litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Kuhfeld-Formation
ID: 2008167
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Bentz (1930 a, 1930 b) (Kuhfeld-Schichten)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Minden-Braunschweig-Gruppe
Chronostratigraphie: Unteraptium (Aptium, Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Barremium (Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Hauterivium (Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Valanginium (Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Kuhfeld-Schichten Bentz (1930a, 1930 b, 1933), Vredener Sand (Hosius 1887, Bentz 1930 a, 1930 b), Mittelneokom (Gildehäuser Sandstein) (Bentz 1930 a, 1933).
Lithologie: Überwiegend fein- bis mittel-, teilweise auch grobkörniger Sand oder Sandstein (meist nur schwach verfestigt), lagenweise kiesig, weiß, mit Einlagerungen (in Linsen oder Bänken) von weißem oder grauem Ton, sandigem Ton und Schluff sowie dünnen Braunkohlen-Lagen. Die bisher publizierten Bohrprofile aus dem unteren Teil der Formation zeigen, dass die Anteile von Sand und Ton sehr unterschiedlich verteilt sind und lateral stark wechseln (Bolsenkötter & Koch 1974; Geyer 1993; Herngreen et al. 1994).
Ton- und Kohleeinlagerungen beschränken sich auf den unteren Abschnitt und fehlen im oberen Teil. Der meist schwach verfestigte Sandstein enthält dort einzelne durch Brauneisen stark verfestigte Sandstein-Lagen. Diese führen marine Faunen, z. T. als Schill-Lagen. Der obere Teil der Kuhfeld-Formation ist morphologisch als Höhenrücken erkennbar. Seine Basis liegt etwa am Fuß des Barler Berges (vgl. Bentz 1930a).
Untergeordnete Einheit: Die Kuhfeld-Formation lässt sich in einen unteren und einen oberen Abschnitt gliedern. Der untere, flächenmäßig am weitesten verbreitete Abschnitt ist durch eine ästuarine, teils limnisch-fluviatile Sedimentation gekennzeichnet. Der obere Abschnitt ist rein marin und wurde früher als Äquivalent des Gildehäuser Sandsteins (Gildehaus-Formation) betrachtet (Bentz 1930 a). Er ist östlich von Ottenstein am Barler Berg sowie im Raum Lünten (Wellar) verbreitet. Die genaue lithologische Abgrenzung zwischen unterem und oberem Abschnitt ist jedoch unklar und fließend. Von daher ist derzeit keine formale Trennung in Subformationen möglich.
Liegendgrenze: So weit bekannt lagert die Kuhfeld-Formation über Sedimenten der Bückeberg-Gruppe (Isterberg-Formation) oder über Schichten des älteren Mesozoikums (verschiedene Ablagerungen aus Trias oder Jura).
Hangendgrenze: Der Top der Kuhfeld-Formation ist im Raum Ahaus – Vreden meist erosiv gekappt und wird z. T. von Paläogen- oder Quartär-Sedimenten überlagert.

Nur am Ostrand ihres Verbreitungsgebiets südlich von Ahaus (Barler Berg) leitet sie konkordant zu tonigen, teils feinsandigen Schluffsteinen mit Cheloniceraten des höheren Unteraptium über (Peine-Formation, Sarstedt-Subformation).

Am Niederrhein bei Wesel und Rheinberg folgen über der Kuhfeld-Formation nach einer Schichtlücke Sedimente der Olfen-Formation (Albium).
Mittlere Mächtigkeit: Die aus Bohrungen bekannten Mächtigkeiten im Gebiet zwischen Ahaus und Vreden schwanken zwischen 50 m und mehr als 200 m. Am unteren Niederrhein im Raum Wesel - Rheinberg ist die Kuhfeld-Formation nur lokal mit stark wechselnden Mächtigkeiten nachgewiesen. Die größte Mächtigkeit zeigt mit 52 m die Bohrung Driesch 1 bei Rheinberg, (vgl. Jansen 1995, 2001).
Maximale Mächtigkeit: Die mit 214 m bisher größte bekannte Mächtigkeit hat die Kuhfeld-Formation in der Bohrung Ottenstein 1 (vgl. Bolsenkötter & Koch 1974).
Typusprofile, etc.: Mehrere Bohrungen erschließen die Kuhfeld-Formation (vgl. Bolsenkötter & Koch 1974, Geyer 1993, Herngreen et al. 1994). Das mit einer detaillierten Profilaufnahme, einem Gamma- und Widerstandslog dokumentierte und bei Geyer (1993, Abb. 15-16) publizierte Profil der Bohrung Ammeloe 35 (TK 25 3907 Ottenstein, R 25 60 050, H 57 68 850) wird als Typusprofil für den unteren Teil der Formation ausgewählt. Typusprofil für den oberen Teil der Kuhfeld-Formation ist die Sandgrube Lukassen am Barler Berg (Herngreen et al. 1994).
Verbreitung (Bundesländer): Nordrhein-Westfalen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Westfälische Bucht
Norddeutsches Tiefland, Niederrheinische Bucht
Verbreitung (Ergänzung): Das Verbreitungsgebiet der Kuhfeld-Formation erstreckt sich im nordwestlichen Münsterland parallel zur niederländischen Grenze von Ahaus-Alstätte bis in den Raum südlich Vreden. Darüber hinaus sind isolierte Vorkommen aus Bohrungen am Niederrhein im Raum Wesel – Rheinberg bekannt (Jansen 1995, 2001).
Zeitgleiche Einheiten: Stadthagen-, Hoheneggelsen-, Bentheim-, Georgsdorf- und Gildehaus-Formation schließen nördlich an das Verbreitungsgebiet der Kuhfeld-Formation an. Zeitgleich sind außerdem Teile der Osning-, Salzgitter- und Quedlinburg-Formation sowie die Nienhagen- und Wesendorf-Formation.
Alterseinstufung: Die Alterseinstufung Valanginium bis Unteraptium ergibt sich zum einen indirekt durch das bekannte Alter von unterlagernden Sedimenten der Bückeberg-Gruppe (Isterberg-Formation), zum anderen durch Ammonitenfunde vom Barler Berg aus dem oberen Teil der Formation sowie durch biostrastigraphische Datierungen der im Hangenden folgenden tonig-sandigen Schluffsteine (höheres Unteraptium).
Kommentar: Bisherige Datierungen der Kuhfeld-Formation, insbesondere ihres unteren Teils, sprechen von einem Valanginium- bis Unterhauterivium-Alter. Dies bestätigen zuletzt Herngreen et al. (1994) anhand von palynologischen Daten.
Früheren Meinungen, dass es sich beim höheren Teil der Kuhfeld-Formation im Bereich des Barler Berges sowie bei Lünten (Wellar) um den Gildehäuser Sandstein (Gildehaus-Formation, vgl. Bentz 1930a, 1933) aus dem Oberhauterivium handelt, widersprechen aktuelle Fossilfunde. So sind aus diesem Sandstein am Barler Berg neben verschiedenen Muscheln und zahlreichen Ophiomorpha-Bauten schlecht erhaltene Ammoniten (? Deshayesites, Audouliceras, Belemniten-Hohlformen (? Oxyteuthis cf. germanica) bekannt. Demnach sind diese Schichten schon dem Unteraptium zuzurechnen.
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: Von der Gemarkung Kuhfeld (oder Kohfeld) zwischen Ahaus-Alstätte und Vreden-Lünthen (vgl. Bentz 1933).

Fazies: Bei der Kuhfeld-Formation handelt es sich um Ablagerungen eines Ästuars, das sich vom Niederrhein bis in den Raum Ahaus-Alstätte erstreckte und dort in die Alstätter Bucht des Niedersächsischen Beckens mündete (Hiss 1995:49). Das limnische, in Teilen aber auch marin beeinflusste Ablagerungsmilieu der Schichten beschreiben zuletzt Herngreen et al. (1994). Der höhere Abschnitt der Formation besteht aus einer rein marinen, küstennahen Sandschüttung.
Die vorwiegend von Sanden dominierten ästuarinen Ablagerungen gehen südlich von Alstätte auf kurzer Distanz in die marine Stadthagen- und möglicherweise Hoheneggelsen-Formation über. Diese enthalten vorwiegend tonige Sedimente mit nur vereinzelten Sandschüttungen. Mit den zeitgleichen marinen Sandsteinen der Bentheim-, Georgsdorf- und Gildehaus-Formation im Raum Gronau – Bentheim ist bislang keine direkte Verbindung bekannt.

Besonderheiten: Die Kuhfeld-Formation hat als Aquifer und z. T. als Sandrohstoff große Bedeutung.
Literatur: Bentz, A. (1930 a), mit Beitr. von Görz, G.: Erläuterungen zu Blatt 3907 Ottenstein. – Geol. Kt. Preußen u. benachb. Länder 1 : 25000; Erl., 3907: 93 S.; Berlin.
Bentz, A. (1930 b), mit Beitr. von Görz, G.: Erläuterungen zu Blatt 3906 Vreden / 3806 Wennewick. – Geol. Kt. Preußen u. benachb. Länder 1 : 25000; Erl., 3906: 63 S.; Berlin.
Bentz, A. (1933), mit Beitr. von Görz, G.: Erläuterungen zu Blatt 3807 Alstätte. – Geol. Kt. Preußen u. benachb. Länder 1 : 25000; Erl., 3807: 84 S.; Berlin.
Bolsenkötter, H.; Koch, M. (1994): Zur Hydrogeologie des Gebietes zwischen den Strukturen Winterswijk und Epe (nordwestliches Münsterland) unter besonderer Berücksichtigung der Unterkreide. – Fortschr. Geol. Rheinld. u. Westf., 20: 91 – 110; Krefeld.
Geyer, H. (1993): Hydrogeologische Untersuchungen zur Nutzung der Grundwasser-Vorkommen in Lockergesteinsablagerungen, insbesondere der Unterkreide (Kuhfeldschichten) bei Vreden/Kreis Ahaus. – Münster. Forsch. Geol. Paläont., 74: 1 – 32; Münster.
Herngreen, G. F. W.; Hartkopf-Fröder, C.; Ruegg, G. H. J. (1994): Age and depositional environment of the Kuhfeld Beds (Lower Cretaceous) in the Alstätte Embayment (W Germany, E Netherlands). – Geol. Mijnb., 72: 375 – 391; The Hague.
Hiss, M. (1995): Kreide. – In: Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen [Hrsg.], mit Beitr. von Dahm-Arens, H.; Drozdzewski, G.; Finke, W.; Hiss, M.; Lehmann, F.; Michel, G.; Skupin, K.; Staude, H.; Thiermann, A.: Geologie im Münsterland. – 195 S.; Krefeld.
Hosius, A. (1887): Über die Verbreitung des marinen Mitteloligozäns. Über die tertiären Ablagerungen zwischen Vreden und Zwillbrock. – Correspondenzblatt naturhist. Ver. Preuß. Rheinld. u. Westf., 44: 37 – 41; Bonn.
Jansen, F. (1995), mit Beitr. von Juch, D.; Kamp, H. von; Paas, W.; Stritzke, R.; Suchan, K. H.; Vieth-Redemann, A.: Erläuterungen zu Blatt 4406 Dinslaken. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 25 000, Erl., 4406: 166 S.; Krefeld.
Jansen, F. (2001), mit Beitr. von Drozdzewski, G.; Holl-Hagemeier, C.; Krahn, L.; Paas, W.: Erläuterungen zu Blatt 4305 Wesel. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 25 000, Erl., 4305: 195 S.; Krefeld.
Autor des Datenblattes: Erbacher, J., Hiss, M., Luppold, F. W., Mutterlose J.
Erstellt am: 30.07.2014
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 19.11.2014
Änderung Datensatz: 24.11.2014
Anlage(n)PDF-Icon Die Anlagen als PDF-Dateien
können Sie mit dem Adobe Acrobat Reader plattformunabhängig ansehen und drucken. Laden Sie den kostenlosen Adobe Acrobat Reader entsprechend Ihrer Plattform- und Sprach-Version unter http://www.adobe.de/products/acrobat/download/readstep.html.
Größe der PDF-Datei: 0.406 MBytes!


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 21.08.2017, 17:51:30.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID