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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Münster-Gruppe
ID: 2008142
Hierarischer Rang: Gruppe
Erstbeschreibung: B. NIEBUHR, M. WILMSEN & M. HISS (dieser LithoLex-Beitrag)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: keine
Chronostratigraphie: Maastrichtium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Campanium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Santonium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Oberconiacium (Coniacium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Mittelconiacium (Coniacium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Dritte Megasequenz – Münsterland, Wiehengebirge bis Süd-Brandenburg, Östliches Subherzyn (HISS et al. 2005); Formationen 34-58 von NIEBUHR et al. (2007); pars 29 Formationen (flachmarin und terrestrisch) der 3. Megasequenz (Deutsche Stratigraphische Kommission 2012).
Lithologie: Kalk- bis Mergelsteine, Kalkarenite, Ton- bis Schluffsteine (Siltsteine), Sande und Sandsteine, Grünsandsteine, Konglomerate, Olisthostrome und Debrite („Herpolithe“).
Untergeordnete Einheit: Emscher-Formation, Gehrden-Formation, Lüneburg-Formation, Misburg-Formation, Stemwede-Formation, Beienrode-Formation, Ahlten-Formation, Walbeck-Formation, Nennhausen-Formation, Halberstadt-Formation, Salzberg-Formation, Sudmerberg-Formation, Heidelberg-Formation, Heimburg-Formation, Blankenburg-Formation, Ilsenburg-Formation, Recklinghausen-Formation, Haltern-Formation, Dülmen-Formation, Burgsteinfurt-Formation, Bottrop-Formation, Holtwick-Formation, Coesfeld-Formation, Baumberge-Formation, Ahlen-Formation.
Liegendgrenze: Die Münster-Gruppe liegt konkordant auf der Plänerkalk-Gruppe oder transgressiv auf älteren Schichten.
Hangendgrenze: Die Hangendgrenze ist erosiv gekappt.
Mittlere Mächtigkeit: --
Maximale Mächtigkeit: Bis 2.700 m, wobei allein die Emscher-Formation in Randtrögen bis 2.000 m erreichen kann (HISS et al. in NIEBUHR et al. 2007).
Typusprofile, etc.: Typusregionen sind die infolge der Inversionstektonik entstandenen subsequenten Randtröge und deren flachmarine Randbereiche im Münsterland und im Harzvorland. Typusprofile existieren für die zur Gruppe zugehörigen Formationen.
Verbreitung (Bundesländer): Brandenburg
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Die Münster-Gruppe ist im Münsterländer Kreidebecken und in der Subherzynen Kreidemulde flächendeckend verbreitet. Im zentralen Niedersachsen, dem nördlichen Nordrhein-Westfalen, dem nördlichen Sachsen-Anhalt und in Brandenburg ist sie meist in Erosionsrelikten der Schreibkreide-Gruppe südlich vorgelagert.
Zeitgleiche Einheiten: Die Schreibkreide-Gruppe in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und im nördlichen Niedersachsen (einschl. Hamburg und Bremen) sowie vier Formationen im Raum Aachen (siehe unten) sind zeitgleich.
Alterseinstufung: Die biostratigraphische Einstufung im marinen Bereich erfolgt hauptsächlich mittels Inoceramen und Ammoniten. Es sind aber auch fundierte Foraminiferen- sowie Nannoplankton-Zonierungen etabliert. Die zyklische Sedimentation in der Emscher-Formation bietet das Potential für zyklostratigraphische Kalibrierungen. Im terrestrischen Bereich sind mit Hilfe von Pollen- und Sporenstratigraphie Korrelationen in den marinen Bereich möglich. Es existieren zahlreiche stratigraphische Arbeiten, Literaturübersichten finden sich in Stratigraphische Kommission Deutschlands (2000).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Die Münster-Gruppe wird gemäß dem Beschluss der Subkommission für Kreide-Stratigraphie vom 19. September 2012 eingeführt und hier erstmals beschrieben.

Environment: Die Sedimente wurden in einem ausgedehnten, durch die Inversionstektonik stark gegliederten, flachen Epikontinentalmeer, teilweise mit Senkungströgen, und in Küstenebenen abgelagert, die emporgehobenen Blöcken vorgelagert waren.

Angrenzende Oberkreide-Gebiete: Die lückenhaften Ablagerungen der Limburger Kreide im Westen (Aachen-, Vaals-, Gulpen- und Maastricht-Formationen, HISS in NIEBUHR et al. 2007) werden in den Niederlanden und Belgien zum Teil als Bestandteil der „Chalk Group“ betrachtet, teilweise aber auch als davon unabhängig beschrieben und keiner über der Formationsebene stehenden höheren hierarchischen Einheit zugeordnet. Eine grenzübergreifende Zusammenfassung zu einer eigenständigen Gruppe ist anzustreben. Ähnliches gilt für die flachmarinen Ablagerungen der westlichen Nordsudetischen Kreidemulde zwischen West- und Ostsudetischer Insel (GÖTHEL & TRÖGER 2002), die in Polen ihre größte Verbreitung haben, in Sachsen jedoch nur als isolierte, tektonisch stark gestörte Vorkommen erhalten sind. Die wenig bekannten und nur im Untergrund vorhandenen Ablagerungen im östlichen Brandenburg stehen ebenfalls mit denen in Polen in Verbindung (VOIGT 2009).
Literatur: Deutsche Stratigraphische Kommission [Hrsg.; Koordination und Gestaltung: MENNING, M. & HENDRICH, A.] (2012): Stratigraphische Tabelle von Deutschland Kompakt 2012 (STDK 2012), Kreide; Potsdam.
GÖTHEL, M. & TRÖGER, K.-A. (2002): Zur Oberkreide-Entwicklung der Nordsudetischen Kreidemulde, westlicher Teil (Lausitz, Deutschland). – Zeitschrift für geologische Wissenschaften, 30: 369-383; Berlin.
HISS, M., MUTTERLOSE, J., NIEBUHR, B. & SCHWERD, K. (2005): Die Kreide in der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2002. – Newletters on Stratigraphy, 41 (1-3): 287-306; Berlin, Stuttgart.
NIEBUHR, B., HISS, M., KAPLAN, U., TRÖGER, K.-A., VOIGT, S., VOIGT, T., WIESE, F. & WILMSEN, M. (2007): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, 55: 1-136; Hannover.
Stratigraphische Kommission Deutschlands [Hrsg.] (2000): Stratigraphie von Deutschland III. Die Kreide der Bundesrepublik Deutschland. – Courier Forschungsinstitut Senckenberg, 226: 1-207; Frankfurt.
VOIGT, T. (2009): Die Lausitz-Riesengebirgs-Antiklinalzone als kreidezeitliche Inversionsstruktur: Geologische Hinweise aus den umgebenden Kreidebecken. – Zeitschrift für geologische Wissenschaften, 37: 15 – 39; Berlin.
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B.; Wilmsen, M.; Hiss, M.
Erstellt am: 17.12.2012
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.01.2013
Änderung Datensatz: 22.01.2013


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Litholex Recherche vom 20.11.2017, 14:20:03.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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