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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Brandenburg-Formation
ID: 1006010
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: H.-J. STEPHAN und U. MÜLLER, für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: vorläufig mitgeteilt
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Weichselium (Oberpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Kurzbezeichnung: W1B, qw1B
Lithologie: Nachschüttsedimente (nur lokal) über Grundmoräne mit schieferreicher W1-Kleingeschiebezusammensetzung, vorwiegend über verschiedenen Vorschütt-Schmelzwassersedimenten.
Untergeordnete Einheit: Brandenburg-Till-Member (=W1B-Till )
Liegendgrenze: Basis der Vorschütt-Schmelzwasserabsätze, stellenweise Basis der Grundmoräne; verbreitet auf verwitterten saalezeitlichen, örtlich über eemzeitlichen oder weichselfrühglazialen Ablagerungen oder über Ablagerungen der Warnow-Formation, selten über Präquartär.
Hangendgrenze: Obergrenze der Grundmoräne, örtlich Obergrenze der Nachschüttsedimente; in der Typusregion meist unter einer periglaziären Deckschicht oder örtlich Flugsand, in den nördlich angrenzenden Gebieten unter Ablagerungen der Frankfurt (Oder)-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: 10-15 m
Maximale Mächtigkeit: 15-20 m
Typusprofile, etc.: Typusregion in Brandenburg: Jungmoränengebiet südlich und westlich von Berlin und Potsdam und Gebiet der Randlage Guben-Brandenburg-Havelberg. Referenzprofile ohne Nachschütt-Sedimente: u. a. Teltow-Plateau (HERMSDORF 1995); ohne Vorschütt-Sedimente, über organogenem Eem: Bhrg. Ludwigsfelde Hy 1/72. Typusregion und Referenzprofile in Mecklenburg-Vorpommern: Gebiet der Randlage von Havelberg bis Schossin (TK 25 - 2433: R 4448500, H 5934750) westlich von Schwerin mit Bohrungen Walsmühlen; Kliff Klütz Höved.
Verbreitung (Bundesländer): Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Südliches Jungmoränengebiet im nordöstlichen Deutschland. Die Brandenburg-Formation ist in Mecklenburg-Vorpommern nur lokal erhalten.
Nach JUSCHUS (2010) hat der früheste weichselzeitliche Gletschervorstoß an mindestens 4 Punkten den Südrand des Baruther Urstromtales erreicht und ist damit viele Kilometer über die klassische brandenburgzeitliche Endmoränenlage hinaus nach Süden vorgedrungen (vgl. LÜTHGENS et al. 2010). Es ist allerdings bisher unklar, ob dieser Vorstoß zur Brandenburg-Phase gehört oder nicht möglicherweise zu einer frühweichselzeitlichen oder frühen mittelweichselzeitlichen Phase (s. Ellund-Formation und Warnow-Formation).
Zeitgleiche Einheiten: In Polen nach morphostratigraphischer Korrelation
Ablagerungen der Leszno-Phase, die östlich von Konin als weichselzeitlicher Außenrand von der Poznan-Phase abgelöst wird (z. B. MARKS 2002). In Schleswig-Holstein nicht bekannt, möglicherweise fehlend (vgl. LÜTTIG 2005). Eventuell zeitgleich mit dem Klintholm-Vorstoß in Dänemark (HOUMARK-NIELSEN 2010).
Alterseinstufung: Brandenburg: HEINE et al. (2009) leiten aus 10Be- Oberflächenexpositionsdatierungen an 3 Findlingen aus brandenburgzeitlichen Ablagerungen Nordost-Brandenburgs ein Abschmelzen des Eises von der Randlage zwischen 21 000 und 20 000 10Be a und Eisfreiheit um ca. 19 000 10Be a vor heute ab.
Mecklenburg-Vorpommern, Klütz Höved: Nach TL-Daten von Schmelzwassersanden (KRBETSCHEK 1995) dort jünger als 24 000 ± 3000 a (vgl. STRAHL et al. 1994). LÜTHGENS & BÖSE (2011) geben nach verschiedenen OSL-Messungen an brandenburgzeitlichen Sanderschüttungen für den äußersten Vorstoß eine Zeitspanne zwischen 34 und 24 ka vor heute an. Einzelkornmessungen an 2 Proben aus dem Beelitz-Sander erbrachten ein mittleres Alter von 27,7 ± 4 ka. CEPEK (1965, indirekte Datierung) und LIEDTKE (1981, Abb. 7) schätzen das Alter der Brandenburg-Randlage aufgrund letzter präglaziärer 14C-Daten auf ca. 20 000 a, das kalibriert zwischen ca. 24 070 und 23 875 cal a liegt (REIMER et al. 2004). Ebenso extrapoliert KOZARSKI (1995) für die Lezno(=Brandenburg)-Phase in Polen aus 14C-Daten liegender Sedimente ein 14C-Alter von ca. 20 000 a. MARKS (2010) nimmt in Polen unter Bewertung entsprechender 14C-Daten ein Alter von ca. 24 000 cal a an. Bei Korrelation mit dem Klintholm-Vorstoß Dänemarks nach OSL-Daten aus über dem Klintholm-Till liegenden Gletscherrandabsätzen älter als 20 ka vor heute und maximal 35 ka alt (HOUMARK-NIELSEN 2010).
Kommentar: Die 10Be-Daten von HEINE et al. (2009) und die genannten anderen differieren um mehrere Jahrtausende (vgl. Frankfurt- und Pommern-Formation). Unter der Annahme, dass die beprobten Oberflächen nicht beständig waren und nicht gleichbleibend der Höhenstrahlung ausgesetzt waren (Erosion, Abdeckung durch Schnee und Vegetation), wurden von HEINE et al. (2009) Alterskorrekturen angebracht. Es ist jedoch zweifelhaft, ob die Korrekturen richtig und vollständig sind: Große Teile des vergletscherten Gebietes dürften noch lange nach der Vorstoßphase unter Toteis gelegen haben, die Findlinge entsprechend sehr viel später, möglicherweise erst nach der Frankfurt-Phase eisfrei geworden sein. Zudem können die Findlingsoberflächen am Beginn der Eisfreiheit noch von Schutt bedeckt gewesen sein. Die Abrasion der Findlingsoberflächen durch Flugsand kann erheblich größer gewesen sein als angenommen. Schließlich können Findlinge noch nach Beginn der Eisfreiheit durch sehr lange andauernde Tieftauprozesse überschütteter Eiskörper und durch periglaziäre Bodenbewegungen ihre Lage verändert haben. Die 10Be-Alter geben nur die Zeit der endgültigen Festlegung der untersuchten Findlinge bei gleichzeitiger Abdeckungsfreiheit der beprobten Oberflächen an, die eher nicht mit der Bildung der Randlage übereinstimmen dürfte. Ohnehin werden sie jünger als der Maximalvorstoß sein, da die beprobten Findlinge nicht am Vergletscherungsrand sondern im Rückschmelzgebiet liegen. Es ist zu vermuten, dass die genannten 10Be-Alter somit deutlich kleiner sind als das wahre Alter des Maximalvorstoßes (vgl. LÜTHGENS & BÖSE 2011).
Versch./Sonstiges: Der Namensteil „Brandenburg“ leitet sich von der „Brandenburger Phase“ (WOLDSTEDT 1926) ab. In Mecklenburg werden Ablagerungen am weichselzeitlichen Außenrand westlich von Schwerin (Schossin-Walsmühlen, TK 2433) (HECK 1960) zur Brandenburg-Phase gehörend gedeutet. Kleingeschiebeanalysen von Material der Bohrungen Walsmühlen stützen diese morphostratigraphische Einstufung. LÜTTIG (2005) ordnet sie jedoch, geschiebestatistisch begründet, einer ersten Staffel der Frankfurt-Phase zu und lässt die Brandenburger Randlage von Perleberg nach Norden in Richtung Wismar unter jüngeren Bildungen verlaufen. Für weitere Vorkommen in der Umgebung von Parchim halten SCHULZ (1967) und v. BÜLOW (1975) die Zugehörigkeit zur Frankfurt-Phase für wahrscheinlicher.
Literatur: von BÜLOW, W. (1975): Randlagen und Eisabbau des Weichsel-Glazials zwischen Plauer See und Lübz (Bezirk Schwerin). – Z. geol. Wiss., 3(8): 1125-1137.
CEPEK, A. G. (1965): Die Stratigraphie der pleistozänen Ablagerungen im Norddeutschen Tiefland. – In: Die Weichsel-Eiszeit im Gebiet der DDR, S. 45-65; Berlin.
HECK, H.-L. (1960): Brandenburger Phase oder Frühwürm bei Schwerin? – Geologie, 9(5): 482-491; Berlin.
HEINE, K., REUTHER, A. U., THIEKE, H. U., SCHULZ, R., SCHLAAK, N. & KUBIK, P. W. (2009): Timing of Weichselian ice marginal positions in Brandenburg (northeastern Germany) using cosmogenic in situ 10Be. – Z. Geomorph. N.F., 53(4): 433-454.
HERMSDORF, N. (1995): Zur quartären Schichtenfolge des Teltow-Plateaus. – Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge, 2(1): 27-37; Kleinmachnow.
HOUMARK-NIELSEN, M. (2010): Extent, age and dynamics of Marine Isotope Stage 3 glaciations in the southwestern Baltic Basin. – Boreas, 39: 343-359.
JUSCHUS, O. (2010): Der maximale Vorstoß des weichselzeitlichen Inlandeises am Nordrand des Lausitzer Grenzwalls und des Flämings. – Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge, 17(1/2): 63-73.
KOZARSKI, S. (1995): Deglacjacja P?lnocno-Zachodniej Polski: Warunki srodowiska i transformacja geosystemu (~ 20 Ka - 10 Ka BP). – Dokumentacja Geograficzna, 1: 7-82; Polska Akademia NAUK, JPiGZ.
KREBETSCHEK, M. R. (1995): Lumineszenz-Datierung quartärer Sedimente Mittel-, Ost- und Nordostdeutschlands. - Diss. TU Bergakademie Freiberg, 120 S., Anlagen.
LIEDTKE, H. (1981): Die nordischen Vereisungen in Mitteleuropa. – 2. Auflage, 307 S., 1 Kt. (Forschungen z. deutschen Landeskunde, Bd. 204); Trier.
LÜTHGENS, C., KRBETSCHEK, M., BÖSE, M. & FUCHS, M.C. (2010). Optically stimulated luminescence dating of
fluvioglacial (sandur) sediments from north-eastern Germany. – Quaternary Geochronology 5: 237-243.
LÜTHGENS, C. & BÖSE, M. (2011): Chronology of Weichselian main ice marginal positions in north-eastern Germany. – E&G, Quaternary Science Journal, 60(2/3): 236-247.
LÜTTIG, G. (2005): Geschiebezählungen im westlichen Mecklenburg. – Archiv für Geschiebekunde, 4(9): 569-600; Greifswald.
MARKS, L. (2010): Timing of the Late Vistulian(Weichselian) glacial phases in Poland. – Quaternary Science Reviews (2010), doi:10.1016/j.quascirev.2010.08.008.
REIMER, J. P., BAILLIE, M. G. L., BARD, E., BAYLISS, A., BECK, J. W., BERTRAND, C. J. H., BLACKWELL, P. G., BUCK, C. E., BURR, G. S., CUTTER, K. B., DAMEN, P. E., EDWARDS, R. L., FAIRBANKS, R. G., FRIEDRICH, M.; GUILDERSON, T. P., HOGG, A. G., HUGHEN, K. A., KROMER, B., McCORMAC, G., MANNIG, S., RAMSEY, C. B., REIMER, R., REMMELE, S., SOUTHON, J. R., STUIVER, M., TALAMO, S., TAYLOR, F. W., van der PFLICHT, J. & WEYHENMEYER, C. E. (2004): INTCAL04 Terrestrial Radiocarbon Age Calibration, 0-26 Cal KYR BP. – Radiocarbon, vol. 46(3): 1029-1058.
RÜHBERG, N., v. BÜLOW, W., MÜLLER, U., KRIENKE, H.-D., BREMER, F. & DANN, T. (1995): Mecklenburg-Vorpommern. – In: BENDA, L. (Hrsg.): Das Quartär Deutschlands, S. 95-115; Berlin (Gebr. Borntraeger).
SCHULZ, W. (1967): Abriß der Quartärstratigraphie Mecklenburgs. – Arch. Fr. Naturgesch. Mecklbg., XIII: 99-119; Rostock.
STRAHL, J., KEDING, E., STEINICH, G., FRENZEL, P. & STRAHL, U. (1994): Eine Neubearbeitung der eem- und frühweichselzeitlichen Abfolge am Klein Klütz Höved, Mecklenburger Bucht. – Eiszeitalter und Gegenwart, 44: 62-79.
WOLDSTEDT, P. (1926): Die großen Endmoränenzüge Norddeutschlands. – Z. Dt. Geol. Ges., 77 (für 1925): 172-184, 1 Kt.
Autor des Datenblattes: Hans-Jürgen Stephan; Ulrich Müller
Erstellt am: 28.03.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 11.05.2007
Änderung Datensatz: 02.01.2012

Anzahl Litho alt: 5

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Litholex Recherche vom 22.07.2017, 14:53:08.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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