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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Erwitte-Formation
ID: 2008025
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Wiese, Hiss, Kaplan & Voigt (2007)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Plänerkalk-Gruppe, Obere Plänerkalk-Untergruppe
Chronostratigraphie: Unterconiacium (Coniacium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Oberturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: cuvieri-Schichten (v. Strombeck 1857), Cuvieripläner (Stille 1903), Zone des Inoceramus Schloenbachi (Wegner 1926), Kalkmergelstein-Mergelkalk-Wechselfolge und Sandige Kalkmergelstein-Folge (Karpe 1973), schloenbachi-Schichten (Arnold 1977, Skupin 1985), Grauweiße Wechselfolge und Obere Kalksteineinheit (Ernst & Schmid 1979, Wood et al. 1984), Obere Plänerkalkstein-Einheit (Frieg et al. 1989, Kaplan 1991).
Lithologie: Im Dezimeter- bis Meterbereich gebankte, weiße bis graue Mergelkalksteine mit grauen Mergelstein-Zwischenlagen, die im unteren Teil der Einheit (Grauweiße Wechselfolge) meist bis zu mehreren Dezimetern mächtig sind. Im oberen Teil (Obere Plänerkalkstein-Einheit, Obere Kalkstein-Einheit) treten sie deutlich seltener auf und erreichen nur Zentimeterstärke.
Untergeordnete Einheit: Die Erwitte-Formation lässt sich in mehrere lithologische Teilabschnitte gliedern: Grauweiße-Wechselfolge, Obere (Pläner)Kalkstein-Einheit, Übergangsschichten. Im Harly (Niedersachsen) tritt mit dem Vienenburg-Member eine regionale tempestitische Glaukonit-Fazies auf.
Liegendgrenze: Die Liegendgrenze wird mit dem ersten Auftreten der ersten dm-dicken Mergelsteinlage, der Basis der Grauweißen-Wechselfolge, definiert. In Salzgitter-Salder (Niedersachsen) ist dies die Schicht M 14 (Wood & Ernst 1998). Im südlichen Münsterland ist ein zusätzlicher Grenzmarker das Aussetzen der Glaukonitführung oberhalb des Soest-Grünsand-Member der Salder-Formation.
Hangendgrenze: Die Hangendgrenze wird im Bereich der Übergangsschichten mit dem Aussetzen der letzten Mergelkalksteinbänke definiert, das gleichsam die Basis der Emscher-Formation markiert.
Mittlere Mächtigkeit: Die Erwitte-Formation erreicht in der Typusregion im Raum Erwitte im südlichen Münsterland eine Mächtigkeit von etwa 60 – 70 m (Skupin 1995). Eine repräsentative Mächtigkeit ergibt sich für den niedersächsischen Raum in Salzgitter-Salder mit ca. 80 m. Karpe (1973) gibt für die östliche Subherzyne Kreide-Mulde 40 – 50 m an.
Maximale Mächtigkeit: Die maximale Mächtigkeit der Erwitte-Formation ist nicht bekannt, sie dürfte die angegebenen Werte der mittleren Mächtigkeit aber nicht wesentlich übersteigen.
Typusprofile, etc.: Das Typusprofil bildet das Steinbruchareal der Erwitter Zementindustrie südöstlich der namengebenden Stadt Erwitte (TK 25: 4316 Lippstadt). Die Basis sowie die unteren Teile der Erwitte-Formation sind in den südlich an das Erwitter Gebiet anschließenden Steinbrüchen um Berge und Anröchte erschlossen. Insgesamt ist die Erwitte-Formation in dieser Region bei sich ständig ändernden Aufschlussverhältnissen großflächig und nahezu vollständig erschlossen.
Verbreitung (Bundesländer): Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Norddeutsches Tiefland, Westfälische Bucht
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: Im nördlichen Münsterland korreliert die Erwitte-Formation mit den oberen Teilen der Lengerich-Formation. Im nordwestlichen Münsterland ist die Erwitte-Formation nicht entwickelt; zeitgleiche, schreibkreideartige Sedimente werden dort der Wüllen-Formation zugeordnet.
Alterseinstufung: Die Erwitte-Formation setzt im Oberturonium ein und umfasst das komplette Unterconiacium. Die Alterseinstufung erfolgt biostratigraphisch hauptsächlich mit Inoceramen und Ammoniten (Kaplan 1986, Kaplan 1991, Kaplan & Kennedy 1996). Das event- und isotopenstratigrapische Gerüst (Voigt & Hilbrecht 1997, Wood & Ernst 1998) ermöglich die zweifelsfreie Korrelation und Applikation der in Westfalen etablierten Ammoniten-Stratigraphie in die streckenweise ammonitenarmen Profile Niedersachsens und Sachsen-Anhalts.
Kommentar: Inoceramen-Events im Turonium/Coniacium-Grenzbereich ermöglichen eine hochauflösende, überregionale Korrelation (Walaszczyk & Wood 1999).
In den aus vielen Bohrungen Norddeutschlands vorliegenden Eigenpotentialmessungen (SP-Log) entspricht die Erwitte-Formation dem Abschnitt zwischen den SP-Peaks 23 und 26 (Niebuhr et al. 1999).
Versch./Sonstiges: Die Erwitte-Formation repräsentiert einen progressiven Verflachungszyklus. Lagenweise finden sich Massenauftreten von Inoceramen. Der avisierte GSSP für die Turon/Coniac-Grenze liegt im oberen Teil der Grauweißen-Wechselfolge im Steinbruch Salzgitter-Salder. Tektonische Bewegungen im höheren Turonium und unteren Coniacium steuern lokal die Entstehung des Vienenburg-Members. Ebenfalls sind starke tektonische Bewegungen der Auslöser von multiplen submarinen Großgleitungen am Ostrand des Münsterländer Kreide-Beckens. Erste Gleithorizonte mit Olisthostromen treten bereits in der Erwitte-Formation auf. Zum Teil werden aber auch Ablagerungen der Erwitte-Formation von späteren Gleitungen abgeschnitten und im Mittel- bis Oberconiacium in Olisthostromen resedimentiert (Augustdorf-Member der Emscher-Formation).
Literatur: Arnold, H. (1977), mit Beitr. von Hoyer, P.; Vogler, H.: Erläuterungen zu Blatt C 4314 Gütersloh. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1:100 000, Erl., C 4314: 156 S.; Krefeld.
Ernst, G.; Schmid, F. (1979): Multistratigraphische Untersuchungen in der Oberkreide des Raumes Braunschweig – Hannover. – In: Wiedmann, J. [Hrsg.], Aspekte der Kreide Europas. – Int. Union geol. Sci., A-6: 11 – 46; Stuttgart.
Frieg, C.; Hiss, M.; Müller, W. (1989): Stratigraphie im Turon und Unterconiac des südlichen und zentralen Münsterlandes. – Münstersche Forsch. Geol. Paläont., 69: 161 - 186; Münster.
Kaplan, U. (1986): Ammonite Stratigraphy of the Turonian of NW-Germany. – Newsl. Stratigr., 17(1): 9 – 20; Berlin; Stuttgart.
Kaplan, U. (1991): Zur Stratigraphie der tiefen Oberkreide im Teutoburger Wald (NW-Deutschland), 2, Turon und Coniac im Steinbruch des Kalkwerkes Foerth, Halle/Westfalen. – Ber. naturwiss. Ver. Bielefeld, 32: 125 – 159; Bielefeld.
Kaplan, U.; Kennedy, W. J. (1996): Upper Turonian and Coniacian ammonite stratigraphy of Westphalia, NW-Germany. – Acta Geol. Pol., 46: 305 – 352; Warschau.
Karpe, W. (1973): Zur Feinstratigraphie der oberkretazischen Karbonatgesteine in der östlichen subherzynen Kreidemulde. – Z. geol. Wiss., 1: 269 – 292; Berlin.
Niebuhr, B.; Baldschuhn, R.; Ernst, G.; Walaszcyk, I.; Weiss, W.; Wood, C. J. (1999): The Upper Cretaceous succession (Cenomanian – Santonian) of the Staffhorst Shaft, Lower Saxony, northern Germany: integrated biostratigraphic, lithostratigraphic and downhole geophysical log data. – Acta Geologica Polonica, 49: 175 - 213; Warschau.
Skupin, K. (1985), mit Beitr. von Dahm-Arens, H.; Michel, G.; Weber, P.: Erläuterungen zu Blatt 4317 Geseke. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 25 000, Erl., 4317: 155 S; Krefeld.
Skupin, K. (1995), mit Beitr. von Jäger, B.; Michel, G.; Schneider, F.-K.; Vieth-Redemann, A.: Erläuterungen zu Blatt 4316 Lippstadt. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 25 000, Erl., 4316: 162 S.; Krefeld.
Stille, H. (1903): Geologisch-hydrologische Verhältnisse im Ursprungsgebiet der Paderquellen zu Paderborn. - Abh. kgl. preuß. L.-Anst. u. Bergakad., N. F., 38: 129 S.; Berlin.
Strombeck, A. von. (1857): Gliederung des Pläners im nordwestlichen Deutschland nächst dem Harze. – Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft, 9: 415 – 419; Berlin.
Voigt, S.; Hilbrecht, H. (1997): Late Cretaceous carbon isotope stratigraphy in Europe: Correlation and relations with sea level and sediment stability. – Pal., Pal., Pal. 134: 39 – 59; Amsterdam.
Walaszczyk, I. & Wood, C. J. 1999. Inoceramids and biostratigraphy at the Turonian/Coniacian boundary; based on the Salzgitter-Salder quarry, Lower Saxony, Germany, and the Slupia Nadbrzezna section, central Poland. Acta Geologica Polonica, 48, 395-434.
Wiese, F.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Voigt, S. (2007): Erwitte-Formation. – In: Niebuhr, B.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Tröger, K.-A.; Voigt, S.; Voigt, T.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (Hrsg.): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 55: 47 - 48; Hannover.
Wood, C. J.; Ernst, G.; Rasemann, G. (1984): The Turonian/Coniacian stage boundary in Lower Saxony (Germany) and adjacent areas: the Salzgitter-Salder Quarry as a proposed international standard section. – Bull. Geol. Soc. Denmark, 33: 225 – 238; Kopenhagen.
Wood, C. J.; Ernst, G. (1998): Turonian-Coniacian of Salzgitter-Salder. - In: Mutterlose, J.; Bornemann, A.; Rauer, S.; Spaeth, C.; Wood, C. J. [Hrsg.]: Key localities of the northwest European Cretaceous. – Bochumer geol. u. geotech. Arb., 48: 94 – 102; Bochum.
Autor des Datenblattes: Wiese, F.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Voigt, S.
Erstellt am: 10.05.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 13.06.2006
Änderung Datensatz: 12.03.2010

Anzahl Litho alt: 1

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Litholex Recherche vom 21.10.2017, 19:47:25.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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