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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Nennhausen-Formation
ID: 2008084
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Ahrens, Lotsch, Musstopf (1965)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Obermaastrichtium (Maastrichtium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Untermaastrichtium (Maastrichtium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Maastricht von Ilten (Voigt 1951), Grünsandige Tonmergelfazies, Grünsand-Mergel-Fazies (Voigt 1954), Nennhausener Schichten (Ahrens et al. 1965), Nennhausener Bild (Krutzsch 1965), Oebisfelder Bild (Krutzsch 1966), Steinförder Fazies (Fahrion 1984).
Lithologie: Schwach verfestigte kalkhaltige Grünsande, teils siltig-tonig, mit eingelagerten lithoklastischen, arenitischen Kalksteinen.
Untergeordnete Einheit: Ilten-Member = grobe Konglomerate, fossilreiche, arenitische Bryozoen-Kalksteine und plattige Mergel liegen transgressiv (Belemnitella junior-Transgression) auf den vom Lehrter Salzdiapir bei Hannover steilgestellten Buntsandstein-Schichten (TK 25: 3625 Lehrte). Dem Ilten-Member entsprechen im Typusprofil die oberen Profilabschnitte B und C, also die Teufe 586,70 m bis ca. 620 m (vgl. Ahrens et al. 1965).
Oebisfelde-Member = kalkig-glaukonitische Feinsandsteine, stellenweise mit Konglomeraten an der Basis; 20 km nördlich von Helmstedt (vermutlich TK 25: 3531 Oebisfelde oder 3532 Rätzlingen) und ca. 65 km östlich des Typusprofils. Dem Oebisfelde-Member entsprechen im Typusprofil die Teufen tiefer als 640 m (vgl. Ahrens et al. 1965) sowie die tiefsten Abschnitte der Bohrung Wülpen S1 (Teufe 612-615 m, vermutlich TK 25: 3738 Theesen oder 3739 Ziesar) 40 km südsüdwestlich des Typusprofils.
Liegendgrenze: Basis des Oebisfelde-Members. Im Typusprofil wurde die Liegendgrenze nicht erreicht, die Bohrung Nennhausen 2 / 63 wurde wegen der Eintönigkeit der Schichten bei einer Endteufe von 953,90 m abgebrochen (Ahrens et al. 1965).
Hangendgrenze: Erosiv gekappt, in der Bohrung Nennhausen 2 / 63 die jüngsten Kreide-Schichten bei einer Teufe von 586,70 m.
Mittlere Mächtigkeit: Im Typusprofil über 370 m, nach Diener (1967) können bis zu 600 m erreicht werden.
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Typusregion ist die gemeinsame sekundäre Randsenke der Salzstrukturen Friesack und Kotzen, Brandenburg, ca.10 km nordwestlich der Stadt Brandenburg. Die Nennhausen-Formation liegt als Erosionsrelikt inmitten von Unterkreide-Schichten. Typusprofil ist die gekernte Bohrung Nennhausen 2 / 63 zwischen 586,70 und 953,90 m Teufe, die in dieser sekundären Randsenke abgeteuft wurde (vermutlich TK 25: 3341 Haage).
Verbreitung (Bundesländer): Brandenburg
Niedersachsen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: Die Walbeck-Formation ist das kontinental-ästuarine Äquivalent der flachmarinen Nennhausen-Formation. Im Colbitz-Member der Walbeck-Formation, 35 km östlich des Typusprofils und 10 km östlich von Magdeburg (vermutlich TK 25: 3635 Colbitz) deuten die brackischen Anteile auf eine enge Verzahnung zwischen beiden Formationen. Das sporenstratigraphische "Oebisfelder Bild" (200-300 verschiedenen Mikrofloren) des Oebisfelde-Members der Nennhausen-Formation hat die größten Ähnlichkeiten mit der Mikroflora der kontinental-ästuarinen Walbeck-Formation (Krutzsch & Prokoph 1992). Die flachmarine Nennhausen-Formation ist der pelagischen Schreibkreide-Gruppe Norddeutschlands südlich vorgelagert.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Im Typusprofil Nennhausen 2 / 63 sind bis zu einer Teufe von 586,70 bis 812 m die Nannofossilzonen CC24 bis CC26 nachgewiesen (Kienel 1994), die der Belemnella fastigata-Zone des Untermaastrichtium bis Oxytoma danica / Tenuipteria argentea-Zone des Obermaastrichtium entsprechen (Schulz & Niebuhr 2000). Stratigraphisch relevant für die Definition der Hangendgrenze ist auch die Großforaminifere Lepidorbitoides minor, die aus dem Ilten-Member (mit Belemnitella junior, aber noch ohne Oxytoma danica) und ca. 10-15 m unterhalb der Kreide-Obergrenze des Typusprofils der Nennhausen-Formation (Kiesel & Trümper 1965) nachgewiesen wurde. Die Schichtlücke zwischen der Nennhausen-Formation und der hangenden lithostratigraphischen Einheit (marines Paläogen, Rodaer Bild A nach Krutzsch 1965) umfasst nach der Nannofossil-Gliederung den höchsten Bereich der Nephrolithus frequens-Zone (höchstes Obermaastrichtium) und den unteren Bereich der Biscutum sparsus-Zone (tiefstes Paläogen) (Kienel 1994).
Sequenzstratigraphie: Die Nennhausen-Formation repräsentiert einen transgressiven Zeitabschnitt, in dem sich im Untermaastrichtium (Oebisfelde-Transgression) und unteren Obermaastrichtium (Belemnitella junior-Transgression) das Meer mit kleineren, lateral und vertikal nur sehr begrenzten Ingressionen wieder kurzfristig nach Süden verlagert. Sie "setzt ein Stück oberhalb der Grenze Campan/Maastricht ein und wandert in Richtung zum Becken langsam stratigraphisch höher" (Steinförder Fazies nach Fahrion 1984: 578).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Environment: hemipelagische Sedimente eines offenen Epikontinentalmeeres mit 40-70 m Wassertiefe.
Fossilien: Die Ammoniten aus der Bohrung Nennhausen 2 / 63 (Hoploscaphites constrictus, Ho. tenuistriatus) werden in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Berlin aufbewahrt (Inventar-Nr. X 1609-1615). Nachgewiesene Mikro- und Nannofossilien sind Coccolithen, Calcisphären, Foraminiferen, Bryozoen, Mikrofloren.
Literatur: Ahrens, H., Lotsch, D. & Musstopf, R. (1965): Zur Geologie der Grenzschichten Kreide / Tertiär im Gebiet der Bohrung Nennhausen 2 / 63. – Abh. ZGI 1: 127-136; Berlin.
Diener, I. (1967): Die Paläogeographie der Kreide im Nordteil der DDR in Beziehung zu den Nachbargebieten. – Ber. dt. Ges. geol. Wiss., A 12 (3/4): 289-319, Berlin.
Fahrion, H. (1984): Zur Verbreitung und Fazies des Maastricht in Nordwestdeutschland. – Z. dt. geol. Ges. 135: 573-583; Hannover.
Kienel, U. (1994): Die Entwicklung der kalkigen Nannofossilien und der kalkigen Dinoflagellaten-Zysten an der Kreide / Teriär-Grenze in Westbrandenburg im Vergleich mit Profilen in Nordjütland und Seeland (Dänemark). – Berliner geowiss. Abh. E 12: 87 S.; Berlin.
Kiesel, Y. & Trümper, E. (1965): Mikrofauna und Stratigraphie im Grenzbereich Kreide / Tertiär in der Bohrung Nennhausen 2. – Abh. ZGI 1: 155-169; Berlin.
Krutzsch, W. (1965): Mikroflora und Stratigraphie im Brenzbereich Kreide / Teriär der Bohrung Nennhausen (Vorläufige Mitteilung). – Abh. ZGI 1: 171-174; Berlin.
Krutzsch, W. (1966): Die sporenstratigraphische Gliederung der Oberkreide im nördlichen Mitteleuropa – Methodische Grundlagen und gegenwärtiger Stand der Untersuchungen. – Abh. ZGI 5: 111-137; Berlin.
Niebuhr, B. (1995): Fazies-Differenzierungen und ihre Steuerungsfaktoren in der höheren Oberkreide von S-Niedersachsen / Sachsen-Anhalt (N-Deutschland). – Berliner geowiss. Abh. A 174: 131 S.; Berlin.
Niebuhr, B. (2007): Nennhausen-Formation. – In: Niebuhr, B.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Tröger, K.-A.; Voigt, S.; Voigt, T.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (Hrsg.): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 55: 92 - 93; Hannover.
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B.
Erstellt am: 29.09.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 20.11.2006
Änderung Datensatz: 12.03.2010

Anzahl Litho alt: 1

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Litholex Recherche vom 28.07.2017, 08:44:53.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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