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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Ornatenton-Formation
ID: 4012001
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Quenstedt 1843
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Braunjura-Gruppe (Brauner Jura)
Chronostratigraphie: Unteroxfordium (Oxfordium, Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Obercallovium (Callovium, Mitteljura, Jura, Mesozoikum)
Mittelcallovium (Callovium, Mitteljura, Jura, Mesozoikum)
Untercallovium (Callovium, Mitteljura, Jura, Mesozoikum)
Oberbathonium (Bathonium, Mitteljura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Süddeutschland: Eisenoolithe, Brauner Jura epsilon (pars) und Ornatenthon, Brauner Jura zeta (Quenstedt 1843); Eisenoolithe mit A. macrocephalus und Thone mit Ammonites ornatus (Quenstedt 1846); Der obere Braune Jura epsilon (pars) und zeta (Quenstedt 1858); Macrocephalenoolith und Ornatenton (Brinkmann 1948-1986, Dietl 2013); Obere Braunjuratone (Geyer & Gwinner 1964); Kürzel im Symbolschlüssel Geologie: jmE7, jmcl.
Norddeutschland: Oxfordthon (F.A. Roemer 1836); Dunkler Thon (von Strombeck 1853); Macrocephalen- und Ornaten-Schichten (von Seebach 1864, Brauns 1869, Brand & Hoffmann 1963, Brand & Mönnig 2009); Dogger, obere Abteilung (Trenkner 1881); Oxford (Steuer 1897); Macrocephaliten-, Cosmoceraten- und Quenstedtoceraten-Schichten (Kumm 1952); Callovium-Tone (Hölder 1964); Dogger epsilon 7 und zeta (Kölbel 1968); Ornatenton-Formation (pars., Mönnig 2014) Kürzel im Symbolschlüssel Geologie: jmFW, jmOR.
Lithologie: In Süddeutschland graue bis dunkelgraue, gebietsweise schwarzgraue schluffige Tonsteine und Tonmergelsteine mit eisenoolithischen Kalksteinbänken oder Mergellagen an der Basis und im höheren Teil (s. 9.4). Gebietsweise treten neben oder anstelle der Eisenooide auch Kalkooide auf. Lagenweise sind phosphoritische oder kalkig-sideritische Konkretionen eingelagert. Im Schwäbischen Faziesraum (Albvorland, Oberschwaben) ist im oberen Teil Glaukonit eingestreut und die Formation endet mit einem bis wenige Meter mächtigen feinsandigen und glaukonitreichen grüngrauen Mergel- bis Tonmergelsteinen (Glaukonitsandmergel). In Norddeutschland an der Basis verbreitet eisen-oolithische Kalksteine, oft als aufgearbeitete Konkretionslagen (Macrocephalenoolith) sowie dunkle Tonsteine mit Schill- oder Belemnitenlagen (Macrocephalenton); darüber mächtige, gelblichgraue Silt- und Tonsteine mit massenhaftem Vorkommen von Bositra und Epistomina, die nach oben und im proximalen Bereich sandiger werden und im N und NE in den Werle-Sandstein übergehen. Über einer markanten Kalkbank folgen grünlich-graue Siltsteine, in die im oberen Teil Horizonte aus bis zu 1,5 m großen großen Konkretionen eingeschaltet sind. Dieser Bereich ist sehr fossilreich, vor allem Kosmoceras und Gryphaea. Über einer weitreichenden Diskordanz mit aufgearbeiteten Gyphaeen, folgen hellblaue, oben glaukonitreiche Tone mit phosphatischen Konkretionen und pyritischen Fossilen, in der Mariae-Zone mit perlmutter-artiger Schale.
Untergeordnete Einheit: Die Formation ist informell in mehrere Leithorizonte gegliedert. Die Basis bildet der Macrocephalenoolith, ein meist nur wenige Dezimeter mächtiger Horizont aus eisenoolithischen Kalksteinbänken, -knollen und Mergel- oder Tonmergelstein-Zwischenmitteln. Darüber folgt der Untere Ornatenton mit mehreren Metern Mächtigkeit (ooidfreie, im Alpenvorland z. T. schwach ooidführende Tonmergel- und Tonsteine). Der darüber folgende Anceps-Oolith, ein regional wechselnd stark eisenoolithischer Kalkstein-Mergelstein-Horizont, bildet im keltischen Faziesraum (Oberrhein) den Abschluss der Formation. Im Schwäbischen Faziesraum folgt darüber der Obere Ornatenton (ooidfreie Tonmergel- oder Tonsteine) und als Obergrenze der Glaukonitsandmergel (feinsandig-glaukonitische Mergel- bis Tonmergelsteine). In Norddeutschland ist der basale Macrocephalenoolith 0,10 bis 3 m mächtig und wurde an der Porta Westfalica als Eisenerz abgebaut (Wittekindflöz); in der Beckenfazies wird er vom Macrocephalenton vertreten (0-60m); am Top dieser beiden Einheiten ist eine 10 cm dicke Pyritschicht, der sog. Schwefelkiespacken, weit verbreitet; es folgen drei mächtige pelitische Subformationen, die informell als Untere Siltsteinfolge, Obere Siltsteinfolge und Phosphorit-Tonstein benannt wurden (Mönnig 1993); alle drei sind durch auffälligen Diskordanzen voneinander getrennt, was auch in Bohrloch-Logs gut sichtbar ist.
Liegendgrenze: Basis des eisenoolithischen Horizonts (Macrocephalenoolith einschließlich Orbisoolith) über den Ton-/Tonmergelsteinen der Dentalienton- oder den Kalkstein-Tonmergelstein-Wechsellagerungen der Variansmergel-Formation. In Norddeutschland ist der Macrocephalenooltih in der Schwellenfazies des Niedersächischen Beckens verbreitet, nördlich davon bildet der Karstädt-Sandstein im Liegenden die Grenze.
Hangendgrenze: Im Schwäbischen Faziesraum Obergrenze der Glaukonitsandmergel unter den Mergelsteinen der Impressamergel-Formation, im Keltischen Faziesraum die Obergrenze des Ancepsoolith unter der Kandern-Formation. Die Äquivalente der Oberen Ornatentone werden im Keltischen Faziesraum zum Renggeriton der Kandern-Formation gerechnet. In Norddeutschland ist die Grenze zur kalkig-kieseligen Heersum-Formation sehr scharf und vielerorts als submarine Erosionsdiskordanz ausgebildet.
Mittlere Mächtigkeit: 10–20 m, gegen die Ries-Tauber-Schwelle (östl. Aalen) und Vindelizisch-Alemannische Schwelle (südl. Alpenvorland) auf unter 5 m abnehmend. In Norddeutschland auf den Schwellen zwischen 10 und 50 m, in Trögen 80 bis 200 m.
Maximale Mächtigkeit: Süddeutschland: über 40 m (um Balingen und im mittleren Oberrheingebiet). Norddeutschland: > 528 m (~ 570 m) (Bohrung Werle E4).
Typusprofile, etc.: Typusregion: Zollernalb rund um Balingen; Typusprofil: Plettenberg, Nordseite, oberhalb Roßwangen, im Quellgebiet des Wettbachs. Referenzprofile: Pfeffingen (GSSP-Kandidat);
KB 404/2 bei Gruibingen (DB-Neubaustrecke Stuttgart-Ulm);
Hildesheimer Jurazug, Ziegelei Temme, TK 2825 (Hildesheim): R 35 66 850, H 57 78 700 (Mönnig 1989, 1993); Porta Westfalica, TK 3719 (Minden): R 34 94 870 H 57 90 430 (Mönnig 1989), Bohrung Werle E4 (Brand & Mönnig 2009); Bohrung Zechliner Hütte 1A/65 (Zimmermann et al., im Druck.)
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Mittelgebirge, Oberrheinisches Tiefland
Mittelgebirge, Weserbergland
Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Im Fränkischen Faziesraum östl. des Ries reduziert sich die Ornatenton-Fazies auf eine meist unter 3 m mächtige Tonstein- bzw. Tonmergelsteinlage im Dach der Sengenthal-Formation, zu der auch der bis 20 m mächtige Goldschneckenton der nördlichen Frankenalb gerechnet wird.
Zeitgleiche Einheiten: Im Wutachgebiet und in Randen Eisenoolithe der Wutach-Formation; am Oberrhein Kandern-Formation, entsprechend dem Oberen Ornatenton und den Glaukonitsandmergeln; linksrheinisch Marnes à M. macrocephalus und Calcaire à R. anceps, Marnes callovo-oxfordiennes als linksrheinische Fortsetzung der Renggeritone; in der östlichen Schwäbischen Alb und in der Fränkischen Alb höheren Teile der Sengenthal-Formation; Lower Graben Fm im Dutch Central Graben; Porta-Sandstein im Unter-Callovium des Niedersächsischen Beckens und Gifhorner Trog; Werle-Sandstein im nördlichen Niedersachsen und in NE-Deutschland.
Alterseinstufung: An der Basis des als Macrocephalenoolith zusammengefassten Eisenoolith-Horizonts ist gebietsweise der Orbisoolith entwickelt, der noch zum Oberbathonium gehört (Dietl 2013). Darüber vertritt die Ornatenton-Formation das Callovium von der Herveyi-Zone aufwärts, im Keltischen Faziesraum bis zur Anceps-Zone, im Schwäbischen Faziesraum bis zur Cordatum-Zone des Unteroxfordium. In Norddeutschland fällt das Ober-Bathonium mit Macrocephalites noch in den liegenden Karstädt-Sandstein, die ältesten Schichten des Macrocephalen-Oolith gehören in die Keppleri-Subzone des untersten Calloviums. Anders als in Süddeutschland reicht der Ornatenton nicht in die Cordatum-Zone, sondern schließt mit der Mariae-Zone ab.
Kommentar: Die Glaukonitsandmergel wurden zeitweise aus biostratigraphischen Gründen vielfach zur Impressamergel-Formation des Oberjura gestellt. Nach faziellen Gesichtspunkten und in Analogie zur Kandern-Formation werden sie heute (wie bereits von Quenstedt) zum Braunen Jura gerechnet.
Versch./Sonstiges: Der Name der Formation leitet sich von Kosmoceras ornatum (Qu.) ab. Bloos et al. (2005) lassen aus korrelationstechnischen Gründen den Ornatenton mit dem Macrocephalenoolith beginnen. Das bedeutet, dass die bis dahin eigenständigen Macrocephalen-Schichten damit Teil der Ornatenton-Fm sind. In Norddeutschland erscheint Macrocephalites bereits im Karstädt-Sandstein (Ober-Bathonium) und reicht örtlich bis 40 m in die Ornatentone s. str.. Dieser Abschnitt wurde früher den Macrocephalen-Schichten s. l. zugerechnet, weshalb der Begriff aufgegeben wurde (Mönnig 1993). Von den Macrocephalen-Schichten s. orig. ist nur der Porta-Sandstein (ehem. Macrocephalen-Sandstein) als eigenständige Formation erhalten geblieben.
Literatur: Bloos, G., Dietl, G. & Schweigert, G. (2005): Der Jura Süddeutschlands in der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2002. – Newletters on Stratigraphy, 41: 263–277; Berlin.

Dietl, G. (1977): The Braunjura (Brown Jurassic) in Southwestern Germany. – Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde, B 25: 41 S., 1 Taf.; Stuttgart.

Dietl, G. (2013): Der Braune Jura ober-epsilon und zeta. In: Dietl, G. & Schweigert, G.: Der Braunjura am Fuß der Schwäbischen Alb. – Fossilien, Sonderheft 2013: 30-46.

Geyer, M., Nitsch, E. & Simon, T. (2011): Geologie von Baden-Württemberg [5. Aufl.]. – 627 S.; Stuttgart (Schweizerbart).

Mönnig, E. (1993) Die Ornatenton-Formation in Nordwestdeutschland. – Newletters on Stratigraphy, 28 (2/3): 131-150; Berlin, Stuttgart.

Mönnig, E. (2014): The stratigraphy of the Bathonian-Callovian boundary (Middle Jurassic) in Northern Germany. – Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie, Abhandlungen, 274/2-3 (2014): 271-290.

Quenstedt, F. A. (1843): Das Flözgebirge Württembergs. Mit besonderer Rücksicht auf den Jura. – 560 S.; Tübingen (Laupp).

Quenstedt, F. A. (1858): Der Jura. – 842 S.; Tübingen (Laupp).

Zimmermann, J., Franz, M., Heunisch, C., Luppold, F. W., Mönnig, E., Wolfgramm, M. (in Druck): Sequence stratigraphic framework of the Lower and Middle Jurassic in the North German Basin: Epicontinental sequences controlled by Boreal cycles, Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology (2015), doi: 10.1016/j.palaeo.2015.08.045 (im Druck).
Autor des Datenblattes: Mönnig
Erstellt am: 28.08.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 05.10.2015
Änderung Datensatz: 19.10.2015

Anzahl Litho alt: 1

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Litholex Recherche vom 26.07.2017, 00:50:04.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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