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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Sengenthal-Formation
ID: 4012038
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Gümbel 1891; Name: Zeiss 1977, Groiss et al. 2000
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Brauner Jura (Gruppe); Süddeutscher Jura (Hauptgruppe)
Chronostratigraphie: Unteroxfordium (Oxfordium, Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Obercallovium (Callovium, Mitteljura, Jura, Mesozoikum)
Mittelcallovium (Callovium, Mitteljura, Jura, Mesozoikum)
Untercallovium (Callovium, Mitteljura, Jura, Mesozoikum)
Bathonium (Mitteljura, Jura, Mesozoikum)
Oberbajocium (Bajocium, Mitteljura, Jura, Mesozoikum)
Unterbajocium (Bajocium, Mitteljura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Braunjura gamma-epsilon (Quenstedt 1858); Crinoideenkalk, gelbe spätige Doggerkalke, Zeitlarner Schichten, Eisenoolith, pars Dinglreuther Schichten, Biarmatusbank von Dinglreuth (Ammon 1875); Unterer Dogger gamma-delta und Mittlerer Dogger epsilon bzw. Eisenoolithkalke (Gümbel 1891); Braunjura Gamma bis Weißjura Alpha 1, Sowerbyi- bis Mariae-Cordatum-Schichten (Kolb 1965); Berching-Formation, Sachsendorf member, Weiße Laber member (Zeiss 1977); Oolithton (pars: Schirmer 1978); Oolithkalkserie (Etzold 1980); Langenhardt-Formation, Zeitlarn-Formation, Dingelreuth-Formation (Gröschke 1985); Oolith-Abfolge (Schmidt-Kaler et al. 1992); Oolithkalke (Doppler et al. 2004).
Lithologie: Unten Kalkarenite, darüber Wechselfolge aus oolithischen Tonmergelsteinen mit eisenoolithischen Kalkmergel- bis Kalkstein-Bänken oder Konkretionslagen. Graubraun bis gelbbraun, bei höheren Eisengehalten auch rotbraun. Oben glaukonitische, feinsandige Tonmergelsteine und Tonsteine.
Oft als Hartgründe entwickelt, mit Geröllen und Bohrgängen. Lagenweise sehr fossilreich: Ammoniten, Belemniten, Muscheln, Schnecken, Brachiopoden, Serpuliden. In Niederbayern zwischen Straubing und Passau treten geringmächtige Echinodermen-Schuttkalke sowie Kalk- und Mergelsteine mit Brauneisenooiden auf. Unter der Molasse-Senke Kalksandsteine und oolithische Kalksteine mit Echinodermen und Korallen.
In Sengenthal, an der Typlokalität, ist der „Parkinsonien-Oolith“ sehr fossilreich und auffällig braunrot gefärbt. Der „Orbis-Oolith“ besteht aus harten, oolithischen Kalkmergelbänken. Andernorts sind andere biostratigraphische Horizonte als harte Bänke entwickelt, die in der nördlichen Frankenalb z.B. als „Oberbank“ kartiert wurden.
Untergeordnete Einheit: Weiße-Laber-Subformation – 0,7 bis 6,50 m mächtige, braungraue, z.T. ooidführende und/oder schillreiche kalkig gebundene Sandsteine, Kalkarenite und bläuliche Kalke mit untergeordneten Einschaltungen von Tonmergellagen. An der Basis kommen auch Konglomerate vor (Zeiss 1977, basierend auf Hertle 1962).
Berching-Subformation – An der Basis aufgearbeitete Phosphoritknollen und plattige Gerölle der oberen Weiße-Laber-Subformation. Darüber 5 bis 12 m mächtige, graue oder bräunlichgelbe bis karminrote, wechselnd eisenoolithische, z.T. schill- oder echinodermenreiche Ton- bis Kalkmergelsteine mit Brauneisenooiden. Diese sind auf der nördlichen Frankenalb abschnittsweise von breiten Fasergipsschnüren durchsetzt (Kolb 1965; Berching formation von Zeiss 1977).
Zeitlarn-Subformation – Die dickbankigen Kalke und Mergel sind reich an Echinodermen-Bruchstücken bis 1 cm im Durchmesser (Gröschke 1985). In den gelbgrauen bis gelbbraunen Karbonaten treten die weißlichen Bioklasten deutlich hervor. Diese Erosionsrelikte zwischen Straubing und Passau (Niederbayern) werden nur wenige Meter mächtig.
Langenhardt-Subformation – Die grauen bis braunen Kalke und Mergel mit Brauneisenooiden haben lagenweise Anreicherung von Fossilien, insbesondere Cephalopoden (Gröschke 1985). Diese Erosionsrelikte zwischen Straubing und Passau (Niederbayern) werden nur wenige Meter mächtig.
Winnberg-Subformation – Die lagenweise sandigen, dunkelgrauen, feinstgeschichteten Tonsteine bis Tonmergelsteine mit Phosphoritknollen können bis 15 m mächtig werden. Charakteristisch ist die Glimmer-, Feinsand- und Glaukonit-Führung, die vom Liegenden zum Hangenden zunimmt. (Kolb 1965; Sengenthal formation von Zeiss 1977; Ornatenton-Sfm bei Mönnig et al. 2002).
Sachsendorf-Horizont – Die 0,20-1,20 m mächtigen glaukonitischen, sandigen Kalke und Mergel mit Muskovit (Zeiss 1977; Lamberti- und Mariae-Cordatum-Schichten bei Kolb 1965; Biarmatusbank von Dinglreuth bei Ammon 1875: 110; Dingelreuth-Formation bei Gröschke 1985: 19) liegen den Winnberg- und Zeitlarn-Subformationen auf.
Liegendgrenze: In Franken die Basis der Sowerbyi-Geröll-Lage (Top der Eisensandstein-Formation). Zwischen Straubing und Passau (Niederbayern) liegt die Sengenthal-Formation auf den überwiegend terrestrisch-fluviatilen Sandsteinen der Flintsbach-Formation (Fay & Gröschke 1982; Gröschke 1985). Westlich vom Ries beginnt die Sengenthal-Formation höher, im Hangenden der Wedelsandstein-Formation.
Hangendgrenze: Weißjura-Gruppe, in der Fränkischen Alb die Dietfurt-, Hartmannshof- und Feuerstein-Formationen, in Niederbayern die Voglarn-Formation, in der östlichen Schwäbischen Alb die Transversariumbänke der Impressamergel-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: Bis 35 m auf der Fränkischen Alb (Zeiss 1977), zwischen Straubing und Passau (Niederbayern) erreicht die Sengenthal-Formation nur wenige Meter (Gröschke 1985); in der Molasse bis 40 m (Bohrung Giftthal 1).
Maximale Mächtigkeit: 40 m
Typusprofile, etc.: Typusprofil der Sengenthal-Formation und der Winnberg-Subformation ist der Steinbruch am Winnberg bei Sengenthal, Neumarkt, Opf. (TK 25: 6734 Neumarkt i.d.Opf., R 44 61 600 / H 54 55 600, ausführliches Profil bei Callomon et al. (1987).
Die Sachsendorf-Subformation wurde von Zeiss (1962) in der Bohrung Sachsenhausen (in der Gemeinde Aufseß, Landkreis Bayreuth, Regierungsbezirk Oberfranken) beschrieben, in der sie ihre größte Mächtigkeit erreicht (Zeiss 1977).
Das Typusprofil der Langenhardt-Subformation bei Gröschke (1985) ist der aufgelassene Steinbruch bei Langenhardt (Niederbayern).
Die Referenzlokalität der Zeitlarn-Subformation ist der aufgelassene Steinbruch am Kalkberg bei Voglarn (Niederbayern), wo die Echinodermen-Schuttkalke zwischen den Sandsteinen der Flintsbach-Formation und den glaukonitischen Kalkmergeln der Sachsendorf-Subformation (Dingelreuth-Formation von Gröschke 1985) anstehen.
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): Baden-Württemberg, Östliche Schwäbische Alb, Bayern, Fränkische Alb; unter Molasse-Bedeckung mindestens bis Erding (nordöstlich München). Die Berching-Subformation erstreckt sich bis in den Raum Aalen; westlich von Essingen verzahnt sie sich mit den Ostreenkalk-, Hamitenton-, Dentalienton- und Ornatenton-Formationen.
Zeitgleiche Einheiten: Zwischen Straubing und Passau (Niederbayern) ist die Flintsbach-Formation mit dem unteren Abschnitt der Sengenthal-Formation zeitgleich (vgl. Gröschke 1985: Abb. 8). In Baden-Württemberg (Mittlere Schwäbische Alb und Oberrheingebiet) sind die Wedelsandstein-, Ostreenkalk-, Humphriesioolith-, Hauptrogenstein-, Hamitenton-, Dentalienton-, Variansmergel-, Wutach- und Ornatenton-Formationen zeitgleich.
