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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Herbram-Formation
ID: 2008014
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Hiss, Kaplan & Wilmsen (2007)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Untere Plänerkalk-Untergruppe, Plänerkalk-Gruppe
Chronostratigraphie: Untercenomanium (Cenomanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Oberalbium (Albium, Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Tourtia (pars, z. B. v. Strombeck 1857), Cenoman-Mergel (Stille 1903; und in zahlreichen geologischen Karten), Eingangsfolge (Karpe 1973), Bemeroder Fazies, Bemeroder Schichten (Bertram & Kemper 1971, Kemper 1984).
Lithologie: Nur im Beckenzentrum an der Basis dunkelgraue, mergelige Tonsteine (Bemerode-Member), darüber und in den Profilen der Beckenränder graue bis grünlichgraue (Matrixglaukonit!), z. T. schluffige Ton- bis Kalkmergelsteine mit einzelnen dünnen, z. T knollig-bioklastischen Mergelkalkstein-Bänken. In marginalen Profilen an der Basis z. T. sandig und glaukonitisch und/oder mit geringmächtigem Transgressionskonglomerat (diese sind ein geringmächtiges, nicht separat kartierbares Äquivalent der Essen-Grünsand-Formation).
Untergeordnete Einheit: Das Bemerode-Member ist nur in vollständigen Profilen im Beckenzentrum in Niedersachsen und im nördlichen Münsterland entwickelt und wird von einem Transgressionshorizont von den höheren (cenomanen) Teilen der Formation abgetrennt. Dieser Transgressionshorizont der Herbram-Formation s. str. wird auch als ultimus/Aucellina-Event bezeichnet (Ernst et al. 1983). Eine Inoceramenschill-reiche Entwicklung etwa in der Mitte der Einheit ist unter dem Begriff I. crippsi-Event bekannt.
Liegendgrenze: Im Beckenzentrum lagert das Bemerode-Member konkordant auf Flammenmergel (Oberalbium) und äquivalenten Sedimenten. In Bohrlochmessungen ist das Bemerode-Member durch eine deutliche Einschnürung in den Kurven der Widerstands- und SP-Logs (Eigenpotenzial) von den liegenden Schichten abzugrenzen (Kemper 1984, Niebuhr et al. 1999), ohne dieses Hilfsmittel ist eine Abgrenzung schwierig. In manchen Regionen tritt die Herbram-Formation konkordant über den Grünsanden der Essen-Grünsand-Formation auf. An den Beckenrändern lagert die Herbram-Formation mit Schichtlücke und basalem Transgressionshorizont (einem geringmächtigen Äquivalent der Essen-Grünsand-Formation) auf verschiedenen mesozoischen Formationen.
Hangendgrenze: Die Hangendgrenze zur Baddeckenstedt-Formation wird mit dem ersten Auftreten von mehreren Dezimeter mächtigen Mergelkalksteinbänken gezogen (fazieller Wechsel). Die Hangendgrenze ist zum Teil fließend (graduell) und diachron.
Mittlere Mächtigkeit: Im Bereich der Typuslokalität, am östlichen Rand des Münsterländer Kreide-Beckens, beträgt die mittlere Mächtigkeit 30 - 40 m (Friedlein 2004).
Maximale Mächtigkeit: Im Beckenzentrum, wo das basale Bemerode-Member mit maximal 40 m entwickelt ist, erreicht die Herbram-Formation ca. 50 - 60 m Mächtigkeit.
Typusprofile, etc.: Die Einheit wird nach dem zur Stadt Lichtenau (Paderborner Hochfläche) gehörenden Dorf Herbram benannt. In dessen Nähe befindet sich das Typusprofil, der aufgelassene Steinbruch Renneke in Lichtenau-Herbram (TK 25: 4319 Lichtenau; vgl. Friedlein 2004: 75). Dort sind etwa 12 m aus dem mittleren bis höheren Teil der Herbram-Formation erschlossen. Das komplette Profil ist durch die etwa 5 km südwestlich der Typuslokalität stehende Bohrung Grundsteinheim 1/99 erschlossen (36,3 m Ton- und Kalkmergelstein sowie an der Basis 2,6 m sandig-glaukonitischer, in tonigen Sandstein übergehender Tonmergelstein; vgl. Friedlein 2004: 134). Referenzprofil für SE-Niedersachsen (Salzgitterer Raum) ist die gekernte Bohrung Konrad 101 (vgl. Niebuhr et al. 2001). Hier erreicht die Herbram-Formation 25,4 m.
Verbreitung (Bundesländer): Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Norddeutsches Tiefland, Westfälische Bucht
Verbreitung (Ergänzung): Die Herbram-Formation ist in der westfälischen Kreide nur im nördlichen Münsterland, entlang des Teutoburger Waldes und der Paderborner Hochfläche sowie aus Tiefbohrungen im zentralen Münsterland bekannt. Im südlichen Münsterland und Ruhrgebiet sowie am Haarstrang fehlt sie komplett und wird dort durch die Essen-Grünsand-Formation vertreten. In Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ist sie im Subherzyn nachgewiesen. Über die Verbreitung der Einheit im tieferen Untergrund Norddeutschlands (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern) liegen keine gesicherten Kenntnisse vor. Im nördlichen Brandenburg ist die Herbram-Formation in der Bohrung Gransee 1/63 nachgewiesen (Tröger & Ulbrich, unveröff. Bericht 1985).
Zeitgleiche Einheiten: Die Herbram-Formation wird in den Randbereichen des norddeutschen Kreide-Beckens durch die Essen-Grünsand-Formation vertreten. Zum Teil vorkommende geringmächtige glaukonitische Basissedimente der Herbram-Formation sind ein distales Äquivalent der Essen-Grünsand-Formation, die aufgrund ihrer geringen Mächtigkeit nicht gesondert dargestellt werden können.
Alterseinstufung: Die Herbram-Formation wird mittels Inoceramen, Ammoniten, Belemniten und Mikrofaunen (vgl. Frieg & Kemper 1989, Kaplan et al. 1998, Niebuhr et al. 1999) sowie Event- (Ernst et al. 1983) und Sequenzstratigraphie (Wilmsen 2003) datiert.
Kommentar: Die in den beckenwärtigen Profilen vollständig entwickelte Herbram-Formation umfasst den Zeitabschnitt vom höchsten Oberalbium bis Untercenomanium. Allerdings datiert lediglich der basale Abschnitt des Bemerode-Member nach Ostrakoden noch in das Oberalbium (Niebuhr et al. 1999), während der überwiegende Teil der Herbram-Formation und alle Profile außerhalb des Beckenzentrums ausschließlich dem Untercenomanium zuzuordnen sind und i. W. die Mantelliceras mantelli-Zone umfassen.
Versch./Sonstiges: Bei den Ablagerungen der Herbram-Formation handelt es sich um Innenschelfsedimente eines weiten Epikontinentalmeeres, die z. T. in geschützter Position (Buchten und zwischen Inseln) abgelagert wurden (z. B. Wilmsen et al. 2005).
Literatur: Bertram, H.; Kemper, E. (1971): Das Alb von Hannover. – Beih. Ber. naturhist. Ges. Hannover, 7: 27 – 74; Hannover.
Frieg, C.; Kemper, E. (1989), mit Beitr. von Baldschuhn, R.: Mikropaläontologische Gliederung und Abgrenzung von Ober-Alb und Unter-Cenoman in Nordwestdeutschland. – Geol. Jb., A 113: 73 – 193; Hannover.
Friedlein, V. (2004): Erläuterungen zu Blatt 4319 Lichtenau. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 25 000, Erl., 4319, 3. Aufl.: 136 S.; Krefeld.
Ernst, G.; Schmid, F.; Seibertz, E. (1983): Event-Stratigraphie im Cenoman und Turon von NW-Deutschland. – Zitteliana, 10: 531 – 554; München.
Hiss, M.; Kaplan, U.; Wilmsen, M. (2007): Herbram-Formation. – In: Niebuhr, B.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Tröger, K.-A.; Voigt, S.; Voigt, T.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (Hrsg.): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 55: 30 - 32; Hannover.
Kaplan, U.; Kennedy, W. J.; Lehmann, J.; Marcinowski, R. (1998): Stratigraphie und Ammonitenfaunen des westfälischen Cenoman. – Geol. Paläont. Westf., 51: 236 S.; Münster.
Karpe, W. (1973): Zur Feinstratigraphie der oberkretazischen Karbonatgesteine in der östlichen subherzynen Kreidemulde. – Z. geol. Wiss., 1: 269 – 292; Berlin.
Kemper, E. (1984): Ober-Alb und Unter-Cenoman in Nordwestdeutschland. – Geol. Jb., A 75: 465 – 487; Hannover.
Niebuhr, B.; Baldschuhn, R.; Ernst, G.; Walaszcyk, I.; Weiss, W.; Wood, C. J. (1999): The Upper Cretaceous succession (Cenomanian – Santonian) of the Staffhorst Shaft, Lower Saxony, northern Germany: integrated biostratigraphic, lithostratigraphic and downhole geophysical log data. – Acta Geologica Polonica, 49: 175 – 213; Warschau.
Niebuhr, B.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (2001): The cored Konrad 101 borehole (Cenomanian – Lower Coniacian, Lower Saxony): calibration of surface and subsurface log data for the lower Upper Cretaceous of northern Germany. – Cretaceous Research, 22(5): 643 – 674.; London.
Strombeck, A. von (1857): Gliederung des Pläners im nordwestlichen Deutschland nächst dem Harze. - Z. dt. Geol. Ges., 9: 415 – 419; Berlin.
Stille, H. (1903): Geologisch-hydrologische Verhältnisse im Ursprungsgebiet der Paderquellen zu Paderborn. - Abh. kgl. preuß. L.-Anst. u. Bergakad., N. F., 38: 129 S.; Berlin.
Wilmsen, M. (2003): Sequence stratigraphy and palaeoceanography of the Cenomanian Stage in northern Germany. - Cretaceous Research, 24(5): 525 – 568; Amsterdam.
Wilmsen, M.; Niebuhr, B.; Hiss, M. (2005): The Cenomanian of northern Germany: facies analysis of a transgressive biosedimentary system. – Facies, 51: 242 – 263; Berlin, Heidelberg, New York (Springer).
Autor des Datenblattes: Hiss, M.
Erstellt am: 03.04.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.06.2006
Änderung Datensatz: 12.03.2010
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Litholex Recherche vom 19.11.2017, 22:14:23.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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