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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Ortenau-Formation
ID: 1000022
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: LGRB (2007)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Oberrheintal-Subgruppe
Chronostratigraphie: Quartär (Känozoikum)
Oberpliozän (Pliozän, Neogen, Känozoikum)
Synonyme: Unteres bis Oberes Kieslager (BARTZ 1982)
Lithologie: Die Ortenau-Formation ist definiert als Abfolge sandiger Kiese bis kiesiger Sande, die gelegentlich etwas steinig werden, aber auch reine Sandlagen enthalten können. Charakteristisch ist eine recht geringe Lithofazies-Differenzierung, eine weitergehende Gliederung erscheint daher nicht sinnvoll. Die monotone Abfolge tritt, soweit bisher bekannt, vor allem im zentralen Teil der Oberrheinebene auf.
Die Kiese stammen aus den Alpen, dem Schwarzwald und den Vogesen. Auf der Ostseite dominiert Material aus dem Schwarzwald, im Übrigen das alpine Herkunftsgebiet.
Im Schwermineralspektrum wird das alpine Einzugsgebiet durch die instabilen Schwerminerale Granat, Epidot, grüne Hornblende und Alterit abgebildet. Lokale Einzugsgebiete werden durch das stabile Spektrum mit Zirkon, TiO2-Minerale und Turmalin repräsentiert. Meist dominiert das alpine Spektrum (HAGEDORN 2004, HAGEDORN & BOENIGK 2008, HOSELMANN 2008).
Am westlichen und östlichen Rand der Sedimentfalle ist die Abfolge stärker differenziert, im Westen eher entsprechend der Gliederung des Nordgrabens, im Osten entsprechend jener des Südgrabens. Soweit möglich sollte eine dieser differenzierten Gliederungen verwendet werden. Nur wenn, wie oben beschrieben, an guten Bohrproben keines der beiden Muster in der Abfolge erkennbar ist, sollte als Ortenau-Fm eingestuft werden. Soweit lückenhafte oder gestörte Bohrproben oder -beschriebe eine Differenzierung nicht zulassen, sollte nicht in die Ortenau-Fm, sondern in die „Oberrheintal-Subgruppe“ eingestuft werden.
Untergeordnete Einheit: Nicht ausgliederbar; jedoch wird stellenweise aufgrund unterschiedlicher alter Deckschichten und unterschiedlich intensiver Bodenbildung am Top der Ortenau-Fm ein holozäner „Auenschotter der Ortenau-Fm“ abgegrenzt (KRAUSE 1997). Seine Untergrenze ist lithologisch nicht darstellbar.
Liegendgrenze: Die Basis der Ortenau-Fm verläuft diachron gegenüber der Iffezheim-Fm im Liegenden. Der Übergang wird markiert durch das Einsetzen erkennbar gröberer Sedimente und durch das alpine Sedimentsignal gegenüber den Lokalsedimenten der Iffezheim-Fm.
Hangendgrenze: Die Ortenau-Formation reicht entweder bis an die Geländeoberfläche oder wird durch spätglaziale Flugsande oder Löss überdeckt.
Mittlere Mächtigkeit: 50-100 m.
Maximale Mächtigkeit: Bei Kehl über 120 m (Bohrung Kehl-Marlen, BROST & ELLWANGER 1991).
Typusprofile, etc.: Bohrung Kehl-Marlen (BROST & ELLWANGER 1991); Bohrung Iffezheim (BLUDAU 1995, HAGEDORN 2004, WIRSING & LUZ 2007)
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Oberrheinisches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Die Ortenau-Formation ist flächenhaft mit wechselnden Mächtigkeiten im Bereich der Oberrheinebene im Oberrheingraben zwischen Lahr und Rastatt verbreitet (HGK 1978, WIRSING et al. 2007).
Zeitgleiche Einheiten: Oberrheingraben: südlich angrenzend die Breisgau-Fm und die Neuenburg-Fm, nördlich Viernheim-Fm, Ludwigshafen-Fm und Mannheim-Fm, zum Liegenden die Iffezheim-Fm.
Alpenvorland: Oberschwaben- und Hochrhein-Deckenschotter-Fm, Haseltal-Fm (teilw.), Dietmanns-Fm.
Mittel- und Niederrhein: Kieseloolith-Fm bis Mittel- und Niederterrassen des Rheins und seiner Nebenflüsse.
Die Korrelation beruht auf Zeitmarken und der klimaeventstratigraphischen Interpretation der Einheiten.
Alterseinstufung: Oberpliozän bis Quartär. Das nachgewiesene Alter der Untergrenze schwankt zwischen Oberpliozän und Bavelium. Maximalalter biostratigraphisch nach BOENIGK (1987) bei Sessenheim Reuverium (Unterpliozän); Minimalalter bio- und magnetostratigraphisch bei Kehl-Marlen Bavelium (det. BLUDAU, ROLF, vgl. BROST & ELLWANGER 1991).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Mitautor des Datenblatts sind: U. WIELANDT-SCHUSTER
Literatur: BARTZ, J. (1982), mit Beiträgen von van der BRELIE, G. und MAUS, H.: Quartär und Jungtertiär II im Oberrheingraben im Großraum Karlsruhe. - Geologisches Jahrbuch, A 63: 3-237.
BOENIGK, W. (1987): Petrographische Untersuchungen jungtertiärer und quartärer Sedimente am linken Oberrhein. – Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N.F., 69, 357-394; Stuttgart.
BROST, E. & ELLWANGER, D. (1991): Einige Ergebnisse neuerer geoelektrischer und stratigraphischer Untersuchungen im Gebiet zwischen Kaiserstuhl und Kehl. – Geol. Jb., E 48, 71-81; Hannover.
HAGEDORN, E.-M. (2004): Sedimentpetrographie und Lithofazies der jungtertiären und quartären Sedimente im Oberrheingebiet. – Inaugural-Dissertation, Geologisches Institut der Universität zu Köln: 248 pp.; (online-publication – URL: http://kups.ub.unikoeln.de/volltexte/2004/1253/).
HAGEDORN, E. & BOENIGK, W. (2008): New evidences of the Pliocene and Quaternary sedimentary and fluvial history in the Upper Rhine Graben on basis of heavy mineral analyses. – Netherlands Journal of Geosciences, 87(1): 19-30.
HOSELMANN, C. (2008): The research borehole at Viernheim (Heidelberg Basin). – Quaternary Science Journal (Eiszeitalter und Gegenwart), 57/3-4: 286-315.
HOSELMANN, C., ELLWANGER, D., GABRIEL, G., WEIDENFELLER, M., & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2010): Viernheim-Formation – In: LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR (in Vorbereitung).
KRAUSE, W. (1997): Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25000, Kt. 7214 Sinzheim, Freiburg.
HGK – Hydrogeologische Kartierung (1978): Hydrogeologische Karte von Baden-Württemberg, Oberrheingebiet Bereich Bühl – Offenburg mit Erläuterungen. – Geol. L.-Amt Baden-Württ., L.-Anst. f. Umweltschutz Baden-Württ., 68 S.; Freiburg, Karlsruhe.
LGRB (2007): Symbolschlüssel Geologie – Verzeichnis Geologischer Einheiten - Aktualisierte Ausgabe März 2007. - Internet-Publ.: http://www.lgrb.uni-freiburg.de.
WEIDENFELLER, M., ELLWANGER, D., GABRIEL, G., HOSELMANN, C. & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2010): Ludwigshafen-Formation – In: LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR (in Vorbereitung).
WIRSING, G., LUZ, A., ENGESSER, W. & KOCH, A. mit Gastautoren ELSASS, P. & PERRIN, J. (2007): Hochauflösende Reflexionsseismik auf dem Rhein und dem Rheinseitenkanal zwischen Mannheim und Rheinfelden. – LGRB-Fachbericht, 1/07, 60 S.; Freiburg.
WIRSING, G. & LUZ, A., unter Beteiligung von ELLWANGER, D., ENGESSER, W., GEERDS, P., HESS, M., KILGER, B., OHMERT, J., PLUM, H., SCHWARZ, M., STOBER, I. & WATZEL, R. (2007): Hydrogeologischer Bau und Aquifereigenschaften der Lockergesteine im Oberrheingraben (Baden-Württemberg). – LGRB-Informationen, 19, 130 S., Freiburg.
Autor des Datenblattes: Ellwanger, Dietrich
Erstellt am: 08.06.2011
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 12.05.2011
Änderung Datensatz: 08.06.2011


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Litholex Recherche vom 18.08.2017, 18:15:25.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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