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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Walbeck-Formation
ID: 2008083
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Krutzsch & Prokoph (1992)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Obermaastrichtium (Maastrichtium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Untermaastrichtium (Maastrichtium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Ältere Braunkohlenformation (Schmierer 1914b), Maastricht auf der Scholle von Calvoerde (Lenk 1966), Walbecker Mikroflora, Zahnaer Mikroflora (Krutzsch & Mibus 1973)
Lithologie: Unverfestigte Quarzsande mit einem SiO2-Gehalt von über 98% und siltige Tone mit vereinzelten konglomeratischen Lagen. Planare und trogförmige Schrägschichtungen sind häufig und deuten auf eine Schüttungsrichtung aus Südosten. An der Typuslokalität zeigt sich eine Untergliederung in drei Abschnitte (Krutzsch & Prokoph 1992): die untere Quarzsand-Folge zeigt Rinnen, Ufersande und Flußauen. Darüber folgen Stillwasserablagerungen mit einer tonig-sandigen Wechselfolge. Die obere Quarzsand-Folge sind feinsandige Stillwasserablagerungen. In den stratigraphisch jüngsten Bereichen der Walbeck-Formation des Beienroder Beckens treten Bioturbationshorizonte mit Eisenooiden auf (Niebuhr & Ernst 1991).
Untergeordnete Einheit: Zahna-Member (terrestrisch) = Bohrung Zahna 1E (Krutzsch & Mibus 1973), ca. 60 km S von Berlin (Brandenburg, vermutlich TK 25: 4042 Zahna).
Colbitz-Member = Bohrungen Colbitz 19 / 63 (terrestrisch) und 10 / 63 (auch schwach marin bis brackisch), 35 km östlich der Typuslokalität und 20 km nördlich von Magdeburg (Sachsen-Anhalt, vermutlich TK 25: 3635 Colbitz); 30 bzw. 40 m mächtige Braunkohle führende dunkelgraue Sande und Silte in Subrosionssenken auf der Salzstruktur Colbitz (Lenk 1966).
Liegendgrenze: Konkordant auf die Grünsande der Beienrode-Formation (an der Typuslokalität und im Beienroder Becken) oder diskordant auf älteren Schichten.
Hangendgrenze: Erosiv gekappt.
Mittlere Mächtigkeit: An der Typuslokalität erreicht die Walbeck-Formation eine Maximal-Mächtigkeit von 170 m (Krutzsch & Prokoph 1992) und in Bohrungen ebenfalls im Allertal-Graben ca. 200 m (Schmierer 1914b). Direkt im Zentrum des Beienroder Beckens kann die Walbeck-Formation 300-400 m erreichen (Niebuhr & Ernst 1991).
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Typusregion ist der Allertal-Graben in der Umgebung von Walbeck, Sachsen-Anhalt, und Grasleben nördlich von Helmstedt, Niedersachsen (TK 25: 3732 Helmstedt). Das Typusprofil ist das ehemalige VEB Sand- und Tonwerk Walbeck, jetzt Quarzsande Frechen, Werk Weferlingen, in der die Quarzsande in mehreren Gruben heute noch abgebaut werden. Referenzprofile sind die Quarzsandgruben von Uhry im Beienroder Becken nördlich des Elm, in denen von der Firma Schlingmeier Quarzsand GmbH & Co. KG ebenfalls die Walbeck-Formation abgebaut wird.
Verbreitung (Bundesländer): Brandenburg
Niedersachsen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Die Walbeck-Formation ist ausschließlich in Subrosionssenken oder den sekundären Randsenken der norddeutschen Salzstrukturen als Erosionsrelikt erhalten.
Zeitgleiche Einheiten: Das flachmarine Oebisfelde-Member der Nennhausen-Formation (vermutlich TK 25: 3531 Oebisfelde oder 3532 Rätzlingen) liegt nur ca. 25 km nördlich der Typuslokalität der Walbeck-Formation, zwischen beiden Lokalitäten kann also der Küstenverlauf im Untermaastrichtium sicher angenommen werden. Das Zahna-Member der Walbeck-Formation (vermutlich TK 25: 4042 Zahna) liegt ca. 75 km südlich der Typuslokalität der Nennhausen-Formation (vermutlich TK 25: 3341 Haage), hier kann also der Küstenverlauf im Grenzbereich Unter- / Obermaastrichtium sicher angenommen werden. Im nördlichen Niedersachsen und Schleswig-Holstein tritt auch im Maastrichtium weiterhin die Schreibkreide-Gruppe auf.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die Mikroflora – und damit die stratigraphische Aussage – bezieht sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf die unteren beiden Lithoeinheiten der Typuslokalität (untere Quarzsand-Folge und Wechselfolge, s.o.). Der überwiegende Anteil der Walbeck-Formation wird dem Untermaastrichtium zugestellt, ob die tiefsten Schichten noch in den Campanium/ Maastrichtium-Grenzbereich fallen (wie der konkordante Übergang von der Beienrode-Formation in die Walbeck-Formation nahelegt), ist ungewiss. Die Mikroflora des Zahna-Members repräsentiert einen etwas jüngeren Zeitabschnitt als das Typusprofil. In ihr wurde die "Deflandrea-Akme" wiedergefunden (Krutzsch, mündl. Mitt. In Schulz & Niebuhr 2000), die in der Hemmoor-Formation der Schreibkreide-Gruppe an der Grenze Unter- / Obermaastrichtium auftritt (Marheinecke 1986). Die Mikroflora des Colbitz-Members ist noch etwas jünger. Damit scheint sicher, dass die terrestrische Sedimentation der Walbeck-Formation zumindest bis ins tiefere Obermaastrichtium hinaufreicht.
Sequenzstratigraphie: Die Walbeck-Formation repräsentiert den regressiven Zeitabschnitt, in dem sich im Zuge der Nostoceras polyplocum-Regression, oberes Obercampanium, das Meer nach Norden zurückzog. Die kurzzeitige marine Ingression in der Walbeck-Formation, die sich im Typusprofil in den höheren Bereichen der unteren Quarzsand-Folge zeigt, wird der Oebisfelde-Transgression des Untermaastrichtium zugestellt (vgl. Nennhausen-Formation). Die am Top der Walbeck-Formation auftretenden Bioturbationshorizonte mit zahlreichen Eisenooiden lassen sich nur unter Vorbehalt der jüngsten Transgression der Oberkreide, der Belemnitella junior-Transgression des unteren Obermaastrichtium zuordnen (Niebuhr 1995).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Environment: Seen-, Fluß- und Delta-Sedimente. Marine Beeinflussung ist in Bioturbationshorizonten und dem Auftreten von Eisenooiden angezeigt.
Fossilien: Es wurde mit ca. 450 verschiedenen Arten, bzw. Typen – allerdings nur 5 verschiedene Dinoflagellaten-Zysten aus dem marinen Bereich – die reichste Mikrofloren-Assoziation der Oberkreide nachgewiesen (Krutzsch & Prokoph 1992). "Ophiomorpha"-Bioturbationshorizonte, Pflanzenreste, Früchte und inkohlte Baumstämme bis zu einer Länge von 1,50 m sind lokal zu finden.
Literatur: Krutzsch, W. & Mibus, I. (1973): Sporenpaläontologischer Nachweis von kontinentalem Maastricht in Walbeck (Bezirk Magdeburg, DDR). – Abh. ZGI 18: 99-108; Berlin.
Krutzsch, W. & Prokoph, A. (1992): Die Ablagerungen der oberkretazischen Walbeck-Formation im oberen Allertalgraben (Stratigraphie, Sedimentologie, Palynologie). – Ber. Naturhist. Ges. 134: 117-133; Hannover.
Lenk, G. (1966): Sporenpaläontologischer Nachweis von Maastricht auf der Scholle von Calvoerde. – Beih. Geol. 55: 90-101; Berlin.
Marheinecke, U. (1986): Dinoflagellaten des Maastrichtium der Grube Hemmoor (Niedersachsen). – Geol. Jb. A 93: 93 S.; Hannover.
Niebuhr, B. (1995): Fazies-Differenzierungen und ihre Steuerungsfaktoren in der höheren Oberkreide von S-Niedersachsen / Sachsen-Anhalt (N-Deutschland). – Berliner geowiss. Abh. A 174: 131 S.; Berlin.
Niebuhr, B. (2007): Walbeck-Formation. – In: Niebuhr, B.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Tröger, K.-A.; Voigt, S.; Voigt, T.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (Hrsg.): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 55: 91 - 92; Hannover.
Niebuhr, B. & Ernst, G. (1991): Faziesgeschichte und Entwicklungsdynamik von Campan, Maastricht und Eozän im Beienroder Becken (E-Niedersachsen). – Z. dt. geol. Ges. 142: 251-283, Hannover.
Schmierer, T. (1914b): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Bundesstaaten. Lieferung 185. Blatt Weferlingen. – Königlich Preußische Geologische Landesanstalt: 81 S.; Berlin.
Schulz, M.-G. & Niebuhr, B. (2000): Maastricht. – In: Stratigraphische Kommission Deutschlands (Ed.), Stratigraphie von Deutschland III. Die Kreide der Bundesrepublik Deutschland. Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg 226: 45-51; Frankfurt.
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B.
Erstellt am: 29.09.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 20.11.2006
Änderung Datensatz: 12.03.2010

Anzahl Litho alt: 1

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Litholex Recherche vom 28.07.2017, 08:39:51.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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