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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Rotterode-Formation
ID: 24
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Patzelt (1966), mit revidierter Abgrenzung Andreas (1998), Lützner et al. (2003).
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Rotliegend, Unterrotliegend Thüringer Wald
Chronostratigraphie: Sakmarium (Unterperm (Cisuralium), Perm, Paläozoikum)
Synonyme: keine
Lithologie: Die Rotterode-Formation besteht aus roten, fein- bis grobkörnig-feinkiesigen Sandsteinen mit linsenförmigen (rinnenförmigen) Konglomerateinlagerungen und lokalen, örtlich verbreiteten tonig-schluffigen Zwischenlagen. Lokal sind darin Rhyolithe und Rhyolith-Tuffe eingelagert.
Untergeordnete Einheit: Am südwestlichen Gebirgsrand sind zwei Rhyolithkörper mit kleinen Einsprenglingen (Hachelstein-Rhyolith, Stillerstein-Rhyolith) in die Sedimentfolge eingeschaltet. Ein weiterer Rhyolith (Komberg-R.) mit mittelgroßen Einsprenglingen tritt im unteren Teil der Formation intrusiv auf. Im mittleren Abschnitt lassen sich ein bis mehrere geringmächtige Tuffhorizonte, die vor allem mit der Effusion des Hachelsteinporphyrs verknüpft sind, durch Kartierung verfolgen. Die Konglomerate treten in unterschiedlichem Niveau auf und sind für eine Gliederung nicht relevant. Dagegen kann man nach Transportvektoren und Geröllzusammensetzung eine aus W eingetragene polymikte Geröllschüttung und eine aus E stammende Schüttung mit überwiegend rhyolithischen Geröllen unterscheiden (Lützner 1979).
Liegendgrenze: Die Untergrenze der Rotterode-Formation wird durch das Einsetzen von Konglomeraten mit polymikter granitführender Geröllfracht oder durch Sandsteine mit deutlichem Feldspatgehalt definiert.
Hangendgrenze: Die Obergrenze ergibt sich aus der Auflagerung der Grob- und Blockkiese des monomikten Rhyolithkonglomerats (Bielstein-Konglomerat) der Tambach-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: 100-150 m; unter der Tambach-Formation wird die Rotterode-Formation partiell durch intrarotliegende Erosion reduziert.
Maximale Mächtigkeit: 300 m
Typusprofile, etc.: Gebiet zwischen Struth-Helmershof und Rotterode (Patzelt 1966) in Verbindung mit Bohrung Struth-Helmershof 1/62 (revidiertes Profil: Andreas 1998, 2006).
Verbreitung (Bundesländer): Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Thüringer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Die Rotterode-Formation ist hauptsächlich in der Rotteröder Mulde zwischen Struth-Helmershof und Rotterode bis zum Rennsteiggebiet südlich und westlich von Tambach-Dietharz verbreitet. In der weiteren Fortsetzung nach NE wird die Rotterode-Formation von der Auflagerungsfläche der Tambach-Formation gekappt, unter der die Rotterode-Formation letztlich auskeilt. Isolierte Vorkommen (Erosionsreste) befinden sich bei Georgenthal und bei Elgersburg. Im südlichen Vorland des Thüringer Waldes ist die Rotterode-Formation in den Bohrungen Metzels und Thüringen Süd nachgewiesen (Andreas 2006).
Zeitgleiche Einheiten: Südlich des Thüringer Waldes korreliert Andreas (2006) den oberen Teil des Rotliegendprofils der Bohrung Metzels mit der Rotterode-Formation.
Alterseinstufung: Biostratigraphisch relevant ist das Vorkommen des Zonenfossils Moravamylacris kukalovae der Blattidenzonierung von Schneider & Werneburg (1993).Das Alter der Rotterode-Formation kann annähernd mit dem Abkühlungsalter des Höhenberg-Dolerits gleichgesetzt werden, da der Doleritkörper die Oberhof-Formation intrusiv durchschneidet und anderseits Doleritapophysen von Tambacher Konglomerat mit Ausbildung eines basalen Roterdebodens gekappt werden (Engels 1964, Lützner 1981, Andreas & Lützner 1986). In der Rotterode-Formation ist ein extrusives Basitvorkommen bekannt (Engels 1964, Obst & Katzung 1995), das aufgrund des Geröllschleiers in den umgebenden Sedimenten als Bestandteil der Rotterode-Formation anzusehen ist. Obst & Katzung (1995) und Lützner et al. (2006) ordnen das lokale extrusive Vorkommen in die Zeitspanne der Intrusion und Abkühlung des Doleritkörpers ein. Radiometrische Datierungen des Höhenberg-Dolerits ergaben an zwei Proben 280 plus/minus 2 Ma und 281 plus/minus 2 Ma (Goll et al., subm., Mädler in Lützner et al. 2006). Datierungsversuche des Komberg-Porphyrs ergaben verjüngte Alter.
