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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Hessenreuth-Formation
ID: 2008127
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Niebuhr et al. (2009)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Danubische Kreide-Gruppe
Chronostratigraphie: Oberkreide (Kreide, Mesozoikum)
Santonium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Coniacium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Turonium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Kaolin-Sandstein-Fazies, Arkosesandsteine, Glimmersande, Auerbacher Kellersandsteine, Friedersreuther Pflanzentone, Albenreuther Schotter, Ehenfelder Ton, pars Ehenfelder Schichten, pars Michelfelder Schichten (Tillmann 1954, 1964; Meyer 1996: Beil. 4), Sedimente des Hessenreuther Forstes, tiefes Stockwerk, Untere Serie, hangendes Stockwerk, Albenreuther Schotter, Liegend-Folge, Rote Tonstein-Folge, Hangend-Folge (Schröder 1987; Klare & Schröder 1990), Teil der Oberpfälzer Kreide, Parkstein-Formation, Friedersreuth-Formation, Hesserberg-Formation (Dill 1990), Parksteiner Kreide, Fanglomerate mit Pflanzentonlagen (Meyer 1996, 2000). Zu weiterer Synonymie siehe Niebuhr et al. (2006).
Lithologie: wenig verfestigte Schotter, Sande, Silte und Tone, die im unteren und mittleren Abschnitt (Parkstein- und Friedersreuth-Member) eine deutliche fining-upward-Zyklizität aufweisen. Der Geröllinhalt besteht überwiegend aus Quarzen, Quarziten und Phyllitquarziten (zusammen über 50 %), hinzu kommen in der Reihenfolge ihres Anteils noch Gneise, Granite, Phyllit, Porphyrit und Lydit (Schröder & Siegling 1966).
Untergeordnete Einheit: Der lithofazielle Aufbau erlaubt eine grobe Unterscheidung von drei aufeinander folgenden Einheiten („Formationen“ bei Dill 1990), die sich allerdings in der Geländeaufnahme nur unzureichend voneinander abgrenzen lassen. Sie werden hier als Member geführt (Benennung nach Dill 1990). Generell zeigen Korngrößen und Rundungsgrad der Komponenten einen ausgeprägten prograden Trend vom Liegenden (Parkstein-Member) ins Hangende (Hesserberg-Member).
Parkstein-Member (sicher: Mittel- und Oberturonium) = unterer Abschnitt der Hessenreuth-Formation („Liegend-Folge“ bei Klare & Schröder 1990). Die maximal 200 m mächtige Abfolge besteht aus z.T. geröllführenden Sandsteinen sowie pflanzen- und kohleführenden Silten und Tonen. Im oberen Abschnitt („Rotton-Eisensandstein-Schichten“ bei Dill 1990) sind die Sedimente teilweise durch Goethit verkittet. Charakteristisch ist das verwitterungsresistente Rutil–Zirkon–Turmalin-Schwermineralspektrum (Dill 1990, 1995).
Friedersreuth-Member (wahrscheinlich: Coniacium) = mittlerer Abschnitt der Hessenreuth-Formation (z.T. „Rote Tonstein-Folge“ bei Klare & Schröder 1990). Die etwa 100 m mächtige Abfolge aus Konglomeraten, pflanzen- und kohleführenden Sandsteinen, Glimmersanden und -tonen schließt am Topp mit dem „Friedersreuther Pflanzenton“ ab (vgl. Tillmann 1964: Abb. 27). „Der Glimmerreichtum und Bestand an verwitterungsinstabilen Geröllkomponenten hebt sich markant von den Resistaten der liegenden Serie ab“ (Dill 1990: 19, 1995).
Hesserberg-Member = oberer Abschnitt der Hessenreuth-Formation („Hangend-Folge“ bei Klare & Schröder 1990; „Albenreuther Schotter“ bei Tillmann 1964; Schröder 1987; Meyer 1996: Beil. 4). Die ca. 200 m mächtigen, vorwiegend glimmersandigen, groben Konglomerate führen vereinzelt Gerölle >50 cm und zeigen im Schwermineralspektrum eine weitere Abnahme an verwitterungsstabilen Komponenten (Dill 1990, 1995).
Liegendgrenze: im Hessenreuther Forst diskordant über Bruchschollen aus Trias-Sedimenten (Dill 1990; Klare & Schröder 1990), bei Auerbach auf dem Cardienton-Member der Hellkofen-Formation und auf marinen Sandsteinen der Jeding-Formation (vgl. Meyer 1996: Beil. 4).
Hangendgrenze: lokal unterschiedlich tief erodiert
Mittlere Mächtigkeit: bis 500 m im Hessenreuther Forst (Klare & Schröder 1990), gemessen am Hesserberg, der höchsten Erhebung (ca. 715 m üNN). Die „Auerbacher Kellersandsteine“ ca. 30 km westlich erreichen 30-40 m (Tillmann 1964).
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Typusregion ist der Hessenreuther Forst in der Oberpfalz (TK 25: 6137 Kemnath, 6138 Erbendorf, 6237 Grafenwöhr, 6238 Parkstein). Typusprofil für das Parkstein- und Friedersreuth-Member ist die Bohrung Friedersreuth 10/90, die im Bohrprobenarchiv des LfU, Hof, aufbewahrt wird. Sie beginnt wenige Meter im Liegenden des „Friedersreuther Pflanzentons“ (dem Topp des Friedersreuth-Members) und wurde bei 245 m Teufe abgebrochen, ohne die Basis der Hessenreuth-Formation erreicht zu haben. Ein Typusprofil für das Hesserberg-Member kann nicht gegeben werden, die groben Gerölle treten jedoch lokal im Zuge von Bautätigkeiten am Hesserberg zutage, z.B. in der ehemaligen Kiesgrube am südöstlichen Ortsrand von Albenreuth (TK 25: 6137 Kemnath).
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Bayern (Regierungsbezirk Oberpfalz)
Zeitgleiche Einheiten: In der Danubischen Kreide-Gruppe könnten die glimmerhaltigen, marinen Sedimente der Hellkofen-, Jeding- und Sandbach-Formationen Teilen des Friedersreuth-Members der Hessenreuth-Formation entsprechen. Das (ältere) Parkstein-Member ist mit der Roding- und der Kagerhöh-Formation zeitgleich.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Lund (interner Ber. LfU 1996) definiert palynologisch ein „Maximum von Stereisporites“ im Parkstein-Member der Bohrung Friedersreuth 10/90 bei 142 m Teufe. Dasselbe Maximum ist in der Roding-Formation der Bohrung Taxöldern 1/87 bei 109,20 m Teufe im Mittel-/ Oberturonium-Grenzbereich zu finden, ca. 65 m im Liegenden des unterconiacischen Cardienton-Members der Hellkofen-Formation.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach dem gleichnamigen Ortsteil der Stadt Pressath im Landkreis Neustadt an der Waldnaab im Landkreis Tirschenreuth, Regierungsbezirk Oberpfalz (Bayern).
Environment: terrestrische Sedimente vor der synsedimentär aktiven Fränkischen Linie des aufsteigenden variszischen Grundgebirges. Das (ältere) Parkstein-Member repräsentiert ein mäandrierendes und anastomosierendes Flußsystem. Bei zunehmender Relief-Energie werden im Friedersreuth-Member erst distale und im (jüngsten) Hesserberg-Member zunehmend proximale Schuttfächer-Sedimente angeliefert (Dill 1990, 1995; Klare & Schröder 1990). Als dominierendes Liefergebiet der Gerölle wird der intensiv gehobene Randsaum des Böhmischen Massivs angesehen, Gesteine des Moldanubiums treten stark zurück. Die heute freiliegenden Granitmassive spielen als Herkunftsgebiete keine Rolle, da sie offensichtlich noch verhüllt waren (Klare & Schröder 1990).
Fossilien: Aus dem Parkstein-Member („Flora von Riggau bei Pressath“) und dem „Friedersreuther Pflanzenton“ am Topp des Friedersreuth-Members („Friedersreuther Flora“) wurden Pflanzenfossilien bekannt, die von Gothan (1940) und Knobloch (1971, 1973) als oberkretazisch („Cenoman/Turon“ resp. „Senon“) eingestuft wurden.
Abgrenzungsprobleme: Das Parkstein-Member ist partiell der Roding-Formation ähnlich. Gerölle jedoch, wie sie für die Hessenreuth-Formation charakteristisch sind, treten in der Roding-Formation nicht auf. Die westlichen, distalen „Ehenfelder Schichten“ (TK 25: 6337 Kaltenbrunn, 6437 Hirschau) werden kartiertechnisch, wie die zeitlich – im Liegenden des Cardienton-Members der Hellkofen-Formation befindlichen – und faziell identischen „Mittleren“ und „Oberen Michelfelder Schichten“ auch, zur Roding-Formation gestellt, wohin gegen die nordöstlichen, proximalen „Ehenfelder“ und „Ehenfelder-Michelfelder Schichten“ des Hessenreuther Forstes (TK 25: 6137 Kemnath, 6138 Erbendorf, 6237 Grafenwöhr, 6238 Parkstein), die heute von den westlichen Vorkommen deutlich getrennt sind, zur Hessenreuth-Formation zählen. Die terrestrischen „Auerbacher Kellersandsteine“ zwischen Auerbach und Vilseck (ca. 30 km westlich des Hessenreuther Forstes) sind jünger als das Cardienton-Member der Hellkofen-Formation und die Jeding-Formation (vgl. Meyer 1996: Beil. 4), gehören damit definitionsgemäß ebenfalls zur Hessenreuth-Formation. [Die Roding-Formation (siehe dort) ist älter als die Hellkofen-Formation.]
Lithologische Korrelation: Eine auffällige, formationsübergreifende, lithologische Gemeinsamkeit des Friedersreuth-Members der Hessenreuth-Formation mit den jüngsten marinen lithostratigraphischen Einheiten der Danubischen Kreide-Gruppe (Sandbach-, Hellkofen- und Jeding-Formationen) ist der hohe Glimmeranteil.
Literatur: Dill, H. (1990): Die Beckenentwicklung in der Oberkreide und dem Permokarbon zwischen Parkstein und Erbendorf (Oberpfalz / NE Bayern): Im Vergleich. – Erlanger geol. Abh., 118: 1-42; Erlangen.
Dill, H.G. (1995): Heavy mineral response to the progradation of an allovial-fan – implications concerning unroofing of source area, chemical-weathering an palaeo-relief (Upper Cretaceous Parkstein Fan Complex, SE Germany). – Sed. Geol., 95 (1-2): 39-56; Amsterdam.
Gothan, W. (1940): Über eine kleine Oberkreide-Flora von Friedersreuth bei Neustadt a.d. Waldnaab (O.-Pf.). – Jb. Reichsstelle Bodenforsch., 60: 240-247; Berlin.
Haunschild, H. & Schröder, B. (1960): Geologische Karte von Bayern 1:25000, Erläuterungen zum Blatt Nr. 6237 Grafenwöhr. – 88 S.; München (BGL).
Klare, B. & Schröder, B. (1990): Extreme Randfazies der Oberkreide vor der ZEV. – KTB-Report, 90-4: 300-309; Hannover.
Knobloch, E. (1971): Zur Altersstellung der „tertiären“ Flora von Riggau bei Pressath / Oberpfalz. – Geol. Bl. NO-Bayern, 21: 199-201; Erlangen.
Knobloch, E. (1973): Debeya insignis (Hosius et v.d. Marck) Knobloch aus dem Senon von Friedersreuth (Oberpfalz). – Geol. Bavarica, 67: 172-176; München.
Meyer, R.K.F. (1996): Kreide. – In: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:500000: 112-125; München (GLA).
Meyer, R.K.F. (2000): Außeralpine Kreide in Süddeutschland (Regensburger Kreide). – In: Stratigraphische Kommission Deutschland (Ed.), Stratigraphie von Deutschland III. Die Kreide der Bundesrepublik Deutschland. Courier Forschungsinst. Senckenberg, 226: 141-147; Frankfurt.
Niebuhr, B., Pürner, T. & Wilmsen, M. (2009): Lithostratigraphie der außeralpinen Kreide Bayerns. – SDGG, 65: 7-58; Hannover.
Schröder, B. & Sieling, M. (1966): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25000 Blatt Nr. 6137 Kemnath. – 115 S.; München (BGL).
Schröder, B. (1987): Die Sedimente des Hessenreuther Forstes (NE-Bayern). – eine Richtigstellung. – N. Jb. Geol. Paläont. Mh., 1987 (5): 297-306; Stuttgart.
Tillmann, H. (1954): Die Kreide in Nordostbayern. – In: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:500000: 85-94; München (BGL).
Tillmann, H. (1964): Kreide. – In: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:500000: 141-161; München (BGL).
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B., Schröder, B. & Pürner, T.
Erstellt am: 22.09.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 30.10.2009
Änderung Datensatz: 30.10.2009


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Litholex Recherche vom 24.07.2017, 10:47:20.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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