litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Ilmenau-Formation
ID: 19
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Andreas et al. (1990), präzisierte Definition Lützner et al. (2003)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Rotliegend/Unterrotliegend im Thüringer Wald
Chronostratigraphie: Asselium (Unterperm (Cisuralium), Perm, Paläozoikum)
Gzhelium (Oberkarbon (Pennsylvanium), Karbon (int.), Paläozoikum)
Synonyme: Synonym: Obere Gehrener Schichten nach Remy et al. (1963), Andreas et al. (1974) + Untere Manebacher Schichten (Andreas et al. 1966, 1974 z.T., Haubold 1985 und spätere paläontologische Arbeiten).
Obsolet: Lindenberg-Formation + Winterstein-Formation sensu Haubold & Katzung (1980).
Lithologie: Die Ilmenau-Formation ist eine sedimentär-vulkanogene Abfolge, die über einer Diskordanz die jüngsten Trachyandesiteruptionen sowie nachfolgende Ergüsse basaltischer Trachyandesite und Rhyolithe umfasst. Charakteristisch für die Ilmenau-Formation ist die bimodale Petrochemie der Vulkanite: in engem räumlich-zeitlichen Verbund treten sowohl betont basische als auch betont saure Gesteine auf. Die Formation beginnt und endet mit sedimentär-pyroklastischen Wechselfolgen. Ferner kommen Sedimenteinschaltungen zwischen den Vulkaniten vor.
Untergeordnete Einheit: Die Formation kann zweigeteilt werden. Der untere Teil (Lindenberg-Subformation) beginnt mit basalen Klastiten und Staubtuffen. Sie enthalten am Lindenberg bei Ilmenau den fossilführenden Horizont FH 3 (Lindenberg-Sedimente). Der obere Teil (Kickelhahn-Subformation) folgt nach einem Erosionshorizont mit auflagernden Zersatz- und Umlagerungsschutten. In Teilgebieten ist die Formation durch Tuffhorizonte und Vulkanitkörper weiter untergliedert. Nach Förderung der jüngsten Vulkanite füllen Grausedimente mit eingeschalteten Tufflagen lokale Becken von wenigen km Durchmesser. Das Ablagerungsmilieu war teils lakustrisch (Sembachtal-Sedimente mit fossilreichen Stillwasserlaminiten = Fundhorizont FH 4), teils fluviatil-palustrisch (Erletal-Sedimente).
Liegendgrenze: Beginn der basalen Sedimente über einer Denudationsfläche auf älteren Vulkaniten und Sedimenten der Möhrenbach- und Georgenthal-Formation sowie Teilen des Ruhlaer Kristallins und des Thüringer Hauptgranits.
Hangendgrenze: Ende der vulkanischen Bildungen bzw. der limnisch-fluviatilen Sedimentation mit vulkanoklastischem Geröllbestand und pyroklastischen Einlagerungen. Darüber folgt die Manebach-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: Ca. 200 m, in Ahängigkeit von der Dimension der Vulkanitkörper schwankt sie insgesamt zwischen 50 und 450 m.
Maximale Mächtigkeit: 450 m
Typusprofile, etc.: Das Typusprofil beruht auf geologischen Kartenaufnahmen der Typusregion Kickelhahn - Lindenberg südwestlich von Ilmenau (Deubel 1930 unveröff., Lützner 1964, Michael unveröff.). Die nordwestlichen Teilprofile (Bärenbruch bei Tabarz, Sembachtal, Kahle Koppe, Schillwand) wurden durch detaillierte Kartierung und zahlreiche geologische Schürfe (Andreas 1971, Andreas et al. 1974), der Bereich Erletal durch Bohrungen (Lützner 1972) erschlossen.
Verbreitung (Bundesländer): Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Thüringer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Die Ilmenau-Formation ist im nordwestlichen Thüringer Wald zu beiden Seiten des Ruhlaer Kristallins, zwischen Winterstein, Tabarz und Schmalkalden sowie bei Georgenthal aufgeschlossen, desgleichen im südöstlichen Thüringer Wald zwischen Ilmenau, Gehlberg und Suhl sowie in der Schleusinger Randzone. Auch im mittleren Thüringer Wald ist die Ilmenau-Formation unter jüngerer Bedeckung offenbar weitflächig verbreitet. Nachweise in Bohrungen: Zella-Mehlis 1/64, Thüringen Süd 1/63 u.a. (Andreas 2006). Die Eingruppierung der Konglomerate von Fehrenbach und Crock in die Ilmenau-Formation (Lützner 1972) wird nicht von allen Autoren geteilt.
Zeitgleiche Einheiten: Innerhalb des Thüringer Waldes haben die basalen Trachyandesite, die basaltisch-trachyandesitischen sowie die finalen rhyolithischen Eruptionen und pyroklastisch-sedimentären Wechselfolgen adäquate Stellung. Eine lithostratigraphische Korrelation mit dem tieferen Teil der Stockheim-Formation (Stockheimer Becken) kann erwogen werden.
Alterseinstufung: Die Makroflora in den basalen tuffitischen Tonsteinen aus dem Fundhorizont Lindenberg (FH 3 Thüringer Wald) gilt als typische Rotliegendflora (Autun). Der biostratigraphische Wert dieser Flora wird nicht von allen Autoren anerkannt. Die Fauna der fossilführenden Sedimente im oberen Teilabschnitt, insbesondere im Fundhorizont Sembachtal (FH 4 Thüringer Wald), enthält die namengebenden Amphibien der Melanerpeton sembachense - Apateon dracyensis -Zone von Werneburg (1996). In der reichen Fischfauna weisen Bohemiacanthus-Zähne die Um-Zone nach Schneider (1996) aus.Gesicherte radiometrische Alter liegen nicht vor.
Kommentar: Die Formation ist deutlich jünger als die radiometrisch datierten Vulkanite im unteren bis mittleren Abschnitt der Möhrenbach-Formation. Deshalb ist, entgegen der STD2002, die Einstufung in das Unterperm / Asselium am wahrscheinlichsten.
Versch./Sonstiges: --
Literatur: Andreas, D. (1971): Das Rotliegende im Nordwestteil des Thüringer Waldes. – In: Grumbt, E. (Hrsg.): Dt. Ges. geol. Wiss., Tagung 25.-28.10.1971 in Suhl, Kurzreferate und Exkursionsführer „Die Entwicklung des tieferen Tafeldeckgebirges und dessen Beziehung zum Unterbau (Thüringer Wald und südwestthüringisches Triasgebiet)“: 49-56, Berlin.
Andreas, D. (2006): Die strukturelle und lithostratigraphische Permokarbon-Entwicklung des Thüringer Wald-Gebietes im asturisch kompressiven Reaktionsraum einer frühkollisional vorgeprägten Intraplatten-Geosutur (Thüringisch-Nordostbayerische Scherzone). – Diss. i. Vorber., TU Freiberg.
Andreas, D., Enderlein, F., Judersleben, G., Jungwirth, J., Mädler, J. Michael, J., Voigt, H. (1974): Siles und Rotliegendes im Thüringer Wald und seinem südlichen Vorland. – In: Hoppe, W. & Seidel, G. (Hrsg.): Geologie von Thüringen: 356-449, Gotha/Leipzig (Haack).
Andreas, D., Voigt, H., Mädler, J. (1990): Das vulkanogen-sedimentäre Rotliegende des Thüringer Waldes – ein Gesamtprofil im Überblick, I (Exkursion 6) und II (Exkursion 15). – In: Andreas (Hrsg.): Exkursionsführer zur 37. Jahrestagung GGW, 20-29, Berlin.
Deubel, F. (1930): Geologische Karte 1 : 25 000, Blatt Ilmenau 5331, 2. Aufl., unveröff. Grenzandruck, abgeschlossen 1930.
Haubold, H. (1985): Stratigraphische Grundlagen des Stefan C und Rotliegenden im Thüringer Wald. – Schriftenr. geol. Wiss. 23: 1-110, Berlin.
Lützner, H. (1972): Lithostratigraphie und Paläotektonik des Rotliegenden der Schleusinger Randzone (Thüringer Wald). – Ber. dt. Ges. geol. Wiss. A 17: 811-834, Berlin.
Lützner, H. (1981): Sedimentation der variszischen Molasse im Thüringer Wald. – Schriftenr. geol.Wiss. 17: 1-217, Berlin.
Lützner, H. (2000): FRITZ DEUBEL und das Rotliegende in Thüringen. – Geow. Mitt. von Thüringen, Beih. 9: 83-102, Weimar.
Lützner, H., Andreas, D., Mädler, J., Michael, J., Voigt, H., Werneburg, R., Judersleben, G., Katzschmann, L. (2003): Siles und Rotliegend. – In: Seidel, G. (Hrsg.): Geologie von Thüringen, 2. Aufl.: 215-301, Stuttgart.
Schneider, J. (1996): Xenacanth teeth - a key for taxonomy and biostratigraphy. - Modern Geology 20: 321-340.
Werneburg, R. (1996): Temnospondyle Amphibien aus dem Karbon Mitteldeutschlands. – Veröff. Naturhist. Mus. Schleusingen 11: 23-64, 1996.
Autor des Datenblattes: H. Lützner, e-mail: Harald.Luetzner@uni-jena.de
Erstellt am: 16.08.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 06.05.2006
Änderung Datensatz: 10.01.2007


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 24.07.2017, 10:48:07.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID