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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Markranstädt-Glaziär-Formation
ID: 1006016
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: W. ALEXOWSKY und S. WANSA, für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Elsterium (Mittelpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Die Formation entspricht dem zweiten Zyklus der „glaziären Folge der Elstereiszeit“ im Sinne von EISSMANN (1995). Die Formation beginnt mit Vorschüttbildungen am Endes des Miltitz-Intervalls und umfasst alle Ablagerungen der Markranstädter Phase bzw. Markranstädt-Phase (EISSMANN 1969, 1970, LITT et al. 2007, LITT & WANSA 2008), d. h. des zweiten Inlandeisvorstoßes der Elster-Kaltzeit in Mitteldeutschland (EISSMANN 1975, 1997). Bei zahlreichen Bearbeitern finden sich die Bezeichnungen Elster-2-Vorstoß, Elster-2-Stadium o. ä., in den Lithofazieskarten Quartär E2 (z. B. EISSMANN & TREVIRANUS 1973).
Lithologie: Die Markranstädt-Glaziär-Formation repräsentiert einen vollständigen glaziären Zyklus von der Entwicklung des Eisstausees vor dem vorstoßenden Eis über die Vergletscherung bis zum Abschmelzen. Zur Markranstädt-Glaziär-Formation gehören:
Glazilimnische Bildungen: häufig Vorschüttbildung als unterstes Glied der Markranstädt-Formation, im Leipziger Raum Miltitz-Bänderton; in den Flusstälern am Rand und im Vorland der sächsischen Mittelgebirge häufig mächtige (lokal bis >30 m), oft grobwarvige Beckenschluffe und Feinsande, untergeordnet mit Bänderton (WOLF & SCHUBERT 1992).
Grundmoräne (Geschiebemergel, z. T. entkalkt: Geschiebelehm): ungeschichteter, tonig-schluffiger, kiesiger Sand bis tonig-sandig-kiesiger Schluff, dunkelbraun, 2 bis >10 m mächtig.
Glazifluviatile Bildungen: Schmelzwasserkies und -sand als Vorschütt- und sanderartige Bildungen, größtenteils Nachschüttbildungen.
Zur Markranstädt-Glaziär-Formation gehören auch stauch- und endmoränenartige Bildungen mit Schollen und Schuppen elsterzeitlicher und älterer Sedimente sowie große Teile der Füllung der zur Bildungszeit der Markranstädt-Formation entstandenen Rinnen.
Untergeordnete Einheit: Miltitz-Bänderton; Penig-, Zwickau-Beckenton, -schluff und -sand; Döbeln-, Hainichen-, Riesa-, Struppen-Bänderschluff und andere entsprechende Beckenschluffe im Mittelgebirgsvorland (z. B. an Müglitz, Lockwitz, Weißeritz, Neiße);
Obere (Zweite, Jüngere) Elster-Grundmoräne,
Liegendgrenze: Flussschotter des Miltitz-Intervalls, im Tiefland oft die Zwickau-Glaziär-Formation
Hangendgrenze: örtlich spätelsterzeitliche Flussschotter ("Mischschotter"), lokal Holstein-interglaziale Bildungen. In den frühsaalezeitlichen und rezenten Tälern sind verschieden alte Schotter tief eingeschnitten, dadurch weitgehende Ausräumung der Markransträdt-Formation;
außerhalb der frühsaalezeitlichen und rezenten
Flusstäler verbreitet Bildungen der Zeitz-Glaziär-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: oft 10-20 m
Maximale Mächtigkeit: in Rinnen sowie in Stauchmoränen und Schollenfeldern 50 bis über 100 m
Typusprofile, etc.: Noch nicht festgelegt. Als Typusregion gilt das Gebiet zwischen Saale und Mulde, in dem sich die elsterglaziale Sedimentsukzession der Zwickau-Phase und der Markranstädt-Phase zuordnen lassen (EISSMANN 1975). Am sächsischen Mittelgebirgsrand ist häufig eine Verknüpfung mit den Flussterrassen gegeben. Weiter nördlich sind im östlichen Sachsen große Teile der elsterzeitlichen Ablagerungen sowie tief greifende glaziäre Störungen diesem zweiten Eisvorstoß zuzuordnen. Zahlreiche Profile von der Zwickau-Glaziär-Formation im Liegenden bis zu frühsaalezeitlichen Flussschottern bzw. lokal Holstein-Sedimenten im Hangenden gibt es in der Leipziger Tieflandsbucht. Gute Profile mit einer Abfolge von Bänderfeinsand und -schluff, Grundmoräne und z. T. Schmelzwasserbildungen konkordant über Flussschottern des Miltitz-Inervalls existieren am Rand und im Vorland der sächsischen Mittelgebirge zwischen Zwickauer Mulde und Elbe (Zwickau?, Penig, Döbeln, Raum Wilsdruff - Dresden - Kreischa - Pirna; WOLF et al. 2007, WOLF & SCHUBERT 1992, WOLF & ALEXOWSKY 1994, 1997, 1999, 2001, ALEXOWSKY & HORNA, 2005).
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen
Sachsen-Anhalt
Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Leipziger Bucht
Mittelgebirge, Erzgebirge
Mittelgebirge, Sudeten, Elbsandsteingebirge
Verbreitung (Ergänzung): Geltungsbereich ist Mitteldeutschland (Sachsen, südliches Sachsen-Anhalt, östliches Thüringen).
Zeitgleiche Einheiten: Bildungen der Markranstädt-Glaziär-Formation sind vor allem in Sachsen-Anhalt und Sachsen außerhalb der frühsaalezeitlichen und rezenten Flusstäler weit verbreitet und lassen sich in Sachsen und Ostthüringen meist bis auf wenige 10er Kilometer an den Außenrand der Zwickau-Glaziär-Formation heran verfolgen, örtlich markiert ihre Verbreitung wahrscheinlich die Maximalausdehnung der Elster-Vereisung. Der Nachweis äquivalenter Bildungen in anderen Gebieten ist unsicher, da die überregionale Korrelation der elsterglazialen Zyklen nicht belegt ist.
Alterseinstufung: Die Einstufung erfolgt auf Basis der petrographischen Charakteristik und der Lagerungsverhältnisse, abgesichert durch zahlreiche Großaufschlüsse und Bohrungen. Numerische Daten liegen nicht vor.
Kommentar: Die Einstufung in die Elster-Kaltzeit ist durch die Lagerung auf der Zwickau-Glaziär-Formation bzw. auf den Feuerstein führenden Flussschottern des Miltitz-Intervalls sowie die Überlagerung durch Holstein-Sedimente und die Position zur frühsaalezeitlichen Terrasse gegeben.
Versch./Sonstiges: Im Verbreitungsgebiet beider elsterzeitlicher Glaziär-Formationen ist oft fraglich, ob es sich bei den Schmelzwassersanden im Hangenden der Unteren Elster-Grundmoräne (im westelbischen Gebiet Miltitzer Horizont) um Nachschüttbildungen des ersten Eisvorstoßes oder um Vorschüttbildungen des zweiten Eisvorstoßes handelt, z. T. sind erhebliche Anteile an (fluviatilen) Lokalkomponenten enthalten (z. T. Möritzscher/Miltitzer Schotter). Ebenso ist die Zuordnung von Eisrandlagenbildungen zu einem der beiden Eisvorstöße nicht immer eindeutig.
Literatur: ALEXOWSKY, W. & HORNA, F.(2005): Känozoikum. – In: ALEXOWSKY, W. et al.: Geologische Karte des Freistaates Sachsen 1 : 25 000. Erläuterungen zu Blatt 4947 Wilsdruff. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, 3. Aufl., 73–94; Freiberg.
EISSMANN, L. (1969): Beiträge zur Geologie des industriellen Ballungsgebietes Halle-Leipzig. Das Quartär der Leipziger Tieflandsbucht und des angrenzenden Tief- und Hügellandes um Saale und Elbe. – unveröff. Habil.-Schr., Universität Halle.
EISSMANN, L. (1970): Geologie des Bezirkes Leipzig. – Natura regionis Lipsiensis, H. 1+2; Leipzig (Naturwiss. Museum).
EISSMANN, L. (1975): Das Quartär der Leipziger Tieflandsbucht und angrenzender Gebiete um Saale und Elbe. – Schriftenr. geol. Wiss., 2: 1–263.
EISSMANN, L. (1995): Sachsen. – In: BENDA, L. (Hrsg.): Das Quartär Deutschlands. – 148–198; Berlin (Borntraeger).
EISSMANN, L. (1997): Das quartäre Eiszeitalter in Sachsen und Nordostthüringen. Landschaftswandel am Südrand des skandinavischen Vereisungsgebietes. – Altenbg. nat. wiss. Forsch., 8: 1–98.
EISSMANN, L. & TREVIRANUS, H. (1973): Lithofazieskarten Quartär 1 : 50000, Blatt 2565 Leipzig. - Zentrales Geologisches Institut Berlin.
LITT, T., BEHRE, K.-E., MEYER, K.-D., STEPHAN, H.-J. & WANSA, S. (2007): Stratigraphische Begriffe für das Quartär des norddeutschen Vereisungsgebietes. – Eiszeitalter u. Gegenwart, 56: 7–65.
LITT, T. & WANSA, S. (2008): Quartär. - In: BACHMANN, G., EICHNER, R., KNOTH, W. & SCHWAB, M. (Hrsg.): Geologie von Sachsen-Anhalt. – 293–325; Stuttgart (Schweizerbart).
WOLF, L. & ALEXOWSKY, W. (1994): Fluviatile und glaziäre Ablagerungen am äußersten Rand der Elster- und Saale-Vereisung; die spättertiäre und quartäre Geschichte des sächsischen Elbgebietes (Exkursion A2). – In: EISSMANN & LITT (Hrsg.): Das Quartär Mitteldeutschlands – Altenbg. naturwiss. Forsch., 7: 190–235.
WOLF, L. & ALEXOWSKY, W. (1997): Känozoikum. – In: ALEXOWSKY, W. et al.: Geologische Karte des Freistaates Sachsen 1 : 25 000. Erläuterungen zu Blatt 5049 Pirna. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, 3. Aufl., 44–71; Freiberg.
WOLF, L. & ALEXOWSKY, W. (1999): Quartär. – In: ALEXOWSKY, W. et al.: Geologische Karte des Freistaates Sachsen 1 : 25 000. Erläuterungen zu Blatt 5048 Kreischa. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, 3. Aufl., 70–86; Freiberg.
WOLF, L. & ALEXOWSKY, W. (2001): Känozoisches Lockergebirge. – In: ALEXOWSKY, W. et al.: Geologische Karte des Freistaates Sachsen 1 : 25 000. Erläuterungen zu Blatt 4948 Dresden. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, 4. Aufl., 64–97; Freiberg.
WOLF, L., HÜBNER, F. & ALEXOWSKY, W. (2007): Quartär. – In: ALEXOWSKY, W. et al.: Geologische Karte des Freistaates Sachsen 1 : 25 000. Erläuterungen zu den Blättern 5240 Zwickau und 5241 Zwickau Ost. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, 3. Aufl., 65–95; Freiberg.
WOLF, L. & SCHUBERT, G. (1992): Die spättertiären bis elsterzeitlichen Terrassen der Elbe und ihrer Nebenflüsse und die Gliederung der Elster-Kaltzeit in Sachsen. – Geoprofil, 4: 1–43.
Autor des Datenblattes: Wolfgang Alexowsky; Stefan Wansa
Erstellt am: 21.09.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 07.05.2009
Änderung Datensatz: 28.07.2009


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Litholex Recherche vom 26.07.2017, 00:42:28.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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