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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Wohlgeschichtete-Kalke-Formation
ID: 4012076
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Quenstedt 1843
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Süddeutscher Jura, Weißjura-Gruppe
Chronostratigraphie: Unterkimmeridgium (Kimmeridgium, Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Oberoxfordium (Oxfordium, Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Wohlgebankte Kalke, Planulaschichten, Idoceratenschichten, Oxfordkalke, Jüngeres Ober-Oxfordium, Weißjura Beta, Malm 2; Kürzel im Symbolschlüssel Geologie: joW
Lithologie: Hellgraue bis bräunliche, auch gelblichweiße bis beigefarbene mikritische Kalksteinbänke von einem bis wenigen Dezimetern Mächtigkeit, mit millimeter- bis zentimeterstarken Zwischenlagen von Mergelstein oder Drucklösungsresiduen. Die Schichtflächen sind oft uneben-wellig und von Drucklösung überprägt, teilweise stylolithisch. Örtlich sind flache erosive Rinnen von einigen zehner Metern breite und bis über einen Meter Tiefe eingeschnitten. Glaukonit tritt vorwiegend nahe der Unter- und Obergrenze auf. Die Kalksteinbänke sind meist intern ungeschichtet und bioturbiert, teilweise durch Calcisiltit an der Basis schwach gradiert. Örtlich treten wenige Meter messende Schwamm-Mikroben-Bioherme auf (z.B. Raum Reutlingen, Donzdorf). Nur im Gebiet der Spaichinger Schwelle (westl. Bodensee–Westalb) bilden diese Bioherme jedoch größere Massenkalk-Körper und leiten in die Lochen-Subformation der Oberjura-Massenkalk-Formation über.
Untergeordnete Einheit: Am Randen und im Klettgau nehmen die höheren Bimammatum-Schichten der liegenden Impressamergel-Formation ebenfalls die Bankkalkfazies der Wohlgeschichteten Kalke an und werden dort als Küssaburg-Subformation der Wohlgeschichteten-Kalke-Formation zugerechnet. Über einer Knollenschicht als Grenzbank folgt in dieser Region die Wangental-Subformation des Unterkimmeridgium, die in der übrigen Schwäbischen Alb die Wohlgeschichtete-Kalke-Formation alleine ausmacht.
Liegendgrenze: Einsetzen von Bankkalken mit nur geringen Mergelfugen über der obersten, Fucoiden führenden Mergellage der Impressamergel-Formation.
Hangendgrenze: Einsetzen von dezimeter- bis metermächtigen Mergelstein-Lagen der Mergelstein-Kalkstein-Wechselfolge der Lacunosamergel-Formation; unmittelbar an der Formationsgrenze ist oft eine Ammonitenanreicherung (sog. Ammonitenbrekzie) ausgebildet.
Mittlere Mächtigkeit: 20–30 m, von SW nach NE abnehmend
Maximale Mächtigkeit: Bis ca. 80 m (einschließlich der Küssaburg-Subformation im Randengebiet)
Typusprofile, etc.: Als Typusprofil kann der von Quenstedt genannte Aufschluss am Hundsrücken bei Bisingen-Thanheim (Zollernalbkreis) gelten. Die Basis dieses Profils wurde von Koerner (1963) detailliert aufgenommen. Die Obergrenze der Formation ist in diesem Profil nicht mehr enthalten.
Ergänzend zum Typusprofil existieren eine Reihe weiterer günstiger Aufschlüsse. Im Gebiet der Westalb sind zu nennen: Ehemalige Steinbrüche entlang der Donautalstraße W Nendingen, aufgelassener Stbr. E Wurmlingen, Steinbruch am Saufang in Geisingen, Stbr. Auf dem Plettenberg bei Schömberg, Stbr. An der Steige von Albstadt-Pfeffingen zum Zitterhof, ehemaliger Stbr. An der neuen „Stuhlsteige“ von Pfullingen nach Genkingen. Im Gebiet der Mittleren Alb: Ehemalige Stbr. An der St. Johanner Steige NE Eningen u. Achalm, aufgelassener Stbr. Am Hörnle bei Neuffen; ehemaliger Stbr. An der Straße von Neidlingen nach Wiesensteig. Im Gebiet der Ostalb sind die aufgelassenen Steinbrüche am Braunenberg bei Aalen zu nennen.
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): In der angrenzenden Schweiz in zwei Member (Küssaburg- und Wangental-Mb.) der dortigen Villigen-Formation aufgeteilt. Nach Südosten nimmt südlich etwa Sipplingen–Memmingen der Bitumengehalt der Kalksteine rasch zu, wodurch die Wohlgeschichtete-Kalke-Formation (zusammen mit den Schichten der Bimammatum-Zone) in den Unteren Quinten-Kalk (Quinten-Formation) übergeht.
Zeitgleiche Einheiten: Unterer Quintenkalk (oberer Teil) im Alpenvorland, Küssaburg- und Wangental-Mb. in der Nordschweiz (Randen). Im Gebiet der Spaichinger Schwelle (westl. Bodensee–Westalb) vertritt Massenkalk aus Schwamm-Mikroben-Biohermen die Formation als Lochen-Subformation.
Alterseinstufung: Die Küssaburg-Subformation des Randengebiets entspricht der oberen Bimammatum-Zone des Oxfordium, die Wangental-Schichten bzw. die Wohlgeschichtete-Kalke-Formation der Schwäbischen Alb dem unteren Unterkimmeridgium.
Kommentar: Der Leitammonit Idoceras = Subnebrodites planula wurde lange dem Oxfordium zugerechnet. Seit dem Nachweis des bauhini-Faunenhorizonts an der Grenze Bimammatum-Bänke/Wohlgeschichtete-Kalke-Formation sind letztere bzw. deren Wangental-Subformation heute in das Kimmeridgium zu stellen.
Versch./Sonstiges: In der Fossilführung herrschen Ammoniten vor, daneben finden sich gelegentlich Belemniten und wenig Benthos (Muscheln, Brachiopoden, irreguläre Seeigel, lokal Einzelkorallen)
Literatur: Geyer, M., Nitsch, E. & Simon, T. (2011): Geologie von Baden-Württemberg [5. Aufl.]. – 627 S.; Stuttgart (Schweizerbart).

Koerner, U. (1963): Beiträge zur Stratigraphie und Ammonitenfauna der Weißjura a/ß-Grenze (Oberoxford) auf der westlichen Schwäbischen Alb. – Jh. Geol. Landesamt Baden-Württemberg, 6: - ; Freiburg i. Br.

Quenstedt, F.A. (1843): Das Flözgebirge Würtembergs. Mit besonderer Rücksicht auf den Jura. – 560 S.; Tübingen (Laupp).

Ricken, W. (1985): Epicontinental marl-limestone alternations: event deposition and diagenetic bedding (Upper Jurassic, Southwest Germany). – In: Bayer, U. & Seilacher, A. (Eds.): Sedimentary and evolutionary cycles, Lecture Notes in Earth Sciences, 1: 127–162; Berlin.

Schweigert, G. & Callomon, J.H. (1997): Der bauhini-Faunenhorizont und seine Bedeutung für die Korrelation zwischen tethyalem und subborealem Oberjura. – Stuttgarter Beitr. Naturk., B 247: 69 S.; Stuttgart.

Westphal, H., Head, M.J. & Munnecke, A. (2000): Differential diagenesis of rhythmic limestone alternations supported by palynological evidence. – J. Sedim. Res., 70: 715–725; Tulsa/Okla.
Autor des Datenblattes: Nitsch, E., Schweigert, G.
Erstellt am: 15.01.2015
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 09.10.2015
Änderung Datensatz: 19.10.2015


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Litholex Recherche vom 22.10.2017, 02:42:28.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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