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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Salder Formation
ID: 2008022
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Wiese, Hiss & Voigt (2007)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Plänerkalk-Gruppe, Obere Plänerkalk-Untergruppe
Chronostratigraphie: Turonium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Oberturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Scaphiten-Schichten (v. Strombeck 1857), Scaphitenpläner (Stille 1903) (s. Kommentare zum stratigraphischen Wert der Scaphitenschichten bei Prescher 1963), Grobflaserig-bankige Kalkstein-Folge (Karpe 1973), striatoconcentricus-Schichten (Skupin 1985), Weißgrauer Kalkstein, weiß-graue Kalkstein-Einheit (Frieg et al. 1989, Kaplan 1991).
Lithologie: Vorwiegend dickbankige, weiße bis hellgraue Mergelkalksteine mit zwischengeschalteten dünnen Mergelsäumen und nur wenigen mächtigeren Ton- oder Kalkmergelsteinlagen bis 50 cm. Lagen mit knolligen Kalksteinen sind sehr selten. Einzelne Flintlagen kommen in Niedersachsen vor. In meist stark kondensierten proximalen Profilen treten in Westfalen glaukonitische Sedimente auf.
Untergeordnete Einheit: Am Südrand des Münsterländer Kreide-Beckens sowie im mittleren Teutoburger Wald wird die normale Mergelkalkstein-Fazies durch stark glaukonitischen, sandigen Kalkstein oder glaukonitischen Sandmergelstein vertreten (Soest-Grünsand-Member und Rothenfelde-Grünsand-Member). Eventstratigraphische Leithorizonte sind im Sinne von Bänken aufzufassen: Mergellage ME, Tuff TE, Tuff TF, Hyphantoceras Event, Micraster Mergel.
Liegendgrenze: Die Liegendgrenze ist aufgrund erheblicher lateraler Faziesunterschiede schwierig zu definieren. Der plötzliche Faziesumschwung zu dickbankigen weißen Plänerkalksteinen bei gleichzeitigem Aussetzen von Kalk-/Mergelstein-Wechsellagerungen bietet sich als ein Grenzmarker an, der allerdings nicht immer anhand von Lesesteinen und in der Geländemorphologie klar erkennbar ist. In Westfalen ist diese Grenze in Bohrlochmessungen durch die zurückgehende Schwankungsbreite in Gamma-, Widerstands- oder Sonic-Messungen gut erkennbar (vgl. Frieg et al. 1989). Die Grenze verläuft stark diachron (s. 15. Verschiedenes/Sonstiges).
Hangendgrenze: Die Hangendgrenze wird mit der ersten markanten Mergelsteinlage der Erwitte-Formation (Beginn der Grau-Weißen Wechselfolge) definiert. In Salzgitter-Salder ist dies die Schicht M 14 (Wood & Ernst 1998).
Mittlere Mächtigkeit: Die Mächtigkeiten unterliegen stärkeren Schwankungen: in der subherzynen Kreide im Profi Hoppenstedt ca. 10-15 m (schlecht erschlossen), in der Bohrung Quedlinburg ca. 50 m, an der Typ-Lokalität Salzgitter-Salder ca. 120 m (Wood & Ernst 1998), im Teutoburger Wald im Raum Halle ca. 65 m (Kaplan 1991), in der Bohrung Donar 5 im zentralen Münsterland ca. 35 m (Frieg et al. 1989). Das Soest-Grünsand-Member im südöstlichen Münsterländer Kreide-Becken ist zwischen 5 und 15 m mächtig.
Maximale Mächtigkeit: Im Teutoburger Wald im Raum Oerlinghausen mehr als 110 m, Salder 120 m.
Typusprofile, etc.: Typusprofil ist der aufgelassene Steinbruch Salzgitter-Salder (TK 25: 3827 Lebenstedt-West), im Grenzbereich zwischen Lichtenberger und Salzgitterer Höhenzug gelegen. Nach diesem Typusprofil wird die Formation benannt.
Verbreitung (Bundesländer): Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Norddeutsches Tiefland, Westfälische Bucht
Verbreitung (Ergänzung): Die Salder-Formation ist im Niedersächsischen, Subherzynen und Münsterländer Kreidebecken verbreitet. Das Soest-Grünsand- Member kommt am Südrand des Münsterländer Kreide-Beckens vom Ruhrgebiet bis zur Paderborner Hochfläche vor, während das Rothenfelde Grünsand Member auf den mittleren Abschnitt des Teutoburger Waldes zwischen Bielefeld und Bad Iburg beschränkt ist. Dort führt das Member lokal Trümmereisenerze (z. B. bei Borgholzhausen).
Zeitgleiche Einheiten: Im nördlichen Münsterland lässt sich die Salder-Formation nicht von faziell ähnlichen Teilen der Oberen Plänerkalk-Untergruppe abtrennen. Zeitgleiche Sedimente sind dort Teil der Lengerich-Formation. Im nordwestlichen Münsterland ist die Salder-Formation ebenfalls nicht entwickelt, zeitgleiche, schreibkreideartige Sedimente werden dort der Wüllen-Formation zugeordnet. Zeitgleich mit dem Beginn der Salder-Formation erscheint in norddeutschland die älteste Schreibkreide im Oranienburg-Member der Krempe-Formation.
Alterseinstufung: Die Alterseinstufung erfolgt biostratigraphisch hauptsächlich mit Inoceramen und Ammoniten (Kaplan 1986, Kaplan 1991, Kaplan & Kennedy 1996). Das event- und isotopenstratigrapische Gerüst (Voigt & Hilbrecht 1997, Wood & Ernst 1998, Wiese & Kaplan 2001, Wiese et al. 2004) ermöglich die zweifelsfreie Korrelation und Applikation der in Westfalen etablierten Ammoniten-Stratigraphie in die streckenweise ammonitenarmen Profilen Niedersachsens und Sachsen-Anhalts.
Kommentar: Die Tufflagen TE und TF ermöglichen eine überregionale Korrelation nach England (Wray & Wood 1995, Wray et al. 1995).
Versch./Sonstiges: Zur Diachronie der Liegendgrenze: Im Typusprofil in Salzgitter-Salder, am Schneeberg bei Groß-Döhren und am klassischen Flöteberg-Profil bei Othfresen liegt der lithologische Wechsel an der Wende Mittel-/Oberturonium und korreliert mit dem „Basal Upper Turonian Facies Turnover“ sensu Wiese et al. (2004). In weniger subsidenten Arealen, z. B. in den Profilen bei Söhlde, dominieren zeitgleich noch Knollenkalke und Rotpläner. Dort beginnen massige Kalksteine erst mit dem costellatus/plana-Event. Als ergänzender Marker für das Grenzniveau kann das erste Auftreten kleinwüchsiger und sehr dünnschaliger Inoceramen (Inoceramus perplexus) genutzt werden, deren auch in Bruchstücken leicht erkenntliche Schalen im Bereich des costellatus/plana Event erstmals auftreten.

Bohrlochkorrelation: In der Umgebung von Salzgitter umfasst die Salder-Formation in Eigenpotential-Bohrlochmessungen die SP-Peaks 16 bis 22 (Niebuhr et al. 2001)
Literatur: Frieg, C.; Hiss, M.; Müller, W. (1989): Stratigraphie im Turon und Unterconiac des südlichen und zentralen Münsterlandes. – Münstersche Forsch. Geol. Paläont., 69: 161 - 186; Münster.
Kaplan, U. (1986): Ammonite Stratigraphy of the Turonian of NW-Germany. – Newsl. Stratigr., 17(1): 9 – 20; Berlin; Stuttgart.Kaplan, U. (1991): Zur Stratigraphie der tiefen Oberkreide im Teutoburger Wald (NW-Deutschland), 2, Turon und Coniac im Steinbruch des Kalkwerkes Foerth, Halle/Westfalen. – Ber. naturwiss. Ver. Bielefeld, 32: 125 – 159; Bielefeld.
Kaplan, U.; Kennedy, W. J. (1996): Upper Turonian and Coniacian ammonite stratigraphy of Westphalia, NW-Germany. – Acta Geol. Pol., 46: 305 – 352; Warschau.
Karpe, W. (1973): Zur Feinstratigraphie der oberkretazischen Karbonatgesteine in der östlichen subherzynen Kreidemulde. – Z. geol. Wiss., 1: 269 – 292; Berlin.
Niebuhr, B.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (2001): The cored Konrad 101 borehole (Cenomanian – Lower Coniacian, Lower Saxony): calbration of surface and subsurface log data for the lower Upper Cretaceous of northern Germany. – Cret. Res., 22 (5): 643 – 674; London.
Prescher, H. (1963): Zur Problematik der Scaphitenschichten. – Berichte der geologischen Gesellschaft in der Deutschen Demokratischen Republik, 8: 171 – 188; Berlin.
Skupin, K. (1985), mit Beitr. von Dahm-Arens, H.; Michel, G.; Weber, P.: Erläuterungen zu Blatt 4317 Geseke. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 25 000, Erl., 4317: 155 S; Krefeld.
Stille, H. (1903): Geologisch-hydrologische Verhältnisse im Ursprungsgebiet der Paderquellen zu Paderborn. – Abh. kgl. preuß. L.-Anst. u. Bergakad., N. F., 38: 129 S.; Berlin.
Strombeck, A. von. (1857): Gliederung des Pläners im nordwestlichen Deutschland nächst dem Harze. – Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft, 9: 415 – 419; Berlin.
Voigt, S.; Hilbrecht, H. (1997): Late Cretaceous carbon isotope stratigraphy in Europe: Correlation and relations with sea level and sediment stability. – Pal., Pal., Pal. 134: 39 – 59; Amsterdam.
Wiese, F., Hiss, M.; Voigt, S. (2007): Salder-Formation. – In: Niebuhr, B.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Tröger, K.-A.; Voigt, S.; Voigt, T.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (Hrsg.): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 55: 45 - 47; Hannover.
Wiese, F; Kaplan, U. (2001): The potential of the Lengerich section (Münster Basin, northern Germany) as a possible candidate Global boundary Stratotype Section and Point (GSSP) for the Middle/Upper Turonian boundary. – Cret. Res., 22: 549 – 563; Amsterdam.
Wiese, F.; Wood, C. J.; Kaplan, U. (2004): 20 years of event stratigraphy in NW Germany; advances and open questions. – Acta Geol. Pol., 54: 639-656; Warschau.
Wood, C. J.; Ernst, G. (1998): Turonian-Coniacian of Salzgitter-Salder. - In: Mutterlose, J.; Bornemann, A.; Rauer, S.; Spaeth, C.; Wood, C. J. [Hrsg.]: Key localities of the northwest European Cretaceous. – Bochumer geol. u. geotech. Arb., 48: 94 – 102; Bochum.
Wray, D. S.; Wood, C. J. 1995. Geochemical identification and correlation of tuff layers in Lower Saxony. – Berl. geowiss. Abh. E, 16: 215 – 225; Berlin.
Wray, D. S.; Kaplan, U.; Wood, C. J. (1995): Tuff-Vorkommen und ihre Bio- und Eventstratigraphie im Turon des Teutoburger Waldes, der Egge und des Haarstrangs. – Geol. Paläont. Westf., 37: 1-51; Münster.
Autor des Datenblattes: Wiese, F.; Hiss, M.; Voigt, S.
Erstellt am: 10.05.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 13.06.2006
Änderung Datensatz: 16.03.2010

Anzahl Litho alt: 1

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Litholex Recherche vom 24.07.2017, 10:49:33.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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