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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Tambach-Formation
ID: 25
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Beyschlag (1895), Andreas et al. (1996) („Tambach-Folge“), Lützner et al. (2003)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Rotliegend / Oberrotliegend Thüringer Wald
Chronostratigraphie: Kungurium (Unterperm (Cisuralium), Perm, Paläozoikum)
Artinskium (Unterperm (Cisuralium), Perm, Paläozoikum)
Synonyme: Synonyme: keine
Obsolet: Finsterberg-Formation sensu Haubold & Katzung (1980)
Lithologie: Die Tambach-Formation umfaßt die Abfolge von Konglomeraten, Sandsteinen und siltigen Peliten, die im Tambacher Becken die Oberhof- und Rotterode-Formation diskordant überlagert. Sie wird nach einer Schichtlücke von Zechstein überlagert.
Untergeordnete Einheit: Die Tambach-Formation weist eine klare Gliederung in drei Kartierungseinheiten auf:
Oberes Konglomerat = Finsterbergen-Konglomerat: 10-50 m
Tambach-Sandstein: 40-110 m
Unteres Konglomerat = Bielstein-Konglomerat: 40-125 m
Das Untere Konglomerat entstand auf bergnahen alluvialen Fächern und wurde vorwiegend aus E bis SE geschüttet (Hochgebiet aus Oberhöfer Rhyolithen). Der Tambach-Sandstein entstammt einem generell fluviatilen Sedimentationsmilieu mit einer Transportrichtung von SW nach NE. Das Obere Konglomerat wurde aus NW bis W geschüttet. Transportrichtung und polymikte Geröllzusammensetzung mit plutonischen und metamorphen Muttergesteinen weisen das Ruhlaer Kristallin als Liefergebiet aus.
Liegendgrenze: Beginn der Ablagerung grobpsephitischer und blockreicher Rhyolithkonglomerate mit übergreifender Lagerung auf einem Erosionsrelief.
Hangendgrenze: Ende der Ablagerung von Rotsedimenten im Tambacher Becken.
Mittlere Mächtigkeit: 200-250 m (Kühn 1920, Zimmermann 1924)
Maximale Mächtigkeit: maximal 280 m (Wolff 1953)
Typusprofile, etc.: Umgebung von Tambach-Dietharz (Kartenbild)
Verbreitung (Bundesländer): Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Thüringer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Die Tambach-Formation ist zusammenhängend in der Apfelstädt-Mulde (Tambacher Mulde) verbreitet. Erosionsreste bis in das Gebiet von Luisenthal belegen eine ehemals größere Verbreitung nach SE. Nach sedimentologischen Befunden muß sie auch im NW weiter verbreitet gewesen sein (Lützner 1981). Eine Fortsetzung im nordöstlichen Vorland des Thüringer Waldes ist wahrscheinlich (Bohrung Gotha 1, Krahnberg 3, s.u.).
Zeitgleiche Einheiten: Tambach- und Elgersburg-Formation sind weitgehend zeitgleiche Bildungen, jedoch in räumlich getrennten kleinen Ablagerungsbecken und mit etwas anderem Schichtaufbau (vgl. Elgersburg-Formation). Beide Formationen wurden früher als Tambacher Schichten zusammengefaßt (Beyschlag 1895). Mit der Tambach-Formation (Bielstein-Konglomerat) wird ferner ein rotbraunes Konglomerat südlich von Benshausen korreliert. Ein möglicherweise zeitgleiches Äquivalent ist das ca. 70 m mächtige Konglomerat, das die Bohrung Krahnberg 3 unter dem Zechstein antraf. Eine Korrelation mit der Eisenach-Formation, die früher ebenfalls zu den Tambacher Schichten gezählt wurde, kommt nicht oder nur partiell in Betracht. Möglicherweise entspricht das Obere Tambacher (Finsterbergen-) Konglomerat zeitlich dem tiefsten Eisenacher Konglomerat (Wachstein-Konglomerat) im Sinne von Knoth (1970).
Alterseinstufung: Biostratigraphische Bedeutung hat der Fundpunkt Bromacker (FH 12 nach Schneider 1996). Die Conchostracen stufen den Horizont in die Lioestheria monticula-Zone (Martens 1983) = L. andreevi-Zone (Holub & Kozur 1981) ein. Blattodea sind mit dem Zonenfossil Moravamylacris kukalovae vertreten. An Saurierfährten wurden gefunden Amphisauropus kabklikae, Ichniotherium cottae, I. sphaerodactylum, Dimetropus leisnerianus, Varanopus microdactylus und Tambachichnium schmidti (Voigt 2005). Unter den Tetrapoden-Skelettresten ist Seymouria sanjuanensis für einen Vergleich mit Nordamerika besonders wichtig (Bermans und Martens 1993).
Kommentar: Radiometrische Datierungen liegen aus der Tambach-Formation nicht vor. Aus der annähernd zeitgleich gebildeten Elgersburg-Formation wurde der Elgersburg-Rhyolith mit 275 ± 4 datiert (s.dort). Danach ist eine Alterseinstufung in das Kungurium zu vermuten, abweichend von der Darstellung in STD 2002. Magnetostratigraphisch gehört die Tambach-Formation zur Permokarbonischen Inversen Megazone (Menning et al. 1988).
Versch./Sonstiges: --
Literatur: Andreas, D., Kästner, H., Seidel, G., Wiefel, H., Wunderlich, J. (1996): Geologische Karte des Thüringer Waldes 1 : 100 000. Thür. Landesanst. Geol. Weimar.
Berman, D.S. & Martens, T. (1993): First occurrence of Seymouria (Amphibia: Batrachosauria) in the Lower Permian Rotliegend of Central Germany. – Ann. Carnegie Mus. 62: 63-79, Pittsburgh.
Beyschlag, F. (1895): Überblick über die geologische Zusammensetzung des Thüringer Waldes, in Sonderheit des Rotliegenden desselben, unter Vorlegung einer neuen geologischen Übersichtskarte im Maßstab 1 : 100 000. – Z. dt. geol. Ges. 47: 596-607, Berlin.
Eberth, D.A., Berman, D.S., Sumida, S.S., & Hopf, H. (2000): Lower Permian terrestrial paleoenvironment of the Tambach Basin (Thuringia, Central Germany): The Upland Holy Grail. - Palaios 15: 293-313.
Haubold, H. & Katzung, G. (1980): Lithostratigraphischer Standard für das Permosiles im mittleren und südöstlichen Thüringer Wald. – Z. angew. Geol. 26: 9-19, Berlin.
Holub,V. & Kozur (1981): Revision einiger Conchostracen-Faunen des Rotliegenden und biostratigraphische Auswertung der Conchostracen des Rotliegenden. – Geol. Paläont. Mitt. Innsbruck 11: 39-94, Insbruck.
Knoth, W. (1970): Zur Lithologie und Paläogeographie des höheren Rotliegenden im Thüringer Wald). – Ber.deutsch.Ges.geol.Wiss. A 15: 47-65, Berlin.
Kühn, B. (1920): Erläuterungen zur geologischen Karte von Preußen und benachbarten Bundesstaaten, Lief. 183, Blatt Tambach. Berlin.
Lützner, H., Andreas, D., Mädler, J., Michael, J., Voigt, H., Werneburg, R., Judersleben, G. & Katzschmann, L. (2003): Siles und Rotliegend. – In: Seidel, G. (Hrsg.): Geologie von Thüringen, 215-301, Stuttgart.
Martens, T. (1983): Zur Taxonomie und Biostratigraphie der Conchostraca (Phyllopoda, Crustacea) des Jungpaläozoikums der DDR. – Freiberger Forsch.-H. C 382: 7-105.
Menning, M., Katzung, G., Lützner, H. (1988): Magnetostratigraphic investigation of the Rotliegendes (300-252 ma) of Central Europe. - Z. geol. Wiss. 16: 1045-1063, Berlin.
Schneider, J. (1996): Biostratigraphie des kontinentalen Oberkarbon und Perm im Thüringer Wald, SW Saale-Senke – Stand und Probleme. – Beitr. Geol. Thür., N.F. 3: 121-151, Jena.
Voigt, S. (2005): Die Tetrapodenichnofauna des kontinentalen Oberkarbon und Perm im Thüringer Wald – Ichnotaxonomie, Paläoökologie und Biostratigraphie. – 1-179, 32 Anl., Cuvillier Verlag Göttingen.
Wolff, H.J. (1953): Beitrag zur Hydrogeologie er Oberrotliegendmulde von Tambach in Thüringen. – Abhandl. Meteorol. U. Hydrolog. Dienstes der DDR 22, 3, Berlin.
Zimmermann, E. (1924): Erläuterungen zur geologischen Karte von Preußen und benachbarten Bundesstaaten, Lief. 183, Blatt Walthershausen-Friedrichroda, Berlin.
Autor des Datenblattes: H. Lützner, e-mail: Harald.Luetzner@uni-jena.de
Erstellt am: 17.08.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 06.05.2006
Änderung Datensatz: 27.10.2006


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Litholex Recherche vom 21.10.2017, 19:49:09.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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