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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Schutzfels-Formation
ID: 2008116
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Gümbel (1854), revidiert durch Trusheim (1935a)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Danubische Kreide-Gruppe
Chronostratigraphie: Unterkreide (Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Schutzfelsensandstein, Schutzfelsschichten, Amberger Schichten, Amberger Erzformation (Gümbel 1854, 1868; Brunhuber 1917; Trusheim 1935a, b; Tillmann et al. 1963; Gudden 1984; Meyer 2000), pars Ehenfelder Schichten (Gudden & Treibs 1961), „Grobsand“-Serie (Mörs 1991), pars Michelfelder Schichten (Meyer 1996). Zu weiterer Synonymie siehe Niebuhr et al. (2009).
Lithologie: im Allgemeinen unverfestigte, klastische Sedimente (Tone, Silte, Sande, Kiese), die partiell verfestigt sein können. Das Bindemittel ist entweder kaolinitisch (dann gleicht das Sediment einer kaolinisierten Arkose) oder kieselig (so dass quarzitische Sandsteine vorliegen). Der Quarzanteil liegt bei 90-95 %, Feldspäte und Karbonat fehlen überwiegend. Die Sedimente sind gewöhnlich rein weiß, gelblich oder grünlich. Reichlich organische Substanz kann sie auch schwarz färben. Besonders auffällig ist jedoch leuchtendes rot, violett bis blau. Die Gerölle können einen Durchmesser von 4-5 cm erreichen, schwarze Lydite können häufig sein. Markasit-Knollen mit schalig-konzentrischem Aufbau und Verkieselungen treten gelegentlich auf.
Untergeordnete Einheit: Amberg-Member = sedimentäre Eisenerze aus aufgearbeiteten Dogger-Sandsteinen, Mächtigkeit bis 60 m (Gudden 1984). Ablagerung in lang gestreckten Trögen bei Auerbach und Sulzbach–Rosenberg, Oberpfalz. Die Erzkörper „stellen Einlagerungen in die Schutzfelsschichten dar, mit denen sie durch alle Übergänge auf das innigste verknüpft sind“ (Trusheim 1935a: 46).
Liegendgrenze: Oberjura-Kalke. Die Schutzfelz-Formation ist überwiegend in deren Verkarstungserscheinungen erhalten.
Hangendgrenze: erosiv gekappt, durch einen Paläoboden getrennt und transgressiv überlagert durch die Regensburg- und Wellheim-Formationen.
Mittlere Mächtigkeit: Die Mächtigkeit der Schutzfels-Formation schwankt außerordentlich stark und ist abhängig von der Form und Größe des vorhandenen Karst-Hohlraumes. Bei Kelheim reichen die Sande und Tone in einer Breite von 20-30 m bis über 80 m tief in die Malm-Kalke hinein (Trusheim 1935a: 38). Bei Velburg (TK 25: 6736 Velburg) liegen die Sedimente am Großen Rattenberg in einer Doline auf ca. 565 m üNN und streichen am Fuß des Berges bei etwa 470 m üNN flächig aus – das heißt, hier waren wohl einmal mindestens 100 m Schutzfels-Formation entwickelt.
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Typusprofil ist der Schutzfelsen an der Donau bei Pentling (TK 25: 7038 Bad Abbach). Seit dem 15. Juli 2005 trägt er das Geotop-Gütesiegel und gehört zu den 100 bedeutendsten geologischen Naturwundern Bayerns. Dort ist das Auflager der Regensburg-Formation auf der Schutzfels-Formation in einer Oberjura-Karstschlotte zu sehen.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Bayern (Regierungsbezirke Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben, Mittelfranken, Oberfranken). Als Erosionsrelikt in Karstschlotten ist die Schutzfels-Formation heute überwiegend mit der Verbreitung der Malm-Kalke assoziiert. Das südlichste Vorkommen liegt bei Abensberg 30 km südlich von Regensburg, Niederbayern, im Norden reicht die Schutzfels-Formation bis weit über Auerbach / Oberpfalz, hinaus. Bei Flinsbach / Passau, Niederbayern, soll das östlichste Aufteten sein (Trusheim 1935a: 25). Zwischen Neuburg an der Donau (Oberbayern) und Solnhofen (Mittelfranken) bildete die Schutzfels-Formation vor Einbruch der Karstschlotten flächendeckend das Liegende der Wellheim-Formation.
Zeitgleiche Einheiten: Die Schutzfels-Formation bildet die ältesten Sedimente der Danubischen Kreide-Gruppe und haben keine zeitgleichen Einheiten in der außeralpinen Kreide Bayerns.
Alterseinstufung: Die Sedimente der Schutzfels-Formation sind jünger als die Bildung der unterkretazischen Verebnungsfläche und älter als die basalen marinen Sedimente der Regensburg- und Wellheim-Formationen (tiefes Untercenomanium). Die terrestrische Schutzfels-Formation kann auch nicht ein unmittelbarer Sedimentationsvorläufer der beiden marinen Formationen sein, sondern ist beträchtlich älter – dazwischen liegt eine flächenhafte Abtragungsdiskordanz und ein Zeitraum tiefer Bodenbildung (siehe Steinbruch Saal der Fels-Werke, Niebuhr et al. 2009: 16). Eine nähere Einstufung ist mangels Fauna nicht möglich. In mikropaläontologischen Proben aus Tonhorizonten innerhalb des Amberg-Members fanden sich immer nur „verkieselte Kleinfaunen von jurassischem Charakter, wahrscheinlich aus dem Malm umgelagert“ (Groiss in Risch 1983: 149), keine der von Tillmann & Treibs (1967) angegebenen oberkretazischen planktonischen und benthonischen „Leit-Foraminiferen“ hielten einer genaueren Überprüfung stand.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach dem Schutzfelsen direkt an der Donau bei Pentling im Regierungsbezirk Oberpfalz (Bayern).
Environment: Fluss- und Seensedimente. Ein mariner Einfluss ist auch im Amberg-Member nicht nachweisbar.
Fossilien: Trusheim (1935a: 41) beschreibt „vorzüglich erhaltene Blattabdrücke“ aus der Schutzfels-Formation in Regensburg. Davon befinden sich mind. 20 Exemplare, im Jahr 1933 von R. Kräusel (Frankfurt) als Acer cf. trilobatum, Byttneria cf. aequalifolia, Salix, Myrica und cf. Evonymus bestimmt, heute noch in der Slg. Trusheim des LfU, München.
Literatur: Brunhuber, A. (1917): Die geologischen Verhältnisse von Regensburg und Umgebung. – Naturwiss. Ver. Regensburg: 107 S.; Regensburg.
Gudden, H. (1984): Zur Entstehung der nordostbayerischen Kreide-Eisenerz-Lagerstätten. – Geol. Jb., D 66: 51-75; Hannover.
Gudden, H. & Treibs, W. (1961): Geologische Karte von Bayern 1:25000, Erläuterungen zum Blatt Nr. 6436 Sulzbach–Rosenberg Nord. – 143 S.; München (BGL).
Gümbel, C.W. von (1854): Übersicht über die geognostischen Verhältnisse der Oberpfalz. – Korresp.-Bl. zool.-mineral. Ver. Regensburg, 8 (1): 32, 37-43; Regensburg.
Gümbel, C.W. von (1868): Geognostische Beschreibung des Koenigreichs Bayern. 2. Abtheilung, Geognostische Beschreibung des Ostbayerischen Grenzgebirges oder des Bayerischen und
Meyer, R.K.F. (1996): Kreide. – In: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:500000: 112-125; München (GLA).
Meyer, R.K.F. (2000): Außeralpine Kreide in Süddeutschland (Regensburger Kreide). – In: Stratigraphische Kommission Deutschland (Ed.), Stratigraphie von Deutschland III. Die Kreide der Bundesrepublik Deutschland. Courier Forschungsinst. Senckenberg, 226: 141-147; Frankfurt.
Mörs, T. (1991): Zur Petrographie, Sedimentologie und Stratigraphie der Wellheimer Kreide (Südliche Frankenalb, Bayern). – Archaeopteryx, 9: 73-81; Eichstätt.
Niebuhr, B., Pürner, T. & Wilmsen, M. (2009): Lithostratigraphie der außeralpinen Kreide Bayerns. – SDGG, 65: 7-58; Hannover.
Risch, H. (1983): Zur Mikrobiostratigraphie der Regensburger Kreide. – Zitteliana, 10: 143-153; München.
Tillmann, H. & Treibs, W. (1967): Geologische Karte von Bayern 1:25000, Erläuterungen zum Blatt Nr. 6335 Auerbach. – 219 S.; München (BGL).
Tillmann, H., Treibs, W. & Ziehr, H. (1963): Geologische Karte von Bayern 1:25000, Erläuterungen zum Blatt Nr. 6537 Amberg. – 222 S.; München (BGL).
Trusheim, F. (1935a): Die geologische Geschichte Südostdeutschlands während der Unterkreide und des Cenomans. – N. Jb. Min. etc., Beil., B 75: 1-109; Stuttgart.
Trusheim, F. (1935b): Über die Entstehung der Amberger Eisenerzlagerstätten. – Z. prakt. Geol., 43 (3): 1-4; Halle.
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B. & Pürner, T.
Erstellt am: 18.09.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 30.10.2009
Änderung Datensatz: 30.10.2009
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Litholex Recherche vom 19.11.2017, 22:32:15.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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