litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Allgäu-Formation
ID: 4012059
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Jacobshagen 1965
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Mitteljura (Jura, Mesozoikum)
Unterjura (Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Amaltheen-Fleckenmergel, Fleckenmergel (Schafhäutl 1851); Allgäuschiefer (Gümbel 1856); Lias-Fleckenmergel (z.B. Richthofen 1859); Allgäuschichten (Richthofen 1859, Jacobshagen 1965); Dogger-Fleckenmergel, Dogger-Allgäuschichten (z.B. Zacher 1964).
Lithologie: Die Allgäu-Formation besteht aus einer meist rhythmischen Wechselfolge von Kalk- und Mergelsteinen, untergeordnet kommen Kiesel- und Spatkalksteine sowie Manganschiefer vor. Aufgrund ihrer Verwitterungsanfälligkeit bilden sich über ihr meist weiche Geländeformen aus.
Die hell- bis dunkelgrauen, dichten, mittel- bis dickbankigen, teils kieseligen Mergelkalk- und Kalksteine weisen charakteristische, mm- bis cm-große, dunkle Bioturbations-Flecken auf (sog. Fleckenkalke). Mit den Kalksteinen wechsellagern blättrige bis dickbankige, dunkel- bis schwarzgraue, dünnblättrig zerfallende Mergel- bis Tonmergelsteine, oft mit Bioturbations-Flecken (sog. Fleckenmergel). Unterschiedliche Gehalte an Glaukonit, Glimmer und Quarz belegen terrigenen Einfluss. Die meist bräunlichen, gelblichen oder oliven Anwitterungsfarben gehen auf die Verwitterung von fein verteiltem Pyrit zurück.
Untergeordnete Einheit: Informelle Gliederung, für die Typusregion im Oberallgäu (nach Jacobshagen 1965):
- Untere Allgäu-Fm. (Hettangium – Pliensbachium; bis 1100 m mächtig), vorwiegend kalkig;
- Mittlere Allgäu-Fm. (unteres Toarcium; 5 – > 200 m mächtig), vorwiegend mergelig mit Einschaltungen Mangan-führender Tonmergelsteine;
- Obere Allgäu-Fm. (oberes Toarcium – ?Callovium; bis 350 m mächtig), vorwiegend kalkig;
- Kohlstatt-Schichten (Müller-Deile 1940), oberer Teil der Oberen Allgäu-Fm. (Aalenium; bis 25 m mächtig),
- Spatkalk-Schichten, oberster Teil der Oberen Allgäu-Fm. (?Bajocium - ?Callovium; bis 25 m mächtig).
Diese Gliederung ist nur eingeschränkt auf andere Bereiche der Nördlichen Kalkalpen übertragbar.
Liegendgrenze: Einsetzen der charakteristischen Wechsellagerung aus dunkelgrauen Kalk- und Mergelsteinen; z.T. ohne scharfe Grenze aus den Mergelsteinen der Kössen-Formation. Bei Auftreten von Schattwalder Schichten oder bei Verzahnung mit Schwellenfazies (Adnet-Formation) ist durch deren rötliche Farben eine eindeutige Grenzziehung gegeben.
Hangendgrenze: Ausbleiben der Mergellagen.
Mittlere Mächtigkeit: wenige m bis wenige 100 m
Maximale Mächtigkeit: in der Typusregion mehr als 1500 m (Jacobshagen 1965)
Typusprofile, etc.: Typusregion ist das Oberallgäu (Bayern).
Das Typusprofil verläuft in der Allgäuer Hauptmulde zwischen oberem Hornbachtal und Höfats (SE Oberstdorf; TK25 Nr. 8624 Hochvogel) (Jacobshagen 1965, Jacobshagen & Schwerd 2013).
Für die Engadiner Dolomiten geben Dössegger et al. (1982) ein Referenzprofil in Graubünden an.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Alpen
Verbreitung (Ergänzung): Nördliche Kalkalpen
Zeitgleiche Einheiten: Untere Allgäu-Fm. mit Verzahnung und faziellen Übergängen zur Scheibelberg-Fm., z.T. von ihr vertreten; z.T. Übergänge zur Adnet-Fm. (Gawlick et al. 2009).
Mittlere Allgäu-Fm. wird im E z.T. vertreten durch Sachrang-Fm.
Obere Allgäu-Fm. mit Verzahnung oder Übergang zu den Chiemgauer Schichten.
Alterseinstufung: Hettangium bis ?Callovium
Biostratigraphie: Hettangium (Angulata-, vereinzelt Planorbis-Zone) bis Aalenium (Murchisonae- und Concavum-Zone) (Jacobshagen 1965, Dössegger et al. 1982).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Benannt nach ihrer Typusregion im Oberallgäu (Bayern).
Fazies: Becken, hemipelagisch, mehrere 100 m Wassertiefe; im Übergang vom Becken zum Hangfuß auch kieselige Ausprägung; mit gelegentlichen, turbiditischen Ablagerungen (Spatkalksteine) (Jenkyns 1971).
Fossilien: Radiolarien, Spiculae, Foraminiferen, Ammoniten (u.a. Amaltheus, Arietites, Arnioceras, Ludwigia, Pleuroceras, Psiloceras, Schlotheimia). Umfangreiche Faunenlisten finden sich u.a. bei Besler (1959), Jacobshagen (1965).
Literatur: Besler, W. (1959): Die Jura-Fleckenmergel des Tannheimer Tales (Außerfern, Tirol). - Jahrb. Geol. Bundesanstalt, 102: 407-460, Wien (Geol. Bundesanstalt).
Dössegger, R., Furrer, H. & Müller, W. H. (1982): Die Sedimentserien der Engadinger Dolomiten und ihre lithostratigraphische Gliederung - Teil 2. - Eclogae geol. Helv., 75: 303-330, Basel (Birkhäuser).
Gawlick, H.-J., Missioni, S., Schlagintweit, F., Suzuki, H., Frisch, W., Krystyn, L., Blau, J. & Lein, R. (2009): Jurassic Tectonostratigraphy of the Austroalpine Domain. - J. Alpine Geol., 50: 1-152, Wien (Geoaustria).
Gümbel, C. W. (1856): Beiträge zur geognostischen Kenntnis von Vorarlberg und dem nordwestlichenTirol. - Jb. k. k. geol. Reichsanst., 7: 1-39, Wien (K. k. geol. Reichsanstalt).
Jacobshagen, V. (1965): Die Allgäu-Schichten (Jura-Fleckenmergel) zwischen Wettersteingebirge und Rhein. - Jahrb. Geol. Bundesanstalt, 108: 1-114, Wien (Geol. Bundesanstalt).
Jacobshagen, V. & SCHWERD, K. (2013): Geologische Karte von Bayern 1:25.000 Blatt Nr. 8624 Hochvogel. - Augsburg (Bayer. Landesamt für Umwelt).
Jenkyns, H. C. (1971): Speculations on the genesis of Crinoidal Limestones in the Tethyan Jurassic. - Geol. Rundsch., 60: 471-488, Stuttgart (Springer).
Müller-Deile, G. (1940): Geologie der Alpenrandzone beiderseits vom Kochelsee in Oberbayern. - Mitt. Reichsstelle Bodenforsch., Zweigst. München, 34: 1-109, München (Reichsstelle Bodenforsch.).
Richthofen, F. F. V. (1859): Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nordtirol. - Jb. k. k. geol. Reichsanst., 10: 72-137, Wien (K. k. geol. Reichsanstalt).
Schafhäutl, K. E. (1851): Geognostische Untersuchungen des südbayerischen Alpengebirges. - 206 S., München (Literarisch-artistische Anst.).
Zacher, W. (1964): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25.000 Blatt Nr. 8430 Füssen. - 151 S., München (Bayer. Geol. Landesamt).
Autor des Datenblattes: Teipel, U., Haas, U.
Erstellt am: 13.01.2015
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 02.02.2015
Änderung Datensatz: 19.10.2015


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 23.10.2017, 17:22:00.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID