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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Eibrunn-Formation
ID: 2008119
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Gümbel (1868)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Danubische Kreide-Gruppe
Chronostratigraphie: Oberkreide (Kreide, Mesozoikum)
Unterturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Obercenomanium (Cenomanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Untere Mergelschichten, pars Galgenbergschichten, Eybrunner mergeliger Grünsandstein, Eybrunner Glauconitmergel (Gümbel 1854), Eybrunner Mergel (Gümbel 1868; Brunhuber 1917; Dacqué 1939). Zu weiterer Synonymie siehe Niebuhr et al. (2009).
Lithologie: mittelgraue bis dunkelgraue, glaukonithaltige Mergel mit Karbonatgehalten überwiegend zwischen 35 und 55 %, im höheren Abschnitt mit sehr wenig Feinsand (Hilbrecht 1986; Hilbrecht & Hoefs 1986).
Untergeordnete Einheit: Kalkmergelbank (höheres Obercenomanium) = hellgraue, stark glaukonitische, fossilreiche Lage mit Chondrites-Bioturbation an der Basis.
Liegendgrenze: meist mit klarem Faziesschnitt konkordant auf den glaukonitischen Kalksandsteinen des Bad-Abbach-Members der Regensburg-Formation.
Hangendgrenze: konkordanter Übergang in die spiculitischen Feinsandsteine des Reinhausen-Members der Winzerberg-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: Die durchschnittliche Mächtigkeit der Eibrunn-Formation beträgt nördlich von Regensburg 7,50-8,50 m (Förster et al. 1983). Nach Westen (5-6 m bei Bad Abbach) und Norden dünnt die Eibrunn-Formation stark aus und erreicht in der Bodenwöhrer Senke nur noch eine Maximalmächtigkeit von ca. 1 m (Niebuhr et al. 2009).
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Typusprofil ist der südliche Autobahn-Einschnitt am Bernberg bei Zeitlarn, ca. 6 km nördlich von Regensburg (TK 25: 6938 Regensburg). Dieses Profil ist heute zwar überwiegend überböscht und zugewachsen, wurde von Förster et al. (1983) und Hilbrecht (1986) aber detailliert litho- und biostratigraphisch bearbeitet. Als Referenzprofil kann der hintere Steinbruch am Mühlberg südwestlich von Bad Abbach (TK 25: 7038 Bad Abbach) gelten, in dem sowohl das Auflagern der Eibrunn-Formation auf die Regensburg-Formation wie auch die Überlagerung durch das Reinhausen-Member der Winzerberg-Formation zu sehen ist.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Bayern (Regierungsbezirke Oberpfalz, Niederbayern)
Zeitgleiche Einheiten: In der Danubischen Kreide-Gruppe bildet die Eibrunn-Formation die distale, etwas tiefer marine Fazies des von Süden transgredierenden Cenoman-Meeres und ist zeitgleich mit einem Teil der Wellheim-Formation. Darüber hinaus erfolgte die Ablagerung der Regensburg-Formation in den proximalen Bereichen im Norden und Nordosten (Bodenwöhrer Senke) zeitgleich zur Bildung der Eibrunn-Formation im Süden (Regensburg–Kelheim). Der Kalkmergelbank der Eibrunn-Formation entspricht im borealen Ablagerungsraum die plenus-Bank, ein wichtiger, isochroner Leithorizont, der mindestens sechs norddeutsche Formationen charakterisiert.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die Einstufung erfolgt hauptsächlich mit Ammoniten, Belemniten und Inoceramen (Förster et al. 1983; Hilbrecht 1986; Tröger et al. 2009). Nach mikropaläontologischen Befunden mittels Plankton-Foraminiferen ergibt sich eine Einstufung in die höhere cushmani-, die archaeocretacea- und die helvetica-Zone (Förster et al. 1983). Für die Eibrunn-Formation bei Bad Abbach und an der Typuslokalität nördlich von Regensburg ist sowohl makro- wie auch mikrobiostratigraphisch für das tiefste ? ein obercenomanes und für die höheren ? ein unterturones Alter anzunehmen (Förster et al. 1983; Hilbrecht 1986; Röper & Rothgaenger 1995). In der Bodenwöhrer Senke datiert die Eibrunn-Formation ausschließlich auf Unterturonium (Niebuhr et al. 2009).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach dem Ortsteil Eibrunn der Gemeinde Pettendorf, Landkreis Regensburg, Regierungsbezirk Oberpfalz (Bayern)
Environment: tiefer marine Sedimente des mittleren Schelfes. In der Eibrunn-Formation sind die Wassertiefen im Vergleich zu den im Liegenden (Regensburg-) und im Hangenden (Winzerberg-) anschließenden Formationen am höchsten (maximum flooding zone etwa in der Mitte der Eibrunn-Formation).
Abgrenzungsprobleme: In der Bodenwöhrer Senke zwischen Wackersdorf und Roding, Oberpfalz, ist die Einheit zwar deutlich zu erkennen, jedoch oft in so geringen Mächtigkeiten an der Basis der Winzerberg-Formation vorhanden, dass sie kartiertechnisch mit der liegenden Regensburg-Formation zusammengefasst werden muß.
Fossilien: Die Eibrunn-Formation weist eine arten- und individuenreiche Fauna auf. Besonders häufig sind Muscheln (Austern, Pectiniden, Inoceramen etc.), weiterhin treten Serpeln, reguläre Seeigel, Belemniten und Ammoniten (Scaphites, Baculites, planspirale Formen) auf (vgl. Dacqué 1939; Förster et al. 1983; Hilbrecht & Hoefs 1986; Röper & Rothgaenger 1995; Tröger et al. 2009; Wilmsen et al. 2009).
Literatur: Brunhuber, A. (1917): Die geologischen Verhältnisse von Regensburg und Umgebung. – Naturwiss. Ver. Regensburg: 107 S.; Regensburg.
Dacqué, E. (1939): Die Fauna der Regensburg–Kelheimer Oberkreide. – Abh. Bayer. Akad. Wiss., N.F., 45: 218 S.; München (C.H. Beck).
Förster, R., Meyer, R. & Risch, H. (1983): Ammoniten und planktonische Foraminiferen aus den Eibrunner Mergeln (Regensburger Kreide, Nordostbayern). – Zitteliana, 10: 123-141; München.
Gümbel, C.W. von (1854): Übersicht über die geognostischen Verhältnisse der Oberpfalz. – Korresp.-Bl. zool.-mineral. Ver. Regensburg, 8 (1): 32, 37-43; Regensburg.
Gümbel, C.W. von (1868): Geognostische Beschreibung des Koenigreichs Bayern. 2. Abtheilung, Geognostische Beschreibung des Ostbayerischen Grenzgebirges oder des Bayerischen und Oberpfälzer Waldgebirges. – 968 S.; Gotha (Justus Perthes).
Hilbrecht, H. & Hoefs, J. (1986): Geochemical and palaeontological studies of the d13C Anomaly in Boreal and North Tethyan Cenomanian-Turonian sediments in Germany and adjacent areas. – Palaeogeogr. Palaeoclim. Palaeoecol., 53: 169-189; Amsterdam.
Hilbrecht, H. (1986): Die Turon-Basis im Regensburger Raum: Inoceramen, Foraminiferen und „events“ der Eibrunner Mergel bei Bad Abbach. – N. Jb. Geol. Paläont., Abh., 172 (1): 71-82; Stuttgart.
Niebuhr, B., Pürner, T. & Wilmsen, M. (2009): Lithostratigraphie der außeralpinen Kreide Bayerns. – SDGG, 65: 7-58; Hannover.
Röper, M. & Rothgaenger, M. (1995): Neue Fossilfunde aus der Regensburger Oberkreide Teil 1: Eibrunner Mergel. – Fossilien, 3: 180-184; Korb.
Tröger, K.-A., Niebuhr, B. & Wilmsen, M. (2009): Inoceramen aus dem Cenomanium bis Coniacium der Danubischen Kreide-Gruppe (Bayern, Süd-Deutschland). – SDGG, 65: 59-110; Hannover.
Wilmsen, M., Wood, C.J., Niebuhr, B. & Kaplan, U. (2009): Cenomanian–Coniacian ammonoids of the Danubian Cretaceous Group (Bavaria, southern Germany). – SDGG, 65: 111-124; Hannover.
Autor des Datenblattes: Wilmsen, M. & Niebuhr, B.
Erstellt am: 22.09.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 30.10.2009
Änderung Datensatz: 30.10.2009
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Litholex Recherche vom 20.07.2017, 20:44:20.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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