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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Aspidoideston-Formation
ID: 4012030
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Behrendsen 1886 (Beschreibung); Klüpfel 1931 (Name)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Norddeutscher Dogger
Chronostratigraphie: Oberbathonium (Bathonium, Mitteljura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Sandiger Mergelkalk mit Monotis decussata (Credner 1863); Schichten mit Avicula echinata (Behrendsen 1886); Zone des A. aspidoides und A. discus (Steuer 1897); Zone der Oppelia aspidoides (Menzel 1902); Aspidoides-Schichten (J. Roemer 1911, Löwe 1912; Brand 1949, Vinken 1971); Aspidoides-Tone (Klüpfel 1931, Knetsch 1962, Schmidt/Walter 1972-2003); Oxyceriten-Schichten (Kumm 1952); Aspidoideston (Tröger 1984, Mönnig 1989,1990,1993); Aspidoideston-Formation (Mönnig 2002, 2008); Aspidoides-Schichten (incl. Sandsteine, Brand & Mönnig 2009).
Lithologie: Tonstein, siltig, mergelig, schwarzgrau (10 YR 4/1), glimmerführend, pyritisch; an der Typlokalität Lechstedt mit drei Horizonten aus eisenreichen, karbonatischen, teils oolithischen Hartgründen; im Weser-Wiehengebirge liegt über einer Erosionsdiskordanz am Top des Schaumburg-Sandsteins der eisenoolithische Aspidoides-Oolith, weiter oben schalten sich einige Sandstein-Bänke ein (= Porta-Sandmergel = Äquivalent des Karstädt-Sandsteins); der als „Liegende Fucoiden-Tone“ bezeichnete Bereich zwischen Württembergica-Sandstein und Schaumburg Sandstein führt gröbere Sandfraktionen (Bininda 1985); Fossilien: reiche Ammonitenfauna, meist als pyritische Steinkerne erhalten, benthische Muscheln, rhynchonellide Brachiopoden, reiche Mikrofauna.
Untergeordnete Einheit: Die Liegende Fucoiden-Tone (bis 10 m) sind kaum zerwühlte, dunkle Tonsteine zwischen Württenbergica-Sandstein und Schaumburg-Sandstein; der Aspidoidesoolith ist im Weser- und Wiehengebirge am Top des Schaumburg-Sandsteins über einer Omissionsfläche als oolithisches Eisenerz ausgebildet, im Raum Hildesheim ein 1,5 m mächtiger Horizont mit 3 Lagen aus rotbraunen Konkretionen mit weißen Ooiden, an der Grenze zu Sachsen-Anhalt 10-12 m mächtige graue Mergelsteine mit einzelnen, bis 1 m starken, eisenoolithischen Kalkbänken; der Porta-Sandmergel der Weserkette entspricht dem Karstädt-Sandstein.
Liegendgrenze: Top des Württembergica-Sandsteins bzw. Emersionshorizont / Hardground am Top des Württembergicatons, z.B. in Hellern völlig zerbohrte, sandig-eisenkarbonatische Kalkbank mit Schalendetritus (Westermann 1958) oder in Hildesheim brotlaibförmige, von Bohrlöchern durchsetzte Mergelsteingerölle (Lutze 1967).
Hangendgrenze: südlich der Aller-Linie Basis des Macrocephalenooliths, nördlich der Aller-Line Basis des Karstädt-Sandsteins.
Mittlere Mächtigkeit: 20 m
Maximale Mächtigkeit: 105 m (Bohrung Wiefelstede 1 im Emsland)
Typusprofile, etc.: ehemalige Ziegeleitongrube Lechstedt bei Hildesheim; TK25 3826, Dingelbe/Schellerten, h 55 77 000, r 35 72 000 (siehe Westermann 1958, Brand et. al 1990). Tongrube verfüllt, Belegmaterial in der BGR-Hannover. Typusregion ist der Hildesheimer Jurazug.
Verbreitung (Bundesländer): Brandenburg
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Südlicher Landrücken
Norddeutsches Tiefland, Ems-Hunte-Geest, Weser-Aller-Flachland
Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Mittelgebirge, Weserbergland
Verbreitung (Ergänzung): Die Verbreitung der Aspidoideston-Formation deckt sich annähernd mit der Verbreitung des Norddeutschen Doggers: im Westen von der Ems über das Niedersächsische Becken, den Gifhorner Trog und die Werle-Salzstockrandsenke bis nach Potsdam reichend; nördlich der Allerlinie nur Reliktvorkommen wie in der Jaderbergsenke.
Zeitgleiche Einheiten: Schaumburg-Sandstein, Karstädt-Sandstein; in Süddeutschland oberster Teil der Variansmergel, sowie Wutach- und Sengenthal-Formation.
Alterseinstufung: Ober-Bathonium (Hodsoni-, Orbis- und Discus-Zone): Die Aspodoideston-Formation repräsentiert das ganze Ober-Bathonium, hauptsächlich mit der Zone des Oxycerites orbis. Im oberen Teil der Hodsoni-Zone schiebt sich im Gebiet zwischen Weser und Ems, dem Gifhorner Trog und der Werle Senke der Schaumburg-Sandstein ein. Der Aspidoides-Oolith fällt im Wersergebirge in die Orbis-Zone, im Raum Hildesheim in die densecostatus-Subzone der Hodsoni-Zone. Die Discus-Zone, die das Bathonium abschließt, konnte im Raum Hildesheim und im Weser- und Wiehengebirge nachgewiesen werden, im Profil Deckbergen auch der oberste Bereich mit den ersten Macrocephaliten (=Portasandmergel) (Mönnig 1989). Im Nordosten wird die Discus-Zone durch den Karstädt-Sandstein vertreten.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Die Aspidoidestone der ehemaligen Tongruben Temme (Hildesheim) und Lechstedt waren früher für ihre reichen Ammonitenfunde weltbekannt. Beide Aufschlüsse sind heute verfüllt. Sehr häufig war Oxycerites „aspidoides“ zu finden, daher der Name. Der Typus dieser Ammonitenart stammt aus dem Parkinsonien-Oolith vom Ipf bei Bopfingen (Grenzbreich Bajocium/Bathonium, Dietl 1982). Früher hatte man die Oxyceriten aus dem Ober-Bathonium als Oxycerites aspidoides bestimmt, wobei es sich aber um die sehr ähnliche Art Oxycerites orbis (Giebel) handelt. Deshalb wurde die Aspidoides-Chronozone in Orbis-Chronozone umbenannt. Der lithostratigraphische Begriff Aspidoideston wird aber in Norddeutschland aus Gründen der Kontinuität belassen, auch der Aspidoidesoolith wird nicht wie in Süddeutschland in Orbis-Oolith umbenannt, um Verwechselungen zu vermeiden.
Literatur: Bininda, R. (1986): Cornbrash-Sande im zentralen Teil des Niedersächsischen Beckens. – Osnabrücker Naturwissenschaftliche Mitteilungen 12: 7-45, Osnabrück.
Brand, E. & K. Hofmann (1963): Stratigraphie und Fazies des nordwestdeutschen Jura und Bildungsbedingungen seiner Erdöllagerstätten. – Erdöl und Kohle, Erdgas, Petrochemie, Jg. 16: 437-450, Hamburg.
Brand, E; Cepec, P.; Hahn, W.; Jordan, R.; Prauss, M. & Westermann, G.E.G. (1990): Zum Ober-Bathonium (Mittlerer Jura) im Raum Hildesheim, Nordwestdeutschland. Mega- und Mikropaläontologie, Biostratigraphie.– Geol. Jb., A 121: 323 S., Hannover.
Brand, E. & Mönnig, E. (2009): Litho- und Biostratigraphie des Mittel-Jura (Dogger) in Bohrungen Norddeutschlands. Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften 54: 5-77, Hannover.
Dietl, G. (1982): Das wirkliche Fundniveau von Ammonites aspidoides Oppel (Ammonoidea, Mittl. Jura) am locus typicus.? Stuttgarter Beitr. Naturk., Ser. B, 87: 1-21, Stuttgart.
Lutze, G. (1967): Ein Emersionshorizont im Bathonium von Hildesheim.? Senck. Leth. 48 (6): 535-548, Frankfurt.
Mönnig, E. et. al. (2002): Jura. In: Deutsche Stratigraphische Kommission (ed.), Stratigraphische Tabelle von Deutschland 2002.
Roemer, J., (1911): Die Fauna der Aspidoides-Schichten von Lechstedt bei Hildesheim. – Dissertation. Göttingen.
Westermann, G.E.G. (1958): Ammoniten-Fauna und Stratigraphie des Bathonien NW-Deutschlands. – Beihefte zum Geologischen Jahrbuch 32: 103 S., Hannover.
Autor des Datenblattes: Mönnig
Erstellt am: 04.12.2012
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 14.12.2012
Änderung Datensatz: 09.01.2013


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Litholex Recherche vom 26.07.2017, 00:45:38.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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