In Norddeutschland sind es bis zu mehrere hundert Meter mächtige Tonsteine und Sandsteine.
Alterseinstufung: Die Einstufung mittels Ammoniten ergibt das Unterbajocium bis Unteroxfordium (Laeviuscula- bis Cordatum-Zone). Die Abfolge ist biostratigraphisch gesehen sehr lückenhaft entwickelt.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: In der Sengenthal-Formation werden ausschließlich Faziestypen des flachmarinen Ablagerungsraumes zusammengefasst. Die sandige Abfolge im Liegenden der überwiegend karbonatischen Sengenthal-Formation in Niederbayern ist terrestrisch-fluviatilen Ursprungs und gehört zur Flintsbach-Formation (Fay & Gröschke 1982; Gröschke 1985).

Ursprünglich war Sengenthal-Formation ein neuer Name für die in Franken etwas sandigere Randfazies der Ornatentone (Zeiss 1977). Die eisenoolithischen Kalke und Mergel darunter nannte Zeiss „Berching-Formation“. In Groiss et al. (2000) wurde die Sengenthal-Formation neu definiert. Demnach umfasst die Sengenthal-Formation die frühere Berching-Formation einschließlich des Ornatentons. Dieser wurde in der STD 2002 als Subformation der Sengenthal-Fm. Ausgewiesen, weil der Ornatenton in Franken aufgrund seiner geringen Mächtigkeit keine eigenständige „kartierbare“ Einheit bildet. Das Nebeneinander einer Ornatenton-Formation und einer Ornatenton-Subformation in der STD 2002 ist aber formal nicht zulässig. Zeiss (2012, unveröff.) hat für den Ornatenton die Bezeichnung Winnberg-Sfm vorgeschlagen (nach dem Steinbruch am Winnberg in Sengenthal).
Literatur: Ammon, L. von (1875): Die Jura-Ablagerungen zwischen Regensburg und Passau. Eine Monographie des niederbayerischen Jurabezirks Keilberger Jura. Unter besonderer Berücksichtigung seiner Beziehungen zum Frankenjura. – x+200 S.; München.
Callomon, J., Dietl, G., Galacz, A., Gradl, H., Niederhöfer, H.-J. & Zeiss, A. (1987): Zur Stratigraphie des Mittel- und unteren Oberjuras in Sengenthal und Neumarkt/Opf. (Fränkische Alb). – Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde, B, 132, Stuttgart.
Fay, M. & Gröschke, M. (1982): Die Mitteljura-Sandsteine in Niederbayern. Lithologie, Stratigraphie, Paläogeographie. – Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie, Abhandlungen, 163 (1): 23-48; Stuttgart.
Gröschke, M. (1985): Stratigraphie und Ammonitenfauna der Jurarelikte zwischen Straubing und Passau (Niederbayern). – Palaeontographica, A 191: 1-68; München.
Groiss, J., Haunschild, H. & Zeiss, A. (2000): Das Ries und sein Vorland. – Sammlung geologischer Führer, 92: 271 S.; Berlin, Stuttgart.
Gümbel, C.W. von (1891): Geognostische Beschreibung des Königreichs Bayerns. 4. Abtheilung. Geognostische Beschreibung der Fränkischen Alb (Frankenjura) mit dem anstossenden Fränkischen Keupergebiete. – 763 S; Kassel (Th. Fischer).
Kästle, B. (1990): Fauna und Fazies der kondensierten Sedimente des Dogger und Malm (Bajocium bis Oxfordium) im südlichen Frankenjura. – Münchner Geowissenschaftliche Abhandlungen, A 18: 134 S.; München.
Kolb, H. (1965): Die Schichtenfolge des oberen Braunen Juras im Steinbruch des Kalk- und Zementwerkes Behringer am Winnberg bei Sengenthal / Neumarkt. – Geologische Blätter für Nordost-Bayern, 15: 83-90; Erlangen.
Meyer, R. & Schmidt-Kaler, H. (1996): Jura. – In: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:500.000: S. 98; München.
Zeiss, A: (1977): Jurassic stratigraphy of Franconia. – Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde, B, 31: 32 S.; Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Franz, M., Niebuhr,B., Zeiss, A.
Erstellt am: 24.02.2014
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 27.02.2014
Änderung Datensatz: 31.03.2014


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Litholex Recherche vom 22.10.2017, 02:43:04.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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