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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Leipzig-Glaziär-Formation
ID: 1006019
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: S. WANSA, erstmals für LithoLex definiert.
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Saalium-Komplex (Mittelpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Die Leipzig-Glaziär-Formation entspricht dem oberen Teil der "glaziären Folge der Saaleeiszeit" im Sinne von EISSMANN (1975).
Die Formazion umfasst die Ablagerungen der Leipzig-Phase (bzw. -Subphase) (EISMANN 1969, 1970, 1994), d. h. des zweiten und dritten Inlandeisvorstoßes des Saale-Komplexes in Mitteldeutschland (LITT et al. 2007, LITT & WANSA 2008).
Lithologie: Die Leipzig-Glaziär-Formation repräsentiert einen, örtlich zwei vollständige glaziäre Zyklen von der Entwicklung des Eisstausees vor dem vorstoßenden Eis über die Vergletscherung bis zum Abschmelzen.
Die Formation ist petrographisch heterogen aufgebaut. Wichtigste Einheit ist die Zweite Saale-Grundmoräne, untere Bank. Sie besteht aus einem meist braunen (oxidierten) Geschiebemergel, der an der Oberfläche 1-2 m entkalkt ist. Das Einzugsgebiet der Geschiebe reicht von Norwegen (Rhombenporphyr) bis in die östlichen baltischen Staaten. Das aus dem Baltikum zugeführte Material (Dolomit) ist stärker vertreten als in den Elster-Grundmoränen und in der Ersten Saale-Grundmoräne. Gegenüber der Ersten Saale-Grundmoräne fällt der sehr geringe Gehalt an Quarz-Geschieben auf und der relativ hohe Anteil an Nordischem Kristallin. Der Eisvorstoß war SW-orientiert. Der Breitenfeld-Horizont umfasst glazifluviatile Sande und Kiese sowie glazilimnische Beckenschluffe. Im Hangenden folgt der Breitenfeld-Bänderton an der Basis der Zweiten Saale-Grundmoräne, obere Bank. Diese besteht aus einem meist braunen (oxidierten) Geschiebemergel, der an der Oberfläche entkalkt ist. Eine deutliche lithologische Unterscheidung von der unteren Bank ist in der Regel nicht möglich.
Untergeordnete Einheit: Subformationen: Bruckdorf-Bänderton (bzw. Oberer Bruckdorf-Bänderton), Zweite Saale-Grundmoräne, untere Bank, Breitenfeld-Horizont mit dem Breitenfeld-Bänderton, die Zweite Saale-Grundmoräne, obere Bank mit Rückschmelzbildungen, Ablagerungen der Eisrandlagen der Leipzig-Phase (z. B. Petersberger Randlage, Breitenfelder Randlage, Tauchaer Randlage)
Liegendgrenze: Die Untergrenze wird von der Zeitz-Glaziär-Formation gebildet.
Hangendgrenze: Im Hangenden wird die Leipzig-Glaziär-Formation in der Regel diskordant von weichselzeitlichen Sedimenten überlagert, örtlich von limnischen Eembildungen.
Mittlere Mächtigkeit: Die Mächtigkeiten der Formation differieren stark. Als Mittelwert kann ca. 10 m angenommen werden.
Maximale Mächtigkeit: im Bereich von Eisrandlagen ca. 30 m
Typusprofile, etc.: Eine Typuslokalität ist noch nicht benannt worden. Als Typusregion gilt die Leipziger Tieflandsbucht, in dem sich die saaleglazialen Sedimentsukzessionen der Zeitz-Phase und der Leipzig-Phase zuordnen lassen (EISSMANN 1975, LITT et al. 2007). EISSMANN hat den Raum Lochau - Schkeuditz mit dem Tal der Weißen Elster zwischen Halle und Leipzig zur Beschreibung des Lithostratotyps der Saalesequenz vorgeschlagen (LITT & TURNER 1993). Die Leipzig-Glaziär-Formation ist in Mitteldeutschland westlich der Elbe weit verbreitet und reicht im Süden bis an das Geiseltal und in den Leipziger Raum, örtlich bis nahe an den Außenrand der Saale-Eisbedeckung bzw. der Zeitz-Glaziär-Formation. Die nördliche Begrenzung wird etwa von der Linie Petersberg - Bitterfeld – Bad Düben – Belgern gebildet, wo sich die Grundmoränengabel der Zeitz-Phase und Leipzig-Phase schließt (RUSKE 1964, EISSMANN 1975, 1994, 1997). Der jüngere Sedimentationszyklus mit der 2. Saale-Grundmoräne, obere Bank tritt lückenhaft im Rückland der Petersberger und Tauchaer Endmoräne auf, etwa bis zur Linie Köthen - Eilenburg, d. h. z. T. noch nördlich der erwähnten Grundmoränengabel (LITT et al. 2007).
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Leipziger Bucht
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: Die Zweite Saale-Grundmoräne (untere und obere Bank) wurde meist mit der Jüngeren Drenthe-Grundmoräne Niedersachsens parallelisiert, doch sprechen geschiebeanalytische Befunde eher für eine Korrelation mit dem 1. Saale-Eisvorstoß, d. h. mit dem Unteren Grundmoränenkomplex in Brandenburg bzw. der Haupt-Drenthe-Grundmoräne in Niedersachsen (EHLERS et al. 2004). Nördlich der Linie Petersberg – Bitterfeld – Bad Düben - Belgern existiert bis zur Warthe-Linie meist nur eine Saale-Grundmoräne, die den Zeitraum der Zeitz- und Leipzig-Phase vertritt und im mittleren Elbe-Gebiet von den Schmelzwassersedimenten der Seyda-Folge überlagert wird. Aufgrund der Kleingeschiebezusammensetzung wird diese Grundmoräne in der nördlichen Leipziger Tieflandsbucht im Wesentlichen als Bildung der Leipzig-Phase angesehen (KUNERT & WANSA 2001).
Alterseinstufung: Die Einstufung erfolgt auf Basis der petrographischen Charakteristik und der Lagerungsverhältnisse, abgesichert durch zahlreiche Großaufschlüsse und Bohrungen.
Kommentar: Die stratigraphische Einordnung in den Saale-Komplex ist durch die Lagerungsbeziehungen zu limnischen Holsteinvorkommen und der Hauptterrassen-Subformation im Liegenden sowie zu limnischen Eem-Vorkommen im Hangenden belegt.
Versch./Sonstiges: Bisher wurde der Bruckdorf-Bänderton als Teil des Bruckdorf-Horizontes angesehen. Der Bänderton gehört jedoch bereits zur nachfolgenden Vergletscherungsphase und soll deshalb der Leipzig-Glaziär-Formation zugeordnet werden. Es wird generell empfohlen, die Vorstoßbändertone in Mitteldeutschland als eigenständige Subformationen zu betrachten.
Literatur: EHLERS, J., EISSMANN, L., LIPPSTREU, L., STEPHAN, H.-J. & WANSA, S. (2004): Pleistocene Glaciations of North Germany. – In: EHLERS, J. & GIBBARD, P. L. (eds.): Quaternary Glaciations – Extent and Chronology, Part I: Europe. – Developments in Quaternary Science, vol. 2a: 135-146; Amsterdam (Elsevier).
EISSMANN, L. (1969): Beiträge zur Geologie des industriellen Ballungsgebietes Halle-Leipzig. Das Quartär der Leipziger Tieflandsbucht und des angrenzenden Tief- und Hügellandes um Saale und Elbe. – unveröff. Habil.-Schr., Universität Halle.
EISSMANN, L. (1970): Geologie des Bezirkes Leipzig. – Natura regionis Lipsiensis, H. 1+2; Leipzig (Naturwiss. Museum).
EISSMANN, L. (1975): Das Quartär der Leipziger Tieflandsbucht und angrenzender Gebiete um Saale und Elbe. – Schriftenr. geol. Wiss., 2: 1-263; Berlin.
EISSMANN, L. (1994): Grundzüge der Quartärgeologie Mitteldeutschlands (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Südbrandenburg, Thüringen). – Altenbg. nat. wiss. Forsch., 7: 55-135; Altenburg (DEUQUA-Tagung in Leipzig 1994).
EISSMANN, L. (1997): Das quartäre Eiszeitalter in Sachsen und Nordostthüringen. Landschaftswandel am Südrand des skandinavischen Vereisungsgebietes. – Altenbg. nat. wiss. Forsch., 8: 1-98; Altenburg.
EISSMANN, L. (2002): Quaternary geology of eastern Germany (Saxony, Saxon-Anhalt, South Brandenburg, Thüringia), type area of the Elsterian and Saalian Stages in Europe. – Quaternary Science Reviews, 21: 1275-1346.
KUNERT, R. & WANSA, S. (2001): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Sachsen-Anhalt 1:25 000, Blatt 4337 Gröbzig, 2. Aufl. – 180 S.; Halle.
LITT, T., BEHRE, K.-E., MEYER, K.-D., STEPHAN, H.-J. & WANSA, S. (2007): Stratigraphische Begriffe für das Quartär des norddeutschen Vereisungsgebietes. – Eiszeitalter und Gegenwart, 56: 7-65; Hannover.
LITT, T. & TURNER, C. (1993): Arbeitsergebnisse der Subkommission für Europäische Quartärstratigraphie: Die Saalesequenz in der Typusregion (Berichte der SEQS 10). – Eiszeitalter u. Gegenwart, 43: 125-128; Krefeld.
LITT, T. & WANSA, S. (2008): Quartär. - In: BACHMANN, G., EICHNER, R., KNOTH, W. & SCHWAB, M. (Hrsg.): Geologie von Sachsen-Anhalt. – 293–325; Stuttgart (Schweizerbart).
RUSKE, R. (1964): Das Pleistozän zwischen Halle (Saale), Bernburg und Dessau. – Geologie, 13: 570-597; Berlin.
Autor des Datenblattes: Stefan Wansa
Erstellt am: 11.10.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 11.05.2007
Änderung Datensatz: 05.12.2008

Anzahl Litho alt: 1

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Litholex Recherche vom 22.09.2017, 13:49:16.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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