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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Oberhof-Formation
ID: 23
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Beyschlag (1895); Fassung mit revidierter Abgrenzung Lützner et al. (1995)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Rotliegend / Unterrotliegend Thüringer Wald
Chronostratigraphie: Sakmarium (Unterperm (Cisuralium), Perm, Paläozoikum)
Asselium (Unterperm (Cisuralium), Perm, Paläozoikum)
Synonyme: Synonyme: keine
Obsolet: Oberhof-Gruppe, Leina-Formation und Sternberg-Formation sensu Haubold & Katzung (1980).
Lithologie: Die Oberhof-Formation umfaßt die über der Goldlauter-Formation liegende Abfolge von voluminösen und vorwiegend rhyolithischen Vulkaniten, Pyroklastiten und mit diesen faziell verzahnten bzw. wechsellagernden roten und grauen bis schwarzen Sedimenten.
Untergeordnete Einheit: Nach den vorherrschenden Rhyolithtypen wurde schon bei der Erstkartierung (Zimmermann 1908) eine ungefähre Zweiteilung mit Älteren Quarzporphyren (große Einsprenglinge) und Jüngeren Quarzporphyren (kleine Einsprenglinge) vorgenommen. Andreas et al. (1996) gliederten in Untere, Mittlere und Obere Vulkanitfolge. Durch Kartenrevision im Gebiet zwischen Friedrichroda, Steinbach-Hallenberg und Oberhof erreichten Andreas (1998) und Lützner & Andreas (2001) eine Gliederung nach Tuff-Horizonten im Wechsel mit überwiegend sedimentären Zwischenschichten, in das die wichtigsten Vulkanittypen eingehängt werden können. Die sedimentären Schichtglieder enthalten lokale Schwarzpelit- und Karbonat-Horizonte die als Fossilfundhorizonte FH 8, 9 und 10 biostratigraphische Bedeutung haben. Sie entsprechen den Unteren, Mittleren und Oberen Protriton-Horizonten der älteren Literatur (Beyschlag 1895, Zimmermann 1908 u.a.).
Liegendgrenze: Nach der überwiegend sedimentären Goldlauter-Formation, die nur wenige geringmächtige Tuffhorizonte enthält, markiert der Dörmbach-Tuff das stratigraphische Niveau, mit dem die Platznahme von Vulkaniten beginnt. Nach dem Vorschlag von Patzelt (1966) definiert der Dörmbachtuff (= Tuff Nr. 3) die Basis der Oberhof-Formation.
Hangendgrenze: Ende der großflächig verbreiteten rhyolithischen Förderprodukte und daraus abgeleiteter Rotsedimente mit vulkanitdetritischen Klasten und nach Erosionsphase Beginn der überlagernden Rotterode-Formation mit polymiktem, insbesondere granit- und feldspatführendem Klastenspektrum der Sandsteine und Konglomerate.
Mittlere Mächtigkeit: 400-500 m; im Typusprofil zwischen Friedrichroda und Schnellbach mit überwiegend sedimentär-pyroklastischer Abfolge beträgt die Mächtigkeit ca. 1000 m.
Maximale Mächtigkeit: ca. 1200 m summarische Gesamtmächtigkeit im Idealprofil nach Andreas (1998), das eine Kombination der Bohrprofile Schnellbach 1/62, Struth-Helmershof 1/62, Oberhof 1/62, Finsterbergen 1/62 darstellt.
Typusprofile, etc.: Namengebend sind Vorkommen der Formation in der Umgebung von Oberhof. Hier ist es jedoch schwierig, ein Typusprofil zu benennen, da die Untere Vulkanitfolge fehlt und die sedimentären Schichtglieder weitgehend durch mächtige Rhyolithkörper verdrängt werden. Auch sind die zähen Laven der Rhyolithe wahrscheinlich nur kurze Strecken geflossen und verharrten in vielen Fällen als Staukuppen und Staurücken in der Nähe der Förderkanäle (Meister 2001). Die überwiegend pyroklastisch-sedimentäre und lithostratigraphisch lückenlose Abfolge zwischen Friedrichroda und Steinbach-Hallenberg eignet sich daher besser als Typusprofil.
Verbreitung (Bundesländer): Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Thüringer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Die Oberhof-Formation ist über den größten Teil des Thüringer Waldes zwischen Ruhlaer Kristallin und Ilmenau - Suhl verbreitet, jedoch nur in der Typusregion zwischen Friedrichroda und Steinbach-Hallenberg vollständig entwickelt. Im Gebiet der östlich anschließenden „Oberhöfer Porphyrplatte“ fehlt bereits die Untere Vulkanitfolge. Weiter südöstlich nehmen Mächtigkeit und Zahl der Rhyolithkörper immer mehr ab. Im NW (Wintersteiner Scholle) sind nur die tiefen Abschnitte der Oberhof-Formation erhalten. Äquivalente der Oberhof-Formation sind ferner in Südthüringen durch die Tiefbohrungen Metzels 1/64 und Thüringen Süd 1/63 nachgewiesen (Andreas 2006).
Zeitgleiche Einheiten: Die Oberhof-Formation repräsentiert nach der oberstefanisch-frührotliegenden Förderperiode die zweite, betont rhyolithische Kulmination vulkanischer Eruptionen. Es liegt nahe, in benachbarten Becken mit ähnlicher Beckenentwicklung die Höhepunkte der vulkanischen Aktivität annähernd zu korrelieren, so mit der Donnersberg-Formation im Saar-Nahe-Becken.
Alterseinstufung: In drei bis vier Horizonten der Oberhof-Formation (FH 8, 9, 10 Thüringer Wald) treten fossilführende, grauschwarze bis rote Pelite auf (sog. Protriton-Horizonte, nach den darin gefundenen Branchiosauriern = Protriton), deren Fauna die Einstufung in die biostratigraphische Zonierung nach Fisch- und Insektenresten sowie nach Amphibien gewährleistet. In der unteren Sedimentzone enthält der Untere Protriton-Horizont FH8 (wichtigster Aufschluß: Lochbrunnen bei Oberhof) die namengebenden Branchiosaurier der Melanerpeton arnhardti - Apateon flagrifera oberhofensis-Zone von Werneburg (1996). Der Obere Protriton-Horizont in den Wintersbrunn-Sedimenten (FH 10) ist nach Branchiosauriern in die nächst jüngere Melanerpeton gracile - Discosauriscus pulcherrimus-Zone einzustufen (Werneburg 1996). Nach Conchostracen wird die Oberhof-Formation in die Lioestheria pseudotenella-Zone nach Martens (1983) bzw. die Lioestheria extuberata-Zone nach Holub & Kozur (1981) eingestuft. Im Oberen Protriton-Horizont beginnen Übergänge zu Lioestheria andreevi, die für die Tambach-Formation typisch ist (Schneider 1996).Radiometrische Biotitalter von Rhyolithen aus dem Gebiet nördlich von Manebach beziffern Goll & Lippolt (2001) mit 287 ± 2 Ma (Argon-Argon Totalentgasungswerte). Von den drei gemessenen Rhyolithproben (Tab. 1) stammt Probe TW57 aus einem Älteren Rhyolith der Oberhof-Formation. Der Rumpelsberg-Porphyr wird traditionell den Jüngeren Rhyolithen zugerechnet. Petrographische Vergleiche (Mädler, mündl. Mitt.) und die geologische Kartierung (Enderlein & Ziegenhardt 1975) sprechen jedoch für die lithostratigraphische Einordnung in die Rotterode-Formation. Die Randlage der beprobten Gesteine erschwert die lithostratigraphische Zuordnung. Möglicherweise müssen TW95A und TW89A ebenfalls zu den Älteren Rhyolithen gestellt werden. Der datierte Tuff TW50 ist mit 282 ± 2 Ma (Plateaualter, gestörtes Spektrum) etwas jünger. Die lithostratigraphische Position des Tuffs ist jedoch unsicher, da er zwischen zwei Störungen liegt.Magnetostratigraphische Beprobung ergab inverse Polarisierung, so daß die Oberhof-Formation der Permokarbonischen Inversen Megazone angehört (Menning et al. 1988).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: --
Literatur: Andreas, D. (1998): Erläuterungen zur Geologischen Karte 1 : 25 000 von Thüringen, Blatt Oberhof (Gräfenroda) Nr. 5230, 1-159, Weimar.
Andreas, D. (2005): Die strukturelle und lithostratigraphische Permokarbon-Entwicklung des Thüringer Wald-Gebietes im asturisch kompressiven Reaktionsraum einer frühkollisional vorgeprägten Intraplatten-Geosutur (Thüringisch-Nordostbayerische Scherzone). –Diss. i.Vorber. TU Freiberg.
Andreas, D., Kästner, H., Seidel, G., Wiefel, H., Wunderlich, J. (1996): Geologische Karte des Thüringer Waldes 1 : 100 000. Thür. Landesanst. Geol. Weimar.
Beyschlag, F. (1895): Überblick über die geologische Zusammensetzung des Thüringer Waldes, in Sonderheit des Rotliegenden desselben, unter Vorlegung einer neuen geologischen Übersichtskarte im Maßstab 1 : 100 000. – Z. dt. geol. Ges. 47: 596-607, Berlin.
Enderlein, F. & Ziegenhardt, W.: Geologische Karte der DDR 1 : 25 000, Blatt Gräfenroda (Oberhof) 5230. – Zentrales Geologisches Institut Berlin.
Goll, M. & Lippolt, H.J. (2001): Biotit-Geochronologie (40Arrad/K, 40Arrad/39ArK, 87Srrad/87Rb) spät-varisizscher Magmatite des Thüringer Waldes. – N. Jb. Geol. Paläont., Abh. 222: 353-405, Stuttgart.
Haubold, H. & Katzung, G. (1980): Lithostratigraphischer Standard für das Permosiles im mittleren und südöstlichen Thüringer Wald. – Z. angew. Geol. 26: 9-19, Berlin.
Holub,V. & Kozur (1981): Revision einiger Conchostracen-Faunen des Rotliegenden und biostratigraphische Auswertung der Conchostracen des Rotliegenden. – Geol. Paläont. Mitt. Innsbruck 11: 39-94, Innsbruck.
Lützner, H. & Andreas, D. (2001): Ergebnisse tephrostratigraphischer Untersuchungen in der Goldlauter- und Oberhof-Formation (Rotliegendes) des mittleren Thüringer Waldes. Exkursionsführer u. Veröff. GGW 214: 165-166, Berlin.
Lützner, H., Andreas D., Mädler, J., Michael, J., Voigt, H., Werneburg, R., Judersleben, G., Jungwirth, J. (1995): Siles und Rotliegend. – In: Seidel, G. (Hrsg.): Geologie von Thüringen, 188-277, Stuttgart.
Martens, T. (1983): Zur Taxonomie und Biostratigraphie der Conchostraca (Phyllopoda, Crustacea) des Jungpaläozoikums der DDR. – Freiberger Forsch.-H. C 382: 7-105.
Meister, J. (2001): Die paläovulkanischen Verhältnisse im Raum des Oberhöfer Vulkanitkomplexes (mittlerer Thüringer Wald). - Beitr. Geol. v. Thür., N.F. 8: 153-180, Jena.
Menning, M., Katzung, G., Lützner, H. (1988): Magnetostratigraphic investigation of the Rotliegendes (300-252 ma) of Central Europe. - Z. geol. Wiss. 16: 1045-1063, Berlin.
Patzelt, G. (1966): Bau und Schichtenfolge der Asbach-Rotteröder Mulde (Thüringerwald) nach neueren Kartierungsergebnisse. – Hall. Jb. mitteldt. Erdgesch. 7: 39-60, Leipzig.
Schneider, J. (1996): Xenacanth teeth - a key for taxonomy and biostratigraphy. - Modern Geology 20: 321-340.
Werneburg, R. (1996): Temnospondyle Amphibien aus dem Karbon Mitteldeutschlands. – Veröff. Naturhist. Mus. Schleusingen 11: 23-64, Schleusingen.
Zimmermann, E. (1908): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und den benachbarten Bundesstaaten, Lief. 64, Blatt Crawinkel-Oberhof, Preuß. Geol. Landesanst., Berlin.
Autor des Datenblattes: H. Lützner, e-mail: Harald.Luetzner@uni-jena.de
Erstellt am: 17.08.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 06.05.2006
Änderung Datensatz: 30.01.2007
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Litholex Recherche vom 28.07.2017, 08:49:10.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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