litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Wellheim-Formation
ID: 2008117
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Niebuhr et al. (2009)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Danubische Kreide-Gruppe
Chronostratigraphie: Oberkreide (Kreide, Mesozoikum)
Unterturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Cenomanium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Gaisit, Neuburger Weiss (Gümbel 1889, 1891), Kieselkreide (Schneid 1915), Mörnsheimer Bryozoensandstein, Muschelsandstein von Mühlheim, Wellheimer Quarzitsandstein, weißer Quarzitsandstein, zuckerkörniger Quarzitsandstein von Kreut, gelber Sandstein von Neuburg, Wellheimer Inoceramenquarzit, Opalbank von Rohrbach–Treidelheim, (Lehner 1924, 1933), Neuburger Kieselerde, Zementquarzit (Hoffmann et al. 1955), „Feinsand“-Serie, Kieselkreide, Kieselerde (Mörs 1991). Zu weiterer Synonymie siehe Niebuhr et al. (2009).
Lithologie: kaum verfestigte karbonat- und glaukonitfreie, spiculitische Silt-, Fein- und Mittelsande. Kieselig gebundene Knollen (Kallmünzer) sind häufig. Durch Entkalkung bildeten sich Silt- und Feinsande und bei fortschreitender Zersetzung lockere Kieselerden (Neuburg-Kieselerde-Member). Die Sedimente sind im trockenen Zustand reinweiß bis bergfeucht hellgrau oder von Eisenlösungen gelbbraun bis rötlich gefärbt. Grobkörnigere Varianten sind massige Kalkarenite mit Bryozoen, Brachiopoden und Muscheln („Mörnsheimer Bryozoensandstein“).
Untergeordnete Einheit: Neuburg-Kieselerde-Member = sehr feinkörnige, lockere Kieselerde mit einer mittleren Korngröße von 1,6-4 µm, die an der Erdoberfläche fließfähig ist. Das Sediment besteht zu 75-80 % aus kryptokristalliner und amorpher Kieselsäure (von Schwammspiculae) sowie 20-25 % lamellarem Kaolinit in einer losen Verbindung, die durch physikalische Methoden nicht zu trennen ist (Hoffmann et al. 1955; Homepage der Fa. Hoffmann Mineral). Von gleicher chemischer Zusammensetzung sind die von Gümbel (1889) als „Gaisite“, von Lehner (1924, 1933) als „Wellheimer Inoceramenquarzit“ und von Hoffmann et al. (1955) als „Zementquarzit“ bezeichneten dichten, spiculitischen Silt- bis Feinsandsteine, die als faust- bis kopfgroße Konkretionen in der Kieselerde regellos eingelagert sind.
Liegendgrenze: transgressiv auf der Schutzfels-Formation oder auf Oberjura-Kalken.
Hangendgrenze: erosiv gekappt oder konkordant überlagert vom Eisbuckel-Member der Kagerhöh-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: Die Mächtigkeit der linsen- und taschenförmigen Lager reicht im Wellheimer Gebiet von wenigen Metern bis über 60 m (Mörs 1991). Im Neuburger Gebiet kann das Neuburg-Kieselerde-Member, das dort seit über 100 Jahren von der Fa. Hoffmann Mineral abgebaut wird, bis über 130 m mächtig werden.
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Typusregion ist das Gebiet zwischen der namengebenden Stadt Wellheim und der südwestlich davon gelegenen Ortschaft Gammersfeld (Südliche Frankenalb, Oberbayern). Als Typusprofil kann nur eine Grube im Wellheimer Oberholz gelten (TK 25: 7132 Dollnstein), obwohl deren Wände z.T verstürzt sind (Mörs 1991). Die dort aufgeschlossenen Schichten zeigen eine muldenförmige Lagerung, wie sie für diesen Ablagerungsraum typisch ist.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Bayern (Regierungsbezirke Oberbayern, Schwaben). Die Wellheim-Formation ist fast ausschließlich auf die Kartenblätter TK 25: 7131 Mörnsheim, 7132 Dollnstein und 7133 Eichstätt beschränkt. Bei Hausen, südlich von Regensburg an der Autobahn A93 (TK 25: 7138 Langquaid), verzahnt sich die Wellheim-Formation im Unterturonium mit dem Reinhausen-Member der Winzerberg-Formation (Slg. Trusheim LfU, München).
Zeitgleiche Einheiten: Die glaukonitfreie Wellheim-Formation ist den glaukonithaltigen Faziestypen der Regensburg-, Eibrunn- und Winzerberg-Formationen nordwestlich vorgelagert.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die sehr häufig nachgewiesenen Inoceramus crippsi crippsi und In. hoppenstedtensis sind charakteristisch für das Untercenomanium, Einzelexemplare von In. pictus pictus und Mytiloides mytiloides dokumentieren die biostratigraphische Reichweite über das Obercenomanium bis in das höhere Unterturonium (Tröger et al. 2009).
Kommentar: Um Verwechslungen mit der Neuburg-Formation (Oberjura) zu vermeiden, wurde die bei Niebuhr et al. (2009) als "Neuburg-Member" beschriebene Untereinheit der Wellheim-Formation auf Vorschlag der Deutschen Stratigraphischen Kommission (Sitzung vom 4.-5. März 2010) in "Neuburg-Kieselerde-Member" umbenannt (vgl. Wilmsen & Niebuhr 2010).
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach der Ortschaft Wellheim im Landkreis Eichstätt, Regierungsbezirk Oberbayern (Bayern).
Bemerkungen: Die Wellheim- und Regensburg-Formationen sind die ältesten marinen Schichtglieder der Danubischen Kreide-Gruppe und leiten die von Süden und Südwesten vorstoßende Überflutung des Regensburger Golfes mit dem Untercenomanium ein.
Environment: Litorale und sublitorale Sedimente eines sich golfartig erweiterten Epikontinental-Meeres, das im Norden und Osten von dem Rheinischen und Böhmischen Massiv begrenzt wurde. Der „Mörnsheimer Bryozoensandstein“ dokumentiert die unmittelbare Küstenfazies der Wellheim-Formation, im Neuburg-Kieselerde-Member zeigt sich ein distaleres Stillwasser-Environment.
Fossilien: Die Wellheim-Formation weist eine Fauna des flachmarinen Bereiches auf. Häufig sind Kieselschwämme, Muscheln und Bryozoen, weiterhin treten Echinodermaten, Brachiopoden, Serpeln, Nautiliden und auch Treibholz auf (vgl. Slg. Naturmuseum Augsburg).
Lagerungsverhältnisse: Die Lagerstätten bilden isolierte Vorkommen, die in die Oberjura-Kalksteine mit meist sehr steilen Rändern eingesunken sind. Die Gruben haben einen Durchmesser von 50-200 m, einen ovalen oder nierenförmigen Umriss und sind im Allgemeinen 20-50 m tief. Der innere Aufbau ist weitgehend identisch: außen liegen über den Oberjura-Kalksteinen zunächst bunte Residulaltone („Neuburger Basiston“), darüber meist terrestrische Grobsandsteine der Schutzfels-Formation. Die marinen Sedimente der Wellheim-Formation beginnen mit mehreren Metern mächtigen Mittel- bis Feinsandsteinen, in die das Neuburg-Kieselerde-Member eingebettet ist. In den großen Abbaugruben, die die gesamte stratigraphische Reichweite der Wellheim-Formation zeigen, vertaubt die Kieselkreide im Hangenden und geht allmählich in spiculitische Feinsande über (M. Hoffmann, mündl. Mitt. Febr. 2008). Die höchsten Einheiten der Wellheim-Formation bestehen oftmals aus verkieselten Konglomerat-Konkretionen.
Literatur: Gümbel, C.W. von (1889): Kurze Erläuterungen zu dem Blatte Ingolstadt (Nr. XV) der geognostischen Karte des Königreichs Bayern. – 34 S.; Cassel.
Gümbel, C.W. von (1891): Geognostische Beschreibung des Koenigreichs Bayern. 4. Abtheilung, Geognostische Beschreibung der Fränkischen Alb (Frankenalb) mit dem anstossenden Fränkischen Keupergebiete. – 763 S.; Kassel (Theodor Fischer).
Hoffmann, M., Kempcke, E., Neuwirth, E. & Pieruccini, R. (1955): Die Neuburger Kieselerde. – Ber. dt. Keram. Ges., 32 (10): 297-303; Bonn.
Lehner, L. (1924): Die Gliederung der fränkischen albüberdeckenden Kreide. – Cbl. Min. Geol. Pal., 6: 176-181; Stuttgart.
Lehner, L. (1933): Beobachtungen an Cenomanrelikten der südlichen Frankenalb. Studien über die fränkische albüberdeckende Kreide, II. – Cbl. Min. Geol. Pal., Abt. B, 8: 458-470; Stuttgart.
Mörs, T. (1991): Zur Petrographie, Sedimentologie und Stratigraphie der Wellheimer Kreide (Südliche Frankenalb, Bayern). – Archaeopteryx, 9: 73-81; Eichstätt.
Niebuhr, B., Pürner, T. & Wilmsen, M. (2009): Lithostratigraphie der außeralpinen Kreide Bayerns. – SDGG, 65: 7-58; Hannover.
Schneid, T. (1915): Die Geologie der fränkischen Alb zwischen Eichstätt und Neuburg a.D., 1. Stratigraphischer Teil, zweite Hälfte. – Geogn. Jh., 28: 1-61; München.
Tröger, K.-A., Niebuhr, B. & Wilmsen, M. (2009): Inoceramen aus dem Cenomanium bis Coniacium der Danubischen Kreide-Gruppe (Bayern, Süd-Deutschland). – SDGG, 65: 59-110; Hannover.
Wilmsen, M. & Niebuhr, B. (2010): On the age of the Upper Cretaceous transgression between Regensburg and Neuburg an der Donau (Bavaria, southern Germany). - N. Jb. Geol. Paläont., Abh., 256(3): 267-278; Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B.
Erstellt am: 18.09.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 30.10.2009
Änderung Datensatz: 22.11.2010
Anlage(n)PDF-Icon Die Anlagen als PDF-Dateien
können Sie mit dem Adobe Acrobat Reader plattformunabhängig ansehen und drucken. Laden Sie den kostenlosen Adobe Acrobat Reader entsprechend Ihrer Plattform- und Sprach-Version unter http://www.adobe.de/products/acrobat/download/readstep.html.
Größe der PDF-Datei: 0.554 MBytes!

Anzahl Litho alt: 2

es existiert eine frühere Version:
diese 
anzeigen


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 22.09.2017, 13:49:05.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID