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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Burg-Formation
ID: 1006031
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: H.-J. STEPHAN, für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: vorläufig mitgeteilt
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Saalium-Komplex (Mittelpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Ältere glaziäre Saale-Formation (STEPHAN 2005)
Kurzbezeichnung: qsAG
Lithologie: Geringmächtige Grundmoräne (Burg-Till-Bank), in der Typusregion zuoberst oft mit einer periglaziären Destruktionszone oder einer periglaziären Auswaschungslage, oft scharf-diskordant auf liegenden, sehr unterschiedlich mächtigen, kiesarmen, oft feinkörnigen und meist sehr hell gefärbten Sanden, die stellenweise Schluffeinschaltungen haben. Im obersten Abschnitt der liegenden Sequenz können örtlich als direkte Vorschüttsedimente in Rinnen kiesige Schmelzwassersande oder Schmelzwasserkiese auftreten. Im Bereich ehemaliger Gletscherwannen gibt es über der Grundmoräne viele Meter mächtige, aufwärts zunehmend feiner werdende Nachschüttsedimente.
Die Grundmoräne kommt in drei unterschiedlichen Fazies vor (STEPHAN 1980). Die „Normalfazies“ ist ein sandiger, mäßig kalkiger Geschiebemergel (55 % - 70 % Sand und Kies, Karbonat um 10-15 %), der oft direkt auf einer noch sandigeren Fazies, einem Geschiebesand (75 % - 90 % Sand und Kies) lagert oder mit diesem im Kontaktbereich verzahnt ist. In die Normalfazies eingelagert, häufiger aber dieser auflagernd, kommt eine sehr bindige (<40 % Sand und Kies), stärker kalkige, braun, rotbraun oder gelegentlich ziegelrot gefärbte Fazies vor (STEPHAN 1998, s. Foto von STEPHAN in EHLERS 1983: pl. 44).
Leitgeschiebeanalysen in der sandigen Grundmoräne ergaben „drenthetypische TGZ“ (SCHLÜTER unter anderem 1980, LÜTTIG unpubl.). Kiesanalysen (EHLERS 1980, STEPHAN 1980, KABEL 1982) belegen, dass die „Normalfazies“ durch mäßigen Flintgehalt und stärkeren Gehalt an paläozoischen Kalken geprägt ist. Gelegentlich führt sie viel paläozoischen Kalk und etwas Dolomit (STEPHAN 1987). Die „rote“ Fazies hat keinen oder sehr wenig Flint, sehr viel paläozoischen Kalk (PK) und auffallend viel Dolomit (D) (PK:KR bis >1,3; D:KR bis >0,4). Leitgeschiebeanalysen in dieser Tillfazies schlugen fehl, weil sie für eine statistische Auswertung zu wenige Kristallinklasten enthielt.
Gefügemessungen in Aufschlüssen im südlichen Dithmarschen wiesen eine Gletscherbewegung nach W bis WSW nach.
Untergeordnete Einheit: Burg-Till-Bank
Liegendgrenze: Basis des Burg-Tills oder von Vorschüttsedimenten auf elsterzeitlichen Ablagerungen, teilweise über einer Entkalkungszone oder Bodenbildung.
Hangendgrenze: Obergrenze des Burg-Tills oder hangender Nachschüttsedimente unter Ablagerungen der Kuden-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: Je nach Lokalität sehr unterschiedlich. Teilweise ist die gesamte Formation fast auf den Burg-Till reduziert, der erosiv (vgl. EHLERS & STEPHAN 1983) auf älteren Ablagerungen liegt, sonst einige Meter mächtig, in großen glaziären Becken des zentralen Dithmarschen (LANGE et al. 1979) oder des westlichsten Holstein (STEPHAN & MENKE 1993, Abb. 2) ca. 15 m.
Maximale Mächtigkeit: bisher 22 m nachgewiesen
Typusprofile, etc.: Typusregion: Südliches Dithmarschen.
Typusprofile: Ehemalige Aufschlusswände nördlich von Kuden, ebenso bei St. Michaelisdonn (R: 35 0760, H: 59 8535). Bohrung Muldsberg 5 (STEPHAN 1987): R: 35 27310, H: 59 85160). (In allen Fällen Burg-Formation unter Kuden-Formation).
Verbreitung (Bundesländer): Schleswig-Holstein
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Die Burg-Formation ist in der beschriebenen Sequenz in Dithmarschen und dem westlichen Holstein nachgewiesen worden. Ihre Ablagerungen sind während des Kuden- Vorstoßes sehr oft gestört, teilweise kräftig gestaucht worden, so z. B. im namensgebenden Ort Burg/Dithmarschen selbst, wo im Zentrum oft rotbrauner Till in Baugruben auftritt. Ungestaucht, weitgehend horizontal lagernd, findet man sie in der Nähe des westlichen Geestrandes (u. a. bei Kuden und St. Michaelisdonn).
Zeitgleiche Einheiten: In einer der Typusregion ähnlichen oder auch abweichenden Sequenz im gesamten Schleswig-Holstein verbreitet.
Hamburg: „Drenthe-Formation“ (GRUBE 1981), bzw. Ablagerungen des „Drenthe 1-Vorstoßes“ (EHLERS et al. 1984).
Niedersachsen: Ablagerungen der „Hameln-Phase“ (LÜTTIG 1960), oder des „Haupt-Drenthe-Vorstoßes“ (MEYER 1965), „Drenthe 1-Vorstoßes“ oder „älteren Drenthe-Vorstoßes“.
Mecklenburg: Weitgehend Ablagerungen des „S1-Glazials“ (CEPEK 1967), jedoch ohne die späte rotbraune baltische Till-Fazies.
Brandenburg: Ablagerungen des „unteren Grundmoränen-Komplexes“ (LIPPSTREU et al. 1995).
Mitteldeutschland: „Zeitz-Glaziär- und Leipzig-Glaziär-Formation“ (LITHOLEX, WANSA in LITT et al. 2007).
Südjütland: Ablagerungen des saalezeitlichen NE-Eises mit dem „Ashoved-Till“ (HOUMARK-NIELSEN 2004).
Alterseinstufung: Bisher liegen keine numerischen Daten vor.
Kommentar: Nach STEPHAN et al. (im Druck) sind die glaziären Ablagerungen des „Saale-Komplexes“ und damit auch der Burg-Formation nach der Leck-Warmzeit anzusetzen (s. Leck-Formation), die dem OIS 7 zugeordnet wird.
Versch./Sonstiges: Der Gletscher des Burg-Vorstoßes hat eine durch Permafrost gekennzeichnete Landschaft überfahren (STEPHAN 1980), dabei verhältnismäßig wenig Schmelzwasser geliefert, so dass direkte Vorschüttsedimente nur untergeordnet vorkommen. Die weit verbreiteten vorwiegend feinkörnigen Ablagerungen im Liegenden der Burg-Formation sind möglicherweise z. T. nicht im Zusammenhang mit dem Eisvorstoß abgelagert worden, sondern stammen teilweise schon aus dem älteren, in Norddeutschland nicht-glaziären Abschnitt der frühen saalezeitlichen Schichtfolge (fluviatil bis periglaziär-fluviatil).
Die rote Fazies des Burg-Tills kennzeichnet die späte Phase des Burg-Vorstoßes, die ausgeprägt baltisches Material mitbrachte. Die von dieser Materialherkunft ableitbare generelle E-W-Bewegung deckt sich im südlichen Dithmarschen mit der Geschiebeeinregelung im Burg-Till (STEPHAN 1980). Bei der üblicherweise geringen Mächtigkeit des Burg-Tills dürften möglicherweise ursprünglich abweichende Gefüge der älteren Fazies des Burg-Tills, die zu älteren Vergletscherungsphasen mit vielleicht abweichenden Fließrichtungen gehört haben, vollständig in die letzte E-W-Richtung umgeregelt worden sein.
Gelegentlich finden sich ausgesprochen kreidereiche Burg-Tills (Erosion von Kreide über Salzstöcken), die eine Verwechslung mit dem Kuden-Till möglich erscheinen lassen. Zwischen den Ablagerungen der Burg-Formation und denen der Kuden-Formation gibt es keine Hinweise auf organogene Ablagerungen, oder – bis auf die nachweisbare periglaziäre, eisfreie Zeit (Interphase) am Ende der Burg-Phase – auf eine Bodenbildung.
Literatur: CEPEK, A. G. (1967): Stand und Probleme der Quartärstratigraphie im Nordteil der DDR. – Ber. deutsch. Ges. geol. Wiss., A (Geol. Paläont.), 12(3/4): 375–404.
EHLERS, J. (1980): Feinkieszählungen im südlichen Geestgebiet Dithmarschens. – Schr. Naturwiss. Ver. Schleswig
Holstein, 50: 37–55.
EHLERS, J. (1983): Glacial Deposits in North-West Europe. – 470 S.; Rotterdam (Balkema).
EHLERS, J., MEYER, K.-D. & STEPHAN, H.-J. (1984): The pre-Weichselian glaciations of North-West Europe. –
Quaternary Science Reviews, 3: 1-40.
EHLERS, J. & STEPHAN, H.-J. (1983): Till fabric and ice movement. – In: EHLERS, J. (ed.): Glacial Deposits in North-West Europe. – 267–274; Rotterdam (Balkema).
GRUBE, F. (1981): The subdivision of the Saalian in the Hamburg Region. – Meded. Rijks Geol. Dienst, 34(4): 15-25. Klassifikation von Grundmoränen in Niedersachsen. – Verh. naturwiss. Ver. Hamburg (NF), 23: 81-92.
HOUMARK-NIELSEN, M. (2004): The Pleistocene of Denmark: a review of stratigraphy and glaciation history. – In: EHLERS, J. & GIBBARD, P. L. (eds.): Quaternary Glaciations – Extent and Chronology, Part I Europe. – 35–46; Amsterdam (Elsevier).
KABEL, C. (1982): Geschiebestratigraphische Untersuchungen im Pleistozän Schleswig-Holsteins und angrenzender Gebiete. – Diss. Univ. Kiel: 1–132 und 47 S. Anhang.
LANGE, W., MENKE, B., & PICARD, K.-E. (1979): Die Deutung glazigener Sedimente in Schlesw-Holstein. – Verh. Naturwiss. Ver. Hamburg, (NF) 23: 51–68.
LIPPSTREU, L., BROSE, F. & MARCINEK, J. (1995): Brandenburg. – In: BENDA, L. (Hrsg.), Das Quartär Deutschlands. – 116–147; Berlin (Borntraeger).
LITT, T., BEHRE, K.-E., MEYER, K.-D., STEPHAN, H.-J. & WANSA, S. (2007): Stratigraphische Begriffe für das Quartär des norddeutschen Vereisungsgebietes. – Eiszeitalter und Gegenwart / Quaternary Science Journal, 56(1-2): 7-65.
LÜTTIG, G. (1960): Neue Ergebnisse quartärgeologischer Forschung im Raume Alfeld-Hameln-Elze. – Geol. Jb., 77: 337-390.
MEYER, K.-D. (1965): Das Quartärprofil am Steilufer der Elbe bei Lauenburg. – Eiszeitalter und Gegenwart, 16: 47-60.
MEYER, K.-D. (1976): Studies on ground moraines in the northwest of the German Federal Republic, in: Till, its genesis and diagenesis, panel discussion. – UAM, Geografia: 217-221; Poznán (Uniw. Mickiewicz).
SCHLÜTER, G. (1980): Geschiebezählungen im südlichen Geestgebiet Dithmarschens. – Schr. Naturwiss. Ver. Schlesw.-Holst., 50: 57-69.
STEPHAN, H.-J. (1980): Glazialgeologische Untersuchungen im südlichen Geestgebiet Dithmarschens. – Schr. Naturwiss. Ver. Schlesw.-Holst., 50: 1-36.
STEPHAN, H.-J. (1987): Moraine stratigraphy in Schleswig-Holstein and adjacent areas. - In: VAN DER MEER, J. J. M. (ed.): Tills and Glaciotectonics. – 23–30; Rotterdam (Balkema).
STEPHAN, H.-J. (1998): Geschiebemergel als stratigraphische Leithorizonte in Schleswig-Holstein, ein Überblick. – Meyniana, 50: 113–135.
STEPHAN, H.-J. (2005): Die weichselzeitliche Landschaftsentwicklung der wagrischen Halbinsel. – 72. Tagung der AG Norddeutscher Geologen in Lübeck, Tagungsband und Exkursionsführer: 129–140; Flintbek (LANU).
STEPHAN, H.-J. & MENKE, B. (1993): Das Pleistozän in Schleswig-Holstein. – GLA SH, 3: 19-62, 1 Fototaf. (Abb. 3-4); Kiel (Geologisches Landesamt Schleswig-Holstein).
STEPHAN, H.-J., URBAN, B., LÜTTIG, G., MENKE, B. & SIERRALTA, M. (im Druck): Palynologische, petrographische und geochronologische Untersuchungen an Ablagerungen der Leck-Warmzeit (spätes Mittelpleistozän) und begleitender Sedimente. – Geol. Jahrb.; Hannover.
Autor des Datenblattes: Hans-Jürgen Stephan
Erstellt am: 06.03.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 07.05.2009
Änderung Datensatz: 09.07.2009


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Litholex Recherche vom 22.07.2017, 14:54:16.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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