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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Roding-Formation
ID: 2008123
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Niebuhr et al. (2009)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Danubische Kreide-Gruppe
Chronostratigraphie: Oberkreide (Kreide, Mesozoikum)
Oberturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Mittelturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Kalk von Altenkreith, Cucullaeenkalk (Lehner 1934, 1936), Feldspatsande, Altenkreuther Kalksandstein, Altenschwander Sandstein, Untere Pflanzensandstein-Zone, Obere Pflanzensandstein-Zone, Erzhäuser Bausandstein (Heim 1950), pars Michelfelder Schichten, Braunsandstein (Exler 1957), pars Ehenfelder Schichten, Seugaster Sandstein (Tillmann 1958). Zu weiterer Synonymie siehe Niebuhr et al. (2009).
Lithologie: sehr wechselhaft. Grobe Arkosen, Feinkonglomerate, Grob- bis Feinsande, pflanzenhäckselreiche Siltsteine wechseln mit bunten Tonen. Lokal treten kalkige Einschaltungen auf. Oftmals sind fining-upward-Zyklen entwickelt, die erosiv mit groben Kiesen und Konglomeraten einsetzen (Rast in Meyer 1989: 78-82).
Untergeordnete Einheit: Die Roding-Formation weist in den vollständig entwickelten Profilen eine deutliche Vier-Teilung auf, die auch als kartierbare Einheiten in die geologischen Karten der Oberpfalz eingegangen sind. Die beiden mittleren Member (Freihöls- und Taxöldern-Member) können sich der jeweiligen Beckenposition gemäß teilweise gegenseitig ersetzen.
(Ältestes) Altenkreith-Member (tiefes Mittelturonium) = max. 20 m mächtige marine dunkle Tone, sandige Mergel und Siltsteine mit Glaukonit, in die an der Basis Kalkarenite und fossilreiche Kalkmergelsteine eingeschaltet sein können. Das Altenkreith-Member entspricht dem „Kalk von Altenkreith“ und „Cucullaeenkalk“ (Lehner 1934, 1936), dem „Altenkreuther Kalksandstein“ (Heim 1950) sowie dem „Mittelturon“ und dem „Pulverturmkalk“ der geologischen Karten Neukirchen-Balbini, westlich Amberg und der Bohrungen Taxöldern 1/87 und Jeding 1986 (vgl. Meyer 1989).
Freihöls-Member (Mittelturonium) = limnisch-fluviatil und flachmarin, bunte Grobarkosen und Sandsteine, Kaolinite, Bodenbildungshorizonte, Schrägschichtungen in marinen Abschnitten deuten auf einen küstenparallelen Transport nach Süd-Südosten. Das Freihöls-Member kann im mittleren und südöstlichen Teil der Bodenwöhrer Senke (Umgebung von Roding, Bohrungen Pösing 9/02 und Roding 1/06) bis ca. 60 m mächtig werden, in der nordwestlichen Bodenwöhrer Senke ist es weitaus geringmächtiger.
Taxöldern-Member (höheres Mittel- und tieferes Oberturonium) = marine, 40-70 m mächtige dunkelgraue Ton-, Silt- und Sandsteine mit reichlich Pflanzenhäcksel, unterbrochen von ca. 5 m mächtigen, schräggeschichteten Grobsandsteinen. Das Taxöldern-Member entspricht Teilen des „Unteren Pflanzensandstein“ und dem „Pflanzenton“ der Bohrungen Taxöldern 1/87 und Jeding 1986 (vgl. Meyer 1989).
(Jüngstes) Seugast-Member (höheres Oberturonium) = gelblich-braune, unreife Sandsteine und Arkosen mit grauen, tonigen Zwischenlagen, ca. 25 m mächtig in der Bohrung Roding 1/06. Das Seugast-Member entspricht dem „Oberen Pflanzensandstein“ und „Hiltersdorfer Sandstein“ der Bohrungen Taxöldern 1/87 und Jeding 1986 (vgl. Meyer 1989) sowie dem im Umkreis von Vilseck auskartierten „Seugaster Sandstein“.
Liegendgrenze: Knollensand-Member der Winzerberg-Formation. In der Grube Amberg-Ost der Sandwerke Amberg (TK 25: 6637 Rieden) ist zwischen beiden Formationen ein auffälliger hellgrüner, geröllführender Residualton ausgebildet, der auf eine Schichtlücke hinweist.
Hangendgrenze: : konkordant von der plastisch-weichen, dunklen Tonmergeln des Cardienton-Members der Hellkofen-Formation überlagert, oftmals mit einem scharfen lithologischen Schnitt. In der Bodenwöhrer Senke ist an der Basis der Hellkofen-Formation häufig eine limonitische Grenzbank entwickelt.
Mittlere Mächtigkeit: Die Roding-Formation erreicht in den zusammengesetzten Profilen der Grube Amberg-Ost der Sandwerke Amberg sowie der Bohrungen Pösing 9/02 und Roding 1/06 eine Gesamtmächtigkeit von 160-170 m.
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Typusregion ist die Bodenwöhrer Senke vor dem variszischen Grundgebirge. Das Typusprofil setzt sich zusammen aus den Bohrungen Pösing 9/02 (TK 25: 6741 Cham West) und Roding 1/06 (TK 25: 6841 Roding), die im zentralen Bohrprobenarchiv des LfU, Hof, eingelagert sind. In der Grube Amberg-Ost der Sandwerke Amberg (TK 25: 6637 Rieden; Taf. 3, Fig. 5) ist die Basis der Roding-Formation aufgeschlossen. Als Referenzprofile können folgende Bohrungen gelten: Taxöldern 1/87 (TK 25: 6639 Wackersdorf) zwischen 163,15 m und 45,50 m Teufe und Jeding 1986 (TK 25: 6638 Schmidgaden) zwischen 119,50 m und 35 m Teufe (vgl. Meyer 1989). Beide sind ebenfalls im zentralen Bohrprobenarchiv des LfU, Hof, eingelagert.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Bayern (Regierungsbezirk Oberpfalz). Die wechselhafte Lithologie der Roding-Formation ist auf die Bodenwöhrer Senke von Roding im Südosten bis nordwestlich von Amberg beschränkt.
Zeitgleiche Einheiten: In der Danubischen Kreide-Gruppe sind die drei unteren (älteren) Member der Roding-Formation (Altenkreith-, Freihöls- und Taxöldern-Member) mit der Kagerhöh-Formation und das (jüngste) Seugast-Member mit der Großberg-Formation im Umkreis von Regensburg zeitgleich.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die Roding-Formation hat keine biostratigraphisch verwertbaren Makrofossilien geliefert. Im (tiefsten) Altenkreith-Member wurde mittels planktonischer Foraminiferen ein unterturones bis tief-mittelturones Alter nachgewiesen; die Plankton-Foraminiferen des (zweit-jüngsten) Taxöldern-Member deuten ebenfalls auf ein mittelturones Alter (Niebuhr et al. 2009). Die gesamte Reichweite der Roding-Formation ergibt sich aus der stratigraphisch jüngsten Einstufung der liegenden Winzerberg-Formation (Unter-/ Mittelturonium-Grenzbereich) im Vergleich mit der stratigraphisch ältesten Einstufung der hangenden Hellkofen-Formation (basales Coniacium).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach der ältesten Landstadt der Oberpfalz im Landkreis Cham (Bayern).
Environment: die Roding-Formation wurde an der Schnittstelle zwischen Land und Meer abgelagert und die Fazies wechselt rasch zwischen limnisch-fluviatilen und marinen Einschaltungen.
Abgrenzungsprobleme: Um Amberg herum sind kalkige Einschaltungen im Altenkreith-Member der Roding-Formation nur vom Betzenstein-Member der Kagerhöh-Formation unterscheidbar, wenn jeweils die liegende bzw. hangende lithostratigraphische Einheit sicher festzulegen ist. Die tieferen Teile der Hessenreuth-Formation sind der Roding-Formation sehr ähnlich. Die westlichen „Ehenfelder Schichten“ (TK 25: 6337 Kaltenbrunn, 6437 Hirschau) werden kartiertechnisch, wie die zeitlich und faziell identischen „Mittleren“ und „Oberen Michelfelder Schichten“ auch, zur Roding-Formation gestellt, wohin gegen die nordöstlichen „Ehenfelder“ und „Ehenfelder-Michelfelder Schichten“ des Hessenreuther Forstes (TK 25: 6137 Kemnath, 6138 Erbendorf, 6237 Grafenwöhr, 6238 Parkstein), die heute von den westlichen Vorkommen deutlich getrennt sind, zum Parkstein-Member der Hessenreuth-Formation zählen.
Fossilien: In kalkigen Einschaltungen an der Basis des (ältesten) Altenkreith-Members wurden viele große Rhynchostreon suborbiculatum und Cucullea thevestensis sowie verschiedene Ostreen und Exogyren gefunden (vgl. Slg. Trusheim LfU, München). Pflanzenreste und Bioturbation kommen in der gesamten Roding-Formation vor.
Literatur: Exler, H.J. (1957): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25000, Blatt 6234 Pottenstein. – 44 S.; München (BGL).
Heim, F. (1950): Geologischer Überblick über das Schwandorfer Gebiet. – In: Lutz, J.L. (Ed.), Über den Gesellschaftsanschluß oberpfälzer Kiefernstandorte. Ber. Bayer. Botan. Ges. München, 28: 69-71, München.
Lehner, L. (1934): Der Betzensteiner Kreidekalk. Studien über die fränkische albüberdeckende Kreide, VI. – Cbl. Min. Geol. Pal., Abt. B, 9: 368-422; Stuttgart.
Lehner, L. (1936): Zur Lagerung, Schichtenfolge und Paläogeographie der fränkischen Kreide. Studien über die fränkische albüberdeckende Kreide, IX. – Zbl. Min. Geol. Pal., Abt. B, 9: 362-369; Stuttgart.
Meyer, R.K.F. (1989): Die Entwicklung der Kreide-Sedimente im Westteil der Bodenwöhrer Senke. – Erlanger geol. Abh., 117: 53-96; Erlangen.
Niebuhr, B., Pürner, T. & Wilmsen, M. (2009): Lithostratigraphie der außeralpinen Kreide Bayerns. – SDGG, 65: 7-58; Hannover.
Tillmann, H. (1958): Geologische Karte von Bayern 1:25000, Erläuterungen zum Blatt Nr. 6337 Kaltenbrunn. – 118 S.; München (BGL).
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B., Chellouche, P., Pürner, T. & Wilmsen, M.
Erstellt am: 22.09.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 30.10.2009
Änderung Datensatz: 30.10.2009
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Litholex Recherche vom 23.08.2017, 04:21:00.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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