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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Goldlauter-Formation
ID: 15
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Beyschlag 1895 („Goldlauterer Schichten“), mit veränderter Abgrenzung Lützner et al. (1969)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Rotliegend / Unterrotliegend Thüringer Wald
Chronostratigraphie: Asselium (Unterperm (Cisuralium), Perm, Paläozoikum)
Synonyme: Synonyme: keine
Obsolet: Goldlauter-Gruppe, Tabarz-Formation, Gottlob-Formation und Sternberg-Formation sensu Haubold & Katzung (1980)
Lithologie: Die Goldlauter-Formation umfaßt eine sedimentäre Abfolge von polymikten Konglomeraten, Sandsteinen und Peliten mit deutlichem basalen Schüttungsimpuls über den Grausedimenten der Manebach-Formation, lokal auch über Ilmenau-Formation. In der grobklastischen Randfazies sind die Sedimente braun bis rotbraun, in der feinklastischen Beckenfazies teilweise bis überwiegend grau bis schwarzgrau gefärbt. Anzeichen vulkanischer Aktivität beschränken sich auf einzelne Tufflagen mit bis wenige Zentimeter mächtigen basaltischen Effusionen.
Untergeordnete Einheit: Lithostratigraphische Lokalgliederungen beschreibt Lützner 1981. Durch die von Andreas & Haubold (1973, 1975) beschriebenen Tuffhorizonte Nr. 0, 1, und 2, die partiell mit fossilführenden Schwarzpelit-Horizonten assoziiert sind, wird die Goldlauter-Formation tephrostratigraphisch gegliedert. Tuff Nr. 0 ist mit dem „Acanthodes“-Horizont = Fundhorizont FH 6 assoziiert. Tuff Nr. 2 entspricht dem Fossilfundhorizont FH 7. Die von Andreas & Haubold (1975) eingeführte Gliederung in Untere und Obere Goldlauterer Schichten, abgegrenzt durch den Tuff Nr. 0, dient vorrangig der Klassifizierung der fossilführenden Schwarzpelit-Horizonte. Die charakteristisch verfärbten Vulkanitgerölle bzw. die rotbraune Sedimentfarbe der basalen Schichten (s.o.) reichen bis in unterschiedliches Niveau der Unteren Goldlauterer Schichten. Deutlicher als die Gliederung in der Vertikalen ist die horizontale Gliederung des Faziesmusters. In der Goldlauter-Formation lässt sich eine überwiegend grobklastische Randfazies, die in einem Streifen entlang des nordöstlichen Gebirgsrandes von Friedrichroda bis Manebach und weiter nach SW bis Hirschbach verfolgt werden kann, und eine feinklastische Beckenfazies in den westlich angrenzenden Gebieten unterscheiden (Lützner 1981). In der Randfazies dominieren bei braunen bis rotbraunen Sedimentfarben grobpsephitische Konglomerate. Darin sind beckenwärts einzelne Schwarzpelit-Horizonte eingeschaltet (s.o.). Weiter beckenwärts gehen die Konglomerate in zunächst bunte, dann graue Sandsteine über, zwischen denen die Schwarzpelit-Horizonte sich weiter fortsetzen. Die beckentiefste Fazies ist vom südlichen Teil der Wintersteiner Mulde bis in die Täler östlich von Kleinschmalkalden zu verfolgen. In ihnen herrschen graue bis grauschwarze Pelite vor, in die vereinzelt sandig-siltige Sedimente mit meist karbonatischer Bindung eingeschaltet sind. Basale Sandsteine weisen braune bis rotviolette Färbung auf.
Liegendgrenze: Die Liegendgrenze wird durch den Beginn von Konglomeraten und konglomeratischen Sandsteinen mit „lachsfarbenen“ bis orangerot verfärbten Vulkanitgeröllen definiert. Auch in feinklastischer und überwiegend grauer Fazies des Beckeninneren beginnt die Goldlauter-Formation mit geröllführenden Sandsteinen von rotbrauner Farbe.
Hangendgrenze: Auflagerung der Oberhof-Formation mit einsetzendem Vulkanismus. Als Markerhorizont für den Beginn der Oberhof-Formation dient der Dörmbach-Tuff (Patzelt 1966) und seine Äquivalente (Tuff Nr. 3 nach Andreas & Haubold 1973, 1975). In Gebieten ohne diese Tuffe ist eine Abgrenzung nur unter Vorbehalt möglich.
Mittlere Mächtigkeit: 300 – 400 m. Mächtigkeiten in Teilgebieten der Goldlauter-Formation vgl. Lützner 1981.
Maximale Mächtigkeit: 800 m
Typusprofile, etc.: Das namengebende Typusprofil liegt im Pochwerksgrund östlich von Goldlauter (heute Stadtteil von Suhl), das paläogeographisch den randnahen Übergang von Rand- und Beckenfazies repräsentiert. Wichtige Richtprofile, die die Beckenfazies besser erfassen, sind die Bohrung Zella-Mehlis zusammen mit dem im Lubenbachtal aufgeschlossenen höheren Teil der Goldlauter-Formation sowie die Bohrung Tabarz.
Verbreitung (Bundesländer): Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Thüringer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Die Goldlauter-Formation ist im gesamten Thüringer Wald zwischen Ruhlaer Kristallin und Schwarzburger Antiklinorium verbreitet. Ihr werden Profile unsicherer Stellung in der Schleusinger Randzone sowie in Bohrungen in Südthüringen zugeordnet.
Zeitgleiche Einheiten: Die Goldlauter-Formation entspricht nach lithologischer Charakteristik, Sedimentationsverhältnissen und Fossilinhalt annähernd dem Abschnitt Quirnbach- bis Meisenheim-Formation im Saar-Nahe-Becken.
Alterseinstufung: Die fossilführenden Schwarzpelit-Horizonte sind nach mehreren Fossilgruppen in zwei aufeinander folgende Biozonen einzustufen. Die Horizonte im tieferen Abschnitt = Untere Goldlauterer Schichten nach Andreas & Haubold (1975) (FH 6a + 6b = „Acanthodes-Horizont“ im Pochwerksgrund und am Sperbersbach, Schwarzpelite Tuff Nr. 0, Cabarz-Horizont) gehören in der Blattodea-Zonierung zur Spiloblattina homigtalensis- bis Sysciophlebia balteata-Zone (Schneider & Werneburg 1993). Sie enthalten Bohemiacanthus-Zähne der Ugo-Zone nach Schneider (1996). Unter den Amphibien sind die namengebenden Formen der Branchierpeton reinholdi – Apateon flagrifera flagrifera-Zone nachgewiesen (Werneburg 1996). Die fossilführenden Horizonte im oberen Abschnitt (FH 7 = Gottlob-Horizont und Äquivalente) sind am sichersten nach Amphibien in die Melanerpeton eisfeldi-Zone einzuordnen. Die Insektenreste werden in die Sysciophlebia alligans-Zone gestellt (Schneider & Werneburg 1993). Der Zahntyp von Bohemiacanthus definiert die Ogo-Zone (Schneider 1996).Radiometrisch wurde für den Tuff Nr. 1 ein mit der konventionellen U/Pb-Methode an Einzelkörnern bestimmtes Zirkonalter von 288 ± 8 Ma ermittelt (Romer in Lützner et al. 2006). Koordinaten der Probe: R 4396700, H 5631870. Magnetostratigraphisch ist die Goldlauter-Formation nach dem derzeitigen Kenntnisstand (Menning et al. 1988) Teil der Permokarbonischen Inversen Megazone.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Die Goldlauter-Formation erscheint im östlichen Beckenteil als Sedimentationszyklus, der in der Schleusinger Randzone möglicherweise noch unterteilt ist. Korrelationskriterien zu anderen Becken ergeben sich daraus weder nach zyklostratigraphischen noch nach sequenzstratigraphischen Gesichtspunkten.
Literatur: Andreas, D. & Haubold, H. (1975): Die biostratigraphische Untergliederung des Autun (Unteres Perm) im mittleren Thüringer Wald. – Schriftenr. geol. Wiss. 3: 5-86, Berlin.
Beyschlag, F. (1895): Überblick über die geologische Zusammensetzung des Thüringer Waldes, in Sonderheit des Rotliegenden desselben, unter Vorlegung einer neuen geologischen Übersichtskarte im Maßstab 1 : 100 000. – Z. dt. geol. Ges. 47: 596-607, Berlin.
Haubold, H. & Katzung, G. (1980): Lithostratigraphischer Standard für das Permosiles im mittleren und südöstlichen Thüringer Wald. – Z. angew. Geol. 26: 9-19, Berlin.
Lützner, H. (1969): Über die Verbreitung der Manebacher Schichten im Rotliegenden des Thüringer Waldes. - Z. Geologie 18: 815-827, Berlin.
Lützner, H. (1981): Sedimentation der variszischen Molasse im Thüringer Wald. – Schriftenr. geol. Wiss. 17: 1-217, Berlin.
Lützner, H., Andreas, D., Mädler, J., Michael, J., Voigt, H., Werneburg, R., Judersleben, G. & Katzschmann, L. (2003): Siles und Rotliegend. – In: Seidel, G. (Hrsg.): Geologie von Thüringen: 215-301, Stuttgart.
Lützner, H., Littmann, S., Mädler, J., Romer, R.L., Schneider, J.W. (2006): Radiometric and biostratigraphic data of the continental Permocarboniferous reference-section Thüringer Wald, Germany. – In: WONG, Th. E. (Ed.): Proceed. 15th Internat. Congr. on Carboniferous and Permian Stratigraphy. Utrecht, the Netherlands, 10 – 16 August 2003.
Patzelt, G. (1966): Bau und Schichtenfolge der Asbach-Rotteröder Mulde (Thüringerwald) nach neueren Kartierungsergebnissen. – Hall. Jb. mitteldt. Erdegesch. 7: 39-60, Leipzig.
Menning, M., Katzung, G. & Lützner, H. (1988): Magnetostratigraphic investigation of the Rotliegendes (300-252 ma) of Central Europe. - Z. geol. Wiss. 16: 1045-1063, Berlin.
Schneider, J. (1996): Xenacanth teeth - a key for taxonomy and biostratigraphy. - Modern Geology 20: 321-340.
Schneider, J. & Werneburg, R. (1993): Neue Spiloblattinidae (Insecta, Blattodea) aus dem Oberkarbon und Unterperm von Mitteleuropa sowie die Biostratigraphie des Rotliegend. – Veröff. Naturhist. Mus. Schleusingen 7/8: 31-52, Schleusingen.
Werneburg, R. (1996): Temnospondyle Amphibien aus dem Karbon Mitteldeutschlands. – Veröff. Naturhist. Mus. Schleusingen 11: 23-64, 1996.
Autor des Datenblattes: H. Lützner, e-mail: Harald.Luetzner@uni-jena.de
Erstellt am: 07.08.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 06.05.2006
Änderung Datensatz: 10.01.2007


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Litholex Recherche vom 21.10.2017, 19:51:09.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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