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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Polyplocussandstein-Formation
ID: 4012044
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Mestwerdt 1914
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Norddeutscher Dogger
Chronostratigraphie: Oberaalenium (Aalenium, Mitteljura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Braunjurasandstein (Harbort 1913); Dogger-Sandsteine (Schmierer 1914); Sandsteine des Dogger beta (Hoffmann 1949); Polyplocussandstein (Deecke 1955, Kumm 1952, Brinckmann 1966, Look 1984); Polyploken-Schichten (Knetsch 1963); Dogger-ß-Sandsteine (Kölbel 1964); tonig-sandige Fazies und sandige Fazies des Dogger ß (Gruss & Thienhaus 1969); Polyplokensandstein (Schmidt/Walther 1990); Wesendorf-, Hankensbüttel- und Boostedt-Sandstein der Ludwigien-Schichten (Baldschuhn et. al. 2001); Dogger-beta-Sandstein (Petzka & Rusbült 2004); „Polyplocus-Sandstein“ (Feist-Burkhardt et al. 2009); Polyplocussandstein-Formation (Seibertz & Zobel 2009); Sinon-, Staufensis-, und Boostedt-Sandstein der Ludwigien-Schichten und Altmark-Sandstein (Mönnig et al. 2002, Mönnig 2008, Brand & Mönnig 2009).
Lithologie: In der Altmark ein weißgrauer, fein- bis mittelkörniger, mürber Sandstein mit vereinzelten Tonsteinlagen und kohlehaltigen Partien, in marin brackischem Millieu mehrmals umgelagert. In den Ost-Holstein und Gifhorn-Trögen eine Wechselfolge von dünnbankigen Feinsandsteinen und feinsandigen Tonstein-Bänkchen (Sandflaser-Fazies), in die bis zu sieben Pakete von fast reinen, schräggeschichteten Quarzsandsteinen (98% Quarz) eingeschaltet sind; die Sandsteine sind fein- bis grobsandig, arm an Bindemittel, deshalb „absandend“, hellgrau, auch beigefarben bis gelb oder rötlich; Fazies eines Sandwatts mit sheet sands (Sinon-Sandstein) oder shoestring sands mit Rinnen- und Prielbildungen (Staufensis-Sandstein), sowie Rippelmarken, Sohlmarken und Schlickgeröllen, in der Sandflaser-Fazies auch kohlige Lagen und Pflanzenreste.
Untergeordnete Einheit: Die Sandflaser-Fazies oder Polyplocussandstein-Wechselfolge (PSWf) liegt in den Trögen von Schleswig-Holstein und dem östlichen Niedersachsen über, zwischen und unter den Sandsteinpaketen und bildet im östlichen Niedersächsischen Becken den Übergang in den Ludwigienton. In den Holstein-Trögen und im Hamburg-Trog finden sich an der Basis dieser Sandflaser-Fazies oolithische Eisenerze (Hohenwörden 10, Bramstedt 1, Meckelfeld Nord 1).
Für die Erdölindustrie sind drei Sandsteinkörper als Speichergesteine besonders wichtig: im Hamburg-Gifhorn-Trog Sinon- und Staufensis-Sandstein, und in den Holstein-Trögen Sinon-/Staufensis Sandstein und Boostedt-Sandstein (früher Obtusa-Sdst. bzw. Dogger-beta-Hauptsandstein, nach Erdölfeld Boostedt umbenannt).
Liegendgrenze: Erstes Auftreten der Sandstein-Fazies über dem Ludwigienton (unterer Teil dieser Fm).
Hangendgrenze: In der Altmark wird der Sandstein von dunklen, bis 25 m mächtigen Tonsteinen der Ludwigienton-Fm überlagert (hier Concavum-Zone). In Ostholstein und dem östlichem Niedersachsen Top des Sinon-, Staufenensis-, oder Boostedt-Sandsteins oder entsprechender Sandflaser-Fazies, darüber 20-30 m, in Randsenken sogar bis zu 130 m mächtiger Ludwigienton (oberer Teil).
Mittlere Mächtigkeit: 40-200 m; Sinon-Sandstein (5-10 m), Staufensis-Sandstein (15-30 m), Boostedt-Sandstein (15 m), in der Altmark 50-100 m
Maximale Mächtigkeit: 250 m; Bohrung Bevensen 1 im Gifhorner Trog; 270 m (Werle Randsenke)
Typusprofile, etc.: Klippen des „Hohen Stein“ mit benachbartem Steinbruch SE Wolfsburg-Neuhaus, TK25 3531 Obisfelde, r 44 22 620, h 58 08 710 (Steinbruch), r 44 22 650, h 58 08 620 (Klippen), ausführliche Beschreibung in Seibertz & Zobel (2011); Bohrung Seehausen 2, Bohrung Mahlpfuhl 105.
Verbreitung (Bundesländer): Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Nördlicher Landrücken
Norddeutsches Tiefland, Südlicher Landrücken
Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Im östlichen Teil in der Altmark, der Prignitz und Havelland, also ein kreisförmiges Gebiet von 130 km Durchmesser; von hier reicht ein Zipfel noch in das Wendland hinein, im N bis in die nördliche Randsenke des Salzdiapirs Kraak, von hier aus über Schwerin bis in den Raum Tarnow, wo der Sandstein von Alb gekappt wird; im Süden bis 20 km vor die Flechtingen-Rosslauer Scholle bis Potsdam reichend. Im westlichen Teil sind die kompakten Sandsteinpakete auf Ost-Holstein-, Hamburg-, Bevensen- und Gifhorn-Trog beschränkt, während die Sandflaser-Fazies im östlichen Niedersächsischen Becken bis Hannover und Verden reicht. Der Sinon-Sandstein reicht vom Bevensen-Trog aus im Gifhorner Trog am weitesten nach S bis in den Raum Braunschweig, während der Staufensis-Sandstein an der Aller endet, aber im Norden über den Hamburg-Trog hinausreicht; der nächstjüngere Boostedt-Sandstein ist im Bevensen-, Hamburg und Ostholstein-Trog entwickelt und reicht bis zum Nordende des Gifhorn-Trogs.
Zeitgleiche Einheiten: Ludwigienton-Formation, Wusterhusen-Formation, in der südl. Nordsee Wroot Fm, in den Niederlanden Lower Werkendam Mb., in Süddeutschland Murchisonaeoolith-Fm., Achdorf-Fm., und Eisensandstein-Fm.
Alterseinstufung: Die Biostratigraphie des Polyplocussandsteins stützt sich auf Ostracoden und Ammoniten und wird in Brand & Mönnig (2009) zusammenfassend dargestellt. Demnach gehört der Sinon-Sandstein in die Murchisonae-Zone (Camptocythere modesta und C. fovealeata = alo1), Staufensis- und Boostedt-Sandstein in die Bradfordensis-Zone (Camptocythere foveolata und C. obtusa = alo2); palynologische Methoden erlauben eine Einstufung in das Aalenium (Feist-Burkhardt et al. 2009). In der Altmark in der Bohrung Mellin 2 nach Ammoniten Muchisonae- bis Bradfordensis-Zone; in der Bohrung Trieplatz 1/66 wurde am Top des Sandsteins bei 774,5 m noch Camptocythere obtusa Triebel gefunden, er endet hier in der Bradfordensis-Zone. Die Tone darüber gehören in die Concavum-Zone, was durch Graphoceras concavum in der Bohrung Mellin 2 belegt ist (Wormbs 1976).
Kommentar: Brand & Mönnig (2009) beschränken ihre „Ludwigien-Schichten“, die hier den Polyplocussandstein und „Altmark-Sandstein“ einschließen, auf das Ober-Aalenium und schließen diese mit dem Wöhrden-Sandstein ab. Die Polyplocusschichten s. auct. plur. bzw. Ludwigien-Schichten s. Baldschuhn et. al. (2001) schließen noch die Discites-Zone des Unter-Bajociums mit ein (= obere Polyplocus-Schichten).
Versch./Sonstiges: Der Polyplocussandstein gehört zu den wichtigsten Erdölspeichergesteinen in Norddeutschland. Die größten Felder sind Hankensbüttel, Hohne, Wesendorf-Nord, Örrel-Süd, Boostedt-Plön und Plön-Ost. In der Altmark wird der Sandstein als Schutt der Nordwest-Mecklenburg-Schwelle betrachtet. Er wurde auf geothermische Nutzung hin untersucht (Wormbs 1988).
Literatur: Beutler, G & Mönnig, E. (2008): Jura. ? In: Bachmann et. al.: Geologie von Sachsen-Anhalt: 231-243, Stuttgart (Schweitzerbart).
Boigk, H. (1981): Erdöl und Erdölgas in der Bundesrepublik Deutschland. ? 330 S., Stuttgart (Enke).
Brand, E. & Mönnig, E. (2009): Litho- und Biostratigraphie des Mittel-Jura (Dogger) in Bohrungen Norddeutschlands. ? Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften 54, 5-77, Hannover.
Fahrion, H. (1953): Die Struktur Calberlah und ihre regionale Stellung. ? Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie, Abhandlungen, 97: 57-78, Stuttgart.
Feist-Burkhardt, S., Heunisch, C. & Luppold, F.W. (2009): Überlegungen zur Biostratigraphie und Fazies des „Polyplocus-Sandsteins“ (Mittlerer Jura) an der ICE-Trasse östlich Braunschweig. ? Berliner paläontologische Abhandlungen, 10: 129-149, Berlin.
Göthel, H. (2006): Fortschritte bei der Unterscheidung von Aquiferen in der Trias und im Jura von Brandenburg unter spezieller Berücksichtigung der Sequenzstratigraphie. ? Brandenburg. Geowissenschaftliche Beiträge, 13 (2006), 1/2: 91-115, Kleinmachnow.
Gruss, H. & Thienhaus, R. (1969): Die Eisenerze des Ober-Aaleniums. In: Sammelwerk Deutsche Eisenerzlagerstätten. ? Beihefte zum Geologischen Jahrbuch, 79: 121-166, Hannover.
Hoffmann, G. (1913): Stratigraphie und Ammonitenfauna des unteren Doggers in Sehnde bei Hannover. ? 202 S., Stuttgart (Schweizerbart).
Kumm, A. (1952): Der Dogger (Mittlerer oder Brauner Jura). ? Geologie und Lagerstätten, A, 2 (2): 509 S., Bremen-Horn (Dorn).
Mestwerdt, A. (1914): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Bundesstaaten. ? Blatt 3631 Groß Twülpstedt: 67 S., Berlin.
Seibertz, E. & Zobel, K. (2009): Der Polyplocussandstein am Ostrand des Niedersächsischen Beckens zwischen Wolfsburg und Braunschweig (Mittlerer Jura, SE Niedersachsen): Typusprofil, Stratigraphie und Ablagerungsraum. ? Berliner paläobiologische Abhandlungen, 10: 331-335, Berlin.
Wormbs, J. (1988): Geothermische Ressourcen im Nordteil DDR, 1 : 200.000. ? ZGI, Berlin.
Autor des Datenblattes: Mönnig
Erstellt am: 08.12.2014
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 10.12.2014
Änderung Datensatz: 02.01.2015


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Litholex Recherche vom 19.08.2017, 07:15:15.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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