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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Heidelberg-Formation
ID: 2008111
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Schroeder (1914)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: keine
Chronostratigraphie: Obersantonium (Santonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Oberquader (Geinitz 1849–1850), Flugplatzschichten pars (Frech 1887, Mertin 1939), Heidelbergschichten (Schroeder 1914), Marsupitenschichten (Stolley 1916), Teufelsmauersandstein, Schichten mit Hainleinia flexuosa und Cardium ottoi, Heidelbergquader (Voigt 1929), Heidelberg-Formation (Niebuhr et al. 2007).
Lithologie: In der Heidelberg-Formation wird eine stark variierende, vorwiegend sandige Schichtenfolge zusammengefasst. Im Osten der Subherzynen Kreidemulde herrschen schwach zementierte Feinsande mit eingelagerten graue Tonen, Mergeln, roten Paläoböden und dünnen Kohleflözen wechselnder Mächtigkeit vor. Südlich von Quedlinburg überwiegen schwarze Tonsteine. Nach Süden und Westen vollzieht sich der Übergang zu massigen bis dickbankigen Sandsteinen wechselnder Körnung. Schrägschichtung und Bioturbation sind häufig, Konglomerathorizonte treten selten auf und sind auf die Aufrichtungszone unmittelbar am Harznordrand beschränkt.
Untergeordnete Einheit: keine
Liegendgrenze: konkordant auf der Salzberg-Formation
Hangendgrenze: Heimburg-Formation, diskordant unmittelbar am Harznordrand und konkordant nördlich der Aufrichtungszone
Mittlere Mächtigkeit: In Bohrungen meist bis 450 m.
Maximale Mächtigkeit: Maximale Mächtigkeit vermutlich bis 550 m. Die Mächtigkeitsangaben beruhen auf der Bohrung Quedlinburg Hy 1/79 und den Angaben von Patzelt (2001).
Typusprofile, etc.: Typusregion ist der Ostteil der Subherzynen Kreidemulde zwischen Blankenburg, Derenburg und Quedlinburg (TK 25: 4131 Derenburg, 4232 Quedlinburg, 4233 Ballenstedt, 4231 Blankenburg). Das wichtigste Referenzprofil ist der Heidelberg bei Blankenburg, Sachsen-Anhalt (TK 25: 4231 Blankenburg). Das Profil der Steinbrüche bei Blankenburg ist vollständig verfüllt, doch bietet sich am südlich angrenzenden Höhenzug (Teufelsmauer) ein etwa 200 m mächtiges Profil, das allerdings nur teilweise aufgeschlossen ist. Ein weiteres Referenzprofil ist die Bohrung Quedlinburg Hy 1/79 (Helsunger Krug, TK 25: 4232 Quedlinburg), die in diesem Profilabschnitt vollständig gekernt wurde und mit 450 m die größte zugängliche Mächtigkeit enthält. Wegen der starken lithologischen Variabilität der Heidelberg-Formation ist das Profil aber nicht repräsentativ für alle anderen Profile.
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Östliche Subherzyne Kreidemulde
Zeitgleiche Einheiten: Die Heidelberg-Formation geht zwischen Derenburg und Osterwieck unter Abnahme des Sandgehalts konkordant in die Emscher-Formation über.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die Basis der Heidelberg-Formation liegt in der Gonioteuthis granulata / Uintacrinus socialis-Zone und der Top in der Marsupites testudinarius-Zone, Obersantonium. Die biostratigraphische Einstufung beruht weiterhin auf Inoceramen, Echinodermaten und Ammoniten (Schroeder & Dahlgrün 1927a, Voigt 1929).Zyklostratigraphie: Im östlichen Verbreitungsgebiet sind Zyklen zwischen 4-10 m ausgebildet, die meist mit tonig-mergeligen Ablagerungen über einem geringmächtigen Transgressionshorizont beginnen. Darüber folgen flachmarine schräggeschichtete Sande, die von tidalen und terrestrischen Ablagerungen (Kohlen, Wurzelhorizonte, rote Paläoböden) überlagert werden (Patzelt 2000). Sie werden als Parasequenzen gedeutet. In den durch rein marine Sande dominierten Profilen sind keine deutlichen Zyklen erkennbar.Sequenzstratigraphie: Die Heidelberg-Formation geht ohne merkliche Unterbrechung aus den kalkigen Feinsandsteinen der Salzberg-Formation hervor. Sie repräsentiert insgesamt den Hochstand einer Sequenz.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach dem Heidelberg bei Blankenburg (Sachsen-Anhalt).

Environment: Die Heidelberg-Formation ist faziell äußerst vielgestaltig und umfasst sowohl rein terrestrische als auch verschiedene marine Ablagerungsbereiche.

Fossilien: Die Faunenlisten (Schroeder & Dahlgrün 1927a, b, Erdmannsdörfer et al. 1930) sind entsprechend ausführlich, es dominieren Bivalven. Besonders zu erwähnen sind ausgezeichnet erhaltene Funde von frühen Angiospermen (Credneria) und eine brackisch-limnische Fauna mit Pyrgulifera und Melanopsis am Südostrand des Verbreitungsgebietes (Flugplatzschichten von Frech 1887).
Literatur: Erdmannsdörfer, O. H., Fliegel, G. & Schroeder, H. (1930): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Ländern. Blatt Blankenburg, Nr. 2380. – 69 S., Berlin.
Frech, F. (1887): Die Versteinerungen der untersenonen Tonlage zwischen Suderode und Quedlinburg. – Z. dt. geol. Ges., 39: 141–149, Berlin.
Geinitz, H.B. (1849–1850): Das Quadersandsteingebirge oder Kreidegebirge in Deutschland. – 292 S., Freiberg (Craz & Gerlach).
Mertin, H. (1939): Über Brackwasserbildungen in der Oberen Kreide des nördlichen Harzvorlandes. – Nova Acta Leopoldina, Abh. Kaiserlich-Leopoldinisch-Carolinisch Dt. Ak. Naturforscher (N.F.), 7/48: 141–263, Leipzig.
Niebuhr, B., Hiss, M., Kaplan, U., Tröger, K.-A., Voigt, S., Voigt, T., Wiese, F. & Wilmsen, M. (2007): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – SDGG, 55: 136 S., Hannover.
Patzelt, G. (2000): Probleme der Fazies, Milieuinterpretation und Paläotektonik des höheren Santons im Subherzyn. – Z. geol. Wiss., 28 (3/4): 425–439, Berlin.
Schroeder, H. (1914): Exkursion in das nördliche Harzrandgebiet zwischen Goslar und Thale. – Führer zu den Exkursionen der DGG im August 1914: 46–78, Berlin.
Schroeder, H. & Dahlgrün, F. (1927a): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Ländern. Blatt Derenburg, Nr. 2306. – 81 S, Berlin.
Schroeder, H. & Dahlgrün, F. (1927b): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern. Lieferung 240. Blatt Quedlinburg, Nr. 2381. – 109 S., Berlin.
Stolley, E. (1916): Neue Beiträge zur Kenntnis der norddeutschen Oberen Kreide. Teil I-IV. – Jber. Niedersächs. Geol. Ver., 9: 69–108, Hannover.
Tröger, K.-A. (1995): Die Subhercyne Oberkreide – Beziehungen zum Variscischen Grundgebirge und Stellung innerhalb Europas. Nova Acta Leopoldina, N.F., 71: 217–231. Halle.
Tröger, K.-A. (2000): Sachsen-Anhalt, östliche Subherzyne Kreide. – In: Stratigraphische Kommission Deutschlands (Hrsg.): Stratigraphie von Deutschland III. Die Kreide der Bundesrepublik Deutschland. Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 226: 109–117, Frankfurt.
Voigt, E. (1929): Die Lithogenese der Flach- und Tiefwassersedimente des jüngeren Oberkreidemeeres. – Jb. Hallescher Verb., Erforsch. mitteldt. Bodenschätze, N.F., 8: 136 S., Halle.
Voigt, T., Wiese, F., Eynatten, H., Franzke, H.-J., Gaupp, R. (2006): Facies evolution of syntectonic Upper Cretaceous Deposits in the Subhercynian Cretaceous Basin and adjoining areas (Germany). – Z. dt. Ges. Geowiss., 157 (2): 203–244, Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Voigt, T. & Tröger, K.-A.
Erstellt am: 17.04.2008
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.04.2008
Änderung Datensatz: 22.04.2008
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Litholex Recherche vom 28.07.2017, 08:50:35.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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