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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Brochterbeck-Formation
ID: 2008013
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Hiss, Kaplan & Wilmsen (2007)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Untere Plänerkalk-Untergruppe, Plänerkalk-Gruppe
Chronostratigraphie: Cenomanium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Obercenomanium (Cenomanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Mittelcenomanium (Cenomanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Untercenomanium (Cenomanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Arme Rhotomagensis-Schichten (oder –Kalke) (v. Strombeck 1857), Cenoman-Kalk (Stille 1903 und in vielen geologischen Karten), Bankige Kalksteinfolge (Karpe 1973).
Lithologie: Fossilarme, flaserige oder gebankte hellgraue bis weiße Kalksteine.
Untergeordnete Einheit: Die Brochterbeck-Formation lässt sich in ein unteres Ascheloh- und ein oberes Hoppenstedt-Member gliedern:
Ascheloh-Member: undeutlich gebankte, hellgraue Flaserkalksteine mit mäßiger Fossilführung (Flaserkalkstein-Folge, vgl. Hiss 1989).
Hoppenstedt-Member: gebankte, feinkörnige, häufig stylolithische, hellgraue bis weiße, äußerst fossilarme Kalksteine (Coccolithenkalkstein-Folge, vgl. Hiss 1989).
Wichtige Bänke: Pycnodonte Event (Ernst et al. 1983; ein Austernführender, mergeliger Leithorizont, der häufig die beiden Member trennt).
Liegendgrenze: Die Liegendgrenze ist durch den Wechsel von der rhythmisch gebankten Kalkmergelstein-Kalkstein-Wechselfolge der Baddeckenstedt-Formation zu undeutlich gebankten Flaserkalksteinen charakterisiert. In Bohrlochmessungen ist dies im Anstieg von Widerstands- und Schallaufzeit-Werten sowie einer Abnahme und nur gering schwankenden Gamma-Werten zu erkennen. In einigen proximalen Profilen, insbesondere im südlichen Münsterland, bildet die „Rauhe Bank“ an der Basis des Ascheloh-Members einen markanten Grenzhorizont. Im östlichen Ruhrgebiet wird die Brochterbeck-Formation zum Teil auch von der Essen-Grünsand-Formation unterlagert.
Hangendgrenze: Im Hangenden der Brochterbeck-Formation folgen die Büren-Formation (im zentralen und südlichen Münsterland), die Hesseltal-Formation (im nördlichen und östlichen Münsterland und teilweise in Niederachsen) sowie die Söhlde-Formation (im östlichen Niedersachsen und in Sachsen-Anhalt). Der sogenannte Fazieswechsel („Faziesgrenze“ sensu Ernst et al. 1983) zu den Sedimenten der Hesseltal-Formation (schwarze oder bunte Mergel- und Mergelkalksteine), zu den roten Sedimenten der Söhlde-Formation bzw. zu den grünlichgrauen Kalkmergelsteinen der Büren-Formation ist mit dem Aussetzen der hellen bis weißen Kalksteine sehr scharf. Im südlichen Münsterland fehlt die Hesseltal-Formation. Sie wird dort durch den Kondensationshorizont der sog. Kalkknollenbank vertreten, der aufgrund seiner Gesteinsbeschaffenheit und geringen Mächtigkeit der Brochterbeck-Formation zugerechnet wird. Die Söhlde-Formation beginnt meist mit deutlich rot gefärbten Kalkmergelsteinen (Rotpläner).
In den aus vielen Bohrungen Norddeutschlands vorliegenden Eigenpotentialmessungen (SP-Log) befindet sich die Hangendgrenze zwischen den SP-Peaks 9 und 10 (Niebuhr et al. 1999).
Mittlere Mächtigkeit: In Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sehr einheitlich 15-20 m , im nördlichen Münsterland größere Mächtigkeiten (ca. 60 m am Typusprofil in Brochterbeck; vgl. Kaplan 1995).
Maximale Mächtigkeit: Im Raum Halle-Ascheloh (Nordrhein-Westfalen) erreicht die Brochterbeck-Formation eine Mächtigkeit von mehr als 100 m. Im dortigen aufgelassenen Steinbruch Gödecke (ehemals Mindener Asphalt-Mischwerke) hat das Ascheloh-Member eine Mächtigkeit von ca. 65-70 m und das Hoppenstedt-Member 37-40 m.
Typusprofile, etc.: Typusprofil für die gesamte Brochterbeck-Formation ist der aufgelassene Steinbruch Wallmeyer in Tecklenburg-Brochterbeck (TK 25: 3712 Ibbenbüren; vgl. Kaplan 1995). Typusprofil für das Ascheloh-Member ist der aufgelassene Steinbruch der Mindener Asphalt-Mischwerke in Halle-Ascheloh (TK 25: 3916 Halle (Westf.), vgl. Kaplan et al. 1998). Typusprofil für das Hoppenstedt-Member ist der aufgelassene Steinbruch Hoppenstedt (TK 25 4029 Vienenburg; vgl. Horna 1996, Wilmsen & Wood 2004). Referenzprofil für den Salzgitterer Raum ist der aufgelassene Steinbruch Baddeckenstedt.
Verbreitung (Bundesländer): Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Norddeutsches Tiefland, Nordsee und Wattenküste
Norddeutsches Tiefland, Ostsee mit Förden- und Boddenküste
Norddeutsches Tiefland, Nördlicher Landrücken
Norddeutsches Tiefland, Südlicher Landrücken
Norddeutsches Tiefland, Ems-Hunte-Geest, Weser-Aller-Flachland
Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Norddeutsches Tiefland, Westfälische Bucht
Verbreitung (Ergänzung): Die Brochterbeck-Formation tritt nur am Rand des Münsterländer Kreide-Beckens, am Nordrand der Mittelgebirge sowie auf Helgoland zutage, ist aber in weiten Teilen Norddeutschlands im Untergrund erbohrt worden.
Zeitgleiche Einheiten: Essen-Grünsand-Formation (oberer Teil, nur im westlichen Ruhrgebiet), zum Teil auch die Baddeckenstedt-Formation.
Alterseinstufung: Die biostratigraphische Einstufung erfolgt hauptsächlich nach Inoceramen und Ammoniten, daneben werden mehrere weitere Parastratigraphien angewendet, z. B. benthische und planktische Foraminiferen. Event-, Zyklo- und sequenzstratigraphische Gliederungen sowie Isotopen-Untersuchungen liegen ebenfalls vor (z. B. Ernst et al. 1983; Wilmsen 2003). Es existieren zahlreiche stratigraphische Arbeiten, Literaturübersichten finden sich in Stratigraphische Kommission Deutschlands (2000) und Wilmsen et al. (2005).
Kommentar: Die Brochterbeck-Formation umfasst den Zeitraum vom obersten Untercenomanium bis Obercenomanium. Die Liegendgrenze der Brochterbeck-Formation ist stark diachron, abhängig von der paläogeographischen Position: In distalen Bereichen beginnt sie bereits im höheren Untercenomanium (obere Mantelliceras dixoni-Zone), in randlichen Profilen erst mit dem Pycnodonte-Event im höchsten Mittelcenomanium (z. B. Wilmsen & Voigt 2006).Dann fehlt meist das Ascheloh-Member. In vielen Profilen beginnt die Brochterbeck-Formation kurz oberhalb des sogenannten Mid-Cenomanian Events (sensu Ernst et al. 1983), einer weit verbreiteten Diskontinuitätsfläche im Mittelcenomanium. Die Hangendgrenze der Formation (der sog. „Fazieswechsel“) ist isochron im mittleren Obercenomanium (an der Wende Calycoceras (Proeucalycoceras) guerangeri- zur Metoicoceras geslinianum-Zone).
Versch./Sonstiges: Die Liegendgrenze zur Baddeckenstedt-Formation ist häufig graduell, die Hangendgrenze ist scharf (vgl. Wilmsen et al. 2005). Es handelt sich um orbital gesteuerte, pelagische Außenschelfsedimente (Nannofossil-Mikrite) eines offenen Epikontinentalmeeres.
Literatur: Ernst, G.; Schmid, F.; Seibertz, E. (1983): Event-Stratigraphie im Cenoman und Turon von NW-Deutschland. – Zitteliana, 10: 531 – 554; München.
Hiss, M. (1989), mit Beitr. von Erkwoh, F.-D.; & Jäger, B.; & Michel, G.; & Vieth-Redemann, A.: Erläuterungen zu Blatt 4417 Büren. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 25 000, Erl., 4417: 152 S.; Krefeld.
Hiss, M.; Kaplan, U.; Wilmsen, M. (2007): Brochterbeck-Formation. – In: Niebuhr, B.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Tröger, K.-A.; Voigt, S.; Voigt, T.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (Hrsg.): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 55: 34 - 35; Hannover.
Horna, F. (1996): Multistratigraphisch-sedimentologische Untersuchungen an pelagischen Karbonaten – Das Oberkreide-Profil von Hoppenstedt (Subherzynes Becken). – Freiberger Forschungshefte, C 464, 73 – 144; Freiberg.
Kaplan, U. (1995): Steinbruch Wallmeyer & Söhne. – In: Mutterlose, J.; & Kaplan, U.; Hiss, M.: Die Kreide im nördlichen Münsterland und im Westteil des Niedersächsischen Beckens. – Bochumer geol. u. geotechn. Arb., 45: 72 S.; Bochum.
Kaplan, U.; Kennedy, W. J.; Lehmann, J.; Marcinowski, R. (1998): Stratigraphie und Ammonitenfaunen des westfälischen Cenoman. – Geol. Paläont. Westf., 51: 236 S.; Münster.
Karpe, W. (1973): Zur Feinstratigraphie der oberkretazischen Karbonatgesteine in der östlichen subherzynen Kreidemulde. – Z. geol. Wiss., 1: 269 – 292; Berlin.
Niebuhr, B.; Baldschuhn, R.; Ernst, G.; Walaszcyk, I.; Weiss, W.; Wood, C. J. (1999): The Upper Cretaceous succession (Cenomanian – Santonian) of the Staffhorst Shaft, Lower Saxony, northern Germany: integrated biostratigraphic, lithostratigraphic and downhole geophysical log data. – Acta Geologica Polonica, 49: 175 - 213; Warschau.
Stille, H. (1903): Geologisch-hydrologische Verhältnisse im Ursprungsgebiet der Paderquellen zu Paderborn. - Abh. kgl. preuß. L.-Anst. u. Bergakad., N. F., 38: 129 S.; Berlin.
Stratigraphische Kommission Deutschlands [Hrsg.] (2000): Stratigraphie von Deutschland III. Die Kreide der Bundesrepublik Deutschland. – Courier Forschungsinstitut Senckenberg, 226: 1 – 207; Frankfurt a. M.
Wilmsen, M. (2003): Sequence stratigraphy and palaeoceanography of the Cenomanian Stage in northern Germany. – Cretaceous Research, 24(5): 525 – 568; Amsterdam.
Wilmsen, M.; Wood, C. J. (2004): The Cenomanian of Hoppenstedt, northern Germany – a Subhercynian key section revisted. – Newsl. Stratigr., 40: 209 – 230; Stuttgart.
Wilmsen, M.; Voigt, T. (2006): The Middle-Upper Cenomanian of Zilly (Sachsen-Anhalt, northern Germany) with remarks on the Pycnodonte Event. – Acta Geologica Polonica, 56: 17 – 31; Warszawa.
Wilmsen, M.; Niebuhr, B.; Hiss, M. (2005): The Cenomanian of northern Germany: facies analysis of a transgressive biosedimentary system. – Facies, 51: 242 – 263; Berlin, Heidelberg, New York (Springer).
Autor des Datenblattes: Hiss, M.; Kaplan, U.; Wilmsen, M.
Erstellt am: 03.04.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 13.06.2006
Änderung Datensatz: 12.03.2010
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Litholex Recherche vom 19.11.2017, 22:28:13.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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