsen und in Ost-Westfalen entwickelt. Kleinere Ausstriche am Harzrand und im Weserbergland. In Thüringen 2-3 m dünnplattige Kalkmergel. Hauptausstrichgebiet ist das Vorland der Schwäbischen und Fränkischen Alb. Kleinere Ausstriche liegen in Störungszonen am Rand des Oberrheingrabens (z. B. Langenbrückener Senke) und des Thüringer Beckens sowie im Grabfeld. Aus Bohrungen ist die Formation auch unter dem Tertiär des Oberrheingrabens und Molassebeckens bekannt.
Zeitgleiche Einheiten: In Norddeutschland ist das Ober-Aalenium bis zur Levequei-Zone vielerorts bituminös entwickelt und wird dann als Dörntener Schiefer bezeichnet. Gebietsweise (z.B. in Franken) ist insbesondere die Variabilis-Zone in bituminöser Fazies ausgebildet und ist dann der Posidonienschiefer-Formation zuzurechnen. Die Aalensis-Zone ist vielfach teilweise oder ganz in Opalinuston-Fazies entwickelt, auch in Norddeutschland. In der Nordschweiz werden faziell ähnliche Jurensismergel als Gross Wolf Member der Staffelegg-Formation bezeichnet.
Alterseinstufung: Ober-Toarcium
Kommentar: Die faziell definierte Basis liegt meist in der Variabilis- oder Thouarsense-Zone, vereinzelt bereits in der Bifrons-Zone (Ober-Toarcium). Gebietsweise ist an der Basis eine Schichtlücke vorhanden. Die ebenfalls faziell definierte Obergrenze schwankt zwischen Aalensis- und tiefster Opalinus-Zone.
Versch./Sonstiges: Häufigster Ammonit ist meist Perilytoceras jurense. Örtlich treten Anreicherungen von Belemnitenrostren auf.
Literatur: Althoff, W. (1936): Die Grenzschichten zwischen Lias und Dogger bei Bielefeld. ? Abhandlungen aus dem Landesmuseum der Provinz Westfalen, Museum für Naturkunde, 7: 11-14, Münster.

Althoff, W. (1936): Zur Stratigraphie und Paläontologie des oberen Lias und unteren Doggers von Bethel bei Bielefeld. ? Abhandlungen aus dem Landesmuseum der Provinz Westfalen, Museum für Naturkunde, 7: 15-44, Münster.

Bayerisches Geologisches Landesamt (Hrsg)(1996): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1 : 500 000 [4. Aufl.] – 329 S., 8 Anl.; München (Bayer. GLA).

Bruder, H. J. (1968): Ökologische, geochemische und sedimentpetrographische Untersuchungen im Lias zeta (Oberes Toarcium) Schwabens, mit Berücksichtigung des obersten Lias epsilon. – Arb. Geol.-Paläont. Inst. TH Stuttgart, N.F. 56: 165 S., 6 Tab., 21 Taf.; Stuttgart.

Fischer, W. (1964): Die jurensis-Schichten (Oberes Toarcium) im Vorland der Schwäbischen Alb.– N. Jb. Geol. Paläont. Abh., 120: 81–106; Stuttgart.

Geyer, M., Nitsch, E. & Simon, T. (2011): Geologie von Baden-Württemberg [5. Aufl.]. – 627 S.; Stuttgart (Schweizerbart).

Hoffmann, K. (1968): Die Stratigraphie und Paläogeographie der bituminösen Fazies des nordwestdeutschen Oberlias (Toarcium). – Beihefte zum Geologischen Jahrbuch, 58: 443–498.

Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz [Hrsg.] (2005): Geologie von Rheinland-Pfalz. – 400 S., 162 Abb., 36 Tab., 3 Anl.; Schweizerbart (Stuttgart).

Quenstedt, F.A. (1843): Das Flözgebirge Württembergs. Mit besonderer Rücksicht auf den Jura. – 560 S.; Tübingen (Laupp).

Seidel, G. (Hrsg.)(2003): Geologie von Thüringen [2. Aufl.]. – 601 S.; Schweizerbart (Stuttgart).
Autor des Datenblattes: Nitsch, E., Arp, G. & Mönnig, E.
Erstellt am: 02.04.2015
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 09.10.2015
Änderung Datensatz: 19.10.2015


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Litholex Recherche vom 22.10.2017, 02:43:52.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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