Kommentar: Die stark abweichenden Zirkonalter (Evaporationsmethode) von 294 ± 4 und 291 ± 3 Ma aus einem aplitischen Gang des Dolerits nach Obst et al. (1999) beruhen wahrscheinlich auf der Beteiligung von vererbtem Zirkon. Andreas (2006) betrachtet den Beginn der Sedimentation der Rotterode-Formation als deutlich jünger gegenüber dem Intrusionszeitraum und bezieht die Extrusion auf einen eigenständigen Gangschwarm von Melaphyren.
Versch./Sonstiges: --
Literatur: Andreas, D. (1998): Erläuterungen zur Geologischen Karte 1 : 25 000 von Thüringen, Blatt Oberhof (Gräfenroda) Nr. 5230, 1-159, Weimar.
Andreas, D. (2006): Die strukturelle und lithostratigraphische Permokarbon-Entwicklung des Thüringer Wald-Gebietes im asturisch kompressiven Reaktionsraum einer frühkollisional vorgeprägten Intraplatten-Geosutur (Thüringisch-Nordostbayerische Scherzone). – Diss. in Vorber., TU Freiberg.
Engels, C. (1963): Beitrag geologischen Stellung des Dolerits der Höhenberge im Rotliegenden der Tambacher Mulde. – Dissertation Univ. Jena, 140 S.
Goll, M., Lippolt, Mädler, J., Schwarz,W.H. (subm.): Intrusion and alteration of the Early Permian Höhenberg dolerite sill (Germany) - 40Ar/39Ar evidence.
Lützner, H. (1979): Transportanalyse der unterpermischen Sedimente im Thüringer Wald. – Veröff. Zentralinst. Physik der Erde 43: 1-132, Potsdam.
Lützner, H. (1981): Sedimentation der variszischen Molasse im Thüringer Wald. – Schriftenr. geol. Wiss. 17: 1-217, Berlin.
Lützner, H., Andreas, D., Mädler, J., Michael, J., Voigt, H., Werneburg, R., Judersleben, G. & Katzschmann, L. (2003): Siles und Rotliegend. – In: Seidel, G. (Hrsg.): Geologie von Thüringen, 215-301, Stuttgart.
Lützner, H., Littmann, S. Mädler, J., Romer, R.L., Schneider, J.W. (2006): Radiometric and biostratigraphic data of the continental Permocarboniferous reference-section Thüringer Wald, Germany. – In: WONG, Th. Ed. (Ed.): Proceed. 15th Internat. Congr. on Carboniferous and Permian Stratigraphy. Utrecht, the Netherlands, 10 - 16 August 2003.
Obst, K. & Katzung, G. (1995): Der Höhenberg-Dolerit (Thüringer Wald) intrudierte zu Beginn der Rotteroder Zeit (Autun). – Beitr. Geol. Thür., NF 2: 37-48.
Patzelt, G. (1966): Bau und Schichtenfolge der Asbach-Rotteröder Mulde (Thüringerwald) nach neueren Kartierungsergebnissen. – Hall. Jb. mitteldt. Erdegesch. 7: 39-60, Leipzig.
Schneider, J. & Werneburg, R. (1993): Neue Spiloblattinidae (Insecta, Blattodea) aus dem Oberkarbon und Unterperm von Mitteleuropa sowie die Biostratigraphie des Rotliegend. – Veröff. Naturhist. Mus. Schleusingen 7/8: 31-52, Schleusingen.
Autor des Datenblattes: H. Lützner, e-mail: Harald.Luetzner@uni-jena.de
Erstellt am: 17.08.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 06.05.2006
Änderung Datensatz: 10.01.2007


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Litholex Recherche vom 21.07.2017, 18:43:42.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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