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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Emscher-Formation
ID: 2008007
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Schlüter (1874)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Untercampanium (Campanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Santonium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Coniacium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Graue Mergel (v. Strombeck 1859), Emscher (z. B. Kukuk 1938), Emscher-Mergel (z. B. Bärtling 1913)
Lithologie: Überwiegend Tonmergelsteine, untergeordnet auch Kalkmergel- und Mergelkalksteine; im Ruhrgebiet und in der Subherzynen Kreidemulde z. T. Schluffmergelsteine und gelegentlich Feinsandmergelsteine; im nördlichen Niedersachsen vorwiegend Kalkmergel- und Mergelkalksteine (z. B. Schacht Staffhorst); zyklische Schwankungen im Karbonatgehalt (Milankovitch-Zyklen) sind teilweise erkennbar (Hiss et al. 1996).
Untergeordnete Einheit: Emscher-Grünsand-Member = Randfazies im westlichen Ruhrgebiet mit Schluff- bis Feinsandmergelsteinen und Grünsandlagen;
Augustdorf-Member = am Teutoburger Wald in die Emscher-Formation eingelagerte subaquatische Gleitmassen aus abgescherten und phacoidisierten Gesteinen der Plänerkalk-Gruppe.
Liegendgrenze: Die Liegendgrenze ist durch den Fazieswechsel von den Mergelkalksteinen der Erwitte-Formation zu den Tonmergelsteinen der Emscher-Formation charakterisiert. Die Abgrenzung erfolgt nach Bohrlochmessungen am Top der „Kalkig-mergeligen Übergangsschichten“ (Frieg et al. 1989), oberhalb von SP-Peak 26 (Niebuhr et al. 1999). Zum Teil lagert die Emscher-Formation auch diskordant auf älteren Einheiten.
Hangendgrenze: Im Ruhrgebiet stellt der Wechsel zu den Sandmergeln der Recklinghausen-Formation (z. T. fließende Übergänge) die Hangendgrenze dar. Im zentralen Münsterland ist es der Beginn der turbiditischen Fazies der Ahlen-Formation. In Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ist es der Beginn der kalkdominierten Sedimentation (z. B. Misburg-, Lüneburg-, Ilsenburg-Formationen). In der Subherzynen Kreidemulde wird die Emscher-Formation von spiculitischen Kalkmergel- und Sandsteinen der Ilsenburg-Formation überlagert.
Mittlere Mächtigkeit: Im südlichen Münsterland und östlichen Ruhrgebiet bis 500 m, im zentralen Münsterland (Raum Münster – Gütersloh) bis 1000 m, im Profil Donar 5 ca. 520 m. In Niedersachsen bedingt durch Salztektonik stark schwankende Mächtigkeiten.
Maximale Mächtigkeit: Im NE-Münsterland (Raum Emsdetten – Ladbergen) bis >2000 m, im Harzvorland (Subherzyne Kreidemulde) >1500 m.
Typusprofile, etc.: Die Emscher-Formation ist nach dem Fluss Emscher bzw. der Emscherregion im Ruhrgebiet benannt. Die Erstbeschreibung von Schlüter (1874) bezieht sich auf heute nicht mehr zugängliche Bergbauaufschlüsse in der Emscherregion zwischen Gelsenkirchen und Kamen. Als gut dokumentiertes, die komplette Emscher-Formation in reiner Tonmergelsteinfazies erschließendes Typusprofil kann die Kernbohrung Donar 5 gelten (TK 25: 4212 Drensteinfurt, Arnold & Wolansky 1964, Lommerzheim 1995, Kennedy & Kaplan 2000, Kaplan et al. 2005; Liegendgrenze bei 680 m Teufe, nicht sicher festgelegte Hangendgrenze bei 160 m Teufe). Referenzprofil für die Subherzyne Kreidemulde ist die Kernbohrung Quedlinburg Hy 1/79. Die stärker karbonatische distale Fazies im nördlichen Niedersachsen wird durch das Schachtprofil Staffhorst repräsentiert (TK 25: 3219 Affinghausen, Niebuhr et al. 1999).
Verbreitung (Bundesländer): Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Norddeutsches Tiefland, Ems-Hunte-Geest, Weser-Aller-Flachland
Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Norddeutsches Tiefland, Westfälische Bucht
Verbreitung (Ergänzung): Westfälische Bucht: Ruhrgebiet (Emscherregion) und Münsterland; Niedersachsen: isolierte Vorkommen zwischen Wiehengebirge und Harz (meist in Salzdiapir-Randsenken), im nördlichen Niedersachsen im Randbereich zur Pompeckj-Scholle; Sachsen-Anhalt: Subherzyne Kreidemulde und Altmark-Becken. Im nördlichen Brandenburg in Bohrungen im Norden von Berlin nachgewiesen.
Zeitgleiche Einheiten: Schreibkreide-Gruppe in Norddeutschland, in Randfaziesbereichen Verzahnung mit Sand- und Sandsteinablagerungen (in der Subherzynen Kreidemulde z. B. Halberstadt-, Salzberg- und Heidelberg-Formationen) sowie Konglomeraten und Kalkareniten (Gehrden- und Sudmerberg-Formationen).
Alterseinstufung: Datierungen gemäß den Standard-Faunenzonen für die norddeutsche Oberkreide sind möglich (z. B. Niebuhr et al. 1999). Besondere Bedeutung haben Inoceramen, Belemniten und Echiniden. Ammonitenzonierungen (z. B. Kennedy & Kaplan 2000) sowie (benthische) Foraminiferen- und Nannoplankton-Gliederungen liegen ebenfalls vor.
Kommentar: Der Begriff „Emscher“ wurde früher zeitweise als Stufenbegriff im chronostratigraphischen Sinne verstanden (vgl. Kukuk 1938) und auf den Zeitabschnitt des heutigen Mittelconiacium bis Mittelsantonium begrenzt. Die Emscher-Formation umfasst aber insgesamt ein deutlich größeres Zeitintervall. Beginn und Ende der Mergel-Sedimentation ist in den einzelnen Regionen jedoch sehr unterschiedlich. Gesichert setzt sie zu Beginn des Mittelconiaciums (Volviceramus koeneni-Zone) ein, teilweise jedoch bereits im Unterconiacium (Cremonceramus crassus-Zone). Im Ruhrgebiet (Emscherregion) endet sie im Mittelsantonium, in den übrigen Gebieten dauert sie meist bis in das Untercampanium an.
Versch./Sonstiges: Abgrenzungsprobleme: Im nördlichen Niedersachsen entscheidet nur der Karbonatgehalt über die laterale Abgrenzung zur Schreibkreide-Gruppe.
Besondere Merkmale: In Lüneburg befinden sich im tieferen Abschnitt der Emscher-Formation (Volviceramus involutus-Zone) zwei Mittel-Sapropel-Bänke, von denen die obere 20-30 cm erreicht und dort sehr gut als Leithorizont zu verwenden ist (Schmid 1963).
Environment: hemipelagische Sedimente eines offenen Epikontinentalmeeres mit 30 – 70 m Wassertiefe.
Literatur: Arnold, H.; Wolansky, D. (1964), mit Beitr. von Hiltermann, H.; Koch, W.: Litho- und Biofazies der Oberkreide im südwestlichen Münsterland nach neuen Kernbohrungen. – Fortschr. Geol. Rheinld. u. Westf., 7: 421 – 478; Krefeld.
Bärtling, R. (1913): Geologisches Wanderbuch für den Niederrheinisch-Westfälischen Industriebezirk umfassend das Gebiet vom nördlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges bis zur holländischen Grenze. – VII + 420 S.; Stuttgart (Enke).
Frieg, C.; Hiss, M.; Müller, W. (1989): Stratigraphie im Turon und Unterconiac des südlichen und zentralen Münsterlandes. - Münstersche Forsch. Geol. Paläont., 69: 161 – 186; Münster.
Hiss, M.; Jansen, F.; Skupin, K. (1996): Die Schichtenfolge im Bereich der ehemaligen Ziegelei Leßmöllmann/Castrop-Rauxel. – Dortmunder Beitr. Landeskde., naturwiss. Mitt., 30: 39 – 56; Dortmund.
Kaplan, U.; Kennedy, W. J.; Hiss, M. (2005): Stratigraphie und Ammonitenfaunen des Campan im nordwestlichen und zentralen Münsterland. – Geol. Paläont. Westf., 64: 171 S; Münster.
Kennedy, W.J.; Kaplan, U. (2000): Ammonitenfaunen des hohen Oberconiac und Santon in Westfalen. – Geol. Paläont. Westf., 57: 131 S.; Münster.
Kukuk, P. (1938): Geologie des Niederrheinisch-Westfälischen Steinkohlengebietes. – 706 S.; Berlin (Springer).
Lommerzheim, A. (1995): Stratigraphie und Ammonitenfaunen des Santons und Campans im Münsterländer Becken (NW-Deutschland). – Geol. Paläont. Westf., 40: 97 S.; Münster.
Niebuhr, B.; Baldschuhn, R.; Ernst, G.; Walaszcyk, I.; Weiss, W.; Wood, C. J. (1999): The Upper Cretaceous succession (Cenomanian – Santonian) of the Staffhorst Shaft, Lower Saxony, northern Germany: integrated biostratigraphic, lithostratigraphic and downhole geophysical log data. – Acta Geologica Polonica, 49: 175 – 213; Warschau.
Schmid, F. (1963): Die Krteide von Lüneburg und die Aufschürfung des Alb-Profiles im Kreidebruch am Zeltberg. – Z. dt. geol. Ges., 114: 419 – 422; Hannover.
Strombeck, A. v. (1859): Beitrag zur Kenntnis des Pläners über der westphälischen Steinkohlenformation. – Z. dt. geol. Ges., 11: 27 – 77; Berlin.
Schlüter, C. (1874): Der Emscher Mergel. Vorläufige Notiz über ein zwischen Cuvieri-Pläner und Quadraten-Kreide lagerndes mächtiges Gebirgsglied. – Z. dt. geol. Ges., 26: 775 – 782; Berlin.
Weitere Literaturangaben in: Stratigraphische Kommission Deutschlands [Hrsg.] (2000): Stratigraphie von Deutschland III. Die Kreide der Bundesrepublik Deutschland. – Courier Forschungsinstitut Senckenberg, 226: 1 – 207; Frankfurt a. M.
Autor des Datenblattes: Hiss, M.
Erstellt am: 28.03.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.06.2006
Änderung Datensatz: 22.06.2006


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Litholex Recherche vom 26.07.2017, 00:46:17.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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