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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Blankenburg-Formation
ID: 2008113
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Voigt (1929)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: keine
Chronostratigraphie: Untercampanium (Campanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Blankenburg-Schichten (Voigt 1929, Erdmannsdörfer et al. 1930), Heimburg-Blankenburg-Folge (Jubitz 1957), Blankenburg-Entwicklung (Ulbrich 1970), Blankenburger Schichten (Patzelt 2000), Blankenburg-Formation (Niebuhr et al. 2007).
Lithologie: Die Blankenburg-Formation besteht im Wesentlichen aus Mergeln mit eingelagerten Kalksandstein-Bänken, nur unmittelbar am Harzrand treten Konglomerate geringer Mächtigkeit auf. Die Abfolge ist zyklisch gegliedert: auf basal scharf abgegrenzten Mergeln folgen mergelige Sande, die von Sandsteinbänken überlagert werden.
Untergeordnete Einheit: Jubitz (1957) gliedert die Blankenburg-Formation in zwei Teile, die sich durch ihren Mergelanteil unterscheiden (mergeldominierte untere Blankenburg-Schichten und überwiegend sandige obere Blankenburg-Schichten). Diese Gliederung wurde aber nur im vorgeschlagenen Typusprofil beobachtet und läßt sich im übrigen Verbreitungsgebiet vermutlich nicht nachvollziehen.
Liegendgrenze: Konkordant auf Heimburg-Formation oder diskordant auf älteren Schichten (unmittelbar am Harzrand auch diskordant auf Heimburg-Formation). Die Blankenburg-Formation lässt sich in kontinuierlichen Profilen von der unterlagernden Heimburg-Formation durch das Einsetzen dicker Mergelpakete abgrenzen (Jubitz 1957). Sie überlagert sonst mit ausgeprägter Winkeldiskordanz alle älteren Ablagerungen der Subherzynen Kreidemulde, einschließlich der Heidelberg-Formation.
Hangendgrenze: Erosiv gekappt. Falls sich die Blankenburg-Formation im Untergrund der Subherzynen Kreidemulde fortsetzt, wird sie von der Ilsenburg-Formation überlagert.
Mittlere Mächtigkeit: --
Maximale Mächtigkeit: Nach Jubitz (1957) ca. 80 m, möglicherweise können auch über 100 m erreicht werden.
Typusprofile, etc.: Typusregion ist der Ostteil der Subherzynen Kreidemulde bei Blankenburg, Sachsen-Anhalt (TK 25: 4131 Derenburg, 4132 Halberstadt, 4231 Blankenburg, 4232 Quedlinburg). Ein Typusprofil wurde bisher nicht festgelegt, weil die Blankenburg-Formation schlecht aufgeschlossen ist. Es bietet sich der untertägige Aufschluss des Klosterwerks westlich von Blankenburg an (Dokumentation in Jubitz 1957). Als Referenzprofil von überregionaler Bedeutung ist der Aufschluss im Teufelsbachtal bei Michaelstein zu werten, in der die Transgression der Blankenburg-Formation auf steilgestellten Schichten der Meißner-Formation (Oberer Muschelkalk) dokumentiert ist.
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Östliche Subherzyne Kreidemulde. Die Blankenburg-Formation besitzt nur eine sehr begrenzte Verbreitung am Harzrand zwischen Thale und Heimburg. Sie könnte sich aber auch in Harzrandnähe unter der Ilsenburg-Formation in das Zentrum der Subherzynen Kreidemulde fortsetzen.
Zeitgleiche Einheiten: In der zentralen Subherzynen Kreidemulde hat die Blankenburg-Formation zeitliche Äquivalente in der oberen Emscher-Formation. Möglicherweise wurden die tieferen, oberflächlich nicht aufgeschlossenen Bereiche der Ilsenburg-Formation im Beckenzentrum zeitgleich mit der Blankenburg-Formation abgelagert.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Nach seltenen Funden von Goniotheuthis granulataquadrata, Sphenoceramus sp. aff. lingua und Placenticeras bidorsatum ist für die Blankenburg-Formation ein tief-untercampanes Alter anzunehmen (Erdmannsdörfer et al. 1930). Sie entspricht damit der Gonioteuthis granulataquadrata-Zone und der Sphenoceramus lingua / Gonioteuthis quadrata Zone des Untercampanium.Sequenzstratigraphie: Die Blankenburg-Formation bildet eine eigene Sequenz in der Subherzynen Kreidemulde. Sie setzt mit einer Transgression an der Basis des Untercampanium ein. Ob sie einer globalen Meeresspiegelfluktuation entspricht, ist unklar. Der deutliche Rückgang der Mergel in der oberen Blankenburg-Formation deutet auf Progradation vom Harz hin (HST). Eine erneute Transgression in der darauffolgenden Offaster pillula-Zone der Ilsenburg-Formation leitet die nächste Sequenz ein. Zwischen beiden Ablagerungssequenzen besteht vermutlich eine Zeitlücke.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach der Stadt Blankenburg am Harznordrand (Sachsen-Anhalt).Environment: Es handelt sich um bioturbate marine Sedimente, die unter ruhigen Wasserbedingungen abgelagert wurden. Nur im Süden wurde die Sedimentation stärker durch den Beckenrand beeinflusst (Konglomerat-Horizonte). Die Gerölle stammen überwiegend aus der erodierten mesozoischen Sedimenthülle des aufsteigenden Harzes.Fossilien: Die Faunenliste (erste Angaben von Erdmannsdörfer et al. 1930) umfasst neben zahlreichen Bivalven folgende stratigraphisch wichtige Formen: Platyceramus cycloides, Sphenoceramus. sp. aff. lingua, Sp. nasutus, Sp. patootensiformis, Scaphites binodosus, Placenticeras bidorsatum, Hauericeras cf. pseudogardeni, Goniototheutis granulataquadrata, Actinocamax verus. Die Flora wird durch Credneria triacuminata, Dewalquea aquisgrauensis und Geinitzia cretacea vertreten.Abgrenzungsprobleme: Der Übergang von der Blankenburg- in die Emscher-Formation vollzieht sich in der zentralen und westlichen Subherzynen Kreidemulde allmählich unter Abnahme der Korngröße.
Literatur: Erdmannsdörfer, O. H., Fliegel, G. & Schroeder, H. (1930): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Ländern. Blatt Blankenburg, Nr. 2380. – 69 S., Berlin.
Jubitz, K.-B. (1957): Stratigraphie und Tektonik der Aufrichtungszone und des Vorlandes. – Exkursionsführer Geol. Ges. DDR, 26.-29. April 1957 in Wernigerode, 5–37, Berlin.
Niebuhr, B., Hiss, M., Kaplan, U., Tröger, K.-A., Voigt, S., Voigt, T., Wiese, F. & Wilmsen, M. (2007): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – SDGG, 55: 136 S., Hannover.
Patzelt, G. (2000): Probleme der Fazies, Milieuinterpretation und Paläotektonik des höheren Santons im Subherzyn. – Z. geol. Wiss., 28 (3/4): 425–439, Berlin.
Schwab, M. (1980): Der Aufschluß der Harzaufrichtungszone im Tal des Teufelsbaches bei Kloster Michaelstein. – Hall. Jb. Geowiss., 5: 90–92, Gotha / Leipzig.
Tröger, K.-A. (2000): Sachsen-Anhalt, östliche Subherzyne Kreide. – In: Stratigraphische Kommission Deutschlands (Hrsg.): Stratigraphie von Deutschland III. Die Kreide der Bundesrepublik Deutschland. Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 226: 109–117, Frankfurt.
Ulbrich, H.( 1970): Mitteilungen zur Stratigraphie des Santon und Campan des mittleren Teils der Subherzynen Kreidemulde. – Freiberger Forschungsh. C 267: 47–71, Leipzig.
Voigt, E. (1929): Die Lithogenese der Flach- und Tiefwassersedimente des jüngeren Oberkreidemeeres. – Jb. Hallescher Verb., Erforsch. mitteldt. Bodenschätze, N.F., 8: 136 S., Halle.
Voigt, T., Eynatten, H. von & Franzke, H.-J. (2004): Late Creatceous unconformities in the Subhercynian Cretaceous Basin (Germany). – Acta Geol. Pol., 54 (4): 637–694, Warschau.
Voigt, T., Wiese, F., Eynatten, H., Franzke, H.-J., Gaupp, R. (2006): Facies evolution of syntectonic Upper Cretaceous Deposits in the Subhercynian Cretaceous Basin and adjoining areas (Germany). – Z. dt. Ges. Geowiss., 157 (2): 203–244, Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Voigt, T. & Tröger, K.-A.
Erstellt am: 17.04.2008
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.04.2008
Änderung Datensatz: 22.04.2008
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Litholex Recherche vom 21.08.2017, 17:40:14.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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