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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Ludwigienton-Formation
ID: 4012042
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Brinckmann 1948, Krömmelbein 1976 (Name)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Norddeutscher Dogger
Chronostratigraphie: Oberaalenium (Aalenium, Mitteljura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Tone mit Inoceramus polyplocus (Brauns 1869); Fuscus- und Polyplocus-Schichten (Althoff 1936); Murchisonaeton (Brinckmann 1948); sandfreie Fazies des Dogger beta (Hoffmann 1949); Obere Lioceren-Schichten und untere Ludwigien-Schichten (Kumm 1951); Murchisonae-Tone (Knetsch 1963); Tonfazies des Ober-Aaleniums (Hölder 1964); Tonige Fazies des Dogger beta (Gruss & Thienhaus 1969); Ludwigia-Ton (Krömmelbein 1976, Schmidt/Walther 1990, Rothe 2000); Ludwigien-Schichten (Boigk 1981, Preuss et. al. 1991, STD 2002); tonige Sedimente der Ludwigienton-Fm (Mönnig 2008); tonige Sedimente der Ludwigien-Schichten (Brand & Mönnig 2009).
Lithologie: Schwarzgraue Tonsteine mit Toneisensteingeoden oder dunkelgraue, schwach glimmerige Mergel mit 6–10 cm dicken Lagen von karbonatischen Geoden im Abstand von 20–80 cm, darin oft Anreicherungen von Muscheln (Mytiloceramus, Liostrea, Pleuromya, Gresslya, Pectiniden) und Crinoiden, in Lagen auch massenhaftes Vorkommen von Mytiloceramus (früher: Inoceramus) polyplocus; im Raum Bremen an der Basis oolithische Eisenerze (= Staffhorst-Sbfm).
Untergeordnete Einheit: Die Staffhorst-Sfm. (nov.) ist ein 3-11 m mächtiges Eisenerz an der Basis des Ludwigientons; das bis 5,5 m mächtige Hauptlager besteht aus kompakten, teilweise auch flaserig geschichteten Eisenoolithen, meist grün-grau, bei stärkerem Magnetit-Anteil auch schwarzgrau (Gruss & Thienshaus 1969).
Liegendgrenze: Im Profil Bielefeld-Bethel (Althoff 1936) Schicht 68, über der Konglomerat-Bank des Posidonienschiefers („Grenzkonglomerat“, es fehlt der Opalinuston); im Raum Bremen die Basis der Staffhorst-Subformation, ansonsten die Grenze zum liegenden Opalinuston, die aber in Bohrlochlogs manchmal nur schwer zu erkennen ist.
Hangendgrenze: Im Profil Bielefeld-Bethel (Althoff 1936) Basis von Schicht 1 = unterste Schicht der Sonninientone, hier als „Inoceramenpacken“ mit massenhaftem Vorkommen von Mytiloceramus polyplocus entwickelt, darüber „obere Polyplocus-Schichten“; in den Bohrungen der Weser-Ems-Region ist diese Grenze im Log allerdings schwer zu finden; im Bereich des Wöhrden-Sandsteins bildet die Basis dieser sandigen Fazies die Obergrenze.
Mittlere Mächtigkeit: 40-70 m
Maximale Mächtigkeit: 100 m (Bohrung Hemmelte West im Weser-Ems-Gebiet)
Typusprofile, etc.: Schicht 2-68 im Profil Bethel III (Althoff 1936, auch in Kumm 1952 und Spiegler 1966), in der Tongrube III der ehemaligen Ziegelei Bethel, heute verwachsen, TK25 3917 Bielefeld, r 34 67 450, h 57 63 600.
Verbreitung (Bundesländer): Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Nordsee und Wattenküste
Norddeutsches Tiefland, Nördlicher Landrücken
Norddeutsches Tiefland, Südlicher Landrücken
Norddeutsches Tiefland, Ems-Hunte-Geest, Weser-Aller-Flachland
Mittelgebirge, Weserbergland
Verbreitung (Ergänzung): Der Verbreitung der Ludwigienton-Fm deckt sich annähernd mit der Verbreitung des Doggers in Norddeutschland, in Vorpommern wird das Aalenium durch die Wusterhusen-Fm vertreten. Im westlichen Niedersachsen reicht die rein tonige Fazies des Ober-Aaleniums bis Hannover. Ab hier wird die Formation durch den Polyplocus-Sandstein geteilt.
In einem 20-70 km breiten, vom Westholsteintrog-Trog bis zum Harz reichenden Streifen verzahnt sich der Ludwigienton mit dem Polyplocussandstein. Dieses Kontinuum wird als „Ton-Sand-Fazies“ (Gruss & Thienhaus 1969), „Sandflaserzone“ (Fahrion 1953) oder Sandflaser-Fazies (Seiberts & Zobel 2009). bezeichnet und zum Polyplocussandstein gerechnet. Die Eisenerze von Staffhorst sind auf die Randbereiche von Schwellen beschränkt und reichen auf einer Länge von 140 km und einer Breite von 25 km vom südlichen Emsland bis in den Raum Verden-Schnaphusen, mit einem Einzelvorkommen bei Wilhelmshaven.
Zeitgleiche Einheiten: Polyplocussandstein, Wusterhusen-Formation; in der südl. Nordsee Wroot Fm, in den Niederlanden Lower Werkendam Mb; in Süddeutschland Murchisonaeoolith-Formation, Achdorf-Formation, Eisensandstein-Formation.
Alterseinstufung: Grundsätzlich ist eine mikropaläontologische Gliederung des Ludwigientons schwierig, weil Ostracoden fehlen und bei den Foraminiferen nur eine eintönige Sandschalerfauna vorkommt; in Bethel belegen zahlreiche Ammoniten die Murchisonae-, Bradfordensis- und Concavum-Zonen des Ober-Aaleniums (Spiegler 1966); die Basis des Ludwigientons wird im westlichen Niedersächsischen Becken von E nach W immer jünger (Brand & Mönnig 2011).
Kommentar: Brand & Mönnig (2009) beschränken ihre Ludwigien-Schichten mit den fünf Sandsteinen auf das Ober-Aalenium und schließen diese mit dem Wöhrden-Sandstein ab. Die Polyplocusschichten s. auct. plur. bzw. Ludwigien-Schichten s. Baldschuhn et. al. (2001) schließen noch die Discites-Zone des Unter-Bajociums mit ein (= Polyplocus-Schichten).
Versch./Sonstiges: Die Tongruben in Bethel sind rekultiviert und nur noch als Teich erkennbar. Die oolithischen Eisenerze der Staffhorst-Sbfm wurden vor 50 Jahren exploriert, die berechneten 450 Mio. t. „Erz“ mit 20-38% Fe sind aber bis heute nicht abbauwürdig.
Literatur: Althoff, W. (1936): Zur Stratigraphie und Paläontologie des oberen Lias und unteren Doggers von Bethel bei Bielefeld. ? Abhandlungen aus dem Landesmuseum der Provinz Westfalen, Museum für Naturkunde, 7: 11-44, Münster.
Brand, E. & Mönnig, E., (2009): Litho- und Biostratigraphie des Mittel-Jura (Dogger) in Bohrungen Norddeutschlands. ? Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften 54, 5-77, Hannover.
Brauns, D. (1869): Der mittlere Jura im nordwestlichen Deutschland. ? 434 S., Braunschweig (Vieweg).
Fahrion, H. (1953). Die Struktur Calberlah und ihre regionale Stellung. ? Neues Jahrbuch für Geololgie und Paläontologie, Abhandlungen, 97: 57-78, Stuttgart.
Gruss, H. & Thienhaus, R. (1969): Die Eisenerze des Ober-Aaleniums. In: Sammelwerk Deutsche Eisenerzlagerstätten. ? Beihefte zum Geologischen Jahrbuch, 79: 121-166, Hannover.
Hoffmann, G. (1913): Stratigraphie und Ammonitenfauna des unteren Doggers in Sehnde bei Hannover. ? 202 S., Stuttgart (Schweizerbart).
Kumm, A. (1952): Der Dogger (Mittlerer oder Brauner Jura). ? Geologie und Lagerstätten, A, 2 (2): 509 S., Bremen-Horn (Dorn).
Mönnig, E. (2008): Jurassic: Northern Germany. ? In T. McCann: The Geology of Central Europe: 842-846, London (Geological Society).
Seibertz, E. & Zobel, K. (2009): Der Polyplocussandstein am Ostrand des Niedersächsischen Beckens zwischen Wolfsburg und Braunschweig (Mittlerer Jura, SE Niedersachsen): Typusprofil, Stratigraphie und Ablagerungsraum. ? Berliner paläobiologische Abhandlungen, 10: 331-335, Berlin.
Spiegler, W. (1966): Graphoceratidae des Ober-Aalenium (Jura, NW-Deutschland). ? Mitteilungen aus dem Geologischen Staatsinstitut in Hamburg, 35: 5-113, Hamburg.
Autor des Datenblattes: Mönnig
Erstellt am: 08.12.2014
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 10.12.2014
Änderung Datensatz: 02.01.2015


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Litholex Recherche vom 28.07.2017, 08:48:32.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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