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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Haseltal-Formation
ID: 1000025
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: LGRB (2011), ELLWANGER, D., WIELANDT-SCHUSTER, U., FRANZ, M. & SIMON, T. (2011)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Sedimente des Wallis-Gletschers [Hochrhein], Untergruppe
Chronostratigraphie: Mittelpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: für die Fazieseinheit „Klettgau-Sediment“: Klettgau-Seesedimente (LGRB 2004), Klettgau-Löss (PENCK 1896).
Lithologie: Die Haseltal-Formation (qHS) umfasst alle Vorkommen glazialer, proglazialer und lakustriner Sedimente des Wallis-Gletschers (Rhone-Gletschers) im Gebiet nördlich des Hochrheins. Lithologisch handelt es sich um glaziale Diamikte, Schotter und Sande, sowie um laminierte und massige Feinsedimente, in die stellenweise lokale Diamikte eingeschaltet sind. Provenienz: v. a. in Schmelzwasser-Ablagerungen sind Rhonegletscher-Sedimente vermischt oder verzahnt mit jenen des Rheingletschers.
1. Die Subformation „Haseltal-Beckensediment“ (qHSb) bezieht sich auf die Sedimentfüllung kleiner subglazialer Becken im Bereich der Südabdachung des Schwarzwalds im Raum Bad Säckingen. Referenz: Bohrung LGRB 8413/627 (Schluchseewerk AUD41) im Haseltal-Becken sowie weitere Bohrungen (Genehmigung zur Publikation der Schluchseewerk AG vom 23.08.2011, Anlage 1; siehe auch BECKER & ANGELSTEIN 2004). Die Abfolge ist zweigeteilt: unten alpine Sedimente, oben lokale Umlagerungssedimente. An der Basis der unteren Sequenz sind glaziale Diamikte des Rhonegletschers erbohrt. Darüber folgen helle kalkige Feinsedimente des Rhonegletschers, nach oben zunehmend mit Einschaltungen lokaler Provenienz (rote permische Klastika). Am Top der alpinen Sequenz gelegentlich Torfe. Die darüber folgenden lokalen Umlagerungssedimente bestehen aus wechselnd groben Diamikten aus permischen Rotsandsteinen, die lagenweise mehr oder weniger pedogen überprägt sind.
2. Die Birndorf-Subformation (qHSB) bezieht sich auf die verschiedenen glazialen und proglazialen Ablagerungen des Rhonegletschers, die am Südhang des Schwarzwaldes, z.B. als Kamesterrassen, erhalten sind. Sie bestehen aus alpinen Kiesen, Sanden, Diamikten und Feinsedimenten. Referenz ist das Vorkommen am Kapellenhügel Birndorf (GROSCHOPF & SAWATZKI 1989).
3. Die Fazieseinheit „Klettgau-Sediment“ (qKLS, Fazieskörper, alt: Klettgau-Seesedimente, Klettgau-Löss (PENCK 1896)) bezieht sich auf die glaziolakustrinen Eisstausee-Sedimente, die im Klettgauer Tal zwischen dem Rheingletscher bei Schaffhausen und dem Rhonegletscher bei Waldshut (Lauchringen) abgelagert wurden. Es handelt sich um laminierte bis massige, gelegentlich deformierte Feinsedimente. Referenz: Aufschluss in der Kiesgrube Reiherwald (VERDERBER 2003, Abb. 11), sowie die Bohrungen LGRB 8316/118 und LGRB 8316/112 (BAUSCH & SCHOBER 1997, HGK 1992).
Nicht inkludiert in die Haseltal-Formation sind die fluvialen Sedimente der großen (Hoch- und Nieder-) Terrassen des Hochrheintals (periglaziales Milieu, Rheingletscher-Terrassenschotter-Formation, LGRB 2011).
Untergeordnete Einheit: Subformation: Haseltal-Beckensediment (qHSb), Birndorf-Sfm (qHSB)
Fazieskörper (der Haseltal-Beckensediment-Sfm): Klettgau-Sediment (qKLS)
Liegendgrenze: Liegendgrenze der Haseltal-Fm ist
• im Bereich der Haseltal-Beckensedimente die D3-Hauptdiskontinuität im Sinne der Dietmanns-Fm Oberschwabens (subglaziale Erosionsfläche, Referenz im Haseltal-Becken: Bohrung LGRB BO 8413/627 (Schluchseewerk AUD41) bei 80,00 m);
• im Bereich der Birndorf-Sfm die Auflagerungsfläche der alpinen Lockersedimente auf dem Grundgebirge, dem Perm des Nordschweizer Beckens bzw. nach Osten dem Mesozoikum des Schichtstufenlandes;
• im Bereich der Klettgau-Sedimente die Basis der lakustrinen Sedimente (Feinsedimente oder glaziolakustrine Diamikte bis Schotter). Im Liegenden meist Sedimente der Rheingletscher-Hochterrassenschotter-Sfm.
Hangendgrenze: Die Haseltal-Fm reicht entweder bis an die Geländeoberfläche oder wird durch äolische Deckschichten und/oder Umlagerungssedimente überdeckt.
Mittlere Mächtigkeit: 20-40 m
Maximale Mächtigkeit: Im Haseltal-Becken über 50 m (mit Umlagerungssedimenten bis 100 m).
Birndorf-Sfm und Klettgau-Sediment ca. 20 m
Typusprofile, etc.: Haseltal-Formation und Haseltal-Beckensedimente: Bohrung LGRB 8413/627 Schluchseewerk AUD41, R 3419805.3 H 5271399 im Haseltal-Becken;
Birndorf-Subformation: Kapellenhügel Birndorf, Sandgrube R 3434830 H 5276300
Klettgau-Sediment: Kiesgrube Reiherwald (VERDERBER 2003, Abb. 11) sowie die Bohrungen LGRB 8316/118 Grundwasserbohrung Klettgaurinne, R 3456055 H 5277425 und LGRB 8316/112 Schafacker Grießen, R 3454810 H 5276500.
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwarzwald
Verbreitung (Ergänzung): Die Haseltal-Formation ist lückenhaft mit wechselnden Mächtigkeiten im Bereich der Südabdachung des Schwarzwaldes bis zur Landesgrenze am Hochrhein, sowie im Klettgau und am Randen verbreitet.
Zeitgleiche Einheiten: Oberrheingraben: Balgau-Sfm (Breisgau-Fm) bis Neuenburg-Fm, Ortenau-Fm, Ludwigshafen-Fm, Viernheim Fm und Mannheim-Fm (ELLWANGER et al. 2003, ELLWANGER et al. 2011 sowie LithoLex);
Hochrheintal: Rheingletscher-Hochterrassen-Sfm (LGRB 2011);
Schwarzwald: Ältere Schwarzwald-Glazialsedimente (LGRB 2011);
Alpenvorland: Dietmanns-Fm bis Illmensee-Fm (GEYER et al. 2011);
Die Korrelation beruht auf Zeitmarken und der klimaeventstratigraphischen Interpretation der Einheiten (ELLWANGER et al. 2003).
Alterseinstufung: Biostratigraphie: in der Pollenanalyse der Torfe am Top der alpinen Sedimente in der Bohrung LGRB 8413/627 (Schluchseewerk AUD41, det. HAHNE) deutet sich der Beginn der Holstein-Warmzeit an (Anlage 1).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Mitautoren des Datenblatts: ELLWANGER, D. & HAHNE, J.
Literatur: BAUSCH, W. & SCHOBER, T. (1997): Geologische Karte von Baden-Württemberg 1:25 000 - Erläuterungen zum Blatt 8316 / 8416 Klettgau / Hohentengen am Hochrhein. – Geologisches Landesamt Baden-Württemberg, 287 S.
BECKER, A. & ANGELSTEIN, S. (2004): Rand- und subglaziale Rinnen in den Vorbergen des Süd-Schwarzwaldes bei Bad Säckingen, Hochrhein. – Eiszeitalter und Gegenwart, 54: 1-19.
ELLWANGER, D. (2003), unter Mitarbeit von NEEB, I. & LÄMMERMANN-BARTHEL, J.: Eine landschaftsübergreifende Lockergesteinsgliederung vom Alpenrand zum Oberrhein. – In: SCHIRMER, W. (ed.): Landschaftsgeschichte im europäischen Rheinland. – GeoArchaeoRhein, 4: 81–124; Münster.
ELLWANGER, D., GABRIEL, G., HOSELMANN, C., SIMON, T., WEIDENFELLER, M. & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2010): Mannheim-Formation – In: LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR Last updated 03.11.2010. Record No. 1000011. Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex
ELLWANGER, D., NITSCH, E. SIMON, T., WIELANDT-SCHUSTER, U. & WIRSING, G. (2011): Neuenburg-Formation – In: LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR Last updated 08.06.2011. Record No. 1000020. Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex
ELLWANGER, D. & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2011): Ortenau-Formation – In: LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR Last updated 08.06.2011. Record No. 1000022. Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex
ELLWANGER, D., WIELANDT-SCHUSTER, U., FRANZ, M. & SIMON, T. (2011): The Quaternary oft the southwest German alpine foreland (Bodensee-Oberschwaben, Baden-Württemberg, Southwest Germany). – Quaternary Science Journal (Eiszeitalter u. Gegenwart), 60/2-3: 306-328; Greifswald.
GEYER, M., NITSCH, E. & SIMON, T. (2011): Geologie von Baden-Württemberg, begründet von O.F. GEYER & M.P. GWINNER, 627 S., Stuttgart (Schweizerbart).
GROSCHOPF, R. & SAWATZKI, G. (1989): Quartär und Grundgebirge im zentralen Hotzenwald (Exkursion E am 30.März 1989). – Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N.F.71: 85-109, Stuttgart.
HGK (1992): Hydrogeologische Karte von Baden-Württemberg 1:50 000 Klettgau. 12 Karten/Beilagen mit Erläuterungen. – Geol. L.-Amt Baden-Württ., L.-Anst. f. Umweltschutz Baden-Württ., 70 S.; Freiburg, Karlsruhe.
HOSELMANN, C., ELLWANGER, D., GABRIEL, G., WEIDENFELLER, M., & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2010): Viernheim-Formation – In: LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR Last updated 02.11.2010. Record No. 1000012. Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex
LGRB (2004): Symbolschlüssel Geologie – Verzeichnis Geologischer Einheiten - Aktualisierte Ausgabe.
LGRB (2011): Symbolschlüssel Geologie – Verzeichnis Geologischer Einheiten - Aktualisierte Ausgabe. - Internet-Publ.: http://www.lgrb.uni-freiburg.de.
PENCK, A. (1896): Die Glazialbildungen um Schaffhausen. – In NUESCH, J. (Hrsg.) Das Schweizerbild. Neue Denkschriften der allgemeinen schweizerischen Gesellschaft für die gesamten Naturwissenschaften, 35: 156-179, Zürich.
VERDERBER, R. (2003): Quartärgeologie im Hochrheingebiet zwischen Schaffhausen und Basel. Z. dt. geol. Ges., 154: 369–406; Stuttgart.
WEIDENFELLER, M., ELLWANGER, D., GABRIEL, G., HOSELMANN, C. & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2010): Ludwigshafen-Formation – In: LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR Last updated 02.11.2010. Record No. 1000012. Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex
Autor des Datenblattes: Wielandt-Schuster, Ulrike
Erstellt am: 13.12.2011
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 24.11.2011
Änderung Datensatz: 26.02.2013


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Litholex Recherche vom 23.07.2017, 14:47:41.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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