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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Reitbrook-Formation
ID: 2008078
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Behrmann (1949)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Schreibkreide-Gruppe
Chronostratigraphie: Obermaastrichtium (Maastrichtium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Reitbrooker Schichten (Haack 1939, Behrmann 1949, Voigt 1954) Reitbrooker Fazies (Fahrion 1984), oberste Kreide von Barsbeck (Wetzel 1942)
Lithologie: Kennzeichnend sind körnig-poröse, arenitische Kalksteine und Kreidekalksteine mit Flinten sowie lagenweise hohem Glaukonit- und Mergelgehalt. In Bohrlochmessungen zeigen sich durch diese stark wechselende Lithologie – im Vergleich zu der liegenden Schreibkreide – große Ausschläge im Widerstandslog.
Untergeordnete Einheit: Unteres Reitbrook-Member ("Verlettete Lagen" nach Behrmann 1949) = Mergelkalk- und Kalkmergelsteine mit unregelmäßig eingelagerten Tonschlieren und viel Glaukonit, etwas glimmerführend, Pyrit-Kristallwürfel treten häufig auf. In Bohrlochmessungen umfasst das Untere Reitbrook-Member die SP-Peaks 75 bis 77 (Niebuhr 2006).
Mittleres Reitbrook-Member ("Reitbrooker Schichten s. str. = Avicula-Schichten" nach Behrmann 1949) = flintreiche, körnig-poröse Kalksteine mit wenig Glaukonit. In Bohrlochmessungen umfasst das Mittlere Reitbrook-Member die SP-Peaks 78 bis 82 (Niebuhr 2006).
Oberes Reitbrook-Member ("nur außerhalb der Salzstruktur Reitbrook" nach Behrmann 1949) = körnig-poröse und glaukonitreiche Kalksteine im Wechsel mit Mergelkalksteinen und Tonschlieren. In Bohrlochmessungen umfasst das Obere Reitbrook-Member den SP-Peak 83 (Niebuhr 2006).
Liegendgrenze: Die Reitbrook-Formation folgt konkordant über der Hemmoor-Formation. Im Schreibkreide-Standardprofil Lägerdorf–Kronsmoor–Hemmoor–Basbeck ist die Grenze nicht aufgeschlossen; der lithologische Wechsel liegt im Hangenden der Grube Hemmoor und im Liegenden der Grube Basbeck. In Bohrlochmessungen ist das Einsetzen der Reitbrook-Formation einer der auffälligsten Korrelationshorizonte der höheren Oberkreide, der nach Fahrion (1984) als Isochrone angesehen wird. Die hier definierte Liegendgrenze der Reitbrook-Formation ist identisch mit der Basis von Behrmann`s (1949) "Verletteten Lagen" (hier: Unteres Reitbrook-Member). Die "Verletteten Lagen" verursachen eine deutliche Einschnürung des SP-Logs zwischen den SP-Peaks 75 und 77 und sind ebenfalls die Liegendgrenze der "Reitbrooker Fazies" bei Fahrion (1984).
Hangendgrenze: Unterschiedlich tief erosiv gekappt. Es zeigt sich an der norddeutschen Maastrichtium/Danium-Grenze ein Konglomerat aus grüngerindeten, oberkretazischen Flinten. In Bohrlochmessungen ist der Übergang von der Reitbrook-Formation in die hangende lithostratigraphische Einheit ("Dan-Kalk", Gürs et al. 2002) durch einen markanten Anstieg in der Widerstandskurve gekennzeichnet, die Eigenpotentialkurve zeigt keine Veränderung (Baldschuhn 1979). In durchgehenden Kreide/Palozän-Grenzprofilen (außerhalb von Norddeutschland, z.B. Stevns Klint, Dänemark) endet die Reitbrook-Formation maximal 0,90 m im Hangenden des "Fischschiefers" oberhalb des "Cerithiumkalks", also im tiefsten Dan (Paleozän).
Mittlere Mächtigkeit: Die Reitbrook-Formation umfasst an der Typuslokalität 25-50 m (vgl. Behrmann 1949) und ca. 90 m in der Standardbohrung Offenseth 1.
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Typusregion ist die Umgebung der Salzstruktur Reitbrook südlich von Hamburg (Niedersachsen, TK 25: 2526 Allermöhe, 2527 Bergedorf), in der die Reitbrook-Formation seit 1910 als Erdöl- und Erdgasspeicher bekannt ist. Typusprofil ist die Bohrung Kallmoor Z1 (TK 25: 2723 Sittensen) (Fahrion 1984), die den isochronen Übergang von der Hemmoor-Formation in die Reitbrook-Formation im Liegenden des SP-Peaks 75 und die deutliche Einschnürung des SP-Logs von Behrmann`s (1949) "Verletteten Lagen" zwischen des SP-Peaks 75 und 77 zeigt. Es gibt heute leider keine Aufschlüsse mehr. Referenzprofil ist die Standardbohrung Offenseth 1 (TK 25: 2124 Brande-Hörnerkirchen) von den SP-Peaks 75 bis oberhalb von 83 (Niebuhr 2006).
Verbreitung (Bundesländer): Bremen
Hamburg
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Schleswig-Holstein
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: Es scheint, als wäre die Reitbrook-Formation flächendeckend im Obermaastrichtium in Norddeutschland aufgetreten. Es ist kein Aufschluß und keine Bohrung bekannt, in der höheres Obermaastrichtium in typischer Schreibkreide-Fazies aufgetreten wäre (vgl. Fahrion 1984).
Alterseinstufung: Die gesamte Reitbrook-Formation wird nach makrobiostratigraphischen Befunden in die Tylocidaris baltica / Oxytoma danica-Zone (Obermaastrichtium) gestellt. In der Standardbohrung Offenseth 1 umfasst sie mit dem Profil Basbeck die SP-Peaks 75 bis 83 (Niebuhr 2006).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Fossilien: Die wichtigen Makrofossilien der Reitbrook-Formation sind: Muscheln, Bryozoen, Echiniden und unbestimmbare Belemniten; stratigraphisch wichtige Mikro- und Nannofossilien sind: Coccolithen, Foraminiferen und Ostrakoden.
Sequenzstratigraphie: Die Reitbrook-Formation markiert den regressiven Abschnitt der 3. Megasequenz, in dem sich das Meer weiträumig aus Norddeutschland zurückzieht.
Entdeckung: Die Schichten der Reitbrook-Formation sind aufgrund ihres hohen Porenvolumens der einzige Erdöl- und Erdgasspeicher der norddeutschen Oberkreide und 1910 zufällig durch die Wasserbohrung Neuengamme XV angebohrt worden (Behrmann 1949). Es kam zu einem unkontrollierten Gasausbruch und zum Brand der Bohrung: die "Flamme von Neuengamme" erregte als erstes, großes Naturgasvorkommen Norddeutschlands großes Aufsehen.
Literatur: Behrmann, R. B. (1949): Geologie und Lagerstätte des Oelfeldes Reitbrook bei Hamburg. – In: Bentz, A. (Ed.): Erdöl und Tektonik in Nordwestdeutschland: 190-221, Hannover.
Baldschuhn, R. (1979): Stratigraphie und Verbreitung des Dan (Tertiär) in Nordwestdeutschland. – Z. dt. geol. Ges., 130: 201-209; Hannover.
Baldschuhn, R. & Jaritz, W. (1977): Stratigraphie der Oberkreide in Nordwestdeutschland (Pompeckjsche Scholle). Teil 1: Korrelation der Bohrlochdiagramme und des Kernmaterials. – Geol. Jb., A 38: 7-9, Hannover.
Diener, I. (1967): Die Paläogeographie der Kreide im Nordteil der DDR in Beziehung zu den Nachbargebieten. – Ber. dt. Ges. geol. Wiss., A 12 (3/4): 289-319, Berlin.Diener, I. (1967): Die Paläogeographie der Kreide im Nordteil der DDR in Beziehung zu den Nachbargebieten. – Ber. dt. Ges. geol. Wiss., A 12 (3/4): 289-319, Berlin.
Fahrion, H. (1984): Zur Verbreitung und Fazies des Maastricht in Nordwestdeutschland. – Z. dt. geol. Ges., 135: 573-583, Hannover.
Frisch, U. & Kockel, U. (2004): Der Bremen-Knoten im Strukturnetz Nordwest-Deutschlands. Stratigraphie, Paläogeographie, Strukturgeologie. – Ber. FB Geowiss. Uni Bremen, 223; 379 S., Bremen.
Gürs, K., Lietzow, A. & Ritzkowski, S. : Tertiär, Nordwestdeutschland. – In: Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.), Stratigraphische Tabelle von Deutschland 2002.
Koch, W. (1977): Stratigraphie der Oberkreide in Nordwestdeutschland (Pompeckjsche Scholle). Teil 2: Biostratigraphie in der Oberkreide und Taxonomie von Foraminiferen. – Geol. Jb., A 38: 11-123, Hannover.
Niebuhr, B. (2006): Multistratigraphische Gliederung der norddeutschen Schreibkreide (Coniac bis Maastricht), Korrelation von Aufschlüssen und Bohrungen. – Z. dt. Ges. Geowiss., 157 (2): 245-262; Stuttgart.
Niebuhr, B. (2007): Reitbrook-Formation. – In: Niebuhr, B.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Tröger, K.-A.; Voigt, S.; Voigt, T.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (Hrsg.): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 55: 78 - 79; Hannover.
Riedel, L. (1950): Das obere Mucronatensenon = Maastricht in Nordwestdeutschland in stratigraphischer und paläontologischer Hinsicht. – Geol. Jb., 65: 381-408, Hannover/Celle.
Schmid, F., Schulz, M.-G. & Wood, C. (2004): The Maastrichtian sections of Hemmoor and Kronsmoor – Retrospect, stocktaking and bibliography. – Geol. Jb., A 157: 11-22; Hannover.
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Voigt, E. (1954): Das Alter der Reitbrooker Schichten (Ob. Kreide, Maastr.-Stufe) und ihr Leitfossil Pteria (Oxytoma) danica Ravn. – Geol. Jb., 68: 617-652, Hannover.
Wetzel, W. (1942): Über die oberste Kreide von Barsbeck bei Hemmoor. – Z. dt. geol. Ges., 94: 41-43, Hannover.
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B.
Erstellt am: 29.09.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 20.11.2006
Änderung Datensatz: 12.03.2010

Anzahl Litho alt: 1

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Litholex Recherche vom 17.10.2017, 11:24:21.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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