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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Nusplingen-Formation
ID: 4012035
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Quenstedt 1843
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Weißer Jura
Chronostratigraphie: Oberkimmeridgium (Kimmeridgium, Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Nusplinger Kalkplatten (Quenstedt 1843); Nusplinger Kalkschiefer (Aldinger 1930); Nusplinger Schieferkalke (Temmler 1964, Schweizer 1994); Nusplinger Plattenkalke (Geyer & Gwinner 1979).
Lithologie: Die Nusplingen-Formation besteht aus stark biodetritischen, dünnplattig absondernden Kalklaminiten mit darin eingeschalteten nichtlaminierten Kalkbänken, bei denen es sich untergeordnet um bioturbate Lagen, meistens jedoch um gradierte Kalkturbidite handelt („Allodapische Kalke“). Im tieferen Profilabschnitt kommen Kieselknollen und schichtkonforme Silexlagen vor, dünne Kiesellagen auch im obersten Abschnitt. In den tieferen Schichten herrschen gelbliche Gesteinsfarben mit Eisen- oder Manganoxid-Dendriten vor. Im höheren Abschnitt sind die Plattenkalke eher beigegrau und teilweise blaugrau, bedingt durch einen hohen Kerogengehalt. Mergellagen („Fäulen“) kommen fast ausschließlich im höheren Profilabschnitt vor und sind nur wenige Millimeter bis einige Zentimeter mächtig. Die Komponenten im Nusplinger Plattenkalk bestehen aus Schwammnadeln, darunter viele Rhaxe, Radiolarien und Skelettelemente von Saccocoma. Im Nannobereich konnten Coccolithophoriden und Calcisphären nachgewiesen werden (Bantel et al. 1999).
Die häufigsten Fossilien der Nusplinger Plattenkalk-Formation sind flachgedrückte Ammoniten, Aptychen, Belemnitenrostren und Koprolithen, darunter die aus Saccocoma-Resten bestehende Lumbricaria. Daneben ist eine hochdiverse Fauna aus Krebsen, Fischen und sogar Reptilien (Krokodile, Flugsaurier) und einigen Insekten zu verzeichnen, die den Ruf dieser Formation als bedeutendste Fossillagerstätte im Schwäbischen Oberjura begründen. Bemerkenswert sind außerdem Reste eingeschwemmter Landpflanzen, die zuweilen in Häcksellagen angereichert sein können. Eine vollständige Übersicht über die bis dahin bekannte Fauna und Flora ist aus DIETL & SCHWEIGERT (2011) zu entnehmen.
Untergeordnete Einheit: keine
Liegendgrenze: Die Basis der Nusplingen Plattenkalk-Formation wird mit dem erstmaligen Einsetzen plattig absondernder Laminite über den mikritischen Kalken der Liegenden Bankkalk-Formation gezogen. Im Randbereich der Plattenkalk-Wannen ist auch eine direkte Überlagerung der Oberjura-Massenkalk-Formation zu beobachten.
Hangendgrenze: Die heutige Obergrenze der Nusplingen Plattenkalk-Formation ist entweder erosiv oder sie wird von einer Lage aus allochthonen Riffkalkblöcken (Olistholithe) gebildet, die der Oberjura-Massenkalk-Formation entstammen.
Mittlere Mächtigkeit: 10,5-17 m
Maximale Mächtigkeit: 17 m
Typusprofile, etc.: Das Typusprofil entspricht dem von DIETL et al. (1998) publizierten Profil der Forschungsbohrung 1, die unmittelbar westlich des Nusplinger Steinbruchs abgeteuft wurde: Plattenkalk-Bohrung 1 (RP 3/94), TK25 7819 Messstetten, r 34 90 620, h 53 31 700, Höhe 902 m ü. NN. Je nach Abbauzustand sind im Nusplinger Steinbruch verschieden große Ausschnitte dieses Idealprofils über Tage aufgeschlossen.
Mehrere gekernte Forschungsbohrungen lieferten Daten über den Aufbau, die Mächtigkeit und die Verbreitung der Nusplinger Plattenkalk-Formation (DIETL et al. 1998). Der höhere Profilabschnitt ist im Nusplinger Steinbruch über Tage erschlossen, tiefere Abschnitte mit der Basis der Formation sind im Egesheimer Steinbruch oder an der alten Westerbergsteige freigelegt.
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Der Ausstrich der Nusplingen-Formation beschränkt sich auf das Kartenblatt TK 7819 Messstetten. Es gliedert sich in das Hauptvorkommen in der so genannten „Westerberg-Wanne“ und ein Reliktvorkommen in der südlich anschließenden „Großer-Kirchbühl-Wanne“. Östlich des Bäratals ist die Formation, falls sie dort ursprünglich vorhanden gewesen sein sollte, bereits abgetragen.
Zeitgleiche Einheiten: Weiter im Süden des Verbreitungsgebiets sind Teile der dortigen Zementmergel-Formation zeitgleich; im Gebiet der östlichen und mittleren Schwäbischen Alb korreliert die Mergelstetten-Formation teilweise mit der Nusplingen-Formation; in Norddeutschland der obere Abschnitt der Süntel-Formation.
Alterseinstufung: Ober-Kimmeridgium (Beckeri-Zone, Ulmense-Subzone). Die Nusplinger Plattenkalk-Formation führt eine reiche Ammonitenfauna des hoelderi-Faunenhorizonts, darunter die Subzonenleitart Lithacoceras ulmense (OPPEL). Basal ist auch noch die Fauna des zio-wepferi-Horizonts ß nachweisbar, insbesondere im isolierten Vorkommen am Großen Kirchbühl.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Der Nusplinger Plattenkalk wurde schon im ausgehenden Mittelalter für Straßen- und Wegebau gebrochen, im 19. Jahrh. dann Abbau von Boden- und Dachplatten, zu dieser Zeit auch erste Grabungen nach Fossilien. Wissenschaftliche Grabungen durch die Universität Tübingen (1929-1935, 1962) und vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart (seit 1993).
Literatur: ALDINGER, H. (1930): Über die Entstehung der Kalkschiefer des oberen Weißen Jura von Nusplingen in Württemberg. – Cbl. Mineral., Geol., Paläont., Abt. B, 1930: 257–267, Stuttgart.
BANTEL, G., SCHWEIGERT, G., NOSE, M. & SCHULZ, H.-M.: Mikrofazies, Mikro- und Nannofossilien aus dem Nusplinger Plattenkalk (Ober-Kimmeridgium, Schwäbische Alb). – Stuttgarter Beitr. Naturkde., B, 279: 1–55, Stuttgart 1999.
DIETL, G., SCHWEIGERT, G., FRANZ, M. & GEYER, M. (1998): Profile des Nusplinger Plattenkalks (Oberjura, Schwäbische Alb). – Stuttgarter Beitr. Naturkde., B, 265: 1–37, Stuttgart.
DIETL, G. & SCHWEIGERT, G. (2011): Im Reich der Meerengel – Fossilien aus dem Nusplinger Plattenkalk (2. erweiterte Aufl.). – 144 S., München (F. Pfeil).
GEYER, O.F. & GWINNER, M.P. (1979): Die Schwäbische Alb und ihr Vorland. – Samml. geol. Führer, 67, 271 S., Stuttgart & Berlin (Borntraeger).
QUENSTEDT, F.A. (1843): Das Flözgebirge Würtembergs. Mit besonderer Rücksicht auf den Jura. – 558 S., Tübingen (Laupp).
SCHWEIGERT, G. (1997): Bibliographie des Nusplinger Plattenkalks von 1823–1997. – Profil, 11: 341–349, Stuttgart.
SCHWEIGERT, G. (1998): Die Ammonitenfauna des Nusplinger Plattenkalks (Ober-Kimmeridgium, Beckeri-Zone, Ulmense-Subzone, Schwäbische Alb). – Stuttgarter Beitr. Naturkde., B., 267: 1–61, Stuttgart.
SCHWEIZER, V. (1994) unter Mitarb. von FRANZ, M.: Erläuterungen zu Blatt 7819 Meßstetten. – Geol. Karte 1:25 000 von Baden-Wütttemberg: 112 S., Freiburg/Stuttgart.
TEMMLER, H. (1964): Über die Schiefer- und Plattenkalke des Weißen Jura der Schwäbischen Alb (Württemberg). – Arb. Geol.-Paläont. Inst. TH Stuttgart, N.F. 43: 106 S., Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Günter Schweigert
Erstellt am: 06.02.2013
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 06.02.2013
Änderung Datensatz: 06.02.2013


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Litholex Recherche vom 27.07.2017, 14:35:48.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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