litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Neuenhof-Formation
ID: 22
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Lützner et al. (i.Vorber.)
Gültigkeit des Namens: vorläufig mitgeteilt
Übergeordnete Einheit: Rotliegend / Oberrotliegend Thüringer Wald
Chronostratigraphie: Wuchiapingium (Oberperm (Lopingium), Perm, Paläozoikum)
Capitanium (Mittelperm (Guadalupium), Perm, Paläozoikum)
Synonyme: Synonyme: Grenzkonglomerat (Förtha-Formation sensu Schneider 1996) + Zechsteinkonglomerat, Grauliegendes, Weißliegendes
Obsolet: Förtha-Formation sensu Schneider (1996)
Lithologie: Die Neuenhof-Formation umfasst die geringmächtigen, jedoch großflächig abgelagerten konglomeratisch-sandigen Sedimente unter dem Kupferschiefer. Im Beckeninneren (Werra-Becken) herrschen Wechsellagerungen von sandreichen Fein- bis Mittelkonglomeraten (maximale Korngrößen um 10 cm) und geröllführenden Grob- bis Feinsandsteinen vor. Bei meist ebener Schichtung wechselt die Korngrößenzusammensetzung in [cm]- bis [dm]-mächtigen Lagen, die vorwiegend unscharf begrenzt sind. Schrägschichtung ist selten, tonige Lagen fehlen fast vollständig. Lokal treten auch [m]-mächtige, intern ungeschichtete Bänke von Konglomeraten oder Sandsteinen auf. In randnaher Lage des Beckens (Thüringer Wald) sind ungeschichtetete Fein- bis Mittelkonglomerate (maximale Korngrößen um 15 cm) häufiger. Die Sedimentfarbe ist im Beckeninneren überwiegend grau, bei großer Mächtigkeit (>10 m) partiell auch rötlichgrau, in randnaher Lage haben die tieferen Profilteile meist rotbraune bis rötlichgraue Farbe, die nach oben ohne scharfe Grenze in Grau übergeht. Graue Farbe ist mit Karbonatzement verbunden.
Untergeordnete Einheit: In randnaher Lage des Beckens, besonders am Thüringer Wald, wurde der obere, überwiegend graue Teil als „Zechsteinkonglomerat“, der untere, vorwiegend rotbraune Teil als „Grenzkonglomerat“ kartiert (Naumann 1913, 1914). Unregelmäßige, manchmal schlauchartige Farbübergänge zeigen besonders die Aufschlüsse bei Neuenhof und südlich von Stedtfeld. Nach Judersleben & Seidel (1974) kann das Zechsteinkonglomerat als fluviatile Bildung interpretiert werden, das gleiche gilt für das Grenzkonglomerat. Die Graufärbung der Neuenhof-Formation in den randnahen Profilen beruht offenbar auf früh- bis spätdiagenetischer, absteigender Infiltration mit karbonatreichen Wässern. Im Beckeninneren (Profile der Kalibohrungen) wurde die Infiltration durch die darunterliegenden Rotpelite der Eisenach-Formation abgeriegelt und gestaut. Hier sind die Pelite unmittelbar unter der Neuenhof-Formation dunkel- bis schwarzgrau gefärbt (0,1-1,5 m).Am Nordrand des Werra-Beckens (Richelsdorfer Gebirge) enthält die Neuenhof-Formation in ihrem obersten Abschnitt die Lokalfazies des gelblichgrauen Cornberger Sandsteins, der in der Umgebung von Cornberg bis über 20 m mächtig wird. Die meisten Autoren (u.a. Kulick 1987, Gast 1994) interpretieren ihn als eine äolische Ablagerung. Geringmächtige Äquivalente des Cornberger Sandsteins enthalten auch die Aufschlüsse bei Neuenhof.
Liegendgrenze: Die Liegendgrenze wird bestimmt durch den scharf begrenzten Beginn sandig-konglomeratischer Sedimente über roten, oft silt- und sandreichen Peliten der Eisenach-Formation. Die Formation beginnt stets mit einem deutlichen Korngrößensprung. Sie kann auf Grundgebirge übergreifen.
Hangendgrenze: Basis des Kupferschiefers (Zechstein, Werra-Folge)
Mittlere Mächtigkeit: 10-15 m; die Mächtigkeitsvariation ist vor allem aus den zahlreichen Tiefbohrungen des Werrakaligebiets bekannt (Lützner et al., im Druck).
Maximale Mächtigkeit: 20 m, im Richelsdorfer Gebirge bis ca. 50 m (einschl. Cornberger Sandstein).
Typusprofile, etc.: Tagesaufschlüsse am Fuß des Kupferberges südlich von Neuenhof (GK 25, Blatt 5027 Eisenach West) mit Ergänzung durch Teilprofile im Borntal südlich von Stedtfeld.
Verbreitung (Bundesländer): Hessen
Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Hessisches Bergland
Mittelgebirge, Thüringer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): In randnaher Profilentwicklung tritt die Neuenhof-Formation am Rand des Thüringer Waldes zwischen Werratal und Bad Liebenstein sowie im Richelsdorfer Gebirge zutage. Die Beckenausbildung in vorherrschender Graufazies wird im Werrakalirevier durch zahlreiche Tiefbohrungen der Kali- und Kohlensäure-Erkundung aufgeschlossen.
Zeitgleiche Einheiten: Nach der lithostratigraphischen Stellung und nach ähnlichen magnetostratigraphischen Signalen erscheint weitgehend zeitgleiche Korrelation mit der Eisleben-Formation des östlichen Harzvorlandes begründet.
Alterseinstufung: Nach Kozur (1988) sprechen Funde von Palynomorphen (Lueckisporites virkkiae, Corrisacites) aus pedogenen Karbonatanreicherungen im Grenzkonglomerat bei Förtha für eine Einstufung in das Capitanian bis Abadehian.
Magnetostratigraphisch weist eine Probenserie aus dem Grenzkonglomerat bei Förtha einen häufigen Wechsel von normaler und inverser Polarisierung aus (Menning et al. 1988). Danach ist die Neuenhof-Formation jünger als die Illawarra-Umpolung (265 Ma, Menning 1995) und älter als der Kupferschiefer (257,3 ± 2, Brauns et al. 2003).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Die Eigenständigkeit der Neuenhof-Formation wird bisher nicht von allen Autoren anerkannt. HUCKRIEDE (in ELLENBERG et al., im Druck) stellt das Grenzkonglomerat weiterhin zur Eisenach-Formation und trennt es vom Zechsteinkonglomerat.
Literatur: Brauns, C.M., Pätzold, T., Haack, U. (2003): A Re-Os study bearing on the age of the Kupferschiefer black shale of Sangerhausen (Germany). – XVth Int. Congr. Carbon. Perm. Stratigr., Utrecht, 10-16 August,2003, Abstracts, p. 66.
Ellenberg, J., Falk, F., Huckriede, H. (im Druck): Erläuterungen zur Geologischen Karte 1:25 000 von Thüringen, Blatt Nr. 5127 Bad Salzungen, Thür. Landesanstalt für Umwelt und Geologie, Jena.
Gast, R. (1994): Cornberg outcrops revisited (Hessen, Germany): The depositional environment of its saurian tracks and Weissliegend Sandstones. – Meyniana 46: 59-75, Kiel.
Judersleben, G. & Seidel (1974): Zur Petrologie des Zechsteinkonglomerats im Thüringer Becken und unter dem Südwestthüringischen Triasgebiet. – Z. geol. Wiss. 2: 1177-1196, Berlin.
Kozur, H. (1988): The age of the Central European Rotliegendes. – Z. Geol. Wiss. 16: 9o7-915, Berlin.
Kulick, J. (1987): Cornberger Sandstein und Weißliegendes, Grenze Rotliegendes/Zechstein. – In: Motzka-Nöhring, R. et al.: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1 25 000, Blatt Nr. 4925 Sontra, 23-37, Wiesbaden.
Lützner, H., Ellenberg, J., Mädler, J. (im Druck): Erläuterungen zur Geologischen Karte 1 : 25 000 von Thüringen, Blätter 5226 Stadtlengsfeld und 5026/5126 Berka (Werra)/Vacha. Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie Jena.
Menning, M. (1995): A numerical time scale for the Permian and Triassic periods. An integrated time analysis. – In: Scholle, P., Peryt, T.M. & Ulmer-Scholle, D.S.: Permian of the Northern Continents 1: 77-97, Berlin (Springer).
Menning, M., Katzung, G., Lützner, H. (1988): Magnetostratigraphic investigation of the Rotliegendes (300-252 ma) of Central Europe. - Z. geol. Wiss. 16: 1045-1063. Berlin.
Naumann, E. (1913): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Bundesstaaten, Liefg. 113, Blatt Eisenach. – Preuß. Geol. Landesanstalt, Berlin.
Naumann, E. (1914): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Bundesstaaten, Liefg. 113, Blatt Bad Salzungen. – Preuß. Geol. Landesanstalt, Berlin.
Schneider, J. (1996): Biostratigraphie des kontinentalen Oberkarbon und Perm im Thüringer Wald, SW Saale-Senke – Stand und Probleme. – Beitr. Geol. Thür., N.F. 3: 121-151, Jena.
Autor des Datenblattes: H. Lützner, e-mail: Harald.Luetzner@uni-jena.de
Erstellt am: 17.08.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 06.05.2006
Änderung Datensatz: 10.01.2007


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 18.08.2017, 03:05:04.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID