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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Strehlen-Formation
ID: 2008105
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Prescher (1981), unter Bezug auf Krenkel (1914)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Elbtal-Gruppe
Chronostratigraphie: Unterconiacium (Coniacium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Oberturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Brongniartipläner, Pläner mit Inocermaus Brongniarti, Plänerkalkstein von Strehlen, Brongniartimergel (Gümbel 1868, Beck & Hazard 1893), Plänerkalk von Weinböhla, Strehlener Schichten (Krenkel 1914, Seifert 1955, Prescher 1981), Strehlen-Formation (Niebuhr et al. 2007).
Lithologie: Mergelsteine und kalkhaltige Tonsteine, die auch in mikritische Kalkmergelsteine übergehen können. Seltener treten feinsandige, glaukonitische Mergelsteine auf.
Untergeordnete Einheit: Die Strehlen-Formation enthält ein kalkreiches Basisglied, das stratigraphisch und faziell vollständig den Kalksteinen von Weinböhla entspricht. Letztere werden deshalb nicht mehr gesondert ausgehalten. Der Strehlener Kalk wurde bereits in den ersten geologischen Bearbeitungen der Sächsischen Kreide erwähnt und ist als etwa 4 m mächtige kalkreiche Zone gut abgrenzbar (Tröger & Wolf 1960). Da es sich um einen etablierten Namen handelt, soll er informell auf Bank-Status weiterverwendet werden.
Liegendgrenze: Konkordant auf den Mergeln der Räcknitz-Formation. Die Festlegung der Basis der Strehlen-Formation erfolgt mit einem sprunghaften Anstieg der Karbonatgehalte von 40 % (Tonmergel) auf mehr als 60 % (Kalkmergelsteine) oder der ersten Kalkmergelsteinlage (Voigt & Hilbrecht 1997).
Hangendgrenze: Erosiv gekappt. Mit der Strehlen-Formation endet im nördlichen Verbreitungsgebiet der Elbtalkreide die sedimentäre Überlieferung.
Mittlere Mächtigkeit: mehr als 100 m
Maximale Mächtigkeit: in der Bohrung Blasewitz 140 m (Voigt & Hilbrecht 1997)
Typusprofile, etc.: Prescher (1981) benannte kein Typusprofil, verwies allerdings auf die ehemaligen Steinbrüche in Dresden-Strehlen, die heute vollständig verfüllt sind. Das Referenzprofil wurde in einem Schurfschacht an der Christuskirche in Dresden-Strehlen (TK 25: 4948 Dresden-Süd) aufgenommen (Tröger & Wolf 1960). Ein weiteres Referenzprofil ist die Bohrung Dresden-Blasewitz 1/60 (TK 25: 4948 Dresden-Süd), die das bisher vollständigste Profil der Strehlen-Formation zeigt. Kernproben und das Fossil-Material der Bohrung sind im Kernmagazin des Sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie, Freiberg, hinterlegt.
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Sudeten, Elbsandsteingebirge
Verbreitung (Ergänzung): Elbtal-Gruppe zwischen Pillnitz und Weinböhla
Zeitgleiche Einheiten: Als zeitgleiche Einheiten sind die Schrammstein-Formation im Elbsandsteingebirge, Lückendorf- und Waltersdorf-Formationen im Zittauer Gebirge, die teplické souvrství (Teplice-Formation) und der untere Teil der brezenské souvrství (Brezno-Formation) in der Tschechischen Republik anzusehen.
Alterseinstufung: Auf der Basis von Ammoniten und Inoceramen wurden biostratigraphisch die Mytiloides incertus-Zone (Oberturonium) bis Cremnoceramus crassus-Zone (Unterconiacium) nachgewiesen. Aus einer Bohrung (Bonnewitz nördlich von Pirna) ist tiefstes Mittelconiacium (Volviceramus koeneni-Zone) mit Platyceramen der mantelli-Gruppe bekannt.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach dem Stadtteil von Dresden (Sachsen).Fossilien: In der Strehlen-Formation wurden folgende Ammoniten nachgewiesen: Hyphantoceras reussianum, Subprionocyclus neptuni, Scaphites geinitzi, Sc. kieslingswaldensis und Eubostrychoceras saxonicum. Folgende Inoceramen treten auf: Mytiloides incertus, Inoceramus labiatoidiformis, In. perplexus, In. scupini, In. kleini, Cremnoceramus crassus, Cr. incostans und Platyceramus mantelli.Environment: Wie die unterlagernde Räcknitz-Formation deuten die geringen Korngrößen und die intensive Bioturbation innerhalb der Strehlen-Formation auf ein offen-marines, strömungsarmes Milieu hin. Die erhöhten Kalkgehalte des Strehlener Kalksteins gehen auf Calcisphären und Coccolithen zurück (Voigt 1995) und deuten auf distalere Ablagerungsbedingungen hin. Wejda (1993) konnte auf der Grundlage des Plankton / Benthos-Verhältnisses bei den Foraminiferen eine rasche Vertiefung an der Basis der Strehlen-Formation nachweisen.
Literatur: Beck, R. & Hazard, J. (1893): Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte des Königreichs Sachsen, Nr. 66: Blatt Dresden. – 102 S., Leipzig.
Gümbel, C.W. (1868): Beiträge zur Kenntnis der Procän- oder Kreideformation im nordwestlichen Böhmen. – Abh. königl. bayer. Akad. Wiss., math.-phys. Kl., 10 (II): 545 S., München.
Krenkel, E. (1914): Zur Gliederung der Kreideformation in der Umgebung von Dresden. – Z. dt. Geol. Ges., Mon.-Ber., 66: 25–39, Berlin.
Niebuhr, B., Hiss, M., Kaplan, U., Tröger, K.-A., Voigt, S., Voigt, T., Wiese, F. & Wilmsen, M. (2007): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – SDGG, 55: 136 S., Hannover.
Prescher, H. (1981): Probleme der Korrelation des Cenomans und Turons in der Sächsischen und Böhmischen Kreide. – Z. geol. Wiss., 9 (4): 367–373, Berlin.
Seifert, A. (1955): Stratigraphie und Paläogeographie des Cenomans und Turons im sächsischen Elbtalgebiet. – Freiberger Forschungsh., C 14: 1–218, Berlin.
Tröger, K.-A. (1987): Der Strehlener Kalkstein – ein Beitrag zur Paläontologie und Biostratigraphie des höheren Ober-Turon. – Z. geol. Wiss.,15: 205–212, Berlin.
Tröger, K.-A. (2001): Mesozoisches Tafeldeckgebirge: Oberkreide. – In: Alexowsky, W., Schneider, J.W., Tröger, K.-A. & Wolf, L. (Hrsg.): Erläuterungen zu Blatt 4948 Dresden, 4. Auflage: 41–64, Freiberg.
Tröger, K.-A. & Wejda, M. (1997): Biostratigraphie der Strehlener Formation (Ob.-Turon bis Unt.-Coniac) im Gebiet von Dresden. – Freiberger Forschungsh., C 466: 1–17, Freiberg.
Tröger, K.-A. & Wolf, L. (1960): Zur Stratigraphie und Petrographie der Strehlener Schichten. – Geologie, 9 (3): 288–298, Berlin.
Voigt, S. (2001): Isotopenstratigraphie. – In: Alexowsky, W., Schneider, J.W., Tröger, K.-A. & Wolf, L. (Hrsg.): Erläuterungen zu Blatt 4948 Dresden, 4. Auflage: 61–64, Freiberg.
Voigt, S. & Hilbrecht, H. (1997): Late Cretaceous carbon isotope stratigraphy in Europe: Correlation and relations with sea level and sediment stability. – Palaeogeogr. Palaeoclim. Palaeoec., 134: 39–59, Amsterdam.
Voigt, T. (1995): Faziesentwicklung und Ablagerungssequenzen am Rand eines Epikontinentalmeeres. Die Sedimentationsgeschichte der Sächsischen Kreide. – Dissertationsschrift TU Bergakademie Freiberg: 130 S., Freiberg. [Unveröffentlicht]
Wejda, M. (1993): Biostratigraphie und Palökologie kretazischer Foraminiferen-Faunen des Oberturon und Unterconiac auf dem Kartenblatt Dresden. – Diplomarbeit TU Bergakademie Freiberg: 53 S., Freiberg. [Unveröffentlicht]
Autor des Datenblattes: Tröger, K.-A. & Voigt, T.
Erstellt am: 17.04.2008
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.04.2008
Änderung Datensatz: 22.04.2008
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Litholex Recherche vom 19.11.2017, 22:22:44.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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