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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Ilsenburg-Formation
ID: 2008114
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Schroeder (1926)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: keine
Chronostratigraphie: Untercampanium (Campanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Trümmergesteine des Senons (Brandes 1902), Senonmergel, Quadratenschichten (Schroeder 1913), Ilsenburgmergel, Quadratenmergel (Schroeder 1914), Ilsenburgschichten, Schichten mit Gonioteuthis quadrata und Becksia soekelandi (Schroeder 1926), Trümmerkalksteine (Voigt 1929), Ilsenburg-Formation (Niebuhr et al. 2007).
Lithologie: Die Ilsenburg-Formation besteht überwiegend aus grauen Mergeln und hellgrauen feinsandigen Mergeln. Spongiolithische kalkige Siltsteine und sandige Kalkmergel sind seltener. Untergeordnet treten am Harznordrand kalkig zementierte Sandsteine und geringmächtige Konglomerate auf. Die Sandsteine können als Hybridsande klassifiziert werden (Corallinaceen-Echinodermaten-Schille mit Quarz und Lithoklasten).
Untergeordnete Einheit: keine
Liegendgrenze: Die Ilsenburg-Formation entwickelt sich entweder konkordant aus der Emscher-Formation oder überlagert winkeldiskordant ältere Schichten (Zechstein bis Heimburg-Formation), am Schimmerwald-Sporn nach Schroeder (1927) und Roll (1953) sogar auf Altpaläozoikum der Harzscholle.
Hangendgrenze: Erosiv gekappt. Mit der Ilsenburg-Formation endet die sedimentäre Überlieferung der Subherzynen Kreidemulde.
Mittlere Mächtigkeit: --
Maximale Mächtigkeit: In Bohrungen (z.B. Schimmerwald 1) werden Maximalmächtigkeiten von etwa 600 m erreicht (zusammengefasst mit oberer Emscher-Formation: Obersantonium und tieferes Untercampanium = 1.070 m – Roll 1953). Im Zentrum der Subherzynen Kreidemulde bei Ilsenburg sind die Mächtigkeiten vermutlich noch höher.
Typusprofile, etc.: Typusregion ist die zentrale Subherzynen Kreidemulde bei Ilsenburg, Sachsen-Anhalt (TK 25: 4129 Harzburg, 4130 Wernigerode). Ein geeignetes Typusprofil existiert bisher nicht. Als Referenzprofile können zwei geringmächtige Profile genutzt werden, die sich faziell unterscheiden, aber beide typisch für die Ilsenburg-Formation sind. Repräsentativ für die randliche Ausbildung mit sandigen Mergeln mit eingelagerten kalkig zementierten Sandsteinen mit zahlreichen Bio- und Lithoklasten ist der westliche Prallhang der Ecker 600 m südlich Eckerkrug (TK 25: 4129 Harzburg, Voigt et al. 2004a). Exemplarisch für die schwammreiche Ausbildung der distaleren Beckenfazies sind kalkige gebankte Siltsteine mit Mergel-Zwischenlagen am Saßberg bei Veckenstedt (TK 25: 4130 Wernigerode, Ulbrich 1970, Voigt et al. 2004a).
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Zentrale Subherzyne Kreidemulde
Zeitgleiche Einheiten: In der Subherzynen Kreidemulde gibt es keine zeitgleichen anderen Formationen. Bei Hannover (Niedersachsen) treten zeitgleich Kalk / Mergel-Rhythmite der Misburg-Formation und im Norden (Schleswig-Holstein, nördliches Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern) flächendeckend die Schreibkreide-Gruppe auf.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die Basis der Ilsenburg-Formation liegt in der Offaster pillula-Zone, tieferes Untercampanium, und der Top in der Gonioteuthis gracilis / Belemnitella mucronata-Zone, höchstes Untercampanium (Schroeder 1926).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach der Stadt Ilsenburg am nördlichen Harzrand (Sachsen-Anhalt).Environment: Die Sedimente der Ilsenburg-Formation repräsentieren randnahe, syntektonische Sedimente am Harznordrand, die rasch in hemipelagische, offen-marine Pelite übergehen (Voigt et al. 2006b).Fossilien: Besonders die sandigen Anteile der Ilsenburg-Formation sind fossilreich: Corallinaceen, Kieselschwämme, Belemniten, Echiniden, Bivalven, Bryozoen, seltener Ammoniten und Brachiopoden.Abgrenzungsprobleme: Die Ilsenburg-Formation ist zum Teil mit der Emscher-Formation durch graduelle vertikale Übergänge verbunden und kann deshalb in Bohrungen nur schwer differenziert werden. Die typischen, hellgrau bis weiß verwitternden Sandmergel lassen sich in der Nähe des Harzrandes leicht von den dunkelgrauen, tonigen Mergeln der Emscher-Formation unterscheiden, aber nach Norden (Osterwieck) verringern sich die Unterschiede. In Bohrungen der zentralen Subherzynen Kreidemulde werden die tieferen Teile des Untercampanium noch der Emscher-Formation zugeschlagen. Die Ilsenburg-Formation kann in diesem Gebiet nur aufgrund erhöhter Karbonat- und Sandgehalte von der Emscher-Formation abgetrennt werden.
Literatur: Behrend, F. (1929): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Ländern. Blatt Osterwieck, Nr. 2232. – 31 S., Berlin.
Böhm, J. & Schroeder, H. (1909): Herzyne Gerölle im Senon des Austberges bei Benzingerode. – Abh. Preuß. Geol. Landesanst., N.F., 56: 19–32, Berlin.
Brandes, G. (1902): Einige Bemerkungen über Trümmergesteine im mittleren und oberen Untersenon der Aufrichtungszone des nördlichen Harzrandes. – Z. dt. geol. Ges., 1902: 18–52, Berlin.
Niebuhr, B., Hiss, M., Kaplan, U., Tröger, K.-A., Voigt, S., Voigt, T., Wiese, F. & Wilmsen, M. (2007): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – SDGG, 55: 136 S., Hannover.
Roll, A. (1953): Der Harzrand bei Bad Harzburg. – N. Jb. Geol. Pal., Abh., 97: 90–98, Stuttgart.
Schroeder, H. (1913): Die Obere Kreide. – In: Bode, A. & Schroeder, H. (Hrsg.): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Ländern. Blatt Goslar, Lieferung 174, 1. Aufl.: 96–108, Berlin.
Schroeder, H. (1914): Exkursion in das nördliche Harzrandgebiet zwischen Goslar und Thale. – Führer zu den Exkursionen der DGG im August 1914: 46–78, Berlin.
Schroeder, H. (1926): Oberkreide. – In: Erdmannsdörfer, O.H. & Schroeder, H. (Hrsg.): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Ländern. Blatt Wernigerode, Nr. 2305: 42–49, Berlin.
Schroeder, H. 1927. Obere Kreide. – In: Erdmannsdörfer, O.H., Fliegel, G. & Schroeder, H. (Hrsg.): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Ländern. Lieferung 100, Blatt Harzburg, Nr. 2304: 1–121, Berlin.
Tröger, K.-A. (2000): Sachsen-Anhalt, östliche Subherzyne Kreide. – In: Stratigraphische Kommission Deutschlands (Hrsg.): Stratigraphie von Deutschland III. Die Kreide der Bundesrepublik Deutschland. Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 226: 109–117, Frankfurt.
Ulbrich, H.( 1970): Mitteilungen zur Stratigraphie des Santon und Campan des mittleren Teils der Subherzynen Kreidemulde. – Freiberger Forschungsh. C 267: 47–71, Leipzig.
Voigt, E. (1929): Die Lithogenese der Flach- und Tiefwassersedimente des jüngeren Oberkreidemeeres. – Jb. Hallescher Verb., Erforsch. mitteldt. Bodenschätze, N.F., 8: 136 S., Halle.
Voigt, T., Tröger, K.-A., Eynatten, H. von (2004a): Das Subherzyne Kreidebecken. – In: Mutterlose, J. & Steffahn, J. (Hrsg.): Exkursionsführer: Die Kreide des Subherzynen und östlichen Niedersächsischen Beckens. Bochumer Geol. Geotechn. Arb., 4: 1–54, Bochum.
Voigt, T., Eynatten, H. von & Franzke, H.-J. (2004b): Late Creatceous unconformities in the Subhercynian Cretaceous Basin (Germany). – Acta Geol. Pol., 54 (4): 637–694, Warschau.
Voigt, T., Wiese, F., Eynatten, H. von, Franzke, H.-J. & Gaupp, R. (2006): Facies evolution of syntectonic Upper Cretaceous Deposits in the Subhercynian Cretaceous Basin and adjoining areas (Germany). – Z. dt. Ges. Geowiss., 157 (2): 203–244, Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Voigt, T. & Tröger, K.-A.
Erstellt am: 17.04.2008
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.04.2008
Änderung Datensatz: 22.04.2008
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Litholex Recherche vom 23.07.2017, 14:42:36.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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