litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Eisenach-Formation
ID: 16
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Lützner 1974, 1981 („Eisenacher Schichten“), Schneider 1996, 2001 (Eisenach-Formation unter Ausgliederung des Grenzkonglomerats).
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Rotliegend / Oberrotliegend des Thüringer Waldes
Chronostratigraphie: Kungurium (Unterperm (Cisuralium), Perm, Paläozoikum)
Synonyme: Tambacher Schichten im Gebiet von Eisenach (z.B. Beyschlag 1895).
Lithologie: Abfolge roter Pelite und rotbrauner Konglomerate im jüngsten Teil des Rotliegenden westlich vom Ruhlaer Kristallin. Charakteristisch für die Eisenach-Formation sind monoton aufgebaute, intensiv rote, großenteils siltig-sandige Pelite („Schiefertonhorizonte“ Sigma 1 bis Sigma 4 nach Naumann, 1913). Sie enthalten im proximalen Bereich (dazu das Verbreitungsgebiet zwischen Eisenach und Bad Liebenstein) mehrere mächtige, lithologisch monotone Konglomeratkörper. Im distalen Bereich, der durch Bohrungen im Werrakaligebiet erschlossen ist, keilen die Konglomerate aus bzw. gehen in sandreiche Schichten über. Entgegen der früheren Definition, jedoch in Übereinstimmung mit Schneider (1996, 2001) wird das Grenzkonglomerat der proximalen Fazies nicht als Bestandteil der Eisenach-Formation behandelt.
Untergeordnete Einheit: Im Ausstrich zwischen Eisenach und Bad Liebenstein kartierten Naumann (1913, 1914) und Knoth (1957, 1969) nach folgender GliederungHangendes: Grenzkonglomerat (Neuenhof-Formation)Rotpelite Sigma 4: 10-30 mHauptkonglomerat: 50-170 mRotpelite Sigma 3: 15-50 mAschburg-Konglomerat: 12-30 mRotpelite Sigma 2: 20-30 mWartburg-Konglomerat: -200 mRotpelite Sigma 1: 30-60 mWachstein-Konglomerat: 50-150 mlokale Rinnenfüllungen und Hangschutte Liegendes: Ilmenau-Formation, Granitporphyre, metamorphes GrundgebirgeIm Werrakaligebiet (Beckenzentrum) sind basale Konglomerate bekannt, die als Äquivalente des Wachstein-Konglomerats gelten können. Ein Konglomerat- und Sandstein-Horizont 15-25 m unter der Obergrenze der Formation entspricht dem Hauptkonglomerat. Mehrere sandreiche Abschnitte im mittleren Teil der Eisenach-Formation lassen sich nicht klar mit den proximalen Psephiten korrelieren.
Liegendgrenze: Beginn der Sedimentation monotoner Konglomerate an der Westflanke des Ruhlaer Kristallins.
Hangendgrenze: Ende der Ablagerung von Rotpeliten mit haloturbaten Merkmalen und Beginn sandig-feinkiesiger Sedimentation mit deutlichem Korngrößensprung.
Mittlere Mächtigkeit: 300-400 m
Maximale Mächtigkeit: 600 m
Typusprofile, etc.: Das Typusprofil im proximalen, zu Tage ausstreichenden Bereich wird aus einer Serie von geologischen NE-SW-Schnitten vom Wachstein bei Ruhla bis zur Wartburg bei Eisenach abgeleitet. Im distalen Bereich des Werrabeckens werden typische Profile der Eisenach-Formation durch die Bohrungen Hohenwart 3/67, Hzb 13, Werraaue u.a. erschlossen.
Verbreitung (Bundesländer): Hessen
Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Hessisches Bergland
Mittelgebirge, Thüringer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Die Eisenach-Formation ist in ihrer proximalen Ausbildung zwischen Bad Liebenstein und Eisenach durchgehend verbreitet. Das Paläoströmungsmuster der Konglomerate weist darauf hin, dass der Beckenrand nur wenige Kilometer östlich bis nordöstlich des Ausstrichs gelegen haben muss (Lützner 1981). Entlang des Beckenrandes vor der Buchenau-Schwelle kann eine Fortsetzung der Eisenach-Formation in ähnlicher Ausbildung wie bei Eisenach erwartet werden. Die distale Fazies der Eisenach-Formation ist über das gesamte Werra-Becken bis zu den Bohrungen Treischfeld 1-4 verbreitet. Im gleichen Ablagerungsraum wurden mit der Bohrung Treischfeld 5 auch mächtige äolische Sandsteine nachgewiesen (Schäfer 1969).
Zeitgleiche Einheiten: Die Eisenach-Formation entspricht in dem nach SW anschließenden Beckenteil zwischen Taunus und Spessart der Bleichenbach-Formation der Wetterau (Kowalczyk 1983). Nach Knoth (1970) sind das Obere Konglomerat der Tambach-Formation und das Wachstein-Konglomerat der Eisenach-Formation wegen lithologischer Ähnlichkeit möglicherweise zeitgleiche Bildungen. Zwischen beiden Sedimentkörpern liegt ein Abtragungsgebiet im Bereich des Ruhlaer Kristallins, aus dem in entgegengesetzter Richtung Gerölle geliefert wurden.
Alterseinstufung: Spärliche Fossilfunde sind bisher nur aus Rotpeliten bei Wilhelmsthal bekannt (Martens 1979, Werneburg 1996). Die bisher gefundenen Tetrapodenfährten lassen noch keine Aussagen zur Biostratigraphie zu. Neben Arthropodenfährten tritt ferner Pseudestheria wilhelmsthalensis auf, die in der Zonengliederung nach Martens (1983) die jüngste Conchostracen-Zone definiert. Die meisten paläomagnetischen Proben aus der Eisenach-Formation ergaben eine inverse Polarität. Magnetostratigraphisch gehört die Formation noch zur Permokarbonischen Inversen Megazone (Menning et al. 1988). Einzelne Proben aus dem Hauptkonglomerat deuten auf ein normal magnetisiertes Event oder auf eine normale Überprägung hin.
Radiometrische Datierungen fehlen.
Kommentar: Da die Eisenach-Formation deutlich jünger ist als der radiometrisch datierte mittlere Abschnitt der Elgersburg- und Tambach-Formation (275 ± 4 Ma, Lützner et al. 2004) und älter sein muß als die Illawarra-Umpolung (265 Ma, Menning 1995), liegt das numerische Alter der Eisenach-Formation im Bereich 273...263 Ma. Nach Zeh & Brätz lagert die Eisenach-Formation südlich von Mosbach auf einem erodierten Gang von Granitporphyr, dessen Alter an Zirkonen auf 277 ± 7 Ma bestimmt wurde.
Versch./Sonstiges: Eine lithologische Besonderheit der Eisenach-Formation ist der fazielle Kontrast zwischen den monotonen Konglomeraten und den gleichfalls monotonen Rotpeliten. Die Konglomerate entstanden auf relativ flach geböschten alluvialen Fächern (Lützner 1975), die zeitweise auf die im Beckeninneren ausgebreitete Tonebene (Playa, mud flat) vorrückten und bei nachlassender Transport- bzw. Reliefenergie am Fächerfuß wieder von Playa-Sedimenten überzogen wurden. Für die Sedimentation auf der Playa sind episodische Überflutungen, synsedimentäre Deformationen durch Salzkrustenbildung (haloturbate Gefüge) und äolischer Staub- und Sandeintrag wesentliche Prozesse der Sedimentgenese.
Literatur: Beyschlag, F. (1895): Überblick über die geologische Zusammensetzung des Thüringer Waldes, in Sonderheit des Rotliegenden desselben, unter Vorlegung einer neuen geologischen Übersichtskarte im Maßstab 1 : 100 000. – Z. dt. geol. Ges. 47: 596-607, Berlin.
Knoth, W. (1970): Zur Lithologie und Paläogeographie des höheren Rotliegenden im Thüringer Wald). – Ber. deutsch. Ges. geol. Wiss. A 15: 47-65, Berlin.
Kowalczyk, G. (1983): Das Rotliegende zwischen Taunus und Spessart. – Geol. Abh. Hessen 84: 1-99, Wiesbaden.
Lützner, H. (1974): Sedimentation des Rotliegenden im Thüringer Wald. – Habilschrift (Diss. B), 533 S., Univ. Greifswald
Lützner, H. (1981): Sedimentation der variszischen Molasse im Thüringer Wald. – Schriftenr. geol. Wiss. 17: 1-217, Berlin.
Lützner, H., Littmann, S. Mädler, J., Romer, R.L., Schneider, J.W. (2006): Stratigraphic and radiometric age data for the continental Permocarboniferous reference-section Thüringer Wald, Germany. – In: Wong, Th. E. (Ed.): Proceed. 15th Internat. Congr. on Carboniferous and Permian Stratigraphy. Utrecht, the Netherlands, 10-16 August 2003. Roy. Netherlands Acad. Arts Sciences.
Martens, T. (1983): Zur Taxonomie und Biostratigraphie der Conchostraca (Phyllopoda, Crustacea) des Jungpaläozoikums der DDR. – Freiberger Forsch-H. C 382: 7-105.
Menning, M. (1995): A numerical time scale for the Permian and Triassic periods. An integrated time analysis. – In: Scholle, P., Peryt, T.M. & Ulmer-Scholle, D.S.: Permian of the Northern Continents 1: 77-97, Berlin (Springer).
Menning, M., Katzung, G., Lützner, H. (1988): Magnetostratigraphic investigation of the Rotliegendes (300-252 ma) of Central Europe. - Z. geol. Wiss. 16: 1045-1063, Berlin.
Naumann, E. (1913): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Bundesstaaten, Liefg. 113, Blatt Eisenach. – Preuß. Geol. Landesanstalt, Berlin.
Naumann, E. (1914): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Bundesstaaten, Liefg. 113, Blatt Bad Salzungen. – Preuß. Geol. Landesanstalt, Berlin.
Werneburg, R. (1996): Erster Fossilnachweis vom Wartburg-Aufschluß bei Eisenach (Rotliegend). – Beitr. Geol. Thür., N.F., 3: 115-119, Jena.
Schäfer, : (1969): Das Rotliegende der Treischfelder Bohrungen in Osthessen. – Notizbl. Hess. Landesamt Bodenforsch. 97: 152-194, Wiesbaden.
Schneider, J. (1996): Biostratigraphie des kontinentalen Oberkarbon und Perm im Thüringer Wald, SW Saale-Senke – Stand und Probleme. – Beitr. Geol. Thür., N.F. 3: 121-151, Jena.
Schneider, J. (2001): Rotliegendstratigraphie – Prinzipien und Probleme. – Beitr. Geol. Thür., N.F. 8: 7-42, Jena.
Zeh, A. & Brätz, H. (2000): Radiometrische und morphologische Untersuchungen an Zirkonen aus Granitporphyren, Rhyolithen und Granitgeröllen des nordwestlichen Thüringer Waldes. – Z. dt. geol. Ges. 151: 187-206, Stuttgart.
Autor des Datenblattes: H. Lützner, e-mail: Harald.Luetzner@uni-jena.de
Erstellt am: 09.08.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 06.05.2006
Änderung Datensatz: 30.01.2007


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 20.11.2017, 14:27:13.